Grete Schröfl - Robert Schröfl: Korrespondenz


[up] [CV] [Holydays] [1920] [1921] [1923] [1925] [1926] [1928] [1929] [1930] [1931] [1932] [1934] [1935] [1936] [1937] [1938] [1939] [1940] [1941] [1942]


* Not translated yet * Only german version available *


Sofia, den 7.6.37

Liebes!

Ich übersende Dir in aller Eile die Bestätigung wegen der Ausstellung des Passes. Als ich heute mit der Bestätigung, so wie Du mir geschrieben hast, beim Konsulat war, sagte man mir, daß diese Beglaubigung Lw.380.- kosten würde. Sehr zuvorkommend schlug man mir diesen Weg vor, der kostenlos ist.

Auch sagte man mir in Sofia, daß Du wahrscheinlich den Paß nicht so leicht bekommst, Du müßtest angeben, daß Du nach Bulgarien reist, und daher Fredy zu Verwandten gibst. Ich lege Dir auf alle Fälle eine persönliche Bestätigung bei, im Falle Du diese brauchst.

Wegen meines Kommens teile ich Dir mit, daß die Firma mit meinem Vorschlag einverstanden ist. Ich wollte eigentlich schon am 1. Juli hier abfahren, doch geht es sich so nicht aus. Frühestens kann ich am 4. Juli von Sofia abkommen, so daß ich in der Nacht vom 5. zum 6. oder am 6. in der Früh in Wien sein werde. Ich will aber doch über Jugoslawien fahren, so daß ich Dir meine Ankunft noch nicht mit Sicherheit angeben kann. Leider bekomme ich hier keine österr. Fahrpläne, so daß mir eigentlich diese Vorbeschäftigung vor einer Reise sehr abgeht. Am 6. Juli müßte ich dann im Büro sein und am 7. könnten wir losfahren. Da Werner bis 15. Juli in Ternitz ist, so hätten wir 9 Tage Zeit, genug um Fredy zu begleiten. Vielleicht könnte Werner doch noch einige Tage bei Richard bleiben, dann wäre es noch feiner, oder ich dachte auch schon an Emmy Dont, die würden dies, selbstverständlich gegen Vergütung, gerne machen (so glaube ich). Und wir könnten dann bei Hubers uns ein bis zwei Tage länger aufhalten und auch bei den Ausseern bleiben. Denke darüber ein bißchen nach!

Die jungen Leute werden wohl in Wien sein und ich beneide sie. Erstens, daß sie in Wien sein können und dann auch um die schönen ersten Wochen in der Ehe. Hoffentlich fühlen sie sich wohl, ich weiß wohl nicht, ob Herr Wolkoff deutsch spricht, weil ich ihn gestern in der Kirche zum ersten Mal gesehen habe und da sehr flüchtig.

Ich habe 4 Aufnahmen gemacht, die aber alle schlecht sind, weil die Beleuchtung unzureichend war. Schade, ich hätte gerne solche dem Schreiben beigelegt.

So und jetzt Schluß, damit der Brief noch per Flugpost weggeht.

Viele Küsse an Euch und Grüße an die Wolkoffs.

Robert.

Wien, 8.6.1937, morgens

Mein einzig Lieb!

Sei mir bitte nicht böse, daß ich Dein so liebes Schreiben nicht früher beantwortete. Doch Freitag, als es kam, hatte ich just wieder Postarbeit, Samstag und Sonntag große Putzerei, da ich annahm, daß Deine Gäste Sonntag abends eintreffen werden. Nun sind sie weder Sonntag noch gestern gekommen. Was ist los?

Samstag haben wir den ganzen Vormittag verlaufen. Erst zu Körblers, um zu konstatieren, daß Gerli Masern hat. Dann in die Fuhrmanngasse. Von dort schickte man uns auf den Deutschmeisterplatz: „Aber die Kinder müssen S’ mitnehmen!“ Auf der Polizeidirektion teilte man uns dann mit, daß wir hätten gar nicht kommen müssen, sondern ein Gesuch einzureichen ist, mit S 1.50 gestempelt. Fredy bekommt daraufhin die Bewilligung, Werners Ansuchen wird abschlägig beschieden, da er unter 12 Jahren ist. Daraufhin ist ein Rekurs an den Bürgermeister zu richten. Von dessen Bewilligung oder Nicht-Bewilligung hängt dann alles ab. Zwecks Steuer, 6 S pro Jahr, muß man auf die Bezirkshauptmannschaft. Da es noch nicht so dringend ist, ließ ich es, bis ich den Bescheid über die Kinderbewilligung habe. Werden ja sehen, ob dies noch in dem Monat zur Erledigung gelangt.

Fredy hat auf der Rechenschularbeit sehr gut, Robert ein schwaches Genügend.

Samstag nachmittag war Anna (von Louis) da. Später auch Frau Lowak. Sie war mit Robert und Schmied im Burgtheater. Lowak selbst mußte zu Hause bleiben, weil er Mumps hat. Das wird ihm nun wahrscheinlich den letzten Stoß versetzen.

Mit Frau Lowak sprach ich über die Tour der Buben. Und mußte leider erfahren, daß Herr Lowak die Sache nicht erlaubt. Es geschehen zu viele Morde. Allerdings meint Frau Lowak, vielleicht läßt der Mann sich noch umstimmen.

Ich habe das Plänemachen wieder ganz aufgegeben und warte ab. Jedenfalls stehe ich der Sofioter Reise noch ziemlich skeptisch gegenüber, so schön es wäre, wenn man die Alltagssorgen hinter sich werfen könnte und nur glücklich sein! So für ein paar Wochen nur sich selbst und dem geliebten Mann leben zu können!

Wegen des Kostenpunktes habe ich mit Lina noch nicht verhandelt. Es ist dies ein sehr heikles Gebiet und ich weiß nicht, wie weit Lina darinnen feinfühlig ist.

Fritz ist ab heute im Urlaub. Die beiden werden nachmittag die Räder bei uns einstellen und per Bahn auf die Rax fahren. Werlitz war übrigens mit Rommels auf dem Schneeberg. Soll ihm ganz mies gegangen sein.

Schatzerl, wegen des Obstes brauchst Du nicht Herzweh zu haben. Wir sind ja nicht so. Am 1.d. M. kaufte ich ein halbes Kilo Kirschen und als Werner am 3. zwei Römische Einser hatte, sagte der Herr Lehrer: „Die Mutter soll dir ein Viertelkilo Kirschen kaufen.“ Werner aber setzte gleich hinzu: „Jetzt haben wir so erst Kirschen gehabt!“

Daß Du wieder gesund bist, freut mich ganz besonders. Ich kann mir denken, daß das unter fremden Menschen nicht angenehm ist. Und mir tut auch das Herz weh, wenn ich weiß, Du bist krank und ich kann Dir gar nicht helfen. Und ich verwöhne Dich doch so gerne. Wirst Dir denken, es ist nicht immer so arg. Aber nachdem sich das Verwöhnen auf Vier verteilen muß, so kriegt eben jeder nur mehr ein Viertel. Aber wenn wir dann älter sind, bin ich doch nur mehr für Dich allein da! Gelt, mein Liebes?

Fredys Zahnrechnung war gar nicht so hoch. 10 S 80 g. Und er hat wieder ein tadelloses Gebiß. Werner war beim Schulzahnarzt und sollte auch zum Zahnarzt gehen.

Nun, mein Lieb, wenn Du denn durchaus nicht mit Danka zusammensein willst, so ist’s mir natürlich noch lieber. Aber ich hätte Dir die Zerstreuung und Ablenkung gerne gegönnt. Du lieber, guter Mensch!

Von Mrs. McAmber erhielt ich gestern einen Brief. Sie läßt Dich recht herzlich grüßen.

Ich glaube, es wird gut sein, wenn ich schließe, denn ich bin heute etwas rührselig, das soll doch nicht in den Brief hinein. Aber es ist so viel ungestillte Sehnsucht in mir!

Da ist’s besser, ich betäube alles mit Kragerln. Schwarz braucht mich ja schon wieder. Die haben wieder einmal einen Narrenturm da unten.

Werner werde ich zum Geburtstag Schuhe kaufen. Er braucht sie schon sehr dringend. Von meinem letzten Verdienst habe ich Fredy und Werner ein Polohemd, Werner ein Paar Hosenträger und mir eine Combinage und ein Paar Strümpfe gekauft.

Viel tausend heiße Küsse

Dein Weib.

Sofia, den 12.6.37

Mein liebes liebes Butzerl!

Je näher die Zeit kommt, desto schwerer ist sie zu ertragen. Heute bin ich in einem Dilemma, daß es vielleicht diesen Brief beeinflussen könnte und doch soll mir das Schreiben ein wenig darüber helfen.

Schon gestern erhielt ich Deinen lieben Brief. Wie ich ersehe, war meine Angabe wegen des Besuches unklar, ich dachte mir dies eigentlich, doch erst, als das Schreiben schon weg war. Nun, wie ging denn alles? Wie lange waren denn die Wolkoffs in Wien und wie gefiel es ihnen? Fein war, daß gerade Festwochen sind. Das mit Werners Bewilligung ist recht dumm, denn wir haben, wenn er diese nicht bekommt, das kleine Rad umsonst gekauft. Oder gilt die ganze Sache nur für Wien?

Auch die Angelegenheit mit Roberts Tour geht nicht so, wie wir es gedacht haben; nun, wenn ich zu Hause bin, wird sich wohl ein Ausweg finden. Ich gib das Plänemachen noch nicht so schnell auf, ich habe mich schon zu viel daran gewöhnt, daß wir beide doch miteinander fahren und wenn Du es auch noch nicht glaubst, ich hoffe fest darauf.

Du brauchst es doch auch; diese Entspannung ist Dir ebenso notwendig, wie Du, mein lieber Schatz, mir hier notwendig bist. Wie ich mich heute nach Dir sehnte, kannst Du ja gar nicht wissen.

Morgen Sonntag mittags kommt H. Schedlbauer und wird wahrscheinlich einige Tage bleiben. Und ich hätte schon so notwendig nach Russe fahren sollen, da der Termin dort am 22.d. M. abläuft. Telefonisch sagte man mir von dort, daß sie fertig werden, doch ist es besser, wenn ich es selbst sehe. Sonst geht ja in der Arbeit alles in Ordnung, nur die Materiallieferungen lassen zu wünschen. Das ist schließlich nicht meine Angelegenheit, wenn es mir auch persönlich unangenehm ist und es auch kein schönes Licht auf die Arbeit wirft, wenn diese nicht fertig wird.

