Grete Schröfl - Robert Schröfl: Korrespondenz


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Wien, 5.4.1938

Mein lieber Mann!

Du siehst, ich habe immer noch kein Briefpapier und da es noch sehr zeitlich ist, bekomme ich auch keines.

Die Kinder haben schon Osterferien, wahrscheinlich, weil man die Schulen braucht.

Wegen Deines Wahlscheines war ich gleich auf dem Rathaus an der zuständigen Stelle. Da man dort nicht wußte, wie man das für Sofia macht, schickte man mich an die berufenste Stelle; zu Herrn Dr. Schmidt. Dort aber mußte ich erfahren, daß es für Dich nicht möglich ist zu wählen, weil Du da zu einem deutschen Grenzort fahren müßtest. Da käme ja nur Marburg oder gleich Wien in Frage. Das wird Dir aber mit der Zeit nicht ausgehen und kostet eine Unmasse Geld. Es wäre dann noch eine Möglichkeit, die des Wählens auf einem deutschen Schiff. Dazu würdest Du aber den Wahlschein auf dem zuständigen Konsulat bekommen.

Ich schicke Dir den Wahlausweis mit, den ich gestern erhielt, bitte Dich aber, ihn, wenn Du ihn nicht brauchst, gleich zurückzuschicken. Ich verstehe den Satz „ Er wird als Nachweis der vorgenommenen Abstimmung zurückgegeben“ nicht ganz.

Wegen meines Visums gibt’s eine endlose Lauferei. Robert ging mir Samstag auf’s bulg. Konsulat. Dort verlangte man eine Geschäftsbestätigung und eine Ausreisebewilligung.

Gestern ging ich zu dem Zweck in die Bräunerstraße. Dort erfuhr ich, daß man für das Ausreisevisum eine Bestätigung des Steueramtes und des Zollamtes braucht. Ich ging gleich auf’s Zollamt, stand dort ca. 3 Stunden um dann den Zettel zu bekommen. Dabei erfuhr ich, daß man sich auch noch eine Bestätigung vom Taxamt holen muß. Darauf konnte ich nicht mehr warten oder besser gesagt, ich wäre gestern vor Beendigung der Amtsstunden nicht mehr an die Reihe gekommen.

Auf dem Paßamt heißt es, muß man auch ungefähr 4 Stunden warten. Die Fahrt ist also redlich verdient.

Vorige Woche schickte mir Fritz 70 S, die vom Geschäft als Hitlerspende uns zugesprochen wurden. Ich habe damit den Kindern Schuhe gekauft, 5 S für den Wahlfond gespendet und Fahnenstoff besorgt.

Sonntag wollte ich zu Störs fahren, doch kam gerade als ich um 1 Uhr wegfahren wollte, Trude Wenty mit der Nachricht, daß auch die Eltern kommen.

Gestern sagte mir Trude, daß Fini ohnehin erst heute von Uttendorf kommt. Ich wäre also umsonst hinausgefahren.

Sonntag war es hochsommerlich, doch sehr stürmisch. Abends kam dann ein Unwetter und jetzt hat’s wieder beträchtlich abgekühlt.

Eben kommt Deine Karte. Also ist die ganze Wahlangelegenheit geordnet und ich schicke Dir den Wahlausweis nicht.

Jetzt gehe ich mit den Kindern schauen ob sie wegkommen. Werner wird aber noch zu jung sein und Robert ist in Wien derzeit „unabkömmlich“. Setze dann nach der Rückkunft fort.

Nachmittag, 5 Uhr

Endlich soweit weiterzuschreiben.

Fredy ist bei der Untersuchung. Werner ist zu jung, Robert zu alt um wegzufahren. Robert hat übrigens die unterschiedlichsten Zukunftsträume und Hoffnungen. Doch das erzähle ich Dir besser in 14 Tagen.

Meine Freude ist nun wieder riesig geworden. Aber ich glaube, es ist auch mir eine Erholung dringend nötig. Ich bin so nervös wie nie zuvor. Wenn ich mich auch immer wieder selbst zu bezwingen suche, es geht doch wieder mit mir durch. Ich glaube, Du mußt das sogar an der Schrift sehen.

