Benno Sabath - Aus meinem Leben


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Abstract:

Letters from Benjamin and Adele Sabath to and from her children describe the last years in Prag, the attempts of the children to get a Mexico visum for their parents, their deportation and death in Theresienstadt.


3. Teil

Die letzten Nachrichten

30.12.1940

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Von der lieben Mali hat Marianne keine guten Nachrichten, sie ist sehr schwach und hat noch dazu jetzt einen schmerzhaften Ausschlag bekommen. Die arme Risa plagt sich sehr und soll elend aussehen, Marianne hat gro├če Sorge, ein Gl├╝ck, da├č ihnen die Mieterin kocht und sie es halbwegs warm haben.

Heute haben wir von Ilka einen Brief bekommen, es geht ihr gut, sie ist zufrieden, hat einige Sch├╝lerinnen und brave Mieterinnen.

Von Ernst hatten wir Anfang Dezember eine Karte, es geht ihnen gut, der Junge gedeiht pr├Ąchtig und macht ihnen viel Freude. Das Wetter dort ist jetzt herrlich, alles in vollster Bl├╝te, wahrscheinlich bekommen wir bald wieder Nachricht.

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Deine Mutti

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Prag, 12. 2.1941

Als ich heute von der Kultusgemeinde nach Hause kam, fand ich Deinen Brief vom 8.2. vor. Ich war ganz entsetzt, als ich erfuhr, da├č Du Ernst ersuchtest, dringendst das Visum f├╝r uns zu beschaffen.

Abgesehen davon, da├č Ernst und Familie hiedurch in die gr├Â├čte Unruhe versetzt werden, ferner ihm solche Kosten erwachsen, die er in seiner jetzigen Lebenslage noch nicht zu tragen vermag, ist die ganze Aktion ├╝berfl├╝ssig, da wir in unserem hohen Alter nicht nach P(olen) gesendet werden und hier voraussichtlich unbehelligt bleiben, wir unser Auskommen hier haben und es zweifelhaft ist, ob wir die weite Reise ├╝berdauern k├Ânnten, und wenn schon, dort Ernst ganz zur Last fallen m├╝├čten, da wir unseren Lebensunterhalt nicht selbst verdienen k├Ânnten.

Liebe Annie, Da hast ├╝bereilt und un├╝berlegt gehandelt und h├Ąttest mindestens vorher telefonisch bei mir anfragen sollen. Jetzt mu├čt Du alles wieder auf telegrafischem Wege r├╝ckg├Ąngig machen mit der Motivierung, da├č es gar nicht notwendig ist und ich kein Visum ben├Âtige. ├ťbrigens spreche ich heute nach 20 Uhr telefonisch mit Dir, damit Du so rasch als m├Âglich widerrufen kannst. Schade um die Aufregung und die Kosten. Ich empfehle Dir, liebe Annie, mehr Ruhe, Geduld und ├ťberlegung. Hans hat sich ja pers├Ânlich von unserem Wohlbefinden ├╝berzeugt.

Nochmals herzliche Gr├╝├če und K├╝sse,

Benno

Meine Lieben, ich bin vollkommen mit Papa einverstanden, ├╝brigens werden wir ja abends alles miteinander besprechen. Es k├╝├čt Dich innigst

Deine alte Mutti.

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(Sommer 1941)

Liebes Annerl, es tut mir schrecklich leid, da├č Du Dich so abrackern mu├čt, aber von hier geht auch kein M├Ądel ins Reich, selbst hier will jede nur als Bedienerin gehen, damit sie um 5 Uhr frei ist, wir haben ├╝berall nachgefragt; leider sind die M├Ądels nicht so, wie sie fr├╝her einmal waren.

Von Ernst haben wir vorige Woche einen Brief von 18.Juli erhalten, mit einem reizenden aber sehr kleinen Foto, Pepe ist ein s├╝├čes dickes Pauxerl, sollen wir Euch das Bildchen senden? Sonst nichts von Belang, alles gesund und wohlauf, dort, wie hier. Da├č Ernst keine so sch├Ânen Aufnahmen zu Stande bringt, wie Du es immer gemacht hast - von 8 Aufnahmen, schreibt Lisl, ist das die beste.

Euch und die lieben Kinder umarmt und k├╝├čt innigst Deine treue

Mutti

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TELEGRAMM AUS MEXIKO; VIA HAPAG BRESLAU; AN BRAUNEIS WIEN 13.Nov.1941

MEXICOPERMIT UND KUBADURCHREISE GESICHERT = SABATH

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TELEGRAMM VON SONDEREGGER (SCHWEIZ) AN BRAUNEIS WIEN vom 3.Feber 1942

TRUDY KABELT ELTERN SOLLEN COOKS LISSABON REISEN INDEM ├ťBERFAHRT GEBUCHT = SONDEREGGER

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Prag, 8.M├Ąrz 1942

Meine Lieben!

Dein Brief, liebe Annie, vom 5.d.M. hat uns traurig gestimmt, da Du Dir gro├če Sorgen um unsere Zukunft - gibt es f├╝r uns alte Leute ├╝berhaupt noch eine Zukunft? - machst.

Wenn ich geahnt h├Ątte, da├č Du Dich so aufregst, h├Ątte ich den Zeitungsausschnitt gar nicht eingesendet. Aber Du mu├čt doch wissen, da├č die Transporte schon seit vielen Monaten im Zuge sind, und da m├╝ssen wir doch auch endlich drankommen. Es d├╝rfte bis dahin noch eine geraume Zeit vor├╝bergehen, ich denke zum mindesten bis zum Sommer und bis dahin - ! Der Mensch mu├č, so lange er lebt, Hoffnung haben, ohne diese w├Ąre er verloren. ├ťberdies soll es in Theresienstadt gar nicht so arg sein. Wir haben geh├Ârt, da├č nach Prag gelangten Nachrichten - allerdings nur solchen mit 30 Worten - es den Leuten dort besser geht, als der Ruf ihnen vorausgegangen ist. So werden auch wir, wenn das Schicksal uns ruft, folgen und nicht zugrunde gehen. Ich bitte also, keine unmotivierten Bef├╝rchtungen zu hegen und der Zeit zu vertrauen. Wie wir h├Ârten, soll dort ein Altersheim gegr├╝ndet werden oder es besteht schon und so w├Ąren wir geborgen. Wenn Du uns f├╝r die Reise zwei Rucks├Ącke besorgen kannst, wird uns geholfen sein, das andere werden wir uns hier schon beschaffen.