Wann kommt denn Fritz zurück? Du schriebst mir doch, daß Störs das Kleine mitnehmen wollen. Doch nicht auf die Rax? Nun, Werlitz kann ich mir am Schneeberg vorstellen!

Mein Gesundheitszustand ist nach wie vor normal, doch teile ich mir meine Nahrung so ein, daß ich abends meist „Kisela Mleka“ esse und dann Obst. Es gibt hier schon Ribisel, doch esse ich lieber Kirschen und Erdbeeren. Nur mein Herz ist ein wenig krank, das freut sich schon zuviel auf den Urlaub. Und auch schon darauf, wenn ich als Mummelgreis von Dir verwöhnt werden werde! Einmal - - -!

Werners und Fredys Fortschritt in der Schule freut mich wirklich sehr und Robert wird ja wohl auch durchkommen!

Nun, wie ich aus Deinen Zeilen entnehme, arbeitest Du ja wieder recht fleißig, übertreibe es aber nicht; gelt,

du bist vernünftig!! Die Kragerl sind ja doch nicht das rechte Betäubungsmittel, wenn auch ein praktischeres als meine 2 Glas Bier, mit denen ich meinen seelischen Zustand ein wenig verbesserte. Denke Dir aber nicht vielleicht, daß ich dies immer mache. Nur ganz, ganz ausnahmsweise.

Donnerstag war bei uns Feiertag und das erste Mal habe ich hier in Sofia gedraht bis 4 Uhr früh. Auch ein Ausnahmsfall.

Wie geht es denn mit Fredys Paß? Aber über die Kosten von Fredys Aufenthalt sollst Du doch an Lina schreiben, ich dachte, ich werde dies vielleicht selbst machen, doch will ich einen direkten Briefwechsel schon wegen ihrem Mann vermeiden. Hat Lina denn schon eine feste Zusage gegeben? Ich glaube nicht, daß Lina ihren seinerzeitigen Vorschlag mit dem Gedanken an einen Gewinn gemacht hat, wohl vielleicht, auf diese Weise die Möglichkeit zu haben, ihrer Mutter durch uns Geld zu senden. Natürlich ist dies ein heikles Kapitel, ob da Lina uns nicht besser aufklären kann? Dumm ist dabei nur die Verschiedenheit der Schilling- und Markwährung.

Noch etwas fällt mir ein. Kann Fredy denn mit dem Rad ohne weiteres nach Deutschland? Eventuell müßte er’s in Salzburg bei Adele lassen!

Ich wäre schon glücklich, mit Dir das alles wirklich besprechen zu können, aber in drei Wochen ist es beinahe so weit!!!

Lebe wohl bis dahin, dann drücke ich Dich fest an mich!

Mit innigen Busserln

Dein Robert

Wien, 16.6.37

Mein Liebstes!

Soll ich nun anfangen, Geduld zu predigen? Kind, es dauert doch wirklich nicht mehr so lange! Wenn Du den Brief bekommst, sind’s grad noch 14 Tage bis zu Deiner Abfahrt. Nun ist Deine Verdauungssache in Ordnung und nun willst Du mir mit Herzgeschichten anfangen. Wo bleibt denn da der immer gesunde Robert? Da Schönste ist, daß Du mich noch dazu ansteckst. Aber ich will und werde die Sache bezwingen, wär doch noch schöner, wenn wir’s die paar Tage nicht noch aushalten könnten! Waren wir doch auch bis jetzt so tapfer. Also gelt, mein Lieb, sei brav und geduldig.

Daß Du Deine Sehnsucht nicht immer mit Bier hinunterschwemmst, ist mir sehr lieb.

Wolkoffs sind sehr liebe nette Leute. Doch haben wir eigentlich fast gar nichts zusammen unternommen, weil sie ja in Wien noch alte Bekannte ihrer Mutter haben, die es sich nicht nehmen ließen, den beiden alles, was sie für gut hielten, zu zeigen. Werde Dir aber lieber darüber erzählen. Sie sind Donnerstag abends angekommen und Sonntag früh weggefahren. Hat ihnen sehr gut gefallen, doch wollten sie absolut nicht länger bleiben. Von den Festwochen hatten sie nichts, denn der Hochstrahlbrunnen war erst Sonntag in Betrieb, Rathaus und Parlament überhaupt nicht beleuchtet.

Antwort auf das Gesuch ist noch nicht hier, doch gilt das Werners selbstverständlich nur für Wien. Die Steuer können wir erst bezahlen, bis genug Nummerntafeln vorhanden sind.

Fritz war bisher nur mit Fini auf der Rax. Alles weitere noch unbestimmt. Er war gestern und vorgestern bei mir. Auch Hella war Montag wieder da. Heute Bernhard und Grüllenberger Trude. Du siehst, Besuch geht bei mir nicht aus.

In Roberts Klasse gibt es Typhus. War 3 Tage „Schulfrei“.

Fredys Paß habe ich heute abgeholt, samt dem Sichtvermerk für Reisen nach Deutschland. Habe ihn nach einigem Überlegen für 5 Jahre gelöst.

An Lina habe ich eben jetzt geschrieben und angefragt, wie lange der Bub bleiben darf und was sie pro Tag für Verpflegung rechnet. Selbstverständlich etwas weniger kurz und bündig. Wie’s mit dem Rad ist, weiß ich noch nicht genau, doch hörte ich, wenn man nicht beim Touring-Club ist, muß man an der Grenze einsetzen.

Wegen des Geldverkehrs sagte mir Körbler, daß man 30 RM überhaupt mitnehmen darf, und sich weiters bis zu 500 RM durch den Giro- und Kassenverein überweisen lassen kann. Es werden hier Schillinge eingezahlt (1.40 S für 1 RM) und der Schein ist an jeder deutschen Bank einlösbar.

Körbler hat die Sache erst vor einigen Wochen für Hubers besorgt, als sie nach Berlin fuhren. Die Angelegenheit wäre also leicht zu regeln.

Sonntag war Konferenz und es läßt Dich sowohl Niedermeier als auch Adele recht herzlich grüßen.

Nun Schatz, mir wär’s wohl auch schon lieber, alles mit Dir besprechen zu können. Schriftlich ist’s doch nur eine halbe Sache. Stör meint, Du solltest trachten, ein deutsches Kursbuch zu bekommen, damit Du Pläne machen kannst.

Nun gute Nacht, mein süßes Lieb! Mir tut heute schon die Hand weh. Vielleicht auch weil draußen so schlechtes Wetter ist. Ein Sturz von 34 auf 18 Grad.

Möchtest Du nicht wegen Werner an Emmy schreiben? Hans würde den Buben sicher mit dem Motorrad hinbringen.

Ihr werdet wohl anläßlich des Thronerben große Feste feiern?

Sei innig und heiß geküßt (nun bald wirklich) von Deiner

Gretel

Sofia, den 20.6.37

Liebes Butzerl!

Nur mehr zwei Wochen bis zu meiner Abfahrt! Eine schlimme Zeit, wenn man so die Tage zählt. Und doch verging gerade diese Woche sehr schnell.

Wie Du vielleicht im Radio hörtest, wurde am vergangenen Mittwoch den Bulgaren ein Kronprinz geboren. Schon seit Mitte Mai wartete man darauf, aber endlich kam er doch. Mittwoch um 9 Uhr hörte man Kanonendonner. 101 Schüsse wurden abgegeben. Und beinahe gleichzeitig begann das Hurra auf der Straße. Dort war schon seit Wochen ein Lautsprecher aufgestellt, durch den die frohe Mär verkündigt wurde. Du kannst Dir nicht die Begeisterung der Leute vorstellen. Alles stürmte ins Schloß, die Wachen, das Militär war machtlos. Der Zar kam auf den Balkon und begrüßte sein Volk. Auf den Straßen zogen Schüler, Gruppen von Arbeitern, Militär mit Fahnen und jubelten und schrieen den ganzen Vormittag. Des Tages kamen die Bauern vom Land herein, brachten Gaben, ein Kalb, ein Pferd, Gewänder und vieles andere. Selbstverständlich wurde alles beflaggt. Der Ministerrat trat zusammen und verkündigte, daß 3 Feiertage, Mittwoch, Donnerstag, Freitag anläßlich der Geburt gehalten werden. Die Armen der Stadt werden durch eine Woche lang gespeist, die Kinder erhalten in der Schule statt der ihnen gebührenden Noten um eine Note höhere. Alle Schüler steigen in die nächsthöhere Klasse auf, auch diejenigen, die hätten sitzen bleiben sollen. Die aus den Schulen ausgeschlossenen Schüler werden wieder aufgenommen und können eine Probezeit machen. Von allen Stationen Bulgariens gibt es bis 28.d. M. 80 % Ermäßigung für Fahrten nach Sofia. Und noch vieles andere, wovon ich nichts weiß. Wahrscheinlich auch eine Amnestie.

Nur mir kam diese Sache nicht sehr gelegen, weil wir doch am 22. Juni den Termin für Russe haben. Außerdem sind mir die Feiertage hier überhaupt ein Greuel. So beschloß ich, mir endlich einmal Plovdiv anzusehen. Doch kam es nicht dazu, weil ich zu einer Besprechung mit dem Architekten nach Russe mußte. Ich war dort von Donnerstag bis Samstag mittag. Dann bin ich wieder in der Hitze nach Sofia gefahren. Bei Herrn Fischer habe ich mir auch Prospekte über Österreich mitgenommen, auch einen von der D. D. S. G., den können wir dann zu Hause studieren.

In Russe, wo ich den Sohn von dem Geheimrat kennenlernte, H. Schmidbauer von München, gings natürlich auch drunter und drüber. Donnerstag abends war Fackelzug. Schulen, Korporationen, Militär, Feuerwehr, alles war da. Dann gab es Platzkonzert, so um 11 Uhr, und als dann die Musik einen Chor spielte, waren die Leute nicht mehr zu halten. Militär, Schülerinnen, Zivilisten, alles tanzte auf dem Platz vor dem Justizgebäude. 10 bis 12 Kreise gab es ineinander. Das ging so bis 1 Uhr. Dann erst löste sich langsam der Menschenhaufen. Und auch hier in Sofia wird durch Lautsprecher Volksmusik gespielt und die Leute unterbrechen den …?… und tanzen mitten auf der Straße. Und da morgen der bulgarische Pfingstmontag ist, so wird das wohl bis dahin so fort gehen.

