Benno Sabath - Aus meinem Leben


[up] [1862 - 1888] [1888 - 1900] [1900 - 1939] [1939 - 1943]


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Abstract:

Benjamin (called Benno) Sabath was born on June 18th, 1862 in Zabor near Blatna, county of Pisek in Moravia, as son of rabbi Ludwig Sabath and Rosina Wedeles, who owned a small farm. He was brought up in three languages: czech, german and hebrew.

1874 he moved to Prag to attend school, which he finished with ÔÇťMaturaÔÇŁ in 1880. Studies of Maschinenbau on the k.k. Technischen Hochschule in Prag followed. He attended the liberal Concordia fraternity. In the years of cancellor Taffee and the upcoming nationalism and antisemitism jews were disclosed from fraternites, Concordia was closed.

1885 he joined the Marine (Navy) and moved to Pola (Italy, today Pula, Croatia) to work on the ÔÇťNovaraÔÇŁ..


1. Teil

Aus meinem Leben

Den 18.Juni 1862 bin ich als viertes Kind meiner Eltern in Zabor bei Blatna, Kreis Pisek, einem rein cechischen Dorfe in S├╝db├Âhmen, zur Welt gekommen. Meine ├Ąlteren Geschwister waren Moritz, Isak und ein M├Ądchen, das schon im zartesten Kindesalter starb. - Nach mir kamen noch zur Welt zwei M├Ądchen, die auch bald nach der Geburt starben, dann Rudolf und Alfred.

Mein Vater, Ludwig Sabath , war in erster Ehe mit einer geb.Stern verheiratet und stammten aus dieser Ehe: 1.) Jakob, den ich gar nicht kannte, da er nach Amerika ausgewandert war und dort starb, 2.) Siegmund, der die Mathilde Senders heiratete und in Prag seinen Wohnsitz nahm, 3.) Gottlieb, dieser heiratete eine Glattauer und lebte auch in Prag, 4.) Rosalia, 5.) Eva, diese heiratete Carl Josef Graf in Prag, starb jedoch bald darauf, worauf meine Schwester Rosalia den Witwer heiratete und auch weiter mit ihm in Prag lebte, 6.) Ignaz, der nach Amerika auswanderte, lange verschollen blieb und einige Zeit nach der Weltausstellung in Philadelphia (1877) zur├╝ckkehrte, nach Berlin ging, dort heiratete und bald darauf starb.

In zweiter Ehe heiratete mein Vater meine Mutter Rosina Wedeles aus Rokitzan.

Mein Vater war seinem Berufe nach vorwiegend ein gro├čer j├╝discher Gelehrter u.zw. Rabbiner, Kantor, Sch├Ąchter und Mohl (Beschneider). So sehr er in diesen Berufen, die materiell wenig eintrugen, t├╝chtig war, so wenig war er, wie meine Mutter mitteilte, in praktischen Sachen erfahren, die ganze Last der H├Ąuslichkeit, die Sorge f├╝r die Kinder, ruhte auf den Schultern der Mutter.

Wohl hatte mein Vater in seiner ersten Ehe eine Stelle als Buchhalter in Hartmanitz in einer Glash├╝tte, doch vermute ich, da├č er dies als Nebenberuf ansah, seine Hauptbesch├Ąftigung war doch die Wissenschaft und Gelehrsamkeit, besonders das j├╝dische Wissen. Da mein Vater damals in Kundratitz bei Sch├╝ttenhofen wohnte, bin ich auch in diesen Ort zust├Ąndig.

In zweiter Ehe heiratete mein Vater meine Mutter im Jahre 1857 und wohnte zuerst in Strakonitz, wo mein Bruder Moritz 1858 geboren wurde, dann in Raby bei Horazdowitz, wo Isak 1860 geboren wurde, und ├╝bersiedelte dann nach Zabor, wo ich 1862, Rudolf 1867 und Alfred 1869 zur Welt kamen.

Als Kinder hatten wir im Dorfleben wenig Abwechslung. Wir verkehrten nur mit Bauernburschen, weideten die K├╝he, halfen, soweit es unsere Kr├Ąfte erlaubten, bei der Landwirtschaft mit.

Meine Eltern waren, so weit es der landl├Ąufige Antisemitismus gestattete, im Dorfe beliebt, da sie die Waren auf Borg verkauften und h├Ąufig die Schulden nur im Gerichtswege eintreiben konnten, aber sie waren mildt├Ątig und halfen den Ortsarmen aus mancher Verlegenheit.

Die Kinderjahre verliefen eint├Ânig. In meinem f├╝nften Lebensjahr (ich erinnere mich genau), fuhren die Mutter, meine beiden ├Ąlteren Br├╝der und ich auf einem Leiterwagen zum Besuche meiner schwer erkrankten Gro├čmutter nach Wolduch bei Rokitzan, wo sie beim Bruder meiner Mutter, Israel L├Âb Wedeles, wohnte. Bei dieser Gelegenheit machten wir auch Besuche bei den anderen Geschwistern meiner Mutter: Hermann Wedeles in Osek und Wolfgang Wedeles in Litohlav. Schlie├člich besichtigten wir auch das Eisenwerk in Klabava. Dieses machte einen ungeheueren Eindruck auf meine jugendliche Fantasie.

Kurze Zeit nach unserer R├╝ckkehr nach Zabor starb meine Gro├čmutter (die einzige von den Gro├čeltern, die ich kannte). Mein Vater fuhr zum Begr├Ąbnis.

Noch vor Eintritt in die Volksschule hatte mein Vater mir ein gr├Â├čeres Wissen in der j├╝dischen Literatur beigebracht, besonders in der Kenntnis der hebr├Ąischen Sprache, die wir schon als vorschulpflichtige Kinder in Wort und Schrift beherrschten. Eine ausgesprochene Muttersprache hatten wir nicht, da wir deutsch und cechisch gleichm├Ą├čig beherrschten und beide Sprachen in unserem Hause gesprochen wurden. Mit den Ortsinsassen sprachen wir nat├╝rlich nur cechisch.

Im Dorfe besa├čen wir nur eine dreiklassige nat├╝rlich cechische Volksschule. Als ich 1868 in die Schule eintrat, bestand noch das Konkordat, der Pfarrer besa├č einen gro├čen Einflu├č auf die religi├Âse Erziehung der Sch├╝ler. Vor und nach dem Unterricht wurde das Vater Unser gebetet, der Pfarrer inspizierte flei├čig. Bei der Unterredung mit dem Lehrer bediente er sich meist der deutschen Sprache. Meinen Mitsch├╝lern mu├čte ich nachher immer mitteilen, wor├╝ber sie sich unterhalten hatten. Im ├╝brigen mu├č ich bekunden, da├č die Bauern einen besonderen Stolz darauf legten zu zeigen, da├č auch sie deutsch verst├╝nden oder gar spr├Ąchen, sie radebrechten flei├čig das Deutsche.

In meinem vierten Lebensjahr (1866) gab es im Dorf gro├če Krawalle, als die Preu├čen einen Teil B├Âhmens besetzt hielten. Diese Krawalle waren mehr deutschfeindlich und richteten sich gegen uns als die ÔÇ×Tr├Ąger des DeutschtumsÔÇť. Fensterscheiben wurden eingeschlagen, das Gesch├Ąftslokal gepl├╝ndert. Doch mein Vater erholte sich wieder von diesem Ungemach.

So kam mein 12tes Lebensjahr, ich war noch immer in der dritten Dorfschulklasse. Im Fr├╝hjahr 1874 kam ich an die cechische B├╝rgerschule in der cca. 6 km entfernten Bezirksstadt Blatna. Nach 3 bis 4 monatigem Studium in dieser Schule bekam ich ein nicht ung├╝nstiges Zeugnis ├╝ber die Absolvierung der ersten B├╝rgerschulklasse. Mit diesem Zeugnis ausgestattet, wurde ich im Herbst 1874 nach Prag geschickt, wo meine beiden ├Ąlteren Br├╝der schon ein Jahr in der Piaristenb├╝rgerschule und ein Jahr in der zweiten Realschulklasse auf der Kleinseite (Insel Kampa) gelernt hatten. Mit meinen ungen├╝genden Kenntnissen unterzog ich mich der Aufnahmspr├╝fung f├╝r die zweite Realschulklasse auf der Insel Kampa, konnte aber nicht reussieren, da mir auch die Kenntnis des Franz├Âsischen mangelte, was damals schon in der ersten Klasse gelehrt wurde. Ich wandte mich sodann an die Piaristen und wurde f├╝r die zweite B├╝rgerschulklasse approbiert.

Meine beiden Br├╝der und ich wohnten auf einem Kabinett bei einem Herrn Neumann in der Zigeunergasse No.1. Damals bestand noch die alte Josefs-(Juden-)Stadt, die anfangs der Neunzigerjahre demoliert und durch einen ganz neu aufgebauten Stadtteil ersetzt wurde. Es war dies ein uraltes Haus mit finsterem Stiegenhaus; das Kabinett war ebenfalls finster, da das Fenster auf einen Lichthof m├╝ndete.

In diesem Hause machte ich die erste Bekanntschaft mit Ungeziefer (Schwaben, Wanzen, etc.), das unausrottbar war. In der K├╝che, wo wir Wasser zum Waschen aus einem Schaff holten (eine Wasserleitung gab es nicht), wimmelte es von Schwaben, die zu Dutzenden ertrunken auch im Schaff herumschwammen.

Die Wohnung bestand aus einer finsteren K├╝che, einem sehr gro├čen quadratischen Zimmer mit zwei Fenstern auf die Gasse, einem lichten Kabinett und unserem Lichthofkabinett. Wir mu├čten also, um in unseren Wohnraum zu gelangen, alle anderen R├Ąume durchschreiten.