Gestern war Hella auf einen Sprung bei mir. Sie läßt Dich recht herzlich grüßen. Aber alles Nähere erzähle ich Dir lieber. Im Verlauf dreier Wochen haben wir ja viel Zeit. Und Schatz, wenn ich Dich auch dann wieder entbehren muß, diese 3 Wochen sollen mir ein Born sein, aus dem ich wieder für lange schöpfen kann.

Warte jetzt noch Fredys Kommen ab, ehe ich den Brief aufgebe.

Auf unser baldiges Wiedersehen freut sich

Deine Gretel

Lieber Vater! Fahre wahrscheinlich Donnerstag nach Köln.

Viele Busserln, Fredi.

Sofia, den 8.4.38

Mein Süßes!

Diese Woche hast Du recht lange auf das Schreiben warten müssen. Die Karten werden dieses doch nicht ganz ersetzt haben.

Nun sind aus den 7 Wochen wirklich nur 12 Tage geworden und meine Freude wird immer größer. Ich glaube, ich werde in der nächsten Woche nach Russe fahren, damit ich Abwechslung habe. Da ich dort ca. 8 Tage bleibe, so komme ich dann gerade noch zum Abholen zurecht.

Vorige Woche kam die Frau eines Berliner Rohrpostmonteurs, mit dem ich viel zusammen bin. Wir essen auch miteinander zu Mittag und haben Dir schon ein Platzerl reserviert. Frau Hornstein erzählte, daß die Kontrolle besonders auf den Wiener Bahnhöfen sehr streng ist. Nimm Dir daher nur 10 Mark an Geld mit, oder den Gegenwert in Schilling, da ich hörte, daß mehr nicht erlaubt sei.

Die Fahrt nach Burgas war recht lustig und an ein Schlafen war natürlich nicht zu denken. Ich traf in meinem Abteil 3 Wiener, dabei ein recht lustiges Wiener Mädl, so ähnlich wie Olga. Nun, wir unterhielten den ganzen Waggon. Wir fuhren mit dem Sonderzug, bestehend aus 5 Wagen und einem Speisewagen. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, was da getrunken wurde. Platz konnte man im Speisewagen überhaupt nicht bekommen. Der Dienstwagen für den Zugsführer war voll von Kisten mit Bier und Wein und doch konnte man früh nichts mehr bekommen. Da sieht man, daß der Deutsche doch ein Saufbruder ist.

Die Abfahrt war Samstag um 8 Uhr, die Ankunft Sonntag früh um 5 Uhr. In Burgas wurden wir natürlich schon erwartet, vom Bahnhof ging es zur Deutschen Schule, ein sehr schönes, neues Gebäude. Dort tranken wir Tschei und nachher ging es zum Hafen. Burgas ist ein ganz liebes nettes Städtchen und liegt nicht direkt am offenen Meer wie Varna und Messembria, sondern in einer Bucht, die gegen das Meer von mäßigen Bergen getrennt erscheint. Am Hafen stand die „Ewdokia“ und ich dachte an Euch, als ich die Bank sah, auf der wir beim nach Varna fahren gesessen sind.

Unser Schiff war noch nicht im Hafen sondern stand noch draußen. Ich schaute daher der Abfahrt der „Ewdokia“ zu, bis sie zwischen den Bergen verschwand.

Insgesamt waren 178 Österreicher und 379 Deutsche in Burgas zusammengekommen. Auch die Russianer traf ich, die sind von Russe mit einem Autobus 12 Stunden gefahren. Das wäre was für Dich! Besonders bei den hiesigen Straßenverhältnissen! Fischer war auch da, er macht einstweilen in Russe Konsulatsdienst und muß noch auf die Erledigung warten.