Schedlbauer war vorige Woche da und war auch sehr zufrieden. Das ist recht. Er staunte über die Größe der Arbeit in Sofia.

So unangenehm mir der Beginn dieser Arbeiten hier war, so freute mich diese jetzt, weil es doch vorwärts geht und durch die Kompliziertheiten sehr interessant ist. Wenn erst das Material hier wäre, so würde natürlich alles noch viel besser klappen.

Nur bei Russe haben wir trotzdem den Termin gehalten und wurden am 19.d. M.fertig. Ich werde wahrscheinlich noch in den letzten Tagen nach Russe fahren, schreibe mir daher so, daß nach dem 19. Dein Brief hier eintrifft. Ich schreibe Dir noch einmal und telegrafiere Dir, falls sich in dem Plan etwas ändert. Sonst komme ich am 5. Juli.

Lieb, ich freue mich schon sooo auf das Wiedersehen!!! Nach 4 Monaten.

Eben wird, wahrscheinlich als Schluß, der Radetzkymarsch gespielt. Auch ganz schön, wenn man dies hier hört.

Liebling, ich küsse Dich das vorletzte Mal schriftlich, danach bald wirklich.

Küsse auch an die Kinder.

Dein Robert

Wien, am 21. Juni 37

Lieber Vater!

Ich habe Dir heute ziemlich viel über die Schule zu berichten. Es besteht die Möglichkeit, daß ich durchfalle und entweder austreten oder repetieren muß. In Chemie bin ich bei der Versetzung durchgefallen und in Mathematik steht die Sache noch nicht fest. Ich sprach heute mit Prof. Hansalek und er sagte mir, daß er mir noch nicht genau sagen kann, ob ich bei ihm in Mathematik durchfalle oder nicht, denn das entscheidet erst die Konferenz. Falle ich bei ihm nicht durch, so besteht noch die Möglichkeit, in den 2. Jg. aufzusteigen in Form einer Wiederholungsprüfung im Herbst in Chemie.

Das Repetieren hat nun seine Vor- und Nachteile. Ich müßte erstens im 1. Halbjahr das ganze Schulgeld (80 S) zahlen. Im 2. kann ich natürlich ansuchen und ich zahle dann dasselbe wie jetzt. Diese Kosten würden sich aber nicht höher belaufen als im heurigen Jahr, da keine Sachen wie Bücher, Rechenschieber etc. dazukommen. Dieses Jahr ist aber natürlich verloren. Ein Vorteil ist, daß ich den Grund für das weitere Studium fest habe, und dadurch viel leichter in den höheren Jahrgängen vorwärtskomme.

Nun möchte ich Dich fragen, ob ich, falls es so weit kommt, repetieren darf? Mir wäre es ja angenehm, da ich dann, wie schon gesagt, einen festen Grundstock habe, nur weiß ich nicht, ob es Dir recht ist. Bitte schreibe mir bald Deine Ansicht über diese Sache, da sie noch vor Ferienbeginn erledigt sein muß. Es ist schade, daß Du erst am 6. Juli kommen kannst, da ich mit Dir gerne persönlich darüber gesprochen hätte.

Uns geht es allen sehr gut, welches wir auch von Dir hoffen, und wir freuen uns schon darauf, daß Du schon bald nach Hause kommst.

Viele Busserl

Robert

Mein Lieb!

So leid es mir tut, muß ich Dir nun meine Sorgen aus letzter Zeit doch berichten. Noch hoffte ich immer, daß der Bub doch durchkommt, er saß ja ziemlich fest dahinter.

Als er mir das erste Mal mit dem Gedanken ans Repetieren kam, sagte ich ihm etwas drastisch: „Wenn einer zu faul oder ein Trottel ist, soll er nicht studieren.“ Nun liegt ja aber die Sache mit den Lehrstellen auch derart im Argen, daß es vielleicht klüger ist, das eine Jahr zu riskieren. Will Dir aber nur meine Ansicht darüber schreiben, ohne Dich im Geringsten beeinflussen zu wollen.

Ich wünschte nur, ich könnte alle Sorgen allein tragen und von Dir fernhalten, doch mußt Du doch in Kenntnis gesetzt werden!

Vielleicht ist’s ohnehin noch zu früh und er erfährt am Donnerstag, daß er in Mathematik durch ist.

Also bitte, überlege Dir die Sache, ehe Du antwortest. Sie ist vielleicht einer Überlegung doch wert!

Schreibe Dir heute sonst nichts, denn mein Kopf taugt zu nichts.

Viele Busserl,

Gretel

Sofia, den 21.6.37

Mein Lieb!

Kaum war heute der Brief an Dich zur Post gebracht, als sich die Schleusen öffneten und es von allen Seiten Karten und Briefe regnete. Vor allem kam Dein liebes Schreiben, dann ein Brief von Fritz, dann eine Karte von Lina und eine von dem Monteur aus Konstantinopel, den ich hier vor einigen Wochen traf. Er lud mich und Dich, wenn Du herunterkommst, zu sich und seiner Familie in Pleven ein. Linas Karte war eine Antwort, ich habe ihr doch von hier geschrieben, da es sich unter den bestehenden Verhältnissen gehört. Auch habe ich angefragt, ob Fredy im August vielleicht kommen könnte, weil wir im Juli doch zusammensein wollen. Hoffentlich war auch Deine Anfrage in demselben Sinne gehalten, weil sich Lina sonst nicht auskennt.

Du müßtest Dich noch erkundigen, wieviel RM oder S an der Grenze Kaution erlegt werden müssen. Das ist, glaube ich, das einfachste. Oder Fredy läßt sein Rad wirklich in Salzburg bei Adele. Da es ja bei Lina 2 oder 3 Damenräder geben wird, so dürfte dadurch für Ausflüge schon gesorgt sein. Freilich kostet die Fahrt von Salzburg bis Aschau meiner Schätzung nach ca RM 3.- also S 6.- einfach, eine Ausgabe, die im anderen Falle unterbleiben würde.

Was kostet die Mitgliedschaft im Touring-Club?

Wegen Werner werde ich an Emmy schreiben.

In 2 Wochen bin ich voraussichtlich schon zu Hause. Eine lange Zeit, wenn man das Ende erwartet.

Und dabei will ich gar nicht mehr schreiben, weil es doch so schön sein wird, alles zu besprechen. Ich habe geradezu eine Unlust dazu, doch Manches muß ja doch vorher erledigt sein.

Heute war Festgottesdienst, da war auch der Zar. Und als er beim Tor der Kirche herauskam, wurde er vom Volk auf die Schulter gehoben und bis zum Schloß, ca. 1 km getragen. Das heißt Enthusiasmus. Mit einer Hand mußte er sich halten, mit der anderen winkte er mit der Kappe auf die jubelnde Menge.

Am nächsten Samstag schreibe ich noch ein Mal, weil ja bis dahin wieder ein Brief von Dir da sein wird, das letzte Mal!!!

Mit tausend Küssen

Dein Robert

Sofia, den 23.6.37

Lieber Robert!

Auf Deine Zeilen will ich gleich antworten, damit sich die Mutter danach richten kann. Daß mir Deine Mitteilung Sorgen macht, brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen. Ich hoffte doch, daß Du schon so vernünftig wärst und selbständig Dir alle Mühe geben würdest, durchzukommen. Ich glaubte, Du hättest schon so viel Pflichtgefühl, Deinen Eltern die Sorgen um Deine Zukunft zu verkleinern. Denn ich muß Dir immer wieder sagen, das was Du lernst, das machst Du nicht für uns, nicht nur uns zuliebe, sondern nur für Dich selbst und für Dein zukünftiges Leben. Alles Wissen, das Du heute in Dir aufnimmst, macht sich in den Jahren des Berufes und auch im weiteren Leben vielfach bezahlt.

Aber alles kostet eine gewisse Anstrengung und einen Willen. Wenn Du diesen Willen jetzt hast, und dies scheint mir so nach Deinen Worten, und diese Niederlage durch wirklichen Fleiß das nächste Mal gutmachen willst, so bin ich einverstanden, daß Du den Jahrgang wiederholst. Doch betone ich nochmals „nur wenn der Willen und der Fleiß vorhanden ist“. Du mußt, und das stelle ich Dir zur Bedingung, das Schuljahr „mit Vorzug“ wiederholen, denn nur dadurch beweist Du, daß Du wirklich lernst und auch für die weiteren Jahre einen festen Grund hast. Durch die erhöhten Ausgaben im nächsten Jahr ist freilich Dein Ferienausflug, falls Du Dir solchen vorgenommen, unmöglich, Du wirst die Ferienzeit teilweise dazu verwenden, Mathematik und Chemie und Gegenstände, wo Du Dich schwach fühlst, nachzulernen.

In diesem Sinne bitte die Mutter, daß sie handeln möchte.

Ich hoffe, daß nun das nächste Schuljahr ein freudigeres Ende hat und grüße Dich.

Vater

Wien, 24.6.1937, morgens

Mein Liebstes!

Eigentlich wollte ich Dir gestern schreiben, doch war ich einesteils vom Waschen sehr müde, and’rerseits hat mich nach langer Pause mein Magenleiden wieder sehr heftig angepackt. So ging ich um halb 10 Uhr schlafen.

Wie ich aus dem gestern von Lina erhaltenen Brief ersehe, kommen wir (Du und ich) mit dem Schreiben zu keinem richtigen Resultat.

Lina schreibt mir, daß es Dir lieber ist, wenn Fredy erst im August hinfährt, nun und da es Lina auch lieber ist, muß ich wohl oder übel beipflichten. Ich denke, es wird nun das Beste sein, wir lassen das Thema ruh’n, bis Du kommst.

Nur etwas bitte schreibe mir. Soll Werner nach Ternitz fahren? Es würde ihn ja gar nicht freuen, wenn der Plan fallengelassen wird, doch würde er sich jedenfalls auch damit abfinden,

Und noch einen Punkt bitte ziehe bei Deinen Plänen in Frage. Wenn ich mit Dir nach Sofia fahren soll, muß ich die letzten 8 Tage unbedingt in Wien sein, komme also für Fredys Begleitung nicht mehr in Frage.