Der Inhaber der Wohnung, Herr Neumann, war ├╝ber 70 Jahre alt, Witwer, seines Zeichens ÔÇ×MinjenmannÔÇť, d.h. er ging zu allen gottesdienstlichen Verrichtungen in die genau vis-à-vis liegende Neuschule, ein uraltes etwas bauf├Ąlliges Gotteshaus, das bei der sp├Ąteren Regulierung der Judenstadt demoliert wurde.

Seine Tochter Karoline war eine sehr geschickte und stark besch├Ąftigte W├Ąschepl├Ątterin und arbeitete in dem gro├čen Zimmer. Dieses diente auch als Schlafraum f├╝r Herrn Neumann, seine Tochter und einen Enkel aus Jungbunzlau, der mein Schulkollege in der Piaristenschule war.

In dem lichten Kabinett schlief ein Herr Deutsch, Zollbeamter auf der Hauptpost in der Bredauergasse, zka. 60 Jahre alt, und zeitweilig ein Verwandter des Herrn Neumann namens Hofmann, der viel auf Reisen war und, wie uns schien, mit Frl.Karoline verlobt. K├Âchin und W├Ąscherin in einer Person war Fanny, die in der K├╝che schlief, wo auch ihr Lebensgef├Ąhrte, den wir ÔÇ×Pane MatesÔÇť nannten, sein Lager hatte.

Wir zahlten f├╝r Quartier und Fr├╝hst├╝ck ein m├Ą├čiges Entgelt. Mittagessen hatten wir zum Teil beim Freitischverein (in der Langegasse bei Hr.Kauders), zum Teil bei Privaten. Abends verk├Âstigten wir uns selbst, soweit unsere Mittel reichten.

Um Licht und Kohlen zu sparen, machten wir unsere Aufgaben in dem gro├čen Zimmer, das abends alle Bewohner vereinigte. Herr Neumann lie├č sich von uns das ÔÇ×Prager AbendblattÔÇť vorlesen, Herr Deutsch erz├Ąhlte seine Erlebnisse auf dem Postamt und trank dazu seinen Mocca, daneben spielten wir mit dem alten Herrn ÔÇ×DamenbrettÔÇť, in dem wir es zur Meisterschaft brachten.

Im ersten Quartal zu Weihnachten 1874 bekam ich ein schlechtes Zeugnis, zumeist ÔÇ×3ÔÇť und in Geographie ÔÇ×4ÔÇť, weil ich einen Flu├č in Griechenland, den Vasilipotamos, nicht nennen konnte. Die beiden anderen Zeugnisse waren schon besser, das Schlu├čzeugnis der zweiten Klasse sogar gut.

Au├čerhalb des normalen Schulbesuches gingen wir noch in die ÔÇ×Talmud ThoraÔÇť Schule, wo wir uns mit Bibelforschung befa├čten, und bei Herrn Klemperer vertieften wir uns in das Studium des Talmud.

Eines Morgens im Winter 74/75 wurden wir j├Ąhlings aus dem Schlaf geweckt. Herr Deutsch, der sonst zeitlich aufstand, da er schon um 6 Uhr fr├╝h im Amt sein mu├čte, wurde tot im Bette gefunden. Ich mu├čte eilends aufs Postamt dies melden, damit ein Ersatz f├╝r ihn einspringe.

Herr Hofmann machte mit Frl.Karoline nicht ernst. Das Verh├Ąltnis blieb nicht ohne Folgen, diese wurden jedoch heimlich beseitigt und seit dieser Zeit war Herr Hofmann verschollen. F├╝r uns halbw├╝chsige Burschen war dies ein Ereignis, doch sprachen wir weiter kein Wort dar├╝ber. Nach ihrer Genesung war Frl.Karoline, die unserer Sch├Ątzung nach schon nahe an die Vierzig war, mi├čgestimmt, still und nachdenklich.

An meinem 13. Geburtstage nach Pfingsten 1875 hatte ich meine Konfirmation. Pate war mein Onkel Eduard Sabath, ein wohlwollender Mann, in dessen Haus wir viel verkehrten und der uns Neffen unterst├╝tzte. Ich erhielt einen sch├Ânen Sammtanzug, in dem ich mich sehen lassen konnte, daneben noch andere Geschenke und eine Einladung zum Mittagstisch.

In dieser Zeit erhielten wir eine sehr traurige Nachricht von unseren Eltern. Unser Haus in Zabor war niedergebrannt. Am zweiten Pfingsttage war ├╝ber dem Orte ein heftiges Gewitter niedergegangen, der Blitz schlug in den neben dem Hause am Ufer des Teiches stehenden Weidenbaum, spaltete ihn und z├╝ndete das mit Stroh gedeckte Haus.

Es wurde soviel wie nichts gerettet, da sich das Feuer rasch verbreitete. Meine Eltern und j├╝ngeren Geschwister bezogen einen Teil eines Hauses in der Nachbarschaft und trafen Vorbereitungen f├╝r den Wiederaufbau, der im n├Ąchsten Sommer, 1876, mit Unterst├╝tzung der Gutsherrschaft, die Bauholz und Ziegel kostenlos beistellte, erfolgte. Leider war die Berliner Versicherungsgesellschaft ÔÇ×VictoriaÔÇť, bei der das Haus versichert war, zur selben Zeit niedergebrochen, so da├č die Versicherungssumme nicht zur Auszahlung gelangte.

Meine Eltern waren durch diesen Ungl├╝cksfall sehr hart getroffen. Mein Vater, der sehr gottergeben war, tr├Âstete, es sei eine Pr├╝fung Gottes und da├č wir uns mit seiner Hilfe wieder aufrichten werden.

Am 15. Juli fuhren meine Br├╝der auf Ferien nach Hause, ich mu├čte noch bis 31.Juli in Prag bleiben, da in der Piaristenschule erst an diesem Tag Schulschlu├č war.

Endlich sah ich nach fast einj├Ąhriger Abwesenheit meine Eltern wieder. Ich hatte den Eindruck, da├č sie in dem einen Jahr stark gealtert waren.

Wir waren trotz des Mi├čgeschickes, das die Eltern betroffen hatte, vergn├╝gt, sprangen ├╝ber Wiesen und Felder, halfen bei der Landwirtschaft mit, weideten die K├╝he, kurz, wir hatten Abwechslung nach dem harten Studienjahr.

Ich lernte aber nach der Grammatik vom Pl├Âtz Franz├Âsisch, da ich nicht weiter die B├╝rgerschule besuchen, sondern die Aufnahmspr├╝fung in die dritte Realschulklasse machen wollte. So gingen die Ferien zu Ende und wir reisten Mitte September 1875 zu dritt wieder nach Prag. Wir suchten uns ein anderes Quartier und fanden ein entsprechendes sehr gro├čes Zimmer in der Karlsgasse bei einem Redakteur der ÔÇ×BohemiaÔÇť, Herrn Walter.

Die Aufnahmspr├╝fung bestand ich mit Erfolg und kam somit in die dritte Klasse der 2ten deutschen Staatsoberrealschule auf der Insel Kampa. Meine Br├╝der waren unterdessen in die vierte Klasse derselben Schule aufgestiegen.

Das Zimmer, das ganz separiert lag, bewohnten wir zusammen mit einem ├Ąlteren Herrn, der Macak hie├č und ein Sonderling war. Nach seiner Aussage (er sprach sehr viel mit uns) lag er mit den ÔÇ×├ärzten, Doktoren und ProfessorenÔÇť in ewigem Streit, er behauptete mit Faust, da├č sie nichts verstehen, Ignoranten sind. Er hatte n├Ąmlich angeblich das Geheimnis erforscht, das Geschlecht des Kindes noch vor der Geburt vorauszusagen. Wir h├Ârten ihn stets ruhig an, wenngleich wir skeptisch waren. - In der cechischen Presse wurde er feuilletonistisch behandelt. Erst vor wenigen Jahren las ich einen Artikel in der cechischen Zeitung ÔÇ×Narodni listyÔÇť, in welchem Erinnerungen an Altprag verzeichnet wurden, darunter des Sonderlings Macak gedacht wurde.

Die Schule machte mir wenig Schwierigkeiten. Am wenigsten Erfolg hatte ich in der deutschen Sprache (nur befriedigend), in Freihandzeichnen und Turnen (gen├╝gend). Nichtsdestoweniger war ich im ersten Semester 1875/76 unter 59 Sch├╝lern der zweite, im zweiten Semester der f├╝nfte. Meinen Rang als zweiter bis sechster behauptete ich bis zur f├╝nften Klasse. In der sechsten Klasse gelang es mir, den Primus zu ÔÇ×werfenÔÇť. Ich wurde selbst der Primus und das blieb ich bis zum Schlu├č des Realschulstudiums in der siebenten Klasse.

Als meine j├╝ngeren Br├╝der das zehnte Lebensjahr erreicht hatten, wurden sie von uns ebenfalls nach Prag gebracht und wir bewohnten alle 5 gemeinsam mit Herrn Macak das gro├če Zimmer in der Karlsgasse. Mein ├Ąltester Bruder Moritz bezog nach Absolvierung der vierten Realschulklasse die Prager Handelsakademie, wo er ein vorz├╝glicher Sch├╝ler war, Isak war stets einen Jahrgang vor mir, auch ein sehr guter Sch├╝ler, Rudolf besuchte das Realgymnasium in Smichow und Alfred das Gymnasium am Graben.

Mit der Zeit brauchte mein Vater keinen Zuschu├č mehr an uns zu leisten, da wir drei ├Ąlteren S├Âhne durch Stundengeben den Lebensunterhalt f├╝r uns und die j├╝ngeren Geschwister verdienten, vom Schulgeld waren wir befreit, daneben bl├╝hte uns der Freitischverein und Privatkosttage. Wir lebten sehr vergn├╝gt und fuhren allj├Ąhrlich zu den gro├čen Ferien nach Zabor, wo wir nach unseren bescheidenen Anschauungen genug Abwechslung hatten.