Das Wetter war herrlich, recht warm, so daß wir unsere Überkleider ablegten. Mittlerweile war das Schiff „Tessalia“ im Hafen angekommen; zur schnelleren Erledigung waren zwei Wahllokale aufgemacht und vorher wurde natürlich noch gesprochen. Eine bulgarische Militärmusik spielte das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied und dann wurde gewählt. Von den österreichischen Stimmen war eine „Nein“ und eine ungiltig, die reichsdeutschen Stimmen durchwegs „Ja“.

Nach der Wahl schaute ich mir die Stadt an und danach wurden in der deutschen Schule Bohnen gegessen, das Mittagmahl.

Um 1 Uhr 20 fuhr unser Zug wieder los, bei geradezu sommerlicher Hitze. Die durchwachte Nacht machte sich nun geltend, die meisten der Leute schliefen, so auch ich eine Weile. In dieser Gegend blühte schon alles und gegen abend wurde es wieder leidlicher.

Ein wunderschöner Sonnenuntergang beschloß den Tag; als wir bei Plovdiv vorbeifuhren, war’s schon dunkel. Schade, denn Plovdiv hätte ich sehr gerne gesehen. Ich glaube, da fahren wir zusammen hin.

Um 12 Uhr nachts kamen wir wieder in Sofia an, und das Schlafen war dann fein.

Morgen abends ist eine Filmvorführung in der Deutschen Schule und nachher die Rede des Führers im Radio (Samstag 20 Uhr).

Es wird dies wohl der vorletzte Brief sein, gottlob, Liebes, ich freue mich ja schon so auf Dich. Heute erwarte ich einen Brief von Dir, wenn ich nach Hause komme.

Heute bekam ich von Fritz eine Karte vom Kahlenberg, auf der er schreibt: „…von unserer Hochzeitsfahrt ein 3-faches Sieg-Heil“ und darunter die Unterschriften Hilde und Leopold Schönbauer. Ob dies Frl. Gree ist?

Auch in Sofia hat sich heute der Himmel aufgeheitert, vielleicht wird es doch jetzt warm. Vorgestern schneite es noch, trotzdem die Bäume schon blühen. Wenn das so weitergeht, mußt Du doch mit dem Wintermantel kommen.

Und jetzt gehe ich nach Hause und schaue, ob von meinem Liebchen was da ist.

- - -

Und es war auch wirklich der Brief da. Hoffentlich wirst Du Deine Paßangelegenheit auch gut erledigen.

Wegen der Bluse habe ich eben mit meiner Hausfrau gesprochen. Es soll eine gestreifte Seidenbluse sein, in verschiedenen Farben, Du sollst nur auswählen, es wird schon recht sein. Weiters die 3 Komb., wie ich Dir bereits schrieb und 4 oder 5 P. Strümpfe. Merke Dir halt alles wegen der Fahrt, besonders kannst Du durch die komb. Karte Wien-jugosl. Grenze sparen.

Und schreibe mir gleich, wenn Du Deine Paßangelegenheiten erledigt hast. Ist Fredy fortgefahren? Nun bin ich schon neugierig, was Du alles erzählen wirst.

Viele Busserln an Dich und die Kinder mit einem immer näher heranrückenden „Auf Wiedersehen!“ Dein Robert

Sofia, 12.4.38

Liebe Gretel!

Ich fahre morgen früh nach Russe, komme wahrscheinlich erst Sonntag zurück, daher noch ein paar Zeilen wegen Deines Kommens.

Die Witterung ist hier so kalt, daß es vorteilhaft sein wird, wenn Du Dir doch den Wintermantel mitnimmst. Es kann ja vielleicht warm werden, doch ist dies nicht sicher. Gestern schneite es wieder, so daß die Blüten 5 cm mit Schnee bedeckt waren. Also wollen wir lieber vorsichtig sein, damit Du Dich nicht verkühlst.

Bitte bringe mir noch die Grammatik mit, das kleine Büchlein, das ich voriges Jahr kaufte und das die deutschen Ausdrücke und die Übersetzung ins Lateinische enthält. Weiters vergiß bitte nicht die Gelbscheibe, die in der braunen Preßstoffbüchse ist.