Vorl├Ąufig leben wir noch zufrieden in unserem Heim und hoffen, da├č es auch weiter so bleibt. Wir haben das frohe Bewu├čtsein, da├č es unseren Kindern gut geht, wenn wir auch nicht mit allen korrespondieren k├Ânnen; wir w├Ąren schon gl├╝cklich, wenn alle in der Ferne Weilenden w├╝├čten, da├č es uns gut geht, damit sie keine Sorgen unseretwegen haben m├Âchten.

Von Frau Grete Neumann wissen wir leider nichts, Telefon hat sie keines und ihre Adresse ist uns in Verlust geraten. ├ťbrigens, wenn sie noch hier w├Ąre, h├Ątte sie uns besucht oder irgendein Lebenszeichen von sich gegeben.

Der 10.M├Ąrz ist f├╝r uns ein Freudentag. Wir senden Euch unsere herzlichsten Gl├╝ckw├╝nsche, es m├Âge Euch auch f├╝r alle Zukunft das Gl├╝ck hold sein und Ihr m├Âget an Eueren Kindern viel Freude erleben.

Lasset Euch nicht von Sorgen, besonders um uns, bedr├╝cken, sondern lebet hoffnungsvoll, wie es auch tut Euer Euch herzlichst gr├╝├čender und k├╝ssender

Benno

Meine Innigstgeliebten!

Mein hei├čester Wunsch ist, Ihr m├Âget diesen Freudentag noch viele viele Jahre im Kreise Eurer Kinder feiern, gesund und gl├╝cklich.

Sonst habe ich Dir, liebes Annerl, nichts mitzuteilen, meinen Kartenbrief und das Paket wirst Du wohl schon erhalten haben. Bestelle Gr├╝├če von uns an Lotte, haben schon lange nichts von ihr geh├Ârt; kommt sie manchmal zu Euch? Auch Hedwig gr├╝├čen wir herzlichst. Der arme Karl hat dran glauben m├╝ssen, was wohl der Fr├Âhler ihre S├Âhne machen, siehst Du nie jemanden aus dem Haus? W├╝rde man es glauben, da├č es schon 8 Monate sind, da├č Anninka von uns gegangen, ich mu├č fortw├Ąhrend an sie denken, niemand ist sonst da, der um sie trauert.

Also, lebet wohl und seid herzlichst gek├╝├čt von Euerer treuen

Mutti

Heute Sonntag nachmittag war Marianne hier, sie hat das Paket noch nicht abgeschickt, es liegt noch bei ihr, da sie viel Laufereien hatte und nicht dazukam. Es geht erst Montag ab und wird erst Ende der Woche ankommen. Sie erz├Ąhlte uns, da├č Hajeks ├╝bersiedeln mu├čten, Hilda mit dem Krankenwagen, da sie sehr krank ist, sie wohnen jetzt in der Rembrandtstra├če, Nro. wei├č ich nicht. Erkundige Dich bei Ella, besuche sie und richte Gr├╝├če von uns aus.

Dann wollte ich Dich noch fragen, was ich mit dem sch├Ânen Teeservice (Marke Rosenthal) machen soll, Anna hat es mir zum Aufheben gegeben, soll ich es verkaufen oder willst Du es? Aber wie schicken? Vielleicht durch Marianne.

Heute ist wieder frischer Schnee gefallen, der Winter will gar kein Ende nehmen.

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CONSULADO DE LOS ESTADOS

UNIDOS MEXICANOS BERNA

Monsieur

Benjamin Sabath, Berne, le 7 mars 1942

Monsieur, j'ai l'honneur de vous informer que la Légation du Mexique à Portugal a bien voulu m'envoyer 2 formulaires de demande d'immigration pour entrer au Mexique. La Légation aimerait bien que vous remplissiez ces 2 formulaires et que vous les retourniez à ce Consulat pour leur réexpédition à Lisbonne.

Ci-dessous je me permets de vous transcrire le texte de l'autorisation que, par télégramme, a recu la Legation mexicaine au Portugal de la part de mon Gouvernement.

ÔÇ×GOBERNACION AUTORIZA ANTERNACION BENJAMIN SABATH ESPOSA ADELA WILLHEIM CHECOESLOVACOS CALIDAD IMMIGRANTES UND ANO REFRENDABLE COMPROBANDOLE SER PADRES ERNESTO SABATH MEXICANO NATURALIZACION SOSTENDRALOS ADVERTIDOS NO DEDICARANSE ACTIVIDADES LUCRO PUERTO ENTRADA OTORGARAN SENDAS GARANTIAS REPATRIACION SETESIENTOS CINCUENTA PESOSÔÇť.

Veuillez agréer, Monsieur, l'assurance de ma consideration distinguée. Le Consul

Antwort (Konzept)

Prag, 19.3.1942

An das verehrliche Konsulat
der Vereinigten Staaten von Mexico
Bern

Ich best├Ątige dankend den Erhalt Ihrer freundlichen Zuschrift vom 7. M├Ąrz und habe gerne zur Kenntnis genommen, da├č bei Ihnen die Autorisation zur Ausstellung eines Einreisevisums nach Mexico vorliegt. Ferner best├Ątige ich den Erhalt der beiden mir eingesendeten Formulare.

Ich teile Ihnen h├Âflichst mit, da├č augenblicklich eine Auswanderung von hier aus nach Mexico leider nicht m├Âglich ist, so da├č ich vorl├Ąufig davon Abstand nehmen mu├č, in dieser Angelegenheit irgendwelche Schritte zu unternehmen. Ich behalte mir aber vor, auf die Sache eventuell sp├Ąter zur├╝ckzukommen und habe daher die beiden mir zugesandten Formulare vorl├Ąufig bei mir zur├╝ckbehalten.

Indem ich Ihnen f├╝r Ihre Bem├╝hungen bestens danke und Sie bitte, die Angelegenheit frdl. weiter bei sich in Evidenz zu f├╝hren, zeichne ich mit vorz├╝glicher Hochachtung

B.Sabath

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Prag, 11. April 1942 (Benno)

Meine Lieben!