An dieser Stelle mu├č ich meines edlen G├Ânners und Wohlt├Ąters, des Herrn Schuldirektors Karl von Ott erw├Ąhnen, der mich sehr protegierte und mir gute Stunden bei minder begabten Mitsch├╝lern zuwies, so da├č ich durchschnittlich 50 fl, d.i. 100 Kronen monatlich verdiente. Herr von Ott blieb mir auch nach Beendigung meiner Realschulstudien gewogen, ich verkehrte in seinem Hause, da ich einen Schulkameraden, Willigk, der in seinem Hause wohnte und auch sp├Ąter seine Tochter heiratete, unterrichtete. Die Frau Direktor war eine stattliche liebensw├╝rdige Dame mit einem Maria Theresien-Kopf, mit der ich mich auch bestens unterhielt. Sp├Ąter, als ich in der k.u.k.Kriegsmarine als Ingenieur t├Ątig war, kam ich allj├Ąhrlich mindestens einmal auf Urlaub nach Prag, wohin meine Eltern mittlerweile ├╝bersiedelt waren, dabei besuchte ich stets die Familie des Direktors. Dieser lie├č es sich nicht nehmen, den Besuch im Hause meiner Eltern zu erwidern.

Als ich 1879 die sechste Klasse nahezu beendet hatte, knapp vor den Ferien, traf mich ein schwerer Unfall, an dem ich mein Leben lang zu tragen habe. Beim Turnen ├╝bten wir ÔÇ×HochsprungÔÇť, indem vor dem Sprungbrett 2 Handringe h├Ąngten, vor denen die Schnur ├╝ber den zwei seitlichen St├Ąndern gespannt war. Eigentlich sollte sie nur durch die an den Enden der Schnur angebrachten nicht schweren Bauschen aus Stoff gespannt sein, bei denen zwei Mitsch├╝ler standen, die bei einem Fehlsprung nachzulassen hatten. Wir sprangen ├╝ber die Schnur, die immer h├Âher gelegt wurde. In einer gewissen H├Âhenlage konnte ich nicht mehr ├╝ber die Schnur sondern trat auf dieselbe, die seitlich stehenden Mitsch├╝ler hielten aber die Schnur fest, so da├č einer der St├Ąnder umfiel und mir direkt aufs Auge. Gro├če Aufregung, der Turnlehrer Recke wusch mir das blutende rechte Auge, verband es und lie├č mich mit einem Fiaker in Begleitung eines Mitsch├╝lers ins Krankenhaus (Studentenabteilung) schaffen. Der Augenarzt Dr.Bayer erschien bald nachher und konstatierte mehrere Risse am Oberlid, w├Ąhrend das Auge anscheinend nicht verletzt war. Er n├Ąhte die Risse mit Seidenfaden zu und nahm mich in weitere Behandlung, die zka. 6 Wochen dauerte. Mittlerweile waren die Schulferien herangekommen, meine Br├╝der fuhren nach Zabor, ich blieb noch in Prag, und fuhr erst Ende Juli mit verbundenem Auge nach Hause. Dieses Jahr hatte ich also nur 6 Wochen Ferien.

Die beiden Lider blieben bis auf den heutigen Tag ger├Âtet, am oberen Lid sieht man noch die Narben, aber die Sehsch├Ąrfe hat eine ├änderung erfahren: das rechte Auge ist weitsichtig, das linke kurzsichtig. Deshalb trage ich bis heute keine Brille, und alle Augen├Ąrzte, die ich zu Rate gezogen habe, best├Ątigten mir, da├č ich gar kein Augenglas ben├Âtigen werde.

Septima! Das letzte Jahr der Realschule! Wie sch├Ân war dieses Jahr, wenig Sorgen, ich lebte nach meinen Begriffen im ├ťberflu├č, hatte einige Mitsch├╝ler gleichzeitig als meine Sch├╝ler, brauchte zu Hause nichts zu lernen, da ich alles mit meinen Sch├╝lern wiederk├Ąute. Daneben flei├čig Theaterbesuche um den Betrag von 10 kr = 20 Heller. Durch den Hausmeister des deutschen Landestheaters kamen wir auf die letzte Galerie und wenn wir Gl├╝ck hatten, in die erste Reihe auf einen Sitzplatz.

Die Septimaner bereiten sich schon f├╝r das Hochschulstudium vor, indem sie Kneipen veranstalten, viel Tabak und Alkohol konsumieren, nat├╝rlich alles im Geheimen, wodurch aber alles umso besser schmeckt. Eine von Professoren ausgehobene Kneipgesellschaft kann leicht zu einer verdienten Karzerstrafe f├╝hren.

Auch wir Septimaner ├╝bten uns schon, sangen das ÔÇ×GaudeamusÔÇť und alle bekannten Kneiplieder. Wir w├Ąhlten hiezu die Umgebung von Prag. Wir bildeten unter uns eine Verbindung, eine sogenannte ÔÇ×BlaseÔÇť, und nannten sie nach unseren Vorg├Ąngern in der Septima ÔÇ×CampiaÔÇť.

Ich besonders hatte ein Vorbild in meinem Bruder Isak, der im ersten Jahrgang der Technischen Hochschule inskribiert und Mitglied der progressistischen Burschenschaft ÔÇ×ConcordiaÔÇť war. Da lernte ich schon vorzeitig die Burschenbr├Ąuche kennen und konnte auch hierin meine Mitsch├╝ler unterweisen.

Mein ├Ąltester Bruder Moritz hatte mittlerweile die Handelsakademie absolviert und hatte bereits eine Buchhalterstelle im Zuckerexporthaus M.Kalmus' S├Âhne in der Langegasse. Meine Eltern waren von der Sendung von Zusch├╝ssen jetzt vollkommen befreit, da wir nicht nur f├╝r unseren, sondern auch f├╝r den Unterhalt unserer zwei j├╝ngeren Br├╝der Rudolf und Alfred sorgen konnten.

Die bevorstehende Matura warf ihre Schatten auf die Gem├╝ter meiner Mitsch├╝ler voraus. Ich selbst sah ihr vertrauensvoll entgegen, war ich doch Primus der Klasse und Vorzugssch├╝ler. Die anderen waren weniger zuversichtlich, mehr ├Ąngstlich, und ich hatte zu tun, als F├╝hrer der Klasse, sie zu beruhigen. Dies galt besonders vom Mitsch├╝ler Sch├╝tz, den ich auch unterrichtete. Er war schwer von Auffassung, wenn er aber etwas kapiert hatte, verga├č er es nicht mehr.

So kam die gef├╝rchtete Matura heran. Der Beginn der Reifepr├╝fung war auf einen Montag festgesetzt. Den Sonntag vorher hatte ich meinem lieben Sch├╝tz noch manches wertvolle eingepaukt, aber er war skeptisch und ersuchte mich, die Nacht auf Montag bei ihm zu verbringen und zu studieren. Ich sagte zu. Er wohnte in Smichow in einem Hause mit Gasthausgarten. Um 8 Uhr abend erklangen die ersten T├Âne einer Musikkapelle. Ich machte den Vorschlag hinunterzugehen und uns f├╝r das weitere Studieren mit einem Trunke guten Smichower Aktienbieres zu st├Ąrken.

Wir blieben bis lange nach Mitternacht im Gasthause sitzen und da wir zum Studieren nicht mehr geeignet waren, machte ich den weiteren Vorschlag, auszuruhen, ich w├╝rde ihn vor Tagesanbruch wecken. Wir schliefen aber so fest, da├č wir knapp vor der Maturit├Ątspr├╝fung erwachten und eilends uns in der Schule einstellten. Das Wunder geschah. Sch├╝tz, der wenig Selbstvertrauen besa├č, war dank meiner Taktik, ihn in der Nacht nicht studieren zu lassen, gl├Ąnzend durchgekommen. Er dankte mir f├╝r meine Voraussicht noch Jahre nachher, auch als er schon wohlbestallter Bezirksingenieur in Iglau war, wo ich mit ihm gelegentlich des Besuches von Verwandten zusammentraf.

Ich selbst habe die Matura mit Auszeichnung bestanden und in der Physik, die mein Schuldirektor vorgetragen hatte, die Note ÔÇ×ausgezeichnetÔÇť erhalten.

Die erste Etappe meines Lebens, die Mittelschule, war hiemit erledigt. Ich war jetzt am Scheidewege, was weiterhin geschehen sollte. Ich konnte mich um eine Beamtenstelle, sei es bei der Bahn oder anderw├Ąrts, bewerben, aber mein guter Fortgang in der Mittelschule brachte mich zum Entschlu├č, meine Studien an der Technischen Hochschule fortzusetzen. Zur Wahl des Faches hatte ich noch Zeit bis Oktober.

Im Juni 1880 war die Matura absolviert. Vorher hatten wir noch unseren Abschiedskommers, zu welchem alle Professoren eingeladen waren. Es ging sehr lustig zu, hatten wir uns doch schon f├╝r Kneipereien vorbereitet. Das Fest dauerte bis in die Morgenstunden. Sodann ging ich mit einigen Freunden in den Baumgarten, wo wir den Sonnenaufgang beobachteten und erst um 8 Uhr fr├╝h ging ich zu Bette.

In Prag blieb ich noch bis Mitte Juli und fuhr dann mit meinen drei Br├╝dern (der ├Ąlteste war ja angestellt und mu├čte in Prag bleiben) zum letzten Mal auf Ferien nach Zabor.