Vielleicht hätte ich nun Fanni Huber doch nicht abschreiben sollen. Ich erhielt oder besser Du erhieltest in der Vorwoche einen Brief von ihr, den ich Dir heute beilege.

Nun, wenn wir weggehen wollen, wird sich noch immer etwas finden.

Mit Fredy warst Du zur Polizei vorgeladen wegen der Radfahrbewilligung. Doch braucht er jetzt noch eine schriftliche Erklärung von Dir, daß er das Radfahren sicher beherrscht. Und 3 Bilder 6 x 9. Bitte schicke uns beides. Aber nicht das Bild, das Du letztes Mal für den Paß schicktest, sondern von dem zweiten Negativ. Das ist doch etwas besser. Das Bild, das ich NICHT will, lege ich bei, damit Du Dich nicht irrst. Aber bitte bald.

Nun Liebstes, wenn nicht noch etwas Außergewöhnliches kommt, ist dies wohl der letzte Brief. Wenn Du spüren könntest, wie mein Herz klopft vor Freude! Nur leider ist sie Roberts wegen nicht ungetrübt.

Gestern war übrigens seit langer Zeit Olga mal wieder da. Sie bringt Roberts Durchfall alles Verständnis entgegen. „Da muß man ja soo einen Kopf haben, wenn man sich die Formeln alle merken soll!“ Sie wie auch Bernhard sind entschieden der Ansicht, daß wir Robert die Klasse wiederholen lassen sollen.

Sollte ich erfahren, daß der Bub mit einer Wiederholungsprüfung aus Chemie durchkommt, schreibe ich Dir sofort. Und ehe ich ihn eventuell, wenn Du einwilligst, zum Repetieren anmelde, spreche ich jedenfalls auch mit den Professoren, ob es auch vernünftig ist. Wenn ihnen (den Buben nämlich) auch ihr Direktor gestanden hat, daß er selbst den ersten und den dritten Jahrgang zweimal machte.

Heute werden Störs bei uns übernachten, weil sie morgen um 6 Uhr nach Marburg fahren. Montag muß Fritz wieder ins Büro.

Liebling, weißt Du, daß Du gerade zu meinem Geburtstag kommst? Ein schöneres Geschenk hättest Du mir gar nicht machen können! Du, mein Lieb!

Über Kronprinz Simon haben wir gehört und ich dachte wohl, es wird ein großer Wirbel sein. Daß Amnestie ist, wurde im Radio verkündigt. Wenn ich nicht irre, gehen 40.000 Menschen frei, anderen wird das Strafausmaß verkürzt. Doch die Sache mit den Schulnoten finde ich nicht günstig.

Nun Schatz, nur noch 12 Tage und ich darf Dich herzen und küssen nach Lust und Liebe!

Lina hat uns ein Bild von Herta geschickt. Scheint ein hübsches Mädel zu sein.

Bitte teile uns noch die genaue Ankunftszeit mit.

Viel tausend Busserl,

Grete

l

Sofia, den 28.6.37

Mein Lieb!

Ich schreibe nun schon die zweite Antwort auf Deinen lieben Brief vom 24.ds. Mts. Die erste war ein wenig impulsiv und daher habe ich sie vernichtet.

In unseren Plänen ist nun eine Verwirrung, die ich klarstellen will.

Es gibt für uns zwei Möglichkeiten, den Urlaub bzw. die Ferien zu nützen.

1.) Werner fährt nach Ternitz und bleibt nachher eine Woche bei Emmy. Wir übrigen fahren zwei Wochen mit den Rädern fort. - Robert und Werner sind in Wien, Fredy fährt zu Lina, Du und ich fahren nach Sofia.

2.) Wir alle fahren zu Fanny und Ihr bleibt bis zum Ende der Ferien dort. - Fredy fährt Ende Juli zu Lina, ich nach Sofia. - Ihr wartet, bis Fredy zurückkommt.

Im zweiten Falle müßtest Du also nochmals an Fanny schreiben.

Es war nicht ganz klug, daß Du Fanny abgeschrieben hast, wo doch Zeit zu einer Rückfrage gewesen wäre und wir ja anfangs damit rechneten, nach Ob.Öst. aufs Land zu fahren. Nur der Umstand, daß es zu teuer war, hat uns abgehalten.

Weiters glaube ich, daß es für Euch besser ist, Ihr bleibt den ganzen Sommer draußen. Außerdem ersehe ich ja auch aus Deinen sämtlichen Briefen und Bemerkungen, daß Du ja doch nur gezwungenermaßen nach Sofia fahren würdest und ich sehe ja ein, daß Du mehr Ruhe hast, wenn Du oben bleibst.

Schließlich wird ja auch mein Aufenthalt ein Ende haben!

Entschließe Dich nun, und bei den bestehenden Verhältnissen rate ich Dir zu dem zweiten Vorschlag.

Und dann machen wir einen dicken Strich unter diese Angelegenheit.

Solltest Du Dich für den zweiten Vorschlag entscheiden, so würden wir erst einige Tage später losfahren, da ich dann länger im Büro sein werde.

Ich sehne mich schon so sehr nach Ruhe. Die letzten Tage sind sehr anstrengend, weil sich alles zusammendrängt.

Da ich nun bestimmt über Agram und Villach komme, ist meine Ankunft glaube ich am Westbahnhof. Ich bekomme hier keinen Fahrplan, doch rechne ich, daß ich Montag den 5. Juli um 9 oder 10 Uhr in Wien sein werde. Damit aber keine weiteren Wirrnisse entstehen, ist es besser, Ihr holt mich nicht ab.

Nun ist, glaube ich, alles klar.

Heute in 8 Tagen bin ich schon näher und ruhiger.

Mit innigen Küssen

Dein Robert

Grub, 11.8.1937

Liebstes!

Bin gestern zwar unter strömendem Regen aber sonst gut in Grub angekommen. Werners Knie ist ganz gut. Auch sonst ist alles so ziemlich gegangen. Nur Robert war schon froh, daß ich da bin, „der Ordnung wegen“. Heute habe ich nun gleich gewaschen, damit diese „Ordnung“ wieder hergestellt wird.

Auf der Fahrt ist’s mir ganz gut gegangen. Ich habe von St. Pölten bis Linz ziemlich gut geschlafen und von halb 4 bis halb 6 in Lambach noch besser. Da stand mir nämlich eine ganze Bank zur Verfügung. Später trank ich Kaffee und machte anschließend einen Morgenspaziergang mit einem Fräulein. Ca. 17-18 jährig und dementsprechend unreif. Doch ein lieber Kerl.

Weißt Du, was wir bei unseren Ausseer Plänen nicht bedachten? Daß ich ja kein Rad habe. Da werden wir die Sache wohl müssen fahren lassen.

Hier ist das Getreide alles herinnen und es geht schon an die Einfuhr von Grummet und Maschin-Dreschen. Anfangs nächster Woche wahrscheinlich bei Hubers. Fredy war auch bei Merzendorfer sen. und Reiterer bei der Maschine. Lotte Hirschmann ist nun auch schon zu Hause und Resi Rosner mußte heute nach Ried überführt werden; wahrscheinlich Blinddarmoperation.

Das sind so die ganzen Neuigkeiten von hier. Als ich heute morgens erwachte, da wußte ich momentan nicht wo ich sei; und als ich halb zur Besinnung kam, suchte ich Dich neben mir und fand nur Werner.

Aber ich will nicht klagen, Lieb. Wie schön warten doch die letzten Wochen, da kann ich noch richtig davon zehren!

Sei nur brav und mache nicht wieder Sachen, die Dir Schaden zufügen könnten. Ich wüßte nicht, wie ich’s ertrüge, ganz ohne Dich zu sein. Ist’s doch teilweise schon schwer genug!

Viele Busserln von uns allen und Grüße von Merzendorfers und Schw. Huber.

Es umarmt Dich heiß

Deine Gretel

Sofia, den 12.8.37

Mein Liebstes!

Nun geht die Schreiberei wieder an!

Heute bekam ich die Bilder und sende Dir alle, bitte verteile sie. Die Kopien sind nicht ganz gut geworden, zwei Bilder von Euch und der Rottenbacher Kirche bekommst Du nach, weil der Fotograf diese verkehrt kopiert hat.

Also, wie hast Du denn alle vorgefunden, als Du ankamst? Ich habe während der ganzen Fahrt viel an Dich gedacht, das ist ja ganz selbstverständlich und war im Geiste bei Dir auf der Fahrt. Nebenbei las ich „Katrin“ fertig, so daß mir nur Hamsun noch für hier geblieben ist.

Meine Fahrt war ziemlich angenehm, in Belgrad ging ich 2 Stunden spazieren, „Belgrad bei Nacht“. Im Verhältnis zu Sofia ist dort das Essen zweimal so teuer. Gefrühstückt habe ich im Speisewagen, zu Mittag wurde ich bei meinen Hausleuten eingeladen. Diese waren sehr erstaunt, daß Du nicht mitkamst. Wenn Du gekommen wärst, hätten wir auf ein Monat die ganze Wohnung gehabt, weil die Leute aufs Land fahren. Zum Eingewöhnen für Dich, wären sie noch auf eine Woche dageblieben. Na ja, da kann man nichts machen.

Die Arbeit ist hier, Gott sei Dank, recht groß, auch waren meine Leute im Justizpalast brav und haben gut gearbeitet, so daß der Termin gehalten werden kann. Hemd und Krawatte haben auch gut gefallen, leider mußten die Besteller der Kombinationen durch die Finger sehen.

Für heute mache ich Schluß und hoffe, daß noch vor Sonntag ein Brief von Dir kommt. Bitte schreibe mir in die Wohnung: Sofia, Ul. Aksakoff 36.

Viele, viele Busserln sendet Dir und den Kindern

Robert.

Grub, 18.8.1937

Du, mein Lieb!

Fast möchte ich anfangen wie in dem alten Lied. „Mein Herz ist so schwer und mein Kopf ist so leer.“

Ich sehne mich doch so sehr nach Dir und habe doch wenig Lust, Dir zu schreiben.

Dafür habe ich aber schon sehr auf Deinen Brief gewartet (ungerecht, gelt?), der Montag nachmittag ankam.