Heute gibt es nicht viel zum Schreiben, die Best├Ątigung des Erhaltes Deines Briefes, liebe Annie, vom 6.April, und Deines Briefes, mein braver Peter, ebenfalls vom 6.April. Bei uns hat sich seit unserer letzten Nachricht nichts ge├Ąndert; damit ist aber nicht gesagt, da├č keine ├änderung eintreten wird; wir rechnen eher mit dem Gegenteil, doch soll es uns vorbereitet finden. Die Hauptsache ist und bleibt aber Gesundheit.

Hat Frau Grete Neumann (Ungar) schon geschrieben? Sie hat es mir versprochen.N├Ąchste Woche folgt wieder ein Brief. Herzliche Gr├╝├če und K├╝sse

Benno

Heute nur recht herzliche Gr├╝├če und K├╝sse, ausf├╝hrlicher Brief folgt bald. Hat die arme Paula schon etwas gefunden? Gr├╝├če sie von mir, ich kann mich nicht entschlie├čen, ihr zu schreiben. Peterls Brief hat mich sehr gefreut. In Liebe

Deine alte Mutti

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Prag, 10.Mai 1942

Meine Lieben!

Deinen Brief, liebe Annie, vom 3.d.M. haben wir erhalten und gestern traf das Paket in vollkommen tadellosem Zustand ein. Das neue Pyjama pa├čt mir sehr gut, es ist nicht notwendig, es einzun├Ąhen, auch die Kappe pa├čt - ich bemerke hier, da├č es Juden verboten ist, Kappen zu kaufen.

Nun sind auch unsere Freunde, Knapp's und Klein's sowie Nichte und Neffe Klein gestern in den Messepalast einger├╝ckt, vorgestern fanden wieder Einberufungen statt. Das Ger├╝cht, da├č eine 6- bis 8-w├Âchige Pause in den Transporten eintreten wird, hat sich leider nicht bewahrheitet, denn sie gehen weiter.

Wir selbst haben noch Gott sei Dank keine Unannehmlichkeiten erfahren und besitzen noch unsere Wohnung, aber voraussichtlich wird man uns auch nicht hier lassen, aber wir sind schon froh, wenn es nur m├Âglichst sp├Ąt erfolgt, da wir dann leichter durchhalten k├Ânnen. Wir fassen das Ganze als Notwendigkeit auf, gegen die es keinen Widerstand gibt, und so m├╝├čt auch Ihr es ansehen in dem Momente, wo es uns treffen wird. Ruzena (Popper) ist schon ein halbes Jahr in Polen und scheint diese Zeit gut ├╝berdauert zu haben, wie aus einer Karte hervorgeht, die wir von ihr erhalten haben. Warum sollten wir es nicht auch so lange aushalten? Wir f├╝hlen uns beide stark genug dazu, vielleicht wird in viel k├╝rzerer Zeit der Krieg zu Ende sein und dann . . . ? Jedenfalls hoffen wir nach wie vor, Euch wiederzusehen und aus dieser Hoffnung sch├Âpfen wir stets neue Kraft.

Wir h├Ârten, da├č Marianne nicht mehr in Theresienstadt sondern in Polen ist. Alte Leute wie wir sollen nicht weiter als bis Th. Und dort in ein Altersheim kommen. Bitte, liebe Annie, sage Hans, da├č der Herr ein Bankgesch├Ąft hat; das andere habe ich bereits mitgeteilt.

Jetzt ist auch hier der Fr├╝hling einger├╝ckt, die B├Ąume sind zum Teil belaubt, aber gegen andere Jahre weit zur├╝ck. Auch das Wetter ist noch unbest├Ąndig, die bevorstehenden Eism├Ąnner haben diesmal keinen Sinn, denn sie haben uns bisher Tag f├╝r Tag besucht.

Indem ich Dir, liebe Annie, f├╝r die Besorgung der Sachen herzlich danke, gr├╝├če und k├╝sse ich Euch vielmals.

Benno

Mein liebes Annilein!

Besten Dank f├╝r die Besorgung der Sachen, nun werde ich diese Woche flei├čig an der weiteren Ausr├╝stung unserer Sachen arbeiten, damit wir dann nicht allzusehr ├╝berrascht werden. Mit L├Âwy haben wir genug mitgemacht, so unf├Ąhige, unselbst├Ąndige, ungeschickte Leute, besonders die Frau, sind mir noch nicht vorgekommen, haben auch nicht das allergeringste vorbereitet gehabt, es war schrecklich. Gebe Gott, da├č sie es aushalten.

Gestern ist auch Familie Klein mit 18j├Ąhriger Tochter aus unserem Haus einger├╝ckt, sehr liebe Leute, mit denen wir in letzter Zeit sehr viel verkehrten. Eine Tochter und ihr Mann Holzer sind in der Wohnung geblieben, doch f├╝rchten sie, da├č sie ihnen nicht bleiben wird. Herr Holzer hat vor einigen Tagen von seinen Eltern aus Shanghai einen Brief erhalten, datiert vom Februar. Warum nur Maria nicht schreibt, auch der Lotte nicht?

Nun sind auch die Ungarn, das junge Ehepaar Knapp, wo Marianne gewohnt hat, weg, ungemein gastfreie, liebensw├╝rdige Menschen, sie war ganz gebrochen, alle f├╝rchten Polen, wo der Hunger droht. Es spielen sich ├╝berall Trag├Âdien ab. Gebe Gott, da├č wir stark bleiben und nicht die Nerven verlieren. -

Mittwoch waren Trietsch hier, da sie kein Badezimmer haben und alle ihre Bekannten schon weg sind, werden sie jetzt bei uns baden. Sie bewohnen ein kleines Kabinett und w├Ąren froh, dort bleiben zu k├Ânnen. Ihre Tochter ist noch in Wien.

Marianne und Ilka tun mir schrecklich leid, man h├Ârt nichts Gutes aus Polen. In Lodz geht es besser, man kann wenigstens Geld schicken. So ist unser Bekanntenkreis zusammengeschmolzen, nur Frau Erber ist noch hier und besucht uns ├Âfters. Sie l├Ą├čt Dich bestens gr├╝├čen, wir haben sie sehr gern, denn sie ist eine kluge Frau und sehr gef├Ąllig.