Wir hielten mit den Eltern Rat. Da sie allein in Zabor waren, sollten sie ihr Anwesen und was sonst drum und dran h├Ąngt, verkaufen und nach Prag ├╝bersiedeln. Der Vater war doch schon nahe an die siebzig, die Mutter auch schon betagt, daher sollten sie sich zur Ruhe setzen und nur noch der Familie leben. Dieser Plan wurde verwirklicht, die Eltern ├╝bersiedelten (ich glaube, es war Ende 1880 oder Anfang 1881) nach Prag, wo wir alle eine Wohnung in der Tuchmachergasse bezogen.

Nun kam die Wahl des Fachstudiums an der k.k.Technischen Hochschule. Ich hatte gr├Â├čte Lust, die Professur zu w├Ąhlen (Mathematik, Physik, Darstellende Geometrie), doch riet man mir allgemein ab, da schon zu viele Kandidaten vorhanden waren, ebenso war es mit der Chemie, da im ersten Jahrgang 1880/81 weit ├╝ber 100 H├Ârer eingeschrieben waren und wenig Aussicht f├╝r ein Fortkommen war. Blieb also nur noch Maschinenbau ├╝brig, da ich f├╝r die Ingenieur-Wissenschaften (Eisenbahn-und Br├╝ckenbau) und f├╝r die Architektur wenig Neigung besa├č.

Ich folgte somit den Spuren meines Bruders Isak in der Wahl des Maschinenbaufaches, ebenso trat ich auch als ÔÇ×FuchsÔÇť in die Burschenschaft ÔÇ×ConcordiaÔÇť ein.

Das Studium machte mir wenig Schwierigkeiten, die Colloquien und Pr├╝fungen, auch die erste Staatspr├╝fung bestand ich mit sehr gutem Erfolge, aber pekuni├Ąr ging es mir nicht besonders, wenigstens nicht so gut wie in der Realschule. Ich wollte von meinen Eltern keine Unterst├╝tzung annehmen und mich selbst fortbringen. So war bei mir oft Schmalhans K├╝chenmeister, aber ich ├╝berwand die Schwierigkeiten.

Die sch├Ânsten Zeiten waren die Zusammenk├╝nfte der ÔÇ×ConcordiaÔÇť, sei es bei den Kneipen oder den wissenschaftlichen Abenden. Wir hatten einige besonders namhafte ÔÇ×alte H├ĄuserÔÇť und Ehrenmitglieder, um nur einige zu nennen: Obering.Felix M├╝ller von der St.E.G., Oberinspektor Schmidt von Schmidsfelden von den St.B., Prof.Bendel, Schimatschek, Puchta (mein Mathematikprofessor von der Technik), Dr.Lauber von der Kattunmanufaktur Portheim und viele andere. Diese brachten auch ihre Damen zu den Abenden mit und war die Unterhaltung eine anregende. Wir machten auch in corpore Ausfl├╝ge in die nordb├Âhmischen St├Ądte, dabei auch im Verein mit anderen Burschenschaften und Corps unter Leitung der Rede- und Lesehalle der deutschen Studenten.

An dieser Stelle mu├č ich einiges ├╝ber die damaligen Vorg├Ąnge in der deutschen Studentenschaft erw├Ąhnen.

Die freiheitliche Bewegung in der deutschen Studentenschaft begann unmittelbar nach den napoleonischen Kriegen und hatte ihren Merkstein in der 300-Jahre-Gedenkfeier f├╝r Martin Luther bei der Zusammenkunft auf der Wartburg im Jahre 1817 und Gr├╝ndung der ersten Burschenschaft. Die reaktion├Ąren Regierungen der deutschen Kleinstaaten vermerkten die Entwicklung der freiheitlichen Bewegung in der Studentenschaft mit scheelen Blicken, legten ihr alle erdenklichen Hindernisse in den Weg, so durch Einkerkerung von besonders vorgeschrittenen Studenten und auch Lehrern, die sich auf ihre Seite gestellt hatten. Drei├čig Jahre ertrugen die Studenten ihre Knechtschaft, bis sie 1848 zur offenen Emp├Ârung gegen die Unterdr├╝cker schritten. Es kam eine kurze Zeit der Bl├╝te, aber die Reaktion setzte in den F├╝nfzigerjahren wieder mit gr├Â├čter Macht ein. Als nach dem verungl├╝ckten Krieg zwischen ├ľsterreich und Preu├čen im Jahre 1866 ├ľsterreich aus dem Deutschen Bund ausscheiden mu├čte, hielt die freiheitliche deutsche Studentenschaft treu an dem Einheitsgedanken fest und hatte eine wertvolle St├╝tze an der 1869 in ├ľsterreich ernannten freiheitlichen (d.i. nicht reaktion├Ąr gesinnten) Regierung. In ├ľsterreich, speziell in Prag, entstand in den Siebzigerjahren eine gro├če Zahl neuer studentischer Verbindungen.

Die deutsche Studentenschaft teilte sich ihrer Gesinnung nach in zwei Hauptgruppen: 1) Burschenschaften, das sind streng deutschnationale Verbindungen, 2) Corps, das sind patriotische gut ├Âsterreichisch gesinnte Verbindungen mit internationalem Einschlag, indem sie auch nichtdeutsche Mitglieder (also in Prag auch gute Cechen) aufnahmen. Nat├╝rlich gab es zwischen Burschenschaften und Corps keine Gemeinschaft und keinen Verkehr, nur auf der Schulbank oder in der Lese- und Redehalle trafen sie sich. Daneben gab es 3) Landsmannschaften, die sich aus einem bestimmten Kreis oder einer Stadt, z.B. ÔÇ×IglaviaÔÇť aus Iglau rekrutierten und in ihrer Gesinnung bald den Burschenschaften, bald den Corps n├Ąherstanden. Auch waren noch Mitl├Ąufer, sogenannte ÔÇ×FinkenÔÇť oder ÔÇ×KonkneipantenÔÇť vorhanden, die sich einer Vereinigung anschlossen ohne wirkliche Mitglieder zu sein und nur bei Veranstaltungen, Kneipen, Bummel oder Ausfl├╝gen mittaten. Die Burschenschaften gliederten sich wieder in konservative oder schlagende und in progressistische oder nichtschlagende. Die Mitglieder traten als ÔÇ×F├╝chseÔÇť ein und mu├čten bei den konservativen eine Anzahl von Mensuren oder Duellen aufweisen, w├Ąhrend bei den progressistischen die F├╝chse zwei Referate und einen etwa einst├╝ndigen freien Vortrag gehalten haben mu├čten, um als Burschen zu avancieren.

Die Burschenschaften galten als ganz oder nahezu staatsfeindlich, da sie die Wiedervereinigung mit dem Deutschen Reiche auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Die meist klerikalen Regierungen ├ľsterreichs, mit slawischen (cechischen und polnischen) Elementen vermischt, hatten das freisinnige B├╝rgertum in die Opposition gedr├Ąngt und in der Vorhut standen die Burschenschaften. Namentlich war dies der Fall, als anfang der Achtzigerjahre der Abgeordnete Sch├Ânerer im ├Âsterreichischen Abgeordnetenhause ├Âffentlich sich zu Deutschland bekannte und seine Rede mit ÔÇ×Hoch Hohenzollern!ÔÇť schlo├č. Die Burschenschaften sehen seitdem in Sch├Ânerer ihr Ideal und hoffen, da├č er es sein wird, der ├ľsterreich in das reichsdeutsche Lager f├╝hren wird. Ich und viele meiner Couleurbr├╝der waren aber skeptisch, besonders als sich nach und nach Sch├Ânerer antisemitischen Tendenzen zuwandte und dadurch einen gro├čen Teil guter Deutscher, die Juden, von sich abstie├č. Die deutschnationalen Antisemiten hatten ├╝bersehen, da├č die Juden in den cechischen St├Ądten und auch auf dem flachen cechischen Lande die Kulturtr├Ąger des Deutschtums waren und nunmehr durch ihr Verhalten in das cechische Lager gedr├Ąngt wurden.

Die nationalen Streitigkeiten zwischen Deutschen und Cechen waren unter der Regierung des Grafen Taaffe (1880 - 1893) an der Tagesordnung, namentlich auf dem hei├čumstrittenen Prager Boden. Es ist vielleicht die Behauptung richtig, da├č Taaffe, der die Cechen gro├čgezogen hatte, den sp├Ąteren Zerfall der ├ľsterreichisch-Ungarischen Monarchie mitverschuldet hat.

Von diesem Abstecher in die Politik kehre ich wieder zu meinem Thema zur├╝ck.

Die ÔÇ×ConcordiaÔÇť als progressistische Burschenschaft verp├Ânte jedes Duell als ├ťberbleibsel mittelalterlicher Gottesurteile, auch jede Mensur, und verlegte sich nur auf geistige Waffen. Wir standen in freundschaftlichem Verkehr mit der akademischen progressistischen Burschenschaft ÔÇ×GermaniaÔÇť, die gleiche Ziele wie die ÔÇ×ConcordiaÔÇť verfolgte.