Die Bilder haben allgemein großen Anklang gefunden. Auch ich freue mich sehr über die Bilder von unserer Heimfahrt. So kann ich doch manchmal ein wenig besser träumen von entschwund’ner schöner Zeit! Dein Brief hat mir ja das Herz nur noch schwerer gemacht. Lieb! Ich hatte mir doch auch das Alleinsein mit Dir sooo schön gedacht.

Aber doch wieder - Du hast ja jetzt während der 8 Tage in Wien gesehen, daß Dir die Kinder fehlen. Vielleicht würdest Du Dich auch in Sofia mit mir allein langweilen.

Na, jedenfalls ist es gut, daß Du viel Arbeit hast. Ich wollte, ich säße zu Haus und hätte täglich 3 Dutzend Kragerl zu nähen. Dann würde ich wenigstens gut schlafen. So läge ich nicht die halbe Nacht wach. Schlafe ich ein, so träume ich heillosen Blödsinn.

Daß Deine Arbeit auch ohne Deine Aufsicht gut weiterging, freut mich für Dich. Es ist mir das ja genauso eine Beruhigung, wie wenn die Buben Erfolg in der Schule haben.

Walter Hirschmann ist Sonntag wieder gekommen, weil es ihm in Purkersdorf zu fad war. Robert und er lernen nun meist zusammen Mathematik. Auch Fredy schreibt seine Rechnungen diesmal schön.

Werner kam eben von oben. Er ist meistens der erste auf, von den Buben.

Die Kinder sind jetzt nicht so viel in Rottenbach, weil ja die Arbeit nicht mehr so arg ist. Samstag werden sie Maschine haben. Resi ist ohne Operation wieder da. Juli (die Dirn) hat etwas in den Fuß gestochen und mußte geschnitten werden. Deine Kühe befinden sich wohl. Zwei mußten gestern zum Stier.

Fanni hat die Seide sehr gut gefallen, doch will sie das Kleid jetzt nicht genäht, dafür aber ein Barchentkleid. Ich bin beinahe fertig damit. Es wird ganz hübsch.

Das Wetter ist seit Samstag abends wieder schlecht. Sonntag hat’s den ganzen Tag geregnet. Montag und gestern nur nachmittag.

Nun viel tausend Busserl, Du mein Liebes!

In heißer Sehnsucht,

Deine Gretel

Sofia, 19.8.37

Mein Liebes!

Frau Wolkoff hat mit Deinen lieben Brief gebracht und mir gleich aufgegeben, daß ich Dir Grüße übermitteln solle.

Nun freut es mich, daß Du eine so gute Fahrt hattest, auch ein wenig Gesellschaft, und auch daß bei Euch alles in Ordnung ist, besonders, daß das Knie Werners gut geworden ist. Wie geht es denn dem Reserl? Schreib mir davon.

Alle sagen mir, daß Du doch hättest kommen sollen und daß es ja irgendwie einzuteilen gewesen wäre, na, die Leute wissen nicht, daß wir doch „der Ordnung halber“ entbehren müssen. Ich stellte mir ja oft vor, wie es wäre, wenn wir die schön verlebte Zeit noch um einige Wochen verlängert hätten. Freilich, viel hättest Du nicht von mir, denn die Arbeit ist enorm viel, so daß ich abends, Samstag nachmittag und Sonntag arbeite. Und das ist gut so, das verkürzt die Freizeit.

Unser Plan mit Aussee war wirklich glänzend. Wir haben beide daran nicht gedacht, daß Du ja ohne Rad bist. Aber, wäre es nicht möglich, daß Du ein solches geliehen bekommst? Auf 3 oder 4 Tage würde dies doch möglich sein!

Hast Du die Radsache für Mauzi erledigt? Die drei Bilder sind nun richtig kopiert. Den letzten Film konnte ich noch nicht entwickeln lassen, weil ich noch immer zwei Aufnahmen zu machen habe. Und ich möchte schon so gerne das Bild von Dir, im Zimmer, haben.

Du brauchst wirklich keine Angst zu haben, daß ich gefährliche Ausflüge oder dergleichen mache, ich bin, wahrscheinlich infolge der vielen Arbeit, sehr bequem geworden und sehne mich, schon der Hitze wegen, gar nicht so hinaus. Seit gestern hat es übrigens schön abgekühlt, nachdem den ganzen Vormittag ein Gewitter niedergegangen ist.

Knut Hamsun geht auch dem Ende zu. Beim Lesen sah ich erst, daß außer dem Fehler noch einige Seiten fehlen. Recht dumm, weil man sich manches hinzureimen muß. Aber es ist ein schönes Buch. Wenn Du nach Wien kommst und ich bis dahin nicht auch schon da bist, so mußt Du mir hie und da Bücher kaufen und senden.

Nun, Lieb, ist es heute das letzte Blatt Briefpapier. Ich küsse Dich innigst und die Buben.

Dein Robert

Sofia, den 21.8.37

Mein Liebes!

Diesmal bekommst Du ein ganz frisches Briefpapier, erst gerade gekauft. Aber bis der ganze Block ausgeschrieben ist, derweil haben wir uns bestimmt schon wieder gesehen. Heute schrieb ich dem Wiener Werk, daß ich in der zweiten Septemberhälfte nach Wien komme. Das wird wahrscheinlich so um den 20. herum sein, also kannst Du noch in Ruhe die Ferienzeit draußen genießen. Wenn Du auch in dieser Zeit lieber täglich drei Dutzend Kragerl nähen wolltest, so ist es mir doch ein lieber Gedanke, daß ich Dich draußen weiß, denn gewiß wird Dir diese Zeit auch gesundheitlich recht gut tun. Es macht auch wirklich nichts, daß Du dabei ein wenig dicker wirst, in Wien wird das schon wieder heruntergehen.

Morgen werde ich mir aber wieder einen freien Sonntag machen. Seit ich da bin, habe ich täglich bis 8 Uhr im Büro gearbeitet, auch heute wieder, trotzdem ja Samstag ist, aber ich bringe die Zeit schon noch herein. Montag fangen wir schon die Arbeiten in der Nationalbank an, die Rohrverlegung muß bis 15. Dezember fertig sein, ein sehr kurzer Termin für diese große Arbeit. Ich habe nahezu die ganze Woche mit dem Architektenbüro die Anlage durchbesprochen, es sind die Leute sehr nett und es wird dabei deutsch gesprochen. Mich freut die Arbeit sehr, weil ich so ganz Freiheit habe und nach meinem Plan alles machen kann.

Nächstes Monat ist schon wieder eine Ausschreibung vom Neubau des Innenministeriums, also wieder Aussichten auf eine neue Arbeit. Aber habe nur keine Angst, diese Sache ist nicht groß und würde gewiß in die Zeit der Montage des Justizpalastes fallen.

In Wien werde ich wahrscheinlich 4 bis 6 Wochen bleiben, davon dürften aber ca. 2 Wochen für die Berliner Reise wegfallen. An Leo und Heidi habe ich vorige Woche geschrieben, bin neugierig, ob ich in absehbarer Zeit eine Antwort von dort bekomme.

Nach Russe fahre ich übernächste Woche. Auch eine Ruhepause für mich. Violetta dürfte in Sofia gewesen sein, weil ich vorige Woche zweimal telefonisch angerufen wurde, doch war ich beide Male nicht im Büro. Das ist also so ziemlich das Neue von Sofia. Die Witterung ist nach wie vor warm und schön, doch viel viel angenehmer wie in Russe.

Meine Hausleute werden in nächster Zeit wahrscheinlich eine Rundreise nach Lom, per Schiff nach Russe, dann nach Varna, Plovdiv und zurück nach Sofia machen. Sie bleiben dann 3 bis 4 Wochen aus. Bin dann alleiniger Bewohner, das heißt, es bleibt wahrscheinlich das Mädchen da. Ich weiß nicht, wie die Einteilung durchgeführt wird. Freilich denke ich mir dabei, wie schön es doch wäre, wenn Du hier wärst. Ein unnützer Gedanke!

Du schreibst, daß ich mich vielleicht mit Dir langweilen würde und bringst dies in Beziehung mit dem, daß mir die Kinder abgehen. Das letztere ist ja nur zu natürlich, aber daß ich mich mit Dir gelangweilt habe, stimmt wirklich nicht. Das bildest Du Dir ein. Dir würde es vielleicht hier langweilig werden, weil ich eben alle Tage so spät nach Hause komme.

Lieb, heute gehe ich schlafen, mein Buch ist leider schon aus, kann daher gar nicht wie gewohnt im Bett lesen.

Gute Nacht, schlaf auch Du süß und träume keine Dummheiten. Ob bei Euch auch so eine schöne Vollmondnacht ist? Der vorige schien noch auf uns beide durch die Fenstergitter. Das erscheint mir schon schrecklich lange. Aber dafür beim nächsten Vollmond ist es nicht mehr lange bis zum Wiedersehen!

Küsse die Kinder von mir, Dich umarmt heiß

Dein Robert

Sonntag früh

Mein Süßes!

Heute bin ich recht faul bis um halb 9 im Bette geblieben. Meine Leute machen wahrscheinlich einen Ausflug, da draußen großes Hin- und Hergetue ist, ich weiß nicht, was ich machen werde. Auf jeden Fall einmal meine zwei Aufnahmen, damit ich einmal Dein Bild bekommen. Auch auf Gudis Bilder freue ich mich und ich will sie ja auch an Störs senden und dabei gleich wegen der Geldsendung an Dich schreiben, das ist nun auch schon an der Zeit.

Schaue nur streng darauf, daß die Kinder ihre Arbeiten machen, es hängt ja viel davon ab. Wenn ich im September komme, würde ich sehr gerne, eventuell auch mit Mauzi, einen Radausflug machen. Alle zusammen.

Gestern sah ich in einer Zeitung eine Abbildung von den Straßenarbeiten bei den Strengbergen. Nach diesen Bildern dürfte es doch besser gewesen sein, daß wir denselben ausgewichen sind.

Ob Ihr doch nach Aussee fuhrt? Wenn nicht, dann schreibe aber und lade sie ein, wenn sie eventuell im September nach Wien kommen.