Wie geht es der armen Mali? Leider h├Âren die P├Ąckchen jetzt auf, Risa mu├č schauen, so auszukommen. Auch von Paula hatte ich einen Brief, sie hofft, sich bald einzugew├Âhnen und jammerte etwas weniger, wenn sie nur nicht wegkommt, was Gott verh├╝ten m├Âge.

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Nachricht aus Mexiko, via ROTES KREUZ an Brauneis.

Vom 11.M├Ąrz 1942, eingetroffen am 14.Juni 1942

Mexicovisa parents since December at Mexconsul Lisbon, passagefare paid at Cook Lisbon, we are without news since November, cables unanswered, we and Trude well. Ernst.

Vorgesehene Antwort von Annie:

No permission for parents go to Mexico. They are still well in Prague, but quite alone. Anna dead, Mariann away. We all well, hope you too.

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Prag, 11. Juni 1942

Meine Lieben!

Deinen Brief, liebe Annie, aus dem Bad vom 7.6. haben wir erhalten, dessen Inhalt uns sehr ersch├╝ttert hat. Auch hier ist es nicht viel anders, die Transporte gehen weiter und sollen in diesem Monat noch zwei weitere erfolgen.

Erfreulich ist, da├č wir heute durch das deutsche Rote Kreuz eine Nachricht erhalten haben und zwar von Ernst, nachstehenden Inhaltes: ÔÇ×Mexicovise since December at Mexoconsul Lisbon, passage-fare paid at Cook Lisbon. We and Trude are well, we wait for you anxiously. Many kisses.ÔÇť Die Nachricht ist am 11.3. aufgegeben, hat also genau drei Monate gebraucht, bis sie uns erreicht hat. In der Antwort werden wir auch Euer Wohlbefinden vermelden.

Heute ist ein Paket an Euch abgegangen. Den ? bitte nur im Notfalle anzugreifen.

Zu berichten haben wir sonst nichts als da├č wir gesund sind und bisher keine Ver├Ąnderung erfahren haben. Nachdem Du Dich, liebe Annie, nicht ├Ąu├čerst, m├╝ssen wir annehmen, da├č aus Deinem Besuche in P. nichts geworden ist, und bis auf weiteres verschoben wurde.

Nun werden die Kinder auch bald Ferien haben, was ihnen von ganzem Herzen zu verg├Ânnen ist. Gewi├č freuen sie sich auf den bevorstehenden Urlaub und die Badesaison.

Wir sehen sehr gerne Deinen, liebe Annie, uns in baldige Aussicht gestellten Nachrichten entgegen; mit vielen Gr├╝├čen und K├╝ssen an Euch alle

Benno

Meine Teuersten!

Ich bin so niedergeschlagen ├╝ber Deine traurigen Berichte und ├╝ber das Schicksal der ungl├╝cklichen Mali und der armen Risa, da├č ich keine Worte und auch keine Tr├Ąnen finde. Gott hat uns in unserem bodenlosen Jammer ganz verlassen. Marianne hat einem ihrer Freunde Nachricht zukommen lassen, sie ist in Isbitza, sie ist gesund und es geht ihr gut. Wenn nur die arme Risa mit ihr zusammentreffen w├╝rde, das w├Ąre ein gro├čer Trost f├╝r Beide.

Sonst geht es hier auch nicht besser zu, bei jedem L├Ąuten f├Ąhrt man erschreckt zusammen und was man h├Ârt, ist schrecklich. Vielleicht wird Mali doch in ein Altersheim kommen, oh, jetzt wird der Armen Sigmund doppelt fehlen. Wie wirst Du Nachricht von ihr erhalten? Paula geht doch gewi├č t├Ąglich zu ihr, sie ist schon vertr├Ąglicher mit ihrer Umgebung, sie soll nur gesund bleiben.

Den Z. lasse in der Schachtel, er ist von L., vielleicht kann man ihn einmal zur├╝ckgeben, wir haben genug. Soll ich meinen von der Kik. holen oder dort lassen? Was glaubst Du?

Gestern war Grete Ungar bei uns, sie l├Ą├čt Dich herzlichst gr├╝├čen, lebt so in Ungewi├čheit wie wir alle.

Der arme Ernstl und Trude ├Ąngstigen sich gewi├č auch sehr um uns, aber was sollen wir tun, man ist ja so hilflos. - Die R├╝ckantwort bekommen sie ja erst in 3 Monaten, was kann da alles geschehen.

Ich freue mich, da├č es Euch und den lieben Kindern gut geht und alle gesund sind. Bis jetzt waren noch nicht viele hei├če Tage, jetzt regnet es wieder. Kannst Du alles unterbringen, vielleicht gibst Du es in einen Koffer.

Ich umarme und k├╝sse Euch alle viel tausendmal,

Deine treue Mutti.

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Prag, 18.Juni 1942)

Meine vielgeliebten Kinder und Kindeskinder!

Ich bitte Euch, es mir zu verzeihen, wenn ich Euch cumulativ und nicht jedem Einzelnen separat meinen herzlichsten Dank sage f├╝r die Gl├╝ckw├╝nsche, die Ihr mir zu meinem 80.Geburtstage gespendet habt. Wenn ich heute einen speziellen Wunsch habe, so ist es der, da├č Eure W├╝nsche zu unser aller Gl├╝ck und Segen in Erf├╝llung gehen m├Âgen. Was an mir liegt, werde ich zu erf├╝llen trachten, nur d├╝rfen mir die B├Âsegesinnten nicht dazwischen kommen. Wir beide Alten sind zwar jetzt allein und von den Kindern getrennt aber nicht verlassen, denn Ihr alle und die in den ├╝brigen Weltteilen zerstreuten leben ebenso in unseren Herzen, wie wir in ihren.

Ich habe mir vorgenommen, die Feier auf unbestimmte Zeit zu vertagen, bis die Verh├Ąltnisse sich ge├Ąndert haben, aber dann soll es hoch zugehen.

Vorl├Ąufig ist es erfreulich, da├č wir gesund und unver├Ąndert in unserem Heim leben und da├č die Transporte bis etwa Mitte bis Ende Juli eingestellt sein sollen. Wenn dies zutrifft, haben wir wieder eine Spanne Zeit zum Verschnaufen.

Ich m├Âchte gerne erfahren, ob es Euch nicht unangenehm ist, da├č zu viele Pakete an Euch kommen und ob solche an eine andere Adresse gesendet werden sollen, vielleicht an Hofer, von wo Du sie dann holen kannst. Bitte um Antwort.