Die Gegens├Ątze zwischen Deutschen und Cechen unter der Regierung Taaffe versch├Ąrften sich immer mehr und mehr. Dies zeigte sich besonders im Jahre 1882, als die akademisch-konservative Burschenschaft ÔÇ×CarolinaÔÇť ihr 20j├Ąhriges Gr├╝ndungsfest feierte und gelegentlich eines Ausfluges nach Kuchelbad heftigen t├Ątlichen Angriffen ausgesetzt war. Die Excesse dauerten mehrere Tage und kein Couleurstudent durfte es wagen, mit Kappe und Band auf der Stra├če zu erscheinen. Die Folge war, da├č die nationale deutsche Studentenschaft sich immer weiter von den liberalen und freisinnigen Anschauungen entfernte und mit Sch├Ânerer total in das antisemitische Fahrwasser gelangte. Die konservativen Burschenschaften, die auch bis dahin j├╝dische Mitglieder hatten, schlossen nunmehr die Juden aus und die beiden progressistischen Burschenschaften ÔÇ×ConcordiaÔÇť und ÔÇ×GermaniaÔÇť gingen in den Jahren 1884 und 1885 v├Âllig ein. Die Corps, die noch am l├Ąngsten ihren internationalen Charakter bewahrten, hatten auch ihre Bedeutung verloren. Man schied sich nun ganz in arisch reinrassige und j├╝disch nationale Studenten. Die Liberalen haben ihre Bedeutung g├Ąnzlich verloren, wie es auch heute noch in ├ľsterreich zu sehen ist, wo die ÔÇ×v├ÂlkischeÔÇť Studentenschaft von den akademischen Beh├Ârden und auch von der Regierung als die ÔÇ×einzigeÔÇť deutsche Studentenschaft angesehen und anerkannt wird.

Die Aufl├Âsung der ÔÇ×ConcordiaÔÇť und ÔÇ×GermaniaÔÇť ging ohne Klang und Sang schmerzlos hin, sie verschieden an Mangel an Mitgliedern. Fiducit! Ich pers├Ânlich bewahre ihnen ein gutes Angedenken. Es waren doch sch├Âne Zeiten, die nicht mehr wiederkehren.

Meine Studien an der Technischen Hochschule nahmen mittlerweile einen guten Fortgang. Die erste Staatspr├╝fung legte ich am Schlu├č des 4.Semesters ab. Ich bildete mich weiter in der englischen Sprache und in der Buchhaltung (das waren Freigegenst├Ąnde) aus.

Wir lebten gl├╝cklich und zufrieden, mein ├Ąltester Bruder Moritz lieferte den gr├Â├čten Teil seines Verdienstes f├╝r die h├Ąusliche Wirtschaft ab, Isak und ich hatten Stunden und kamen so ├╝ber das ├Ąrgste hinaus, so da├č die Familie einschlie├člich der beiden j├╝ngeren Br├╝der bescheiden leben konnte.

In den folgenden Jahren trafen uns gro├če Ungl├╝cksf├Ąlle: der Tod meiner beiden ├Ąlteren Br├╝der.

Isak hatte vor Abschlu├č seiner Studien im Fr├╝hjahr 1883 an der Exkursion des Professors f├╝r Maschinenbau nach Deutschland teilgenommen. In Chemnitz holte er sich eine starke Verk├╝hlung und kam blutspuckend nach Hause. Die ├Ąrztliche Kunst heilte ihn notd├╝rftig, doch war der Keim f├╝r das Lungenleiden gelegt. Er absolvierte noch seine Studien und r├╝ckte im Oktober 1883 zum Milit├Ąrdienst als Einj├Ąhrigfreiwilliger ein. Trotzdem er leidend war, erkl├Ąrte ihn doch der Milit├Ąrarzt als diensttauglich. Die Strapazen (er diente bei der schweren Genietruppe und wohnte in der Kaserne am hochgelegenen Hradschin) hielt er nicht aus, er bekam einen Blutsturz und wurde erst im Feber 1884 superarbitriert. Nach der Spitalsbehandlung nahm er Landaufenthalt, erholte sich anscheinend, da er stark und dick Ende August nach Prag zur├╝ckkehrte. Er hatte schon eine Stelle als Ingenieur in der Maschinenfabrik Bolzano, Tedesco & Co in Schlan in Aussicht, als er wieder erkrankte und nach Siechtum am 31.Oktober 1884 sanft verschied.

Unser Schmerz war au├čerordentlich gro├č, namentlich meine Mutter konnte seinen Tod nicht ├╝berwinden, auch mein ├Ąltester Bruder wurde schwerm├╝tig und bildete sich ein, da├č er von der gleichen Krankheit befallen w├╝rde. Isak starb vor Vollendung seines 25. Lebensjahres und wurde auf dem j├╝dischen Friedhofe in Olschau bei Prag beerdigt.

Im selben Jahr h├Ątte ich auch meine Studien an der Technischen Hochschule beendigen sollen, doch war ich mit einigen Arbeiten im R├╝ckstand geblieben, so da├č ich mich entschlo├č, noch ein f├╝nftes Jahr an der Technik zu bleiben und mich w├Ąhrend dieses Jahres praktisch auszubilden. Ich wollte so gut ausgebildet mit Kenntnissen ins Leben treten, was sich zur damaligen Zeit schwierig gestaltete, indem ein gro├čer ├ťberflu├č an Hochschulingenieuren bestand, denen die viel billigeren Gewerbeschul-Techniker gro├če Konkurrenz bereiteten. Die Maschinenfabriken bedienten sich gerne billigerer Arbeitskr├Ąfte, die das gleiche leisteten und auch bereitwillig jede Arbeit, auch eine untergeordnete, ├╝bernahmen.

Am 1.Februar 1885 trat ich durch Vermittlung meines alten (auch w├Ârtlich genommen, da er schon ├╝ber 60 Jahre z├Ąhlte) Freundes Felix M├╝ller, Obering. der St.E.G. und Ehrenbursch der ÔÇ×ConcordiaÔÇť als Praktikant in die Maschinenbau A.G. vorm. Breitfeld, Danek & Co in Karolinental bei Prag ein. Ich praktizierte in der Schmiede, Schlosserei, Montagewerkst├Ątte und in der Presserei und kam dann ins Konstruktionsb├╝ro. Ich erkundigte mich bescheiden, ob ich Aussicht habe, in der Fabrik als Ingenieur aufgenommen zu werden, doch wurde mir dort die Antwort zuteil, da├č dies unm├Âglich sei, da ein ├ťberflu├č an Ingenieuren vorhanden w├Ąre und man noch einige entlassen m├╝sse. Ich mu├čte mich daher anderweitig umsehen. Da kam mir ein gl├╝cklicher Zufall zu Hilfe, die Chamottefabrik des Generaldirektores der Prag-Duxer und Dux-Bodenbacher Bahn, Pechar, in Kosten bei Teplitz, brannte ab und eine unbrauchbar gewordene Chamottepresse wurde der Maschinenfabrik zur Umkonstruktion ├╝bergeben. Ich wurde mit der Ausf├╝hrung betraut. Der Schwiegersohn des Generaldirektors, Betriebsdirektor der Staatsbahndirektion Prag, Herr Marek, nachmals Eisenbahnminister ├ľsterreichs, war mit meiner Arbeit gelegentlich einer Besichtigung im B├╝ro sehr zufrieden. Er versprach mir, sich meiner anzunehmen, wenn ich seine Hilfe ben├Âtigen sollte.

Nachdem ich gleichzeitig meine Studien an der Technik im Juli 1885 beendigte und das Absolutorium erhalten hatte, kam mein Bruder Moritz eines Tages mit einer Zeitung nach Hause, worin die Notiz stand, da├č in der K.K.Kriegsmarine die Stelle eines Marine-Artillerie-Eleven ausgeschrieben war. Rasch entschlossen reichte ich beim K.K.Kriegsministerium /:Marinesektion:/ ein. Ich hegte keine Hoffnung, die Stelle zu bekommen, da ich als Jude weniger Aussicht hatte als ein Arier, zudem ich auch meiner Milit├Ąrpflicht nicht gen├╝gt hatte, da ich bei dreimaliger Assentierung als untauglich befunden worden war. Ich ging daher, nachdem ich bei Breitfeld, Danek & Co meine Praxis beendigt hatte und f├╝r meine T├Ątigkeit im B├╝ro mit 70 fl ├Â.W. entlohnt worden war, zum Herrn Betriebsdirektor Marek und bat um Aufnahme bei den Staatsbahnen. Mein Gesuch wurde g├╝nstig erledigt, nach einer Pr├╝fung aus der cechischen Sprache und nach bahn├Ąrztlicher Untersuchung wurde ich f├╝r die Werkst├Ątte Laun in Nordb├Âhmen mit einem Diarium per 1 fl 50 = 3 K pro Tag angestellt. Am 8.Dezember 1885 reiste ich mit meinem Vater nach Laun und am 9.Dezember meldete ich mich beim Werkst├Ąttenleiter. Dieser teilte mir mit, man habe mich am vorigen Tag gesucht, aber da es ein Feiertag war, nicht gefunden; ein Telegramm aus Prag sei eingelangt, wonach ich nach Bodenbach in die Werkst├Ątte versetzt wurde. Ich reiste noch am selben Tag nach Bodenbach, wo ich mich am 10.Dezember meldete. Mein Dienst war sehr einfach, ich machte diverse Abschriften, stellte Kosten des Betriebes von Teilstrecken auf Grund von Belegen zusammen, von konstruktivem Arbeiten keine Spur. Ich dachte, es sei dies nur die Anfangsbesch├Ąftigung, aber ich sah dort Kollegen aus fr├╝heren Jahrg├Ąngen der Technik, die schon ein Jahr angestellt waren, keine anderen Arbeiten ausf├╝hren, was mich einigerma├čen entmutigte.

Ich war etwa 8 Tage in Bodenbach, als ein umfangreicher rekommandierter Brief aus Prag an mich einlangte. Er erhielt mein Ernennungsdekret zum provisorischen Marine-Artillerie-Eleven, weiters ein Schreiben des Platzkommandanten von Prag mit beiliegender Marschroute und der Aufforderung, mich am 1.J├Ąnner 1886 in Pola bei der Seearsenal-Artillerie-Direktion zu melden, vorher aber auf der Durchreise in Wien beim K.K.Kriegsministerium (Marine-Sektion) vorzusprechen. Das Provisorium sollte drei Jahre dauern. Mein Monatsgehalt war mit 50 fl = 100 K festgesetzt. Als Equipierungsbeitrag war 100 fl ausgesetzt. Mein Vater, der mir diese Dokumente sandte, schrieb mir, wie ihm beim Platzkommando in Prag zu meiner Ernennung gratuliert und bedeutet wurde, was f├╝r eine sch├Âne Anstellung dies sei.