Ich bin jetzt schon sehr ungeduldig und froh, daß ich in Russe viel Arbeit und auch Abwechslung habe.

Sollte im letzten Moment Deine Fahrt durch irgend einen Umstand vereitelt sein, so telegrafiere mir zur Firma an die Telegrammadresse „Wernerges Sofia“ und als erstes Wort im Text „Schröfl“. Wenn Du mir die heurigen Hefte vom Kosmos bringen kannst, wäre es mir für die Zeit „nachher“ sehr lieb.

Nun, mein liebes Butzerl, mach alles gut und komm gut an. Heute in einer Woche bist Du schon zwischen Budapest und Belgrad. Ich wäre glücklich, wenn die Zeit schon vorbei wäre. Auch meine Hausleute zählen schon die Tage, wie ich.

„Auf Wiedersehen“ und viele Busserl an die Kinder

Dein Dich in Sehnsucht erwartender Mann.

Wien, 13.4.1938

Mein Liebstes!

Zwar habe ich mich zum Tisch gesetzt, um Dir Bericht zu erstatten über meinen Sieg auf allen Linien, doch schlief ich ein, ehe ich noch die Feder zur Hand nahm.

Ich bin allein. Fredy ist Donnerstag abends weggefahren. Robert fuhr Montag zwecks Urkundensammlung nach Ternitz. Werner ging vormittag zu Wentys und ließ mir telefonisch sagen, er kommt erst morgen heim.

Also, wie Du aus den ersten Zeilen ersehen kannst, habe ich nun endlich die Paßangelegenheit erledigt. Auch die Fahrkarte ist schon besorgt. Nun habe ich noch zu waschen und die Wohnung gründlich zu putzen.

Julie Meyerhofer kommt Samstag nach Wien und bleibt über die Feiertage hier.

Ich habe heute 300 S aus der Sparkasse genommen, weil Fritz mir Sonntag sagte, im Geschäft weiß man nichts über Deine Abrechnung. Vielleicht aber ist’s auch, weil er selbst kaum Zeit hat, sich darum zu kümmern.

Was ich Dir mitbringen soll, ist auch bereits besorgt. Ich hoffe, alles zur Zufriedenheit. Du schreibst zwar einmal von 4 Kombinationen und 3-4 Paar Strümpfen, das andere Mal von 3 Kombinationen und 4-5 Paar Strümpfen. Ich habe nun 4 K. und 4 P. Str. besorgt und auch eine Bluse. Zwar nicht Seidentrikot, aber eine hübsche Seide. Sollte irgendetwas nicht recht sein, behalte ich sie eben selbst.

Gestern ließ ich mir neue Dauerwellen machen. Ich muß doch schauen, daß ich Deinen Schönheitssinn wenigstens teilweise befriedige. Besonders da ich in letzter Zeit, wenn mein Spiegel nicht lügt, wenigstens um 10 Jahre gealtert bin.

Von Fredy habe ich leider noch keine Nachricht. Bin etwas unruhig.

Liebes, nun kommt meine Freude auf ein kurzes Zusammenleben mit Dir erst wieder zur Geltung. In den letzten Wochen wurde alles von dem Weltgeschehen verdrängt. Vielleicht kann ich dann umso intensiver nur Dir gehören?!

Zum letzten Mal papierene Busserl. In 6 Tagen gibt’s dann schon wirkliche!

In heißer inniger Liebe

Deine Gretel

Sofia, 26.4.1938

Lieber Bub!

Aus meinem Brief an Trude ersiehst Du, wie meine Fahrt verlief.