Soeben traf das P├Ąckchen mit den auserlesenen Sachen wohlbehalten ein und danke ich herzlich f├╝r alles; besonders das Kraut tat nach langer Abwesenheit wohl und werde ich mich bei Lotte speziell bedanken. Auch Frau R. schrieb uns einen herzlichen Brief und gab noch ihrer Freude ├╝ber Deinen Besuch, liebe Annie, Ausdruck.

Was Eure Frage, liebe Enkerln, ├╝ber das Wetter anbelangt, so gilt f├╝r Prag das gleiche wie f├╝r Wien, speziell wirkt der Medardustag (8.Juni) empfindlich nach, da es an diesem Tag geregnet hat; auch gr├Â├čere K├Ąlte hat er im Gefolge gehabt. Auch da├č die alten R├Âmer nur lateinisch gesprochen haben, ist gewi├č zu bedauern, da es jetzt die Gymnasiasten b├╝├čen m├╝ssen. Ich bitte schlie├člich um Nachricht, ob der Brief vom 11.Juni bei Euch eingelangt ist.

Seid alle herzlichst gegr├╝├čt und gek├╝├čt von Eurem nun ins hohe patriarchalische Alter gelangten

Benno

Meine Teuersten!

Beim Lesen Deines Briefes, mein liebes Annerl, habe ich mich wieder gut ausgeweint, gebe der Allm├Ąchtige, da├č endlich unsere Gebete und Bitten erh├Ârt und erf├╝llt werden.

In Abwesenheit unserer teueren Kinder nahmen wir uns Euere Bilder vor und gedachten lebhaft an die Feier des 70. Geburtstages, wer h├Ątte das damals gedacht und wie wird es weiter sein? -

Leider erh├Ąlt der liebe Ernst die Antwort erst in drei Monaten, wie werden sie und Trudl und Richard besorgt sein, wir w├Ąren gleich bereit gewesen zu fahren.

Am Dienstag wollen wir zwei Pakete absenden, schreibe daher gleich wegen der Adresse. Ob ich das von der Ki. zu den T. geben soll, hast Du nicht beantwortet.

Heute war Frau Erben dem lieben Benno gratulieren und brachte einen Labetrunk mit, sie ist sehr lieb und aufmerksam.

Es freut mich, da├č sich Helen um die Mali k├╝mmert, hoffen wir, da├č es der armen Risa nicht gar so schlecht geht, ein Gl├╝ck w├Ąre es, wenn sie mit Marianne zusammentreffen w├╝rde.

Demn├Ąchst sollen Kleider und W├Ąsche abzugeben sein, jeder Tag bringt was Neues, Unangenehmes.

Wie geht es der Paula, wer f├╝hrt ihre finanziellen Sachen, hat sie genug zum Leben? Wie geht es Hilde und M., sind sie noch im Spital?

F├╝r alles Gute danke ich auch herzlich, wir werden es uns gut schmecken lassen, viel Freude hatten wir auch mit den Briefen von Liserl und Peterlein

In Liebe umarmt und k├╝├čt Euch alle innigst Euere

Mutti

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Prag, 22.Juni 1942

Meine teuere Annie!

Dein Brief vom 20. ist heute vormittag hier eingelangt und habe gleich am Nachmittag die Werkst├Ątte besucht, wo die Reparatur erfolgt. Freitag den 26. Soll diese beendet sein und werden Mutter und ich die Arbeit besichtigen und gleich das Einpacken f├╝r den Versand vornehmen lassen. Schreibe gef├Ąlligst sofort, ob die St├╝cke gleich abzusenden sind oder bis zur R├╝ckkehr des lieben Hans hier bleiben sollen, dies aus dem Grunde, wenn Du nicht alle mit der Versendung zusammenh├Ąngenden Verrichtungen durchf├╝hren k├Ânntest (Versicherung der Sendung, Bezahlung der Frachtspesen etc.) Den Betrag, den ich f├╝r die Reparatur Euch schon fr├╝her angegeben habe, braucht Ihr nicht hierher zu senden, sondern dem Euch bekannten Herrn H. in der Schottengasse zu ├╝bergeben. Ich werde sofort nach Deiner Mitteilung und nach der Besichtigung Dir wieder N├Ąheres berichten und die sonstigen dem Gew├Ąhrsmann aufgelaufenen Spesen bekanntgeben.

Sonst ist bei uns nichts Neues, nur sind wir um das Schicksal der Wiener Verwandten sehr besorgt. Sei mit den lieben Kindern herzlichst gegr├╝├čt und gek├╝├čt von

Benno

Meine liebe Annie! Es wird mich freuen, n├Ąheres ├╝ber den Tanzabend zu erfahren, Liserl hat gewi├č reizend ausgesehen. Die Kinder haben doch ein bi├čchen Vergn├╝gen. Mali und Paula tun mir schrecklich leid, die Armen werden verzweifeln, jetzt haben sie nicht einmal mehr Dich, wie erf├Ąhrst Du von ihnen? Es k├╝├čt Dich in Liebe Deine alte

Mutti

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Prag, 27.Juni 1942

Meine liebe Annie!

Dein Brief vom 24.6. kam gestern vormittag an. Nachmittag waren Mutter und ich bei Herrn Aul, die Arbeit zu besichtigen. Deinem Wunsch, die Absendung zu verschieben, bis Hans zu Hause ist, konnte nicht entsprochen werden, da zwischen Aul und der Intercont. schon fr├╝her vereinbart war, die Ware abzugeben, da├č sie am Montag, den 29.6. Prag verl├Ą├čt und Dienstag oder Mittwoch in Wien eintrifft.

Beiliegend ├╝bersende ich die Best├Ątigung der Prager Continental ├╝ber die ├ťbernahme von drei Ballen im Gewichte von 88 kg.

Die Versicherung auf 100.000 K wurde hier durchgef├╝hrt, so da├č Du, mein liebes Kind, nichts weiter zu tun hast, als die Versicherung, die Fracht und die Zufuhr in Deine Wohnung zu bezahlen. Ich lege weiter bei die Empfangsbest├Ątigung von Herrn Aul ├╝ber 4530 K, die auf der R├╝ckseite spezialisiert sind.