Ich ging mit den Dokumenten sofort zu meinem Werkst├Ąttenvorstand, Herrn Richter, und fragte ihn um Rat, was ich tun soll, den Posten annehmen oder bei der Dux-Bodenbacher Bahn bleiben. Er wurde fast zornig bei dieser Frage und meinte, ich w├Ąre nicht recht beisammen, wenn ich nicht akzeptieren sollte. Er selbst, n├Ąmlich Herr Richter, sei schon 10 Jahre bei der Bahn und beziehe einen Jahresgehalt von sage und schreibe 1000 fl. in 10 Jahren werde ich sicher schon mehr als das Dreifache haben. Ich bedankte mich f├╝r den Rat, schrieb noch am selben Tage an die Direktion ein Gesuch um Entlassung und verlie├č am 22.Dezember Bodenbach, nachdem ich also durch 14 Tage im Dienste der Bahn gestanden war. Ich hielt mich in Smichow bei Hr.Dir.Marek auf, um ihm zu danken, er gratulierte mir, meinte aber, es w├Ąre schade um die M├╝he gewesen, mich bei der Bahn unterzubringen. Ich traf rasch meine Vorbereitungen zur Reise nach Pola. Meine Mutter war tief betr├╝bt, da├č ich so ferne sein werde, der Vater und meine Br├╝der aber freuten sich sehr. Ich meldete mich beim Platzkommando und besuchte noch meinen alten Freund, Obering.Felix M├╝ller und meinen fr├╝heren Schuldirektor Karl von Ott.

Der erste Abschnitt meines Lebens, die Lernzeit, war zu Ende, oder richtiger gesagt, fast zu Ende, wie gleich berichtet werden soll.

Am zweiten Weihnachtstage 1885 reiste ich nach Pola ab, zum Franz-Josefs-Bahnhof von meinen Angeh├Ârigen und einigen Freunden begleitet. Am Abend traf ich in Wien ein, am Bahnhof von Cousin Heinrich Engel und Frau (Tochter meines Onkels Adalbert Sabath) erwartet, bei denen ich in der Schreygasse im 2.Bezirk w├Ąhrend meines mehrt├Ągigen Aufenthaltes in Wien wohnte.

Ich erledigte zuerst mein Hauptgesch├Ąft, die Meldung beim Reichs-Kriegsministeriums /:Marinesektion./ u.zw. Ob.Ing.Sikic, mit dem mich sp├Ąter eine gute Freundschaft verband und der mich auf meinem weiteren Lebensweg protegierte, Ing.Brandl, Abteilungsvorstand Baron Minutillo, nachmals Viceadmiral und Hafenadmiral in Pola, u.a.

Ich erfuhr, da├č ich zun├Ąchst 6 Monate dem Seearsenal, 3 Monate dem Artillerieschulschiff zugeteilt werde, dann den zweij├Ąhrigen Artilleriekurs in Wien besuchen werde, um sodann die Effektivit├Ątspr├╝fung abzulegen. Ich hatte somit noch eine dreij├Ąhrige Lernzeit vor mir, d.h., ich mu├čte bis nach vollendetem 26.Lebensjahre studieren. Da man aber im Leben nie ausstudiert hat, machte diese Vorbereitungszeit f├╝r meinen eigentlichen Dienst keinen ung├╝nstigen Eindruck auf mich, im Gegenteil, ich freute mich schon auf den zweij├Ąhrigen Aufenthalt in Wien.

Ob.Ing.Sikic erwies sich als ein freundlicher, vorurteilsloser Herr, der auch gegen andere Konfessionen, besonders gegen die j├╝dische, gerecht war; er bekannte sich, wie ich nach Jahren zu beurteilen Gelegenheit hatte, zum Freisinn, und beurteilte sogar die katholische Religion streng und hart. Er war ein Religionsphilosoph, hielt alle Religionen, vielleicht mit Ausnahme der Lehre Buddhas, als f├╝r die Menschheit sch├Ądlich. Als besondere Reliquie bewahrte er einen an ihn gerichteten Brief Schopenhauers, den letzten des Philosophen vor dessen Ableben. Sikic erhielt diesen Brief noch als Z├Âgling der Milit├Ąrakademie von M├Ąhrisch-Wei├čkirchen als Antwort auf eine Anfrage wegen einer These in Schopenhauers Werken. Hieraus ersieht man, da├č Sikic sich in jungen Jahren, er d├╝rfte damals 18 Jahre gez├Ąhlt haben, schon mit philosophischen Problemen befa├čt hat. Wenn ich hier noch erw├Ąhne, da├č Sikic ein Anh├Ąnger des franz├Âsichen Religionsgelehrten Renan war, so sagt dies alles. Dabei war er in seinem Fach, der Marine-Artillerie, als ein hervorragender Fachmann bekannt und galt nach Oberst Wuich, dem Lehrer am h├Âheren Artilleriekurs als erster Ballistiker ├ľsterreich-Ungarns.

Au├čer Engel wohnten in Wien von Verwandten: Onkel Adalbert und Frau, dessen Schwiegersohn Herzka mit Frau, alle in der Stumpergasse im 6.Bezirk, sowie die dritte Tochter Adalberts, Julie, die sp├Ąter einen Herrn Herrnfeld heiratete. Ein Sohn Adalberts lebte damals in Amerika, Brooklyn, im Kreise seiner Gattin und 8 erwachsener S├Âhne. Ich lernte auch ihn sp├Ąter kennen gelegentlich seines Besuches in Wien und meiner Eltern in Prag.

In Wien besah ich mir, soweit die Zeit reichte, die Sehensw├╝rdigkeiten und freue mich, da├č ich auch Gelegenheit hatte, einer Vorstellung im alten Burgtheater am Michaelerplatz kurz vor dessen Demolierung beizuwohnen. Zumeist begleitete mich meine Kusine Julie.

Am 30.Dezember fr├╝h reiste ich von Wien ab ├╝ber den Semmering, den ich ebenso wie Wien das erste Mal sah, und stieg in Graz aus. Nach Besichtigung der Stadt fuhr ich am selben Tag abends weiter, war am 31.Dezember zka. 8 Uhr fr├╝h in Divaca, wo ich umsteigen mu├čte und erblickte gegen Mittag dieses heiteren Tages auf der H├Âhe von Dignano das erste Mal das blaue Meer. In Pola traf ich um 13 Uhr ein und stieg im Hotel Pavanello auf der Riva ab. Ich suchte mir noch am selben Nachmittag in der Via Kandler (damals Via del Duomo) ein Zimmer und machte einen Spaziergang au├čerhalb der Stadt zum Meere. Auch erfuhr ich, da├č ich mich am 2.J├Ąnner in der Artilleriedirektion des Seearsenales zu melden habe.

Am 2.J├Ąnner 1886 trat ich meinen Dienst bei der Artilleriedirektion an. Direktor: Oberst-Ing.Sadlo, Detailingenieur: Ob.Ing.Wilhelmi, Werkst├Ąttenleiter: Ing.Zenc. Zugeteilt wurde ich den Ingenieuren Pfeifer und Berka.

Ich erhielt ein Buch mit schwarzem Einband: ÔÇ×Artillerie-Unterricht I.Teil zum SelbststudiumÔÇť. Darin waren die Gesch├╝tzrohre, Lafetten, Ausr├╝stungsgegenst├Ąnde und Munition, sowie die Handwaffen der Kriegsmarine beschrieben.

Nach 8 Tagen war meine Uniform vom Schneider fertiggestellt. Der Equipierungsbeitrag von 100 fl reichte nat├╝rlich nicht hin, um die Kosten zu decken, so blieb ich den Rest schuldig und stattete kleine Raten, die ich von meinen Monatsgehalten per 50 fl abzog, ab. Da ich keine gro├čen Bed├╝rfnisse hatte, lebte ich mit meinem Gehalte recht und schlecht, mehr das letztere. Nach Erhalt der Uniform machte ich meine offiziellen Vorstellungen beim Seearsenals-Kommandanten: Kontreadmiral Freiherr von Manfroni, beim Hafenadmiral: Viceadmiral Ritter von Pokorny, beim Marinetechnischen Komitee: Abt.Vorstand Ob.Ing.Kl├Âckner, Ob.Ing. Abele, Ing.Schwarz, dann im Seeminen-Etablissement: Ing.Plach, im Munitions-Etablissement Vallelunga: Oberfeuerwerksmeister Ob.Ing.Riha, Feuerwerksmeister Ing.Stanek, dann bei der Schiffbau- und Maschinenbaudirektion u.a. Mit den Objektingenieuren Pfeifer und Berka ging ich an Bord der Schiffe, lernte die artilleristische Einrichtung kennen, machte kleine konstruktive Arbeiten und f├╝hrte mancherlei kleine Installationen aus.

So vergingen sechs Monate rasch mit Selbststudium und Beobachtungen. Ich wurde auch im Marinecasino als Gast eingef├╝hrt; Mitglied konnte ich w├Ąhrend meines Provisoriums nicht werden.

Am 1.Juli 1886 schiffte ich mich auf dem Artillerie-Schulschiff ÔÇ×NovaraÔÇť ein. Ich wurde dem Art.Ing.Filla zugeteilt. Unterrichtsleiter war Corvettenkapit├Ąn v.Pott, Artillerieoffizier Linienschiffsleutnant Paul Pott.