Nun habe ich schon wieder eine Idee! Wenn die beiden Großen per Rad nach Wien fahren, was wäre, wenn Du mit Werner über Aussee fahren möchtest. Es müßte wohl für Euch beide um ca. S 10.- mehr kosten, doch wäre die Fahrt sehr schön und Werners Rad könntet Ihr nach Wien aufgeben und dann, wenn Ihr kommt, am Westbahnhof abholen. Natürlich wäre dies nur dann möglich, wenn Ihr nicht zu viel Gepäck habt und den Ausseern früher schreibt. Überlege es Dir einmal, es ist ja nur wieder ein Gedanke.

Jetzt muß ich mich aber umziehen, denn ich sitze noch immer im Nachthemd und in der Unterhose da. Abends Fortsetzung!

Sonntag abends

Wollte Dir zwar mittags einige Worte schreiben, doch habe ich mich dann faul auf den Diwan gelegt und schlief bei Radiobegleitung ein.

Am Vormittag war ich in einem mir noch nicht bekannten Stadtviertel spazieren, in der Hoffnung, Motive für Fotos zu finden, doch habe ich nur eine Aufnahme gemacht. Nach dem Mittagsschläfchen fiel mir dann ein, daß ich ja Helga Schmids Geburtshaus aufnehmen könnte und das Bild an Frau Müller, Frau Schmids Mutter, senden, deren Adresse ich ja beiläufig weiß. Für Helga wird es gewiß einmal interessant sein, wenn sie sieht, wo sie in Sofia geboren ist. So hat die letzte Aufnahme auch ein Motiv gefunden.

Danach ging ich in einen Ufa-Film „Der Ritt ins Freie“, eine Begebenheit aus den polnischen Befreiungskriegen um 1830. Der Film war für sich gut, die Handlung nicht gerade überwältigend.

Im Radio spielt man den „Till Eulenspiegel“ von Rich. Strauß. Schade um die schönen Melodien, die hie und da vorkommen. Sie gehen in dem Gewirr der Mißtöne unter.

Mir scheint, wenn das so fortgeht, werde ich doch den Block vor meinem Kommen ausgeschrieben haben.

Den Brief werde ich aber erst übermorgen früh absenden, weil ich Dir noch die neuen Bilder beilegen will. Bitte hebe alle Bilder auf, weil ich nur je 1 Stück machen ließ.

Im allgemeinen bin ich froh, daß der Sonntag um ist, morgen geht wieder die Arbeit an, das ist besser.

Heute als ich die erste Aufnahme machte, war der Apparat noch so eingestellt, wie ich Dich aufnahm. Und als ich den Film herausgenommen habe, erinnerte ich mich daran, daß ich ihn auf der Straße nach Dürnstein einlegte, Du halfst mir noch dabei. Schöne Erinnerungen!

Lieb, mein Süßes, leb wohl bis morgen abends. Tausend Busserln

Montag

Mein Lieb!

Heute war ich wieder bei meinen Hausleuten zum Nachtmahl eingeladen, dabei ist es recht spät zum Schreiben geworden.

Aber der Brief muß doch morgen weg. Die Aufnahmen lege ich bei, doch hat der Fotograf Dein Bild zu wenig belichtet und ich gab ihm dieses zurück. Ein wenig habe ich Dich doch schon gesehen.

Vergiß nicht, ein Bild von Euch Vieren einmal draußen zu machen. Und laßt den Film eventuell entwickeln, das Kopieren kann ich ja hier besorgen. Aber bei Sonnenschein, weil sonst vielleicht nichts draus wird.

Mein Sucher muß sich verstellt haben, weil ich beinahe allen die Füße abschneide. Muß mir die Sache einmal ansehen.

Im Laufe der nächsten Woche will ich mir einen Stoff kaufen, so daß ich schon mit einem neuen Anzug nach Berlin fahren kann.

Heute habe ich mein Schreibpensum nicht ganz eingehalten, Dafür aber war es gestern mehr.

Mein Liebling, in 1 Monat vielleicht bin ich schon wieder bei Dir!

Viele Küsse an Dich und die Kinder

Robert

Grub, 24.8.1937

Liebling!

Dein liebes Schreiben von gestern war mir wieder ein bißchen Glück. Trotzdem hatte ich abends, als ich es vor dem Einschlafen noch einmal las, so Herzweh bekommen, daß ich dachte, ich könnte überhaupt nicht mehr einschlafen.

Die schöne einträchtige Zeit hat mir eben das Entbehren doppelt schwer gemacht! Liebstes, Dir geht’s wohl nicht besser. Nur lenkt Dich die Arbeit doch ab.

Nach Aussee habe ich schon geschrieben, ohne einen Besuch zu erwähnen, so möchte ich nun eigentlich nichts unternehmen. Fanny würde mir ihr Rad wahrscheinlich nicht gern borgen und Resel braucht das Ihre ja immer selber.

Robert war von Freitag früh bis gestern abends auf einer Tour über Henndorf (Wallersee) nach Salzburg. In Begleitung von Walter Hirschmann und Marianne Kroiß. Sie haben sich natürlich sehr gut unterhalten bei Czieps und auch während der Fahrt, doch Salzburg gefällt Robert gar nicht.

Fredy hat jetzt schon seit Tagen einen sehr schlechten Daumen an der rechten Hand. Ich habe ihm gestern und auch heute ziemlich viel herausgedrückt. Doch wenn man bis morgen früh noch keine Besserung sieht, schicke ich ihn zum Arzt. Er will natürlich von beidem nichts wissen, weder vom Arzt noch vom Drücken. Dabei ist der Bub so aufgeregt, daß ich direkt fürchte, das Kind ist nervenkrank.

Mauzis Radsache habe ich dahin erledigt, daß ich ihr mein Rad brachte. Fredys Rad hat wahrscheinlich im hinteren Schlauch ein Loch, es war vollkommen luftleer und ich konnte es trotz aller Mühe nicht aufpumpen.

Roberts vorderer Pneu war auch hin, so ähnlich wie Deiner. Ich habe ihm nun einen ganz billigen gekauft, 4 S 80. Herr Märzendorfer sagt, er fährt schon zwei Jahre auf einem solchen. In Wien haben wir ja dann etliche vulkanisiert. Hier kennt man das Wort so wenig wie das Wort Clips. Fredys Rad haben wir auch bei der Reparatur in Haag. Es ging überhaupt nicht mehr. Wird auch ca. 5 S kosten.

Seit Freitag nachmittag haben wir fast ununterbrochen Regen. Jetzt war es zwei Stunden schön, nun donnert’s schon wieder. Und immer denkt man, das kann doch nicht ewig dauern. Habe nun schon einige von den Romanen Fannys gelesen und dabei einen gefunden, der gar nicht schlecht und sehr lustig war.

Gestern war Maschine bei Hubers. Ist glücklich vorbei. Für die Bilder soll ich Dir herzlich danken und Grüße ausrichten.

Von Eurer Hitze könnten wir etwas brauchen. Ich habe den ganzen Tag kalte Füße. Die Kinder sind auch froh, daß ich ihnen die Mäntel mitbrachte. So, nun gießt’s bereits wieder. Und die Wege sind ohnedies schon grundlos. Gut ist’s nur, daß das meiste Grummet schon herinnen ist.

Die Brombeeren wären nun schon reif, doch ist’s mir einfach zu naß.

Bücher werde ich Dir gerne schicken, doch noch viel lieber wird mir’s sein, wenn Du nach Wien kommst. Nur bitte, Liebstes, nicht kommen, ohne mich zu verständigen. Ich möchte doch keine Minute Deines Daseins verlieren. Nun wir so oft räumlich getrennt sind, ist jede Minute des Beisammenseins doppelt kostbar!

Nun Lieb’ lebe wohl! Grüße an Frau Wolkoff und ihren Gemahl. Grüße an Dich von den Kindern und Märzendorfers!

Könnte ich Dir die vielen Busserl die ich Dir brieflich senden muß, wirklich geben, wäre ich froh!

Deine Gretel

Sofia, den 29.8.37

Mein Liebling!

Wenn Du wegen meiner Briefe nicht schlafen kannst, werde ich wohl zu schreiben aufhören müssen. Du mußt doch immer dabei denken, daß es nur mehr Wochen sind und dann bin ich wieder bei Dir! Freilich packt auch mich die Sehnsucht, doch mache ich’s anders. Ich freue mich schon auf das Wiedersehen und diese Freude bringt mich über die schweren Stunden.

Dein Bild steht vor mir und Deine lieben Augen blicken mich an, Dein Mund lächelt mir zu, aber ich denke nicht daran, wie schön es wäre, wenn - - -, ich male mir aus, wie schön es sein wird, wenn Du mich wieder von der Bahn abholen wirst. Wie ich komme, weiß ich noch nicht, auf jeden Fall werde ich am Süd- oder Ostbahnhof ankommen. Wenn möglich, hole mich dann allein ab.

Und für die nächste Ferienzeit habe ich vor, daß Ihr wirklich alle herunterkommt. Es wird uns dies bestimmt nicht viel mehr kosten, wie heuer der Urlaub und wir können dann alle beisammen sein. Die Großen sehen eine Menge und vielleicht läßt es sich so einrichten, daß ich mit Euch hinauffahren kann. Ende September nächsten Jahres muß die Nationalbank fertig sein, wenn wir uns ein wenig beeilen, können wir’s bis Mitte September schaffen.

Du siehst, ich mache immer Pläne, da kann man nun nichts machen! Es kostet die 2 Monate gültige Rückfahrkarte bis Russe I. Kl. 108.-, II. Kl. 78.- Schilling, dazu noch 8 Übernachtungen I. KL. 40, II. Kl. 33 Schilling, gibt also I. Kl. 148.-, II. Kl. 111.- Schilling. Na ja, das ist ein ganz schöner Preis, doch dafür kostet Euch das Leben hier nichts, es würde der Gehalt in Wien für ca. 2 Monate = ca. S 400.- stehen bleiben. Wir haben noch viel Zeit, dies zu überlegen.

Wenn Ihr nicht nach Aussee fahrt, ist auch ganz recht, wenigstens geht alles seinen gewohnten Gang. Werden die Buben per Rad heimfahren?

Robert war wahrscheinlich im Regen in Salzburg, ich kann mir sonst nicht vorstellen, daß es ihm nicht gefiel. Wie lange waren denn die Kinder dort? Was macht Fredys Daumen?