Vorl├Ąufig habe ich dazu nichts weiter zu erw├Ąhnen als da├č ich hoffe, da├č die Sendung gut in Wien ankommt. Die Reparatur ist, so weit es Mutter und ich beurteilen k├Ânnen, gut durchgef├╝hrt, und w├Ąre nach unserer Meinung auch in Wien nicht besser gelungen. Ich bitte Dich noch, uns nach Ankunft der Ware in Wien sofort zu benachrichtigen.

Was den weiteren Inhalt Deines Schreibens anbelangt, so ist er leider sehr traurig und hat uns, besonders die Mutter, angegriffen. Auch tut es uns sehr leid, da├č Lisl nicht mehr die Schule in der Wenzgasse besuchen kann; dort hat sie sich schon wie zu Hause gef├╝hlt. So ist heute kein Mensch frei in seinen Entschl├╝ssen und jeder bekommt seinen Teil zugemessen.

Peterlein hat doch noch bessere Aussichten, da er noch nicht so weit ist und jetzt, wenn er das Latein nicht mag, leichter umsatteln kann. Ich habe die feste ├ťberzeugung, er mu├č ja nicht Doktor dieser oder jener Fakult├Ąt werden. Ich hoffe, Ihr werdet die Sache nach Euerem Gutd├╝nken regulieren k├Ânnen und so wird es auch recht sein.

Bleibet recht gesund, gegr├╝├čt und gek├╝├čt von

Benno

Meine liebe Annie!

Die Nachricht ├╝ber Paulas ungl├╝ckliches Schicksal hat mich aufs tiefste ersch├╝ttert und mu├č ich bei dem Gedanken nur bitterlich weinen. Ich glaube, wenn es uns treffen wird, werde ich gefa├čter sein, denn wir sind, Gottlob, zwei und k├Ânnen uns gegenseitig st├╝tzen.

Konnte sich die Arme etwas mitnehmen oder war sie ganz unvorbereitet? Gott m├Âge sie beh├╝ten und ihr die Kraft geben auszuhalten. Gerade vor zwei Tagen habe ich ihr einen langen Brief geschrieben.

Warst Du schon bei der lieben Mali, schreibe ausf├╝hrlich ├╝ber sie.

Alles andere n├Ąchstens, bleibet gesund, meine Teuersten, und lebet f├╝r heute wohl. Es umarmt und k├╝├čt Euch herzinniglich Deine treue alte

Mutti

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Prag, 30.6.1942

Meine Teuersten!

Soeben war Herr Holzer von oben bei uns und teilte uns mit, da├č jetzt jeden Montag und Donnerstag wieder Transporte gehen und zwar lauter ├Ąltere und ganz alte Leute, wir sollen uns vorbereiten und packen, damit wir nicht ├╝berrascht werden und die Nerven verlieren.

Alle alten Leute bleiben in Theresienstadt in Reichs-Altersheimen und sollen es nicht gar zu schlecht haben, auch alle aus Deutschland und Frankreich kommen hin. Also jetzt hei├čt es den Kopf nicht verlieren und sich alles sch├Ân zurecht legen und sich keinen Illusionen hingeben, denn alle m├╝ssen weg. Wir sind ja so ziemlich gefa├čt (wenngleich mir die Tr├Ąnen nur so flie├čen), sei es auch, mein liebes, gutes Kind, wir wollen hoffen, da├č es in diesem Leben doch noch ein Wiedersehen geben wird.

Heute senden wir ein Paket ab, alle meine besseren Sachen und alle Ledertaschen, da man keine mitnehmen darf. Schau alles nach, im kleinen Schachterl besonders, echt von Anna. Dann geht noch diese Woche eine Hutschachtel mit H├╝ten und auch einigen von der L. und verschiedenes noch kunterbunt durcheinander weg. Du wirst es ja schon ordnen, ich wei├č selbst ncht mehr, was ich geschickt habe.

Die Verordnungen werden immer strenger, man darf nur 40 kg Gep├Ąck, Koffer, Rucksack und 10 kg Handgep├Ąck mitnehmen, mit Bettzeug, Decken, Polster etc. Auch gibt es keinen Hilfsdienst mehr, Koffer werden abgeholt und das ├╝brige mu├č man allein tragen, ob wir das ertragen werden, ist sehr die Frage. Jetzt mache ich Sackerln f├╝r die Lebensmittel, die wir mitnehmen wollen, leider fehlt es an Margarine, um mir noch verschiedenes zu backen, Keks, Lebkuchen.

Warst Du bei der lieben Mali, sage ihr, sie soll sich f├╝r alle F├Ąlle alles vorbereiten, denn sie wird bestimmt nicht dableiben. Koffer und alles gepackt haben, was sie mitnehmen will.

Es ist ein Jammer ohne Ende, das ├ärgste ist wohl, da├č man keine Nachricht bekommt und auch keine geben kann. Glaubst Du, da├č der liebe Hans wird herkommen k├Ânnen, wenn wir wegm├╝ssen, es w├Ąre uns nat├╝rlich ein gro├čer Trost. Sei nicht traurig, mein liebes, goldenes Annerl, noch ist es ja nicht so weit, ich werde Dir Donnerstag wieder schreiben. Bis dahin gr├╝├čt und k├╝├čt Euch alle viel tausendmal

Deine alte Mutti

Meine Lieben!

Die liebe Mutter hat Euch durch ihre Worte so viel Sorgen bereitet, da├č ich mich verpflichtet f├╝hle, durch eine kleine Richtigstellung Euch einigerma├čen zu beruhigen. Da├č alle Juden von hier fortm├╝ssen, scheint ja ausgemachte Sache zu sein; es sind aber auch Ausnahmen vorgesehen, die das Verbleiben im Lande erm├Âglichen sollen, besonders gediente Offiziere. Wie weit sich das auf uns bezieht, kann ich nicht ermessen, aber ich werde jedenfalls im geeigneten Momente Einspruch erheben. Aber insoferne hat Mutter recht, da├č wir uns auf alle F├Ąlle vorbereiten m├╝ssen.

Ich nehme an, da├č Ihr die Sendung der ÔÇ×Intercont.ÔÇť und unseren Brief vom 27.Juni erhalten habt. In der Rechnung des Absenders gehen K 780 auf mein Konto, w├Ąhrend Deine Spesen, mein lieber Hans, K 600 betragen. Daher ist mein Guthaben bei Dir K 600, welche sich auf K 550 reduzieren, sobald Du Herrn H. in der Schottengasse K 50 = M 5 noch ├╝bergibst, wodurch die Zuwendung seines Schwagers ausgeglichen sein wird.