SMS Novara. Aus: Oesterreichs Hort Wien, 1908

Pekuni├Ąr war ich nun besser gestellt, da ich t├Ąglich 1 fl Schiffskostgeld (Panatica) und 50 kr Bedienungspauschale erhielt. Mein Lebensstandard erfuhr somit eine nicht unwesentliche Besserung.

An Bord des Artillerie-Schulschiffes lernte ich praktische Artillerie, die Bedienung der Gesch├╝tze, das Exerzieren und den Schlu├čeffekt: das Klarschiff, die Bereitstellung zum Gefecht, allerdings wurden nur blinde Sch├╝sse abgegeben. Auch der allgemeine Schiffsdienst wurde gelehrt, wie er sich vom fr├╝hen Morgen bis zum sp├Ąten Abend abspielte, dazwischen Feueralarm, Ruderexerzieren, Segelexerzieren (damals waren die Fregatten, Korvetten und Kanonenboote noch mit Takelage versehen, die kleine Schiffsmaschine wurde nur bei Windstille sowie bei der Aus- und Einfahrt aus bzw. in den Hafen in Verwendung genommen). Au├čerdem wurden von dem mit Schiffsmaschine betriebenen Beischiff des Artillerie-Schulschiffes scharfe Munitions├╝bungen gegen eine verankerte und gegen eine geschleppte Scheibe vorgenommen.

Im Allgemeinen hatte ich viel freie Zeit, ich hatte auch die Erlaubnis an Land zu schlafen, wiewohl mir auch an Bord eine Kabine zur Verf├╝gung stand.

Mit meinen Eltern stand ich in lebhafter Korrespondenz, auch mit meinem alten Freund Ob.Ing.Felix M├╝ller. Als Curiosum erw├Ąhne ich, da├č er mich vor dem B├Ârsenspiel warnte, mich! der ich noch kein Geld und keine Gelegenheit dazu hatte.

In diesen Monaten Juli bis September lernte ich auch die Hitze, die in Pola herrschte, kennen, es war dies eine zum gr├Â├čten Teile regenlose Zeit, Temperaturen von 35°C im Schatten nichts seltenes. Aber man sagte mir, da├č die Temperaturen in Triest noch unertr├Ąglicher sind, bei Schiroccowetter und der dr├╝ckenden Schw├╝le, dabei das Einatmen vom Kalkstaub des karstigen Bodens. Zu Mittag ruhte ich oft in der Kabine aus. Diese lag im Banjerdeck (unter Wasser). Es wimmelte hier von Ratten und M├Ąusen und es kam nicht selten vor, da├č mir eine Ratte w├Ąhrend des Schlummer ├╝ber das Gesicht lief und bevor sich sie erwischen konnte in ihrem Schlupfloch verschwand.

Endlich verstrich auch diese Zeit des Aufenthaltes an Bord des Artillerie-Schulschiffes.

Ende September 1886 erschien im Hafenadmirals-Tagesbefehl f├╝r mich die Weisung, zum Besuch des h├Âheren Artilleriekurses nach Wien abzugehen und mich dort am 10.Oktober bei den ma├čgebenden Stellen zu melden. Ich wurde allgemein begl├╝ckw├╝nscht zu dieser au├čergew├Âhnlichen Kommandierung, war doch das Ziel jedes in Pola lebenden ÔÇ×MarineursÔÇť nach Wien zu kommen, der leichtlebigen und unterhaltungsreichen Hauptstadt der Monarchie. Wiewohl ich mich auch mit meiner neuen Dienstbestimmung freute, sah ich doch mit gemischten Gef├╝hlen meinem Aufenthalt in Wien entgegen, konnte man doch mit 50 fl monatlich keine gro├čen Spr├╝nge machen und das mir bewilligte ÔÇ×SchreibspesenpauschaleÔÇť von 5 fl monatlich konnte mich auch nicht sehr ÔÇ×herausrei├čenÔÇť. Es hie├č also sich vorzusehen und mit den geringen Mitteln hauszuhalten.

Nach Abschiednahme von meinen polisaner Freunden und den vorgeschriebenen Abmeldungen bei Vorgesetzten und Beh├Ârden reiste ich am 9.Oktober abends ab. Von einem Marinekommissariatsbeamten erhielt ich eine Empfehlung an seinen Bruder, der Wachtmeister bei einem Dragonerregiment war, von der ich aber wenig Gebrauch machte.

In Wien suchte ich mir zuerst eine Wohnung, die ich bald in der Windm├╝hlgasse bei einer Witwe fand. Es war ein Kabinett, f├╝r welches ich mit Fr├╝hst├╝ck 9 fl monatlich zu zahlen hatte. Dann machte ich die Meldungen beim technischen Milit├Ąrkomitee am Getreidemarkt (G.M.Hofmann), sodann bei der Marine-Sektion. Ob.Ing.Sikic erwies sich sofort als mein Wohlt├Ąter, indem er mir noch eine kleine Zulage von 10 fl monatlich verschaffte, Ing.Brandl empfahl mir ein billiges Restaurant vis-à-vis dem S├╝dbahnhof, wo er mit seiner Gattin zu Mittag zu speisen pflegte.

Das Studium machte mir gar keine Schwierigkeiten, war ich doch in Mathematik, Geometrie und Konstruktionslehre allen meinen Kameraden (Leutnants und Oberleutnants) voraus, auch die Ballistik war mir gel├Ąufig. Im selben Geb├Ąude war auch der h├Âhere Geniekurs und die Kriegsschule (wo die Offiziere f├╝r den Generalstab ausgebildet wurden) untergebracht.

In der Zeit zwischen 10 und 11 Uhr traf man sich gew├Âhnlich in der Kantine zum Gabelfr├╝hst├╝ck, meist war dies auch gleichzeitig meine Mittagsmahlzeit. Die Kantine wurde auch von dem H├Ârer der Kriegsschule Hptm.Erzh.Franz Salvator besucht. Er gab sich sehr leutselig und sprach mit jedermann. Um 2 Uhr waren die Vorlesungen beendet und man begab sich zum Mittagstisch ins Restaurant Leber (jetzt Degerl) in der Babenbergerstra├če, ich selbst war h├Ąufig in Gesellschaft des Ehepaares Ing.Brandl im Restaurant Blasy beim S├╝dbahnhof.

Das Verh├Ąltnis zwischen Lehrern und H├Ârern des Kurses war ein gut kameradschaftliches, Beweis dessen, da├č wir am Leopolditag, 15.Nov.1886, mit unserem Ballistiklehrer Oberst Wuich einen gemeinsamen Ausflug nach Nu├čdorf machten, nicht mit der Bahn (eine Elektrische gab es damals nicht) sondern zu Fu├č. Wir unterhielten uns gl├Ąnzend bis in die sp├Ąten Nachtstunden, worauf wir den R├╝ckmarsch antraten.

Mein Quartier gab ich nach einem Monat auf und ├╝bersiedelte in die Mayrhofgasse auf der Wieden. Mit meinen Wiener Verwandten verkehrte ich viel, ebenso mit einigen sonstigen Bekannten (au├čer den Kurskameraden) und wir vereinigten uns auch zum Preference-Spiel, z.B. mit meinem Bekannten Trsch von der Prager ÔÇ×GermaniaÔÇť.

Samstag den 27.November 1886 wurde ich dringend zu meinem Onkel Adalbert berufen. Er hatte einen Brief von meinem Bruder Alfred erhalten, da├č mein Bruder Moritz am 26.November gestorben w├Ąre. Er teilte mir dies schonend mit, ich war aufs tiefste ersch├╝ttert, noch ├Ąrger malte ich mir den Schmerz meiner Mutter aus. Ich beschlo├č, sofort nach Prag zu fahren, begab mich, da der Studienreferent G.M.Hofmann nicht mehr im B├╝ro war, in dessen Wohnung und nahm mir einen dreit├Ągigen Urlaub. In der Nacht reiste ich ab und kam am Sonntag den 28. noch rechtzeitig zum Begr├Ąbnis. Es war dies mein erster Urlaub als Marineur unter so tragischen Umst├Ąnden. Meine Bef├╝rchtungen bez├╝glich meiner Mutter waren vollauf berechtigt, sie war ganz niedergebrochen, innerhalb von zwei Jahren zwei S├Âhne im reiferen J├╝nglingsalter verloren zu haben. Mein Vater war gefa├čt, er war ein gottesf├╝rchtiger Mann und nahm diesen Schicksalsschlag als eine F├╝gung Gottes hin. So hat mein Bruder, der der eigentliche Initiator meines Eintrittes in die k.u.k.Kriegsmarine war, mich nicht mehr als Marineur sehen k├Ânnen. Nach den Trauerfeierlichkeiten reiste ich wieder nach Wien zur├╝ck.

Mitte Juni 1887 war der Kurs zu Ende. F├╝r die Dauer der Ferien, d.i. bis Oktober 1887 wurde ich zur weiteren Ausbildung dem Munitions-Etablissement in Vallelunga zugeteilt. Ob.Ing. Riha war Oberfeuerwerksmeister, Ing.Stanek Feuerwerksmeister. Der Dienst in den Sommermonaten begann schon um halb 6 Uhr fr├╝h, weshalb ich t├Ąglich schon um halb 5 Uhr aufstehen mu├čte, da die ├ťberfahrt im Boote an das andere Meeresufer gut eine Viertelstunde dauerte. Wo ich damals wohnte, kann ich mich nicht erinnern, ich glaube, es war in der Via Circomvallatione, in einem Hause mit meinem besten Freunde Rudolf Wassmundt, der in diesem Jahre als Eleve, somit als mein Kollege aufgenommen war und den ich schon von der Prager Technik her kannte. Au├čerdem hatte ich noch einen weiteren Kollegen, Gustav Schwanda, erhalten. Diese beiden wurden im Oktober ebenfalls in den h├Âheren Artilleriekurs kommandiert.