Ich glaube ja nicht, daß Fredy direkt nervenkrank ist, der Zustand ist, meine ich, Dir gegenüber eine gewisse Hemmungslosigkeit. Daß er nervös ist, ist sicher. Doch wäre es Krankheit, so würde er sich auch bei mir so benehmen. Da weiß er sich aber zu beherrschen.

Von Mauzi bekam ich eine Karte, ihre Schwester (glaubst, mir fällt der Name jetzt ein?) bedankt sich sehr für das Rad.

Nun scheint nach den Zeitungen ja überall in Österreich das Wetter schlecht zu sein, hoffentlich ändert es sich doch noch, damit Ihr wenigstens in der letzten Zeit ein wenig Sonne habt.

Du kannst beruhigt sein, ich schreibe bestimmt, bevor ich komme, denn auch ich will ja keine Zeit versäumen, wenn ich mit Dir beisammen sein kann. mein Kommen wird aber bestimmt nicht vor dem 15. September sein und da seid Ihr ja schon daheim.

Von Trude bekam ich den versprochenen Brief und ich staunte über ihre Nettigkeit und auch ihren Stil. Das Schreiben ist in Maschinschrift, aber wirklich tadellos. Trude wird bis 15. September draußen bleiben.

Diese Woche ist angenehm und schnell vergangen. Wohl mit Arbeit, aber mit Arbeit, die mich auch sehr freut, umsomehr als alles klappt. Es wird mir wahrscheinlich sehr schwer fallen, mich im Werk an die Arbeit zu gewöhnen, wenn ich später wieder ständig drinnen bin. Oder vielleicht kann ich mir dann doch einen besserer Posten erwirtschaften.

Samstag war Feiertag (unser 15. August), doch mußten wir arbeiten. Hat mir aber gar nichts gemacht. Mittags war ich von Herrn Langhan zum Essen eingeladen, im neuen Haus der „Bulgarie“ speisten wir, ein Hotel ersten Ranges. Elegant, nur Ausländer dort, großartige Ausstattung und Aufmachung. Freilich zahlte er für uns beide Lw.250.- = S 15.- Aber das Schönste an allem war, daß Langhan dann am Flügel das e-moll-Konzert von Beethoven und Variationen aus „Hymne an die Nacht“ spielte. Das war wundervoll und freute mich am meisten. Das hört sich doch anders an, wie durch das Radio. Nachmittags wurde wieder gearbeitet und wohl durch die Musik bekam ich Lust, am Abend in die Oper zu gehen. Aber das ganze Haus war ausverkauft. So ging ich in den Film „Schatten der Vergangenheit“. Mit Luise Ullrich, ein Wiener Film, der ganz gut ist.

Heute schlief ich ein wenig länger, schrieb auch an Trude und ging in die Kathedrale, wo eine große Messe war und schön gesungen wurde. Aber in den Kirchen fehlen doch die Orgeln und überhaupt die Instrumentalmusik. Bei der herrlichen Akustik des Baues müßte der Gesang mit Begleitung doppelt schön wirken.

Mittagessen fuhr ich heute nach Kriaschevo, d.i. eine halbe Stunde per Tramway, daß ich einmal hinauskomme.

Es war aber auch ganz schön dort, ich saß ganz allein in einem schönen Garten, an einem Fluß. Dort spielten Kinder, Enten schwammen herum, es war angenehm kühl neben dem Wasser. Ich saß dort beinahe 3 Stunden, hier kann man’s ja machen, las die Wochenausgabe, schaute hie und da den Kindern zu, wie sie im Wasser herumpritschelten, fütterte die Enten, es war recht friedlich dort. Als es dann schien, es würde regnen, ging ich langsam zur Elektrischen und fuhr nach Hause.

Abends war ich im Boris-Garten spazieren. Rosen gibt es, so scheint’s, den ganzen Sommer. Wohl nicht so viele wie im Juni, doch immer blühen welche. Aber viel Salvia, Dahlien und andere Blumenpracht ist dort. Die Bulgaren verstehen wirklich die Gärtnerei.

Abends gab’s dann Schinken mit Ei und dann war der Tag aus. Bis auf die Zeit, wo ich jetzt mit Dir plaudere. Das ist mir die liebste Beschäftigung, besonders schön ist es aber, daß Du mir zuschaust.

Nach Russe fahre ich vielleicht Ende dieser Woche und wenn ich dann zurückkomme, ist es nicht mehr lang zur Abfahrt. Bis dahin ist wohl noch eine Unmenge zu klären, Montageunterlagen anzufertigen u.s.w. Nun, es wird sich schon ausgehen, ich habe mir schon einige tüchtige Leute erzogen, auf deren Mitarbeit ich schon rechnen kann.

Du darfst aber den Brief nicht mehr vor dem Schlafengehen lesen, lieber beim Aufstehen!

Lieb, mein Süßes, ich küsse Dich vielmals und innigst.

Dein Robert

Grub, 31.8.1937

Mein lieber Mann!

Nun muß ich Dir doch endlich Deinen lieben Brief vom Freitag beantworten. Gleich schrieb ich nicht. Samstag war dann Putzerei und Bügeln, weil ich Freitag endlich waschen konnte. Zum ersten Mal nach einer Woche ein wenig Sonnenschein. Seit Samstag ist es nun schön. So war ich Sonntag vormittag in Haag. Für Sonntag nachmittag hat sich Schw. Kroiß als Besuch angesagt, so kam ich nicht einmal nach Rottenbach.

Gestern war ich dann mit Robert um Brombeeren und habe gleich alles eingekocht. Fredy hat auch trotz seines schlechten Daumens einen Liter gepflückt.

Fredy war Mittwoch bei Arzt, der ihn beim Schneiden des Daumens narkotisierte. Kannst daran ermessen, wie schlecht die Sache ist. Das Dummste daran ist ja, daß der Bub nun überhaupt nicht schreiben kann. Hoffentlich werden die Aufgaben trotzdem noch vor den Ferien fertig.

Schmerzen hat er ja nun angeblich keine mehr, doch eitert die Sache noch immer. Und noch ein Grund ist, daß ich schon bald ein Ende sehen möchte. Wenn wir Mittwoch nächster Woche heimfahren, müssen wir dann auch die ärztliche Behandlung zahlen.

Nun aber wirklich zur Beantwortung Deines Briefes. Er hat mich diesmal besonders gefreut, weil Du trotz der langen Arbeitszeit noch so viel Zeit für mich erübrigen konntest. Liebes Du!

Gut ist’s natürlich, daß Du wieder nette Leute zur Mitarbeit hast; auch wirst Du Dich deutsch besser verständigen können als bulgarisch, wenn auch Deine Kenntnisse schon sehr weit gediehen sein müssen. Aber wenn Du nun vielleicht noch eine vierte Sache dazubekommst, wird Dir das nicht zu viel werden? Die viele geistige Arbeit muß ja Deine Nerven aufreiben!

Und nun hast Du wieder gar keine Ablenkung, wenn Deine Bücher schon ausgelesen sind.

Du schreibst, ich soll keine Dummheiten träumen und gerade heute träumte ich wieder, daß Du irgendwo ein Mädel lieb hattest und ich Dir noch half, es zu suchen, weil es aus Deinem Gesichtskreis entschwunden war. Träume lassen sich eben nicht gebieten, wenn man auch tagsüber weit entfernt ist, solche Gedanken zu hegen. Da ist’s nur immer gut, wenn man aus den bösen Träumen erwacht. Nun vielleicht wird’s zu Hause unter der Decke besser sein, als hier unter der schweren Tuchent.

Liebstes, auch mir erscheint die Zeit, die ich hier nun ohne Dich verbrachte, schon endlos lang. Trotzdem vergeht der einzelne Tag so schnell, daß er manchmal fast zu kurz ist. Gestern fing ich an, für Schw. Huber ein Hauskleid zu nähen. Es ist mir sehr lieb, mich wenigstens etwas revanchieren zu können, für ihr jederzeitiges Entgegenkommen.

Nun Schatzerl, bis Du wiederkommst sind’s nur mehr drei Wochen und ich denke, sie werden uns beiden trotz aller Sehnsucht schnell genug vergehen. Bei Dir ist’s die viele Arbeit und bei uns kommt wieder die Heimfahrt, dann der Schulanfang der Kinder, die Wohnungsputzerei, eventuell der Ausseer Besuch und auf einmal kann ich Dich wieder abholen. Die Freude dann wird wohl den Abschiedsschmerz wieder aufwiegen.

Den Ausseern schrieb ich, ob sie nicht um ein paar Tage früher kommen wollten, damit Robert auch etwas von Wien hat, doch habe ich bis jetzt keine Antwort. Hinfahren werde ich nicht, da erstens die 10 S für mich sehr viel sind und ich außerdem schon vor 14 Tagen mit Walter besprochen habe, daß wir miteinander nach Hause fahren und Willi mitnehmen.

Deine Kurrentschrift kann ich sehr gut lesen, aber wenn Du lieber Latein schreibst, tue es getrost, ich entziffere es schon.

Die Fotos hebe ich bestimmt auf, doch haben die im letzten Brief enthaltenen je eine Ecke umgebogen.

Fredys Rad hat nun doch 11 S gekostet. Es waren beide Konusse hin, beide Lagerschalen, Kugelring und 1.60 ist als Arbeitslohn berechnet. Aber machen hätten wir’s doch lassen müssen. Nun kann er wenigstens nach Wien fahren, wenn der Finger bis dahin so weit gut ist. Sonst tut ihm jede Erschütterung weh.

An Brodils habe ich immer noch nicht geschrieben. Es scheint, ich komme auch hier nicht dazu. Wenn’s regnet, ist alles herinnen, ergo keine Ruhe und ist es schön, dann möchte ich die paar Stunden, die mir bleiben, auch draußen sein.

Samstag abends war Taufe in Rottenbach. Die div. Zuschauer hatten sich in den Bäumen versteckt und mußten erst aufgefordert werden, sich die Sache in Ruhe von unten zu besehen. Schick war auch da.

Niedermeier ist in England auf Urlaub. Scheinbar geht’s ihm sehr gut. Ob wir uns auch mal solch außertourliche Dinge leisten können? Mußt aber nicht denken, daß ich mich allzusehr darnach sehne! Ich bin mit dem, was ich schon sah, ganz zufrieden und eigentlich fühle ich mich am wohlsten in unserem Heim. Wenn ich Dich noch d’rinnen habe, ist mein Glück ganz voll!!