Also nochmals, seid nicht allzu besorgt; es gr├╝├čt und k├╝├čt Euch herzlich

Benno

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8.Juli 1942

Mein liebes, liebes Annerl!

Deine beiden Briefe, die wir schon sehnlichst erwarteten, kamen Montag fr├╝h und etwas sp├Ąter das s├╝├če Paket, f├╝r welches wir allerherzlichst danken.

Es ist alles herrlich sch├Ân und gut, vorl├Ąufig wird es noch aufgehoben, nur ein bi├čchen gekostet, da wir beide gro├če Nascher geworden sind, den Lebkuchen, der ausgezeichnet und fabelhaft billig ist, werde ich morgen machen.

Von ganzem Herzen w├╝rde ich w├╝nschen, da├č Deine Ahnungen, mein gutes Kind, in Erf├╝llung gehen m├Âchten, es w├Ąre ja ein unerh├Ârtes Gl├╝ck, aber leider, leider h├Ârten wir, da├č bis Ende August Prag judenrein sein soll oder mu├č. -

Wir werden uns also keinen Illusionen hingeben und mit Fassung ertragen, was auch kommen mag. Wir sind ja Gottseidank gesund, was uns auch der Arzt, den wir vorige Woche aufsuchten, best├Ątigte. Es sind neuralgische Schmerzen, die ich den ganzen Winter im R├╝cken und rechten Bein bis zum Knie hatte, und auch Papa bekam es pl├Âtzlich im R├╝cken, lie├č es aber nicht anstehen so wie ich, sondern ging gleich zum Arzt, welcher uns ausgezeichnete Pillen verschrieb, nach jeder Mahlzeit zu nehmen. Der Erfolg war ├╝berraschend, denn es geht uns beiden schon fast ganz gut, doch nehmen wir sie noch weiter. Er hat mich gr├╝ndlichst untersucht und ├Ąu├čerst gesund gefunden (unberufen!), mein Alter wollte er gar nicht glauben. So hoffe ich zu Gott, da├č wir auch diese schreckliche Zeit aushalten werden und mit Euch allen, meine Teuersten, noch gl├╝ckliche Tage oder Jahre verleben werden.!

Die arme Mali tut mir unendlich leid und noch mehr die arme Risa, wie wird sie es in Polen aushalten, wenn sie nur Marianne treffen w├╝rde. Wei├č Mali es nicht?

Paula ist gewi├č in Theresienstadt im Altersheim geblieben, wo es nicht gar so schlecht sein soll. Grete Ungar war bei uns, ihre Mutter ist schon seit einigen Wochen aus der Seegasse in Theresienstadt. Sie hat ihr sehr ruhig und gefa├čt geschrieben.

Auch unsere letzten Freunde Trietsch hat es vorige Woche getroffen, am Mittwoch, wo wir sie erwarteten, bekamen sie die Verst├Ąndigung und am Montag mu├čten sie antreten. Dr.Trietsch war sehr deprimiert und niedergedr├╝ckt, wir haben sie Freitag besucht und ihnen verschiedenes mitgebracht, so kommt einer nach dem anderen dran.

Habe heute eine Lederhutschachtel abgeschickt, die drei alten H├╝te geh├Âren L. und die besseren mir, und noch verschiedener Kram, der nicht enden will, Du wirst schon b├Âs sein und nicht wissen, wohin damit, was?

Die geh├Ąkelten Bluserln von Anna kann vielleicht Liserl tragen, die blauen Leinenschuhe gib der Helen. Die schwarze Bluse ist f├╝r Mali, alles andere hebe auf. Lasse uns nicht lange auf Antwort warten. Ich freue mich, da├č der liebe Hans gl├╝cklich wieder zu Hause ist und umarme und k├╝sse Euch, meine Teuersten, tausendmal. In Liebe

Deine alte Mutti

Meine Lieben!

Sehr erfreut bin ich von Deinen beiden Briefen, liebe Annie, da├č Du so gefa├čt bist. Kopf h├Ąngen lassen n├╝tzt nichts. Das Warten auf die Abreise ist fast noch mehr nervenerregend als die Tatsache selbst. Wir beide werden hcherhobenen Hauptes auf die Wanderschaft gehen. Zwischen Einberufung und Eintritt in den Messepalast vergehen in der Regel hier 4 - 6 Tage, so da├č man sich den letzten Vorbereitungen mit Leichtigkeit widmen kann. Es hei├čt, es wird jetzt wieder eine Ruhepause von mehreren Wochen sein, so da├č wir erst im August antreten d├╝rften.

Wir freuen uns, da├č die Sachen gut eingelangt sind, mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Auch Frau Dr.Sch. ist sehr zufrieden und l├Ą├čt bestens gr├╝├čen.

Wenn Du, lieber Hans, nach Prag kommen solltest, bitte ich Dich, eine gut gehende aber unechte, also Stahl-, Nickel- oder Messinguhr mitzubringen. Du wirst einen guten Tausch machen. Solltest Du aber erst nach unserer Abreise einmal herkommen, unterlasse es nicht, Herrn H. zu besuchen. Er ist ein liebensw├╝rdiger Mann in Deinen, also in den besten Jahren. Herzlichen Dank f├╝r das gute Kraut, das den Lebensabend vers├╝├čen kann.

Mutter souffliert mir gerade, der W├╝rfel kam ihr sehr gelegen, sie kann ihn gut brauchen. F├╝r alles meinen herzlichen Dank, es ist alles sehr gut und in der jetzigen Zeit eine Seltenheit.

Annerl, liebes Kind, schreibe uns, wo Du f├╝r die n├Ąchsten Semester Liserl untergebracht hast und ob Peterlein - wenn auch mit Ach und Krach - durchgerutscht ist.

Herzliche Gr├╝├če und K├╝sse und gute Ferien w├╝nscht

Benno

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Prag, 9.7.1942

Meine liebe Annie!

Erschrick nicht, wenn Du heute wieder ein Schreiben von mir erh├Ąltst, aber ich habe noch verschiedenes vergessen und da die Transporte jetzt unheimlich rasch gehen, diese Woche waren es drei (zum Gl├╝ck haben wir nichts davon gewu├čt) so m├╝ssen auch wir und schon vollkommen vorbereiten.