Im Munitionsetablissement verbrachte ich sch├Âne drei Sommermonate. Ich erhielt eine Zulage, wir speisten zu Mittag dort gut und sehr billig, Papa Riha war ein jovialer alter Herr, mit dem man gut auskommen konnte, Stanek war weniger sympathisch, er war ein nationaler Eiferer (Jungceche) und stritt viel mit Riha, der seiner Gesinnung nach Altceche (Anh├Ąnger Riegers) war.

Meine in Wien im ersten Jahrgang erworbenen Kenntnisse gab ich einem bei der Kriegsmarine kommandierten japanischen Schiffsleutnant, Herrn Jamanouchi, preis, der mich hief├╝r reichlich honorierte. Dieser japanische Seeoffizier wurde in die Geheimnisse der Marine-Artillerie eigentlich von unserem Obersten Ingenieur Wilhelmi eingef├╝hrt, ich selbst konnte hiebei aber mit den neuesten Errungenschaften aufwarten.

So ging der Sommer 1887 zu Ende und im Oktober reiste ich gemeinsam mit Wassmundt nach Wien ab, Schwanda war schon einige Tage fr├╝her abgereist, da er einige Tage Urlaub f├╝r Budapest genommen hatte.

In Wien quartierte ich mich in der Pre├čgasse ein, Wassmundt in der N├Ąhe in der Margarethenstra├če. Wir verbrachten unsere freie Zeit zum gro├čen Teil miteinander, machten gemeinsame Ausfl├╝ge in die Umgebung, er verf├╝gte auch ├╝ber reichliche Geldmittel, da er Zulagen von seinen Eltern erhielt, er zahlte oftmals die Zeche, daf├╝r entsch├Ądigte ich ihn, da├č ich ihn mit meinen Kenntnissen unterst├╝tzte, so da├č er im Kurs auch gute Fortschritte machte.

Eines Tages kam unangemeldet der Generalartillerieinspektor Erzherzog Wilhelm, der damals sicher schon 65 Jahre z├Ąhlte, in die Unterrichtsstunde der Ballistik von Oberst Wuich. Ich erregte die Aufmerksamkeit des Erzherzogs dadurch, da├č ich eine andere Uniform trug als die Offiziere der Landtruppe. Er blickte stets nach mir, der ich in der letzten Bank sa├č. Wie mir sp├Ąter von Kameraden, die in den ersten B├Ąnken sa├čen, erz├Ąhlt wurde, drehte sich das Gespr├Ąch zwischen Erzherzog und Oberst darum, ob ich auch den Vortr├Ągen gut folgen k├Ânne und ob ich, als halber Zivilist, etwas von Artillerie verstehe. Ich wurde zur Tafel gerufen und erhielt ein ballistisches Problem zur L├Âsung. In wenigen Minuten war die Tafel von mir mit mathematischen Formeln beschrieben, so da├č dem Erzherzog ganz schwummerlich wurde, da er allem Anschein nach hievon nichts verstanden hatte. Kaiserliche Hoheit dr├╝ckte mir schlie├člich seine Zufriedenheit aus. Ich mu├č noch erw├Ąhnen, da├č ich damals einen Vollbart trug und ├Ąlter aussah, als ich in Wirklichkeit war.

Die Osterferien 1888 ben├╝tzte ich zu einem Urlaub nach Prag, um meine Angeh├Ârigen wieder zu besuchen.

Der Winter und das Fr├╝hjahr 1888 waren mit gro├čen politischen Spannungen zwischen Ru├čland und den Verb├╝ndeten ├ľsterr.-Ungarn und Deutschland ausgef├╝llt, die M├Âglichkeit eines Krieges war naheger├╝ckt, und die Kameraden aus dem Kurs machten sich mit dem Gedanken vertraut, bald in das Feld zu ziehen. Doch F├╝rst Bismarck zerstreute durch seine ber├╝hmte Reichstagsrede im Feber 1888 die ├╝ber Europa lagernden Wolken. Die Welt war wieder ruhig. Bald darauf, im M├Ąrz, starb der alte Kaiser Wilhelm und der todkranke Kronprinz Friedrich Wilhelm, der bis dahin in San Remo Heilung gesucht hatte, kehrte nach Berlin zur├╝ck, wo er als Kaiser Friedrich den Thron bestieg. Sein Verh├Ąltnis zu Bismarck war ausgezeichnet, jedenfalls besser, als man erwartet hatte. Doch Friedrich regierte nur 100 Tage. Am 15.Juni, am selben Tage, da ich den h├Âheren Artilleriekurs beendigt hatte und meine R├╝ckreise nach Pola antrat, starb er. Nun kam Wilhelm II., der letzte deutsche Kaiser. Die Irrt├╝mer, die dieser Kaiser beging, sind ja sehr gut bekannt und es ist nicht meine Aufgabe, hier dar├╝ber zu schreiben. So befasse ich mich wieder mit meinen weiteren Lebensschicksalen.

Nach Beendigung des Kurses machten meine Kameraden, die Landtruppen-Offiziere, eine vierw├Âchentliche Exkursion in verschiedene Fabriken der ├Âsterr.-ung.Monarchie und erhielten dann noch f├╝r die Dauer von drei Monaten einen Urlaub zur Erholung. Ich durfte an der Exkursion nicht teilnehmen, da sie Kosten verursachte, und eine Erholung hatte ich nach Ansicht der Marine-Beh├Ârden nicht notwendig. So r├╝ckte ich am 15.Juni 1888 nach Pola ein und wurde zur weiteren Ausbildung dem Seeminen-Etablissement zugeteilt. Es lag in der N├Ąhe der Hafeneinfahrt von Pola, in Fisella. Kommandant war Art.Ing.Filla, au├čerdem waren dort zugeteilt ein Minenmeister und Seeminen-Mannschaft.

Au├čer meinen Dienstobliegenheiten, die in der Aneignung der Kenntnisse des Seeminenmaterials und der Anfertigung desselben bestanden, hatte ich auch den Mittagstisch f├╝r meinen Kommandanten und mich zu besorgen, da wir wegen der K├╝rze der Mittagspause nicht die Zeit hatten in die Stadt zu fahren und ein Koch uns nicht zur Verf├╝gung gestellt wurde. So lernte ich auch in bescheidener Weise kochen, da f├╝r das Mittagessen nicht viel ausgegeben werden sollte, was mir ganz recht war.

Gegen Mitte Juli trafen meine Kameraden vom Kurse unter F├╝hrung von Prof.Kaiser in Pola ein, woselbst sie einige Tage verblieben. Ich verlebte mit ihnen angenehme Stunden im Marine-Kasino, auch besuchten sie das Seeminen-Etablissement, wo ich die F├╝hrung ├╝bernahm. Von Pola aus gingen die Offiziere sofort auf Urlaub. In der sp├Ąteren Zeit sah ich nur einige in h├Âheren Stellungen im Generalstab, insbesonders den F.M.L.H├Âfer, den ber├╝hmten oder ber├╝chtigten Verfasser der Kriegsberichte (Nachrichten vom Kriegsschauplatze). Meine j├╝ngeren Kollegen Wassmundt und Schwanda waren mittlerweile, wie ich im Vorjahre, dem Munitionsetablissement Vallelunga zugeteilt worden.

In Fisella hatte ich ein f├╝r meine untergeordnete Stellung (ich war ja noch nicht einmal Leutnant) bedeutsames Erlebnis: Erzherzog Johann kam mit seinem Adjutanten auf Besuch und besichtigte das Seeminen-Etablissement. Aus mir unerkl├Ąrlicher Ursache wurde ich mit der F├╝hrung betraut, die so gut verlief, da├č der Erzherzog beim Abschied sich bei mir bedankte und mir die Hand reichte. Ich erw├Ąhne dies aus dem Grunde, weil der Erzherzog beim Rundgang treffende Bemerkungen machte, die auf eine umfassende Bildung schlie├čen lie├čen. Dieser Erzherzog war der nachmalige Johann Orth, der alle prinzlichen W├╝rden niederlegte und mit seinem Schiff Sta.Margarita bei Kap Horn untergegangen sein soll.

Mein Provisorium n├Ąherte sich dem Ende. Mit 1.November 1888 sollte ich zum Art.Ing.3.Kl. ernannt werden, zuvor aber die Effektivit├Ątspr├╝fung ablegen. Ich bekam einige Wochen dienstfrei und mu├čte als ersten Pr├╝fungsgegenstand den Plan einer 12 cm-Schiffskanone samt Lafette auf einem Donau-Monitor ausarbeiten. Im Oktober wurde ich der m├╝ndlichen Pr├╝fung unterzogen, welche auch gut gelang, so da├č ich am 20.Oktober zum effektiven Marine-Artillerie-Eleven ernannt wurde. Mit demselben Tagesbefehl wurde ich zum Feuerwerksmeister in Vallelunga ernannt. Ein solcher Fall war unerh├Ârt und zeigte, welches Vertrauen man zu meiner T├Ątigkeit bei der Marinesektion in Wien hatte. Gleichzeitig wurde mein unmittelbarer Vordermann Art.Ing.3.Kl. Mifka auf das Artillerie-Schulschiff ÔÇ×NovaraÔÇť bestimmt.

Als ich meine vorgeschriebene Meldung beim See-Arsenals-Artillerie-Direktor, Ob.Ing.Abele erstattete, um meinen Dienst als Feuerwerksmeister anzutreten, wurde er zornig und befahl mir, bis auf weiteres noch in Fisella zu bleiben. Abele war n├Ąmlich verstimmt, da├č Wien, ohne ihn zu fragen, diese wichtige Dienstbestimmung getroffen hatte. Ich sei noch zu jung, um einen solchen verantwortungsvollen Posten zu bekleiden.


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