Eigentlich wollte ich Dir noch eine Menge schreiben, doch habe ich jetzt vergessen, was es war. Hoffentlich ist das nicht beginnender Gehirnschwund.

Nun Liebstes wünsche ich uns beiden ein rasches Entgleiten der nächsten drei Wochen, so daß wir uns wirklich bald wiederhaben.

Viele tausend heiße Küsse

Dein Weib

Sofia, den 4. Sept.1937

Mein Liebling!

Samstag nachmittag. Draußen pritschelt der Regen nieder, schon seit Mittag. Ein trostloses Wetter, das sich immer öfter wiederholt. Ich glaube, das ist eine Art Regenzeit, so wie dies ja auch in Russe war.

Der erste Brief nach Wien ist das wieder. Nicht mehr viele und dann bin ich wieder bei Dir mein Schatz! Ich setze mir hier gar keinen Termin, weiß noch nicht, ob ich am 15., 20. oder noch später fahre, aber bald ist es auf jeden Fall. Ein großer Teil der Arbeit, nämlich die Zeichnungen, wurde heute fertig, fast möchte ich sagen schade, weil dadurch weniger Arbeit ist. Und gerade, wenn solch ein Wetter ist, brauche ich diese. Mir graut schon vor morgen, wenn es vielleicht auch den ganzen Tag regnet. Aber die Witterung ändert sich hier sehr rasch, schon in einer Stunde kann wieder die Sonne scheinen.

Denke Dir, Berlin wollte mir auch noch die Leitung der Montage von zwei Netzen (Außenleitungen) übertragen. Hr. Schedlbauer schrieb mir einen Luftpostbrief, ob dies meiner Ansicht nach durchführbar ist. Ich telegrafierte ihm aber, daß ich das nach den derzeitigen Verhältnissen nicht machen kann. Ich freute mich aber, daß Berlin so ein Vertrauen in mich setzt und hätte, wenn es möglich wäre, gerne die Sache gemacht. Aber es geht nicht, wenn ich nicht die Zügel von den anderen Anlagen verlieren will.

Nun habt Ihr doch noch einige schöne Tage gehabt! Morgen ist Sonntag und ich freue mich auch, wenn ich Euch wieder in der alten Ordnung in Wien weiß. Eigentlich wäre es mir gar nicht sehr angenehm, wenn die Ausseer gleichzeitig mit mir bei uns wären, ich will Dich doch am liebsten allein haben, doch, wenn es ist, so wird es auch schön sein.

Einmal gehen wir dann in ein Theater, gelt? Zirka S 100.- ersparte ich wieder in den drei Wochen und habe aber außerdem noch das Geld für einen Anzug in der Tasche. Wenn etwas in der Sparkasse ist, ist die Freude noch größer. Ich möchte doch gerne bis Ende dieses Jahres den 1000er voll haben. Und da ja bestimmt auch im nächsten Jahr etwas dazukommt, so haben wir uns dann doch eine gewisse Reserve geschaffen.

Zwar habe ich vor einigen Tagen einen Film gesehen, worin die Frau ihrem Gatten eben deshalb untreu wird, weil der Mann nur an das Geldverdienen dachte und bei seiner Arbeit seine Frau vereinsamen ließ. Nun Lieb, das wird aber bei uns nicht der Fall sein, wenn es auch mit der Einsamkeit zum Teil zutrifft.

Ich war heute, wie meistens Ende der Woche im Bad, das ist dann immer ein angenehmes Gefühl. Schon hörte es vom Regnen auf und ich werde ein wenig Luft schnappen. Wenn ich wenigstens spazierengehen kann, dann ist’s schon besser!

Sonntag, d.5.9.37. Liebste! Der Sonntag ist beinahe auch vergangen. Das Wetter war nicht so schlecht, wie es gestern aussah. Wohl hat es nachts tüchtig geregnet, auch noch am Vormittag. Deswegen bin ich bis 10 Uhr im Bett gelegen. Das ist Sonntag früh recht angenehm. Draußen im Zimmer, wo die Kinder schlafen, spielt dann das Radio, da liegt’s sich dann gut dazu. Heute habe ich den Fahrplan studiert und wieder etwas ausgebrütet. Aber diesmal, mein Lieb, ist’s mir sehr ernst. Wegen Dir und natürlich wegen mir auch. Du fährst mit nach Berlin!!!

Erschrecke nicht gleich zuviel, freue Dich lieber mit mir, mein lieber Schatz! Ich bin den ganzen Tag heute glücklich bei dem Gedanken, daß wir wieder zusammen Neues sehen können. Also paß auf:

Wir würden auf jeden Fall nicht über Prag, sondern die Hinfahrt über Salzburg - München - Hof - Leipzig - Berlin, die Rückfahrt Berlin - Dresden - Regensburg - Passau - Wien fahren. Die Fahrt nach Berlin würde, angenommen, von Freitag abends bis Montag abends dauern, die Rückfahrt von Freitag früh bis Sonntag nachmittag. Auf der Hinfahrt möchte ich, wenn Du es auch willst, Plenks besuchen (1. Nächtigung), dann einen Tag in München bleiben (2. Nächtigung), dann direkt mit dem Schnellzug nach Berlin. Auf der Rückreise würden wir uns 10 Stunden in Dresden aufhalten (da fällt mir ein, da ist ja Karl, vielleicht könnten wir da übernachten), dann einige Stunden in Regensburg und eventuell dort oder in Passau übernachten.

Nun möchte ich Dir zu Deiner Beruhigung gleich die Kosten mitteilen; dabei ist angenommen, daß ich vor der Abfahrt nach Berlin 7 Tage in Wien bin, dadurch bekomme ich bis zur deutschen Grenze 80 % Ermäßigung, und daß wir als Ausländer in Deutschland 60 % während unserer ganzen Fahrt haben. Weiters, daß wir Wien-München und Regensburg-Wien Personenzug fahren.

Strecke beide Karten die Firma

kosten uns vergütet

Wien-Salzb. S20.40 S27.10

Sbg-München RM 4.96 RM 7.70

Mün.-Berlin RM27.40 RM30.50

Berlin-Passau RM25.80 RM28.50

Passau-Wien S33.20 S26.60

______ _______ ______ _______

S53.60 RM58.16 S53.70 RM66.70

Resultat = ca. + RM 8.50

Bezüglich des Fahrpreises geht es sich aus. Nun weiß ich nicht, wieviel Diäten ich in Berlin bekomme. Entweder RM 15.- oder RM 18.-. Ich denke, damit werden wir beide auskommen, auch wenn wir nicht bei Leo sein können, denn ich kenne ja dort die derzeitigen Verhältnisse nicht.

Die Fahrt ist also keine Utopie und durchführbar (Dein Bild sieht mich so zweifelnd an), ich will daher diese Gelegenheit nicht vorbeigehen lassen, es soll uns dies ein Lohn sein für unser Getrenntsein.

Die Fahrt würde Ende September oder Anfang Oktober sein. Mit Deinen Kleidern mußt Du halt sehen, wie’s geht. Wenn Du etwas brauchst, dann schaffe Dir’s eben an.

Besorge Dir bitte die Bewilligung für die Ausreise aus Deutschland und vor allem FREUE DICH DARAUF! Und mit dieser Freude kommt Dir dann manches leichter an.

Und nun Schatz, zu dem heutigen Sonntag. Um ca. 11 Uhr ging ich ins Büro, dort war auch Hr. Hrotik, ein deutsch-russischer Emigrant, der bei uns als Kaufmann tätig ist. Sein Töchterchen, ca. 4 Jahre, war auch dort und ich habe mich bis halb eins gespielt. Die hat mich riesig gern und kommt immer mit offenen Armen auf mich zu, wenn wir uns treffen. Wir verständigen uns mit einem deutsch-russisch-bulgarischen Kauderwelsch, da die Kleine auch schon ein bißchen Deutsch spricht.

Darnach das übliche Essen, dann das übliche Mittagsschläfchen, dann das übliche Spazierengehen. Und so ist es jetzt wieder Abend geworden. Im Radio wird „Solveigs Lied“ gespielt. Lieber möchte ich’s daheim hören. Vielleicht in zwei Wochen kann ich’s schon.

Wegen der 80 % -Ermäßigung muß ich diesmal über Marburg fahren, weil ich 150 km voll bezahlt haben muß. Von der Grenze Bruck-Neudorf sind es nur 83 km. Das kostet mich zwar eine Nacht, so vor dem Wiedersehen ist dies zwar schwer, doch in der Freude des Kommenden ertragbar.

Was macht Fredys Daumen? Du siehst wie es ist, wenn etwas hinausgeschoben wird! Nun kann es sein, daß er seine Aufgaben doch nicht fertig hat, trotz der 10 Wochen Zeit.

Diesen Brief will ich noch nicht aufgeben, weil Du ja doch noch nicht in Wien sein wirst.

Für heute Schluß. Viele Küsse und Umarmungen.

7.9.37

Mein Lieb! Nun ist es aber an der Zeit, den Brief abzusenden, sonst bist Du schon lange daheim bevor er kommt.

Gestern habe ich „Ernte“ gesehen, der Film ist wirklich sehr schön. Diese Woche gibt man noch zwei deutsche Filme, also ist Auswahl.

Hoffentlich seid Ihr nun alle gut heimgekommen und auch sonst alles gut gegangen. Wie hat sich denn das Naphtalin bewährt?

Heute bekam ich zugleich zwei Bücher zum Lesen von Frau Wolkowa. „Die Burgkinder“ von Rudolf Herzog und ein Ullsteinbuch. Frau Wolkowa hat eine größere Bibliothek, das ist fein, wir sind ganz zufällig darauf zu sprechen gekommen.

Nun Liebes, nicht mehr viele Briefe!!!

Viele Busserln an Euch alle, für Dich aber recht heiße!

Dein Robert


[up] [CV] [Holydays] [1920] [1921] [1923] [1925] [1926] [1928] [1929] [1930] [1931] [1932] [1934] [1935] [1936] [1937] [1938] [1939] [1940] [1941] [1942]




We appreciate your comments, please send them to Paul Schröfl (pauli schroefl.com). The usage of this Web Site underlies our usage policy. © 1990- 2022 Paul Schröfl, Lisl Schröfl. Last changes made on december 7th, 2021