Hier in Sofia ist es recht nett, aber in unseren Alpen erheblich schöner. Ich bin bei Regenwetter angekommen und den zweiten Morgen hatten wir Schnee. Die vier Feiertage aber war es schön. Freitag und Samstag waren wir im Borisgarten, einem sehr großen Park, ganz nahe bei uns. Sonntag schliefen wir bis Mittag. Wir hatten die hiesigen Ostern mitgefeiert. Das geschieht auf den Plätzen vor den Kirchen und dauert bis 1 Uhr nachts, dann geht die Feier in der Kirche bis 3 Uhr fort. Wir gingen aber mit unseren Hausleuten und einem Berliner Ehepaar schon um ½ 2 Uhr weg. Allerdings wurde dann die Feier bei den Hausleuten bis ½ 5 Uhr fortgesetzt, natürlich als Gasterei. Um ½ 5 tanzten wir im Vorzimmer noch „Horo“. Und kamen um 5 Uhr ins Bett. Sonntag Mittag waren wir zum häuslichen Lammbraten eingeladen und nachmittag bei Herrn Wasileff zum Kaffee. Letzterer hat eine sehr hübsche und liebe Berlinerin zur Frau und ein ebenso hübsches Töchterl.

Gestern waren wir bis zum Wasserfall auf der Witoscha. Es ist dies ca. 1400 m (Sofia liegt ungefähr 600 m). Der Weg ist eine Kletterei, aber es war recht schön. Abends waren wir in der Oper bei einem Ballett von Tschaikowsky. Es war herrlich, sowohl Musik als auch Scenerie und Tanz.

Da wir den ganzen Tag eigentlich nicht richtig gegessen hatten, gingen wir dann noch ins Wiener Restaurant; so wurde es wieder 2 Uhr.

Mit Deinen Sommerplänen ist Vater einverstanden. Im Ganzen aber habe ich ihn der neuen Lage gegenüber ablehnender gefunden, als ich erwartete. Er ist eben der Österreicher, der die Preußenherrschaft fürchtet.

Na, wird JA WOLL alles noch richtig werden, wie der Berliner sagt.

Was macht die Schule? Und wie geht’s Dir sonst? Wenn Du denkst, daß Du mich nicht bis zum 15. oder 20. Mai entbehren kannst, so schreib. Erkundige Dich bitte auch bei Onkel Richard, wie’s geht. Zu Fleischmanns gehe und sage, daß Du Dir das Geld abholen wirst. Deine Fotos anbei.

Viele Busserl an Dich und Grüße an alle, besonders an Schw. Huber!

Deine Mutter

Wien, 28. April 1938

Liebe Mutter!

Besten Dank für Deinen lieben Brief, den ich heute mittag erhielt. Es freute mich zu lesen, daß es Dir gut geht, und daß Ihr schönes Wetter habt. Weniger erfreut bin ich über Dein längeres Ausbleiben, doch kannst Du ruhig in Sofia bleiben. Nur muß ich Dir mitteilen, daß am 23. oder 24. Mai Sprechtag sein wird.

Ich habe soeben erfahren, daß Herr Stör nach Berlin fahren wird, und Fredl so seine RM 5.- doch bekommen kann. Wenn ich sie ihm von Wien geschickt hätte, wären sie wieder zurück gelangt, da das Geld nicht direkt an ihn, sondern an die zuständige Stelle der N. S. V. gelangen würde, und diese es zurückschicken würde. Ich habe mich diesbezüglich erkundigt und man sagte mir dies.

Bei der H. J. wurde ich bereits zum Kameradschaftsführer ernannt, und habe nun unseren Jahrgang zur Führung. Du brauchst keine Angst zu haben, daß die Schule etwa darunter leidet, denn es geht nur 1 Tag in der Woche, nämlich der Freitag drauf.

Mit dem von Dir mir zurückgelassenen Geld werde ich gerade bis 1. Mai auskommen. Mit dem Schulgeld weiß man noch nicht was wird, da wir erst heute die Eingabe an das Ministerium f. H.u. V. gemacht haben.

Bei Onkel Richard war ich schon. Werner und Onkel und Tante geht es gut.

Vielen Dank für die Bilder. Frage bitte Vater, wie man beim Aufnehmen die Lichtreflexe verhindert, weil Du wirst bemerkt haben, daß bei fast allen Bildern Lichtreflexe waren.

Vorigen Mittwoch war ich bei Trudl in der Arbeiterkammer. Es sind fabelhaft eingerichtete Büros dort. Die Beamten im alten Österreich hatten es wirklich fabelhaft. Zu arbeiten nicht viel, und diese Büros dazu.