Vor allem bitte ich Dich, mein Annerl, wenn Du ├╝berfl├╝ssiges Fett hast, uns Einbrenne zu machen (wurde mir von allen Seiten sehr dringend empfohlen) und gleich eine ger├Âstete Zwiebel und ein bi├čchen Knofel und Salz hineinzugeben, dann ist eine Suppe sofort fertig. Gebe die feste Einbrenne in Papiertiegel, welche man ja in allen Gr├Â├čen bekommt. Habe heute den ganzen Tag noch Nudeln und Gerstl gemacht und backen kann ich erst den letzten Tag, man wird allm├Ąhlig doch sehr nerv├Âs und zittrig. Bitte auch ein bi├čchen Tee senden.

Morgen wollen wir die Koffer packen, S├Ącke f├╝rs Bettzeug habe ich schon gen├Ąht. Obzwar ich alles bessere schon weg habe, ist immer noch genug da, kann ich noch zwei schwarze M├Ąntel und diverses Dir schicken? Ich habe auch noch so viel gutes K├╝chengeschirr (Probleme etc.), um welches sehr schade w├Ąre, soll ich etwas schicken? Service und alles zerbrechliche mu├č nat├╝rlich dableiben. Man trennt sich so schwer von allem, schreibe sofort nach Erhalt des Briefes und sende gleich das P├Ąckchen ab. Kann Lisl Schuhe von mir tragen? Ich habe hier noch zu viele. Auch eine Mohnm├╝hle bekommst Du.

Hast Du der lieben Mali gesagt, sie soll ihren Koffer und alles gepackt halten, in Theresienstadt werden wir uns ja wiedersehen, auch die liebe Paula.

Ich hoffe zu Gott, da├č wir uns noch einige Male schreiben werden, ach Gott, zu sagen h├Ątte man sich ja noch so unendlich viel, es wird einem doch sehr schwer ums Herz.

In unendlicher Liebe umarme ich Euch, meine Teueren, und bleibe

Deine alte Mutti.

Meine Lieben! Ich f├╝ge nur noch meine besten Gr├╝├če und K├╝sse an. N├Ąchstens mehr.

Benno

+ + +

Prag, 12.7.1942

Meine Lieben!

Deinen Brief, liebe Annie, vom 9.7. haben wir gestern erhalten und konntest Du nat├╝rlich noch nicht im Besitze unserer beiden Briefe vom 7.7. und 9.7. sowie des Paketes vom 7.7. sein. Deine Post ist richtig bei uns eingelangt, auch das Paket. Neues gibt es von uns nicht zu berichten, morgen schreiben wir wieder, hoffentlich bleiben wir auch diesmal verschont.

Wir werden uns sehr freuen zu erfahren, ob Du oder Hans oder Ihr beide mit den Kindern auf Ferien gehen werdet; ich glaube, auch Du, liebes Kind, hast es notwendig. Seid unseretwegen ohne Sorgen, wir sind auf alles vorbereitet.

Seid alle herzlichst gegr├╝├čt und gek├╝├čt von

Benno

N├Ąchste Woche geht wieder ein Paket ab. Herzliche Gr├╝├če und K├╝sse von Mutti

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Karte an Else in Pre├čburg

Prag , 14.Juli 1942

Meine liebe Elsa!

Heute ├╝bernehme ich es, in Vertretung der lieben Adele Dir zu schreiben, da es wieder keine guten Nachrichten zu ├╝bermitteln gibt; erschrick nicht, denn wir werden am 16.7. Prag verlassen und vermutlich vorl├Ąufig keine weiteren Nachrichten geben k├Ânnen. Wir sind gesund und gefa├čt und hoffen, da├č auch Du beruhigt sein wirst. Soeben hat uns Hans mit seinem Besuch erfreut. Da├č Du gute Nachricht von Deinen Kindern hast, freut uns sehr. Hoffentlich bleibt Ihr weiter recht gesund in Euerem Heim, und seid herzlich gegr├╝├čt und gek├╝├čt von

Benno

Meine Teuersten, ich sende Euch meine herzlichsten Gr├╝├če und K├╝sse. M├Âge Gott uns besch├╝tzen und Euch und uns beh├╝ten. Ich umarme Euch alle in inniger Liebe, Eure alte Adele. Helene ist auch verreist.

+ + +

(Kein Datum, erhalten am 4.4.43)

GELIEBTE KINDER! TIEF BETR├ťBT TEILE EUCH MIT, DASS UNSER GELIEBTER VATER AM 3. J├äNNER SANFT VERSCHIEDEN IST. ICH BEFINDE MICH ZIEMLICH WOHL, BRIEFE UND P├äCKCHEN KOMMEN GUT AN.

TAUSEND K├ťSSE VON TRAUERNDER MUTTER

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Karte von Eugen Zuckermann,

Theresienstadt, 28.III.43

Liebes Kind!

Teile Dir mit, dass es mir gut geht, ich gesund bin und dasselbe von Euch hoffe. Ich bin hier als Hausvater voll besch├Ąftigt. Benjamin ist am 2.1., Adele am 6.3. gestorben. Ich habe die Totenscheine besorgt und wenn Ihr die Urnen haben wollt, so verst├Ąndiget mich. Tante Paula befindet sich wohl, Tante Mali ist nicht hier.

Schreibet recht bald! Sei Du, wie Deine Lieben, recht herzlich gegr├╝sst und gek├╝sst von Deinem treuen

Vater

+ + +

Damit dieser Bericht nicht gar so traurig endet, will ich noch hinzuf├╝gen, da├č alle vier Kinder samt Ehepartnern diese Zeit ├╝berlebt haben. In den 60er- und 70er-Jahren haben sich alle Geschwister auch gegenseitig mehrmals besuchen k├Ânnen, die ausw├Ąrtigen waren auf l├Ąngeren Urlaubsreisen in Wien und in ├ľsterreich, meine Mutter war in Mexiko. Von den Enkelkindern (Trude und Richard waren kinderlos) leben mein Bruder und ich, und die beiden Kinder von Ernst, alle haben Familie und allen geht es so gut.

Auch Lilly, Ernis Schwester, und Tante Elsa, die j├╝ngste Schwester der Gro├čmutter, haben ├╝berlebt.

+ + +

Juni 2000


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