Viele Grüße auch an die Hausleute, sowie deren Mädeln. Sage auch Vater wegen dem „Radio“.

Nun mach ich aber Schluß.

Viele Busserln an Dich und Vater

Robert

Sofia, 13.5.1938

Meine Lieben!

Gestern mittag kamen wir von unserer Rundreise zurück, mit 4 Stunden Verspätung. Der Wolkenbruch, der vorgestern abends niederging, hat 5 m Geleise auf uns’rer Strecke unterwaschen und wir standen nachts einige Stunden. Allerdings ohne viel davon zu merken, denn wir schliefen beide recht gut und waren nur sehr erstaunt, uns morgens um 6 Uhr auf einer Station zu finden, die wir nachts um 1 Uhr passieren sollten.

Ich kenne nun so ziemlich alle bedeutenderen Städte Bulgariens. Davon ist die interessanteste Tirnowo, das übereinander gestaffelt aufgebaut ist. Die schönste Stadt, die ich überhaupt sah, ist Plovdiv. Es ist nur schade, daß man das richtige Bild doch fotografisch nicht festhalten kann. Es fehlen vor allem die Farben. Die malerischen Typen auf dem Basar von Stara Zagora werden mir unvergeßlich bleiben.

Hansis beide Karten erhielten wir. Die zweite gestern bei unserer Ankunft. Auch Roberts Brief erhielten wir und ich beantwortete ihn noch Anfang der Vorwoche.

Auch Trudes Brief hat uns viel Freude gemacht. Freuen uns besonders, daß Stör soviel Vertrauen in sie setzt. Von uns an Störs recht herzliche Grüße. Ich hoffe wir sehen einander bald in Kritzendorf.

An Körblers meine herzlichste Gratulation zum Beginn des wirklichen Familienlebens. Man hängt wohl sehr an einem liebgewordenen Beruf. Doch liebt Steffi die Kleine wieder viel zu sehr, um nicht den Beruf darüber vergessen zu können.

Wieso hat Robert noch immer so viel schulfrei? Hoffentlich lernt er wenigstens zu Hause! Ich dachte, ich werde meine Nerven hier zur Ruhe bringen, aber es ist ärger als zuvor. Ich lebe trotz allen gegenseitigen Versicherungen in dem Glauben, daß es ohne mich nicht geht. Fast geht’s mir wie meiner Großmutter, die heimfahren mußte, damit „die Bäunln (Bohnen) net ausroasen“.

Von Richard kam auch eine Karte, daß Werner sich freut, noch dortbleiben zu können und daß er sehr brav ist. Meine Hauptsorge gilt eigentlich Robert. Wenn ich wüßte, daß ich mich hundertprozentig auf seinen Lernwillen verlassen kann - oder besser auf die Durchführung des Willens.

Sollte nicht schon Nachricht da sein, daß ich bis zum Sprechtag in Wien bin, so soll Robert Onkel Richard ersuchen, hinzugehen. Außerdem soll Robert Onkel vorläufig noch 20 Mark geben. Er wird es ja brauchen. Letzteres möglichst bald.

Daß Ihr Fredy die 5 Mark schicktet ist recht, obzwar ich nicht weiß, was der Bub mit dem Geld macht. Vielleicht fotografiert er sehr viel.

Ja, noch etwas: Roberts Bettwäsche wird schon sehr schmutzig sein. Gebt die Wäsche zum waschen und rollen. Roberts Hemden natürlich auch bügeln. Die Kappen mit den 4 Knopflöchern gehören auf die Bubendecken. Ich weiß jetzt nicht, ob Ihr bei uns seid oder nicht. Wenn ja, wird’s am Ende der Zeit auch nötig sein, uns’re Betten zu beziehen. Aber das werdet Ihr ja selber seh’n. Hat Robert die Blumen nicht umkommen lassen?

Nun denke ich, ist das Wichtigste behandelt.

Sollte Fredy viel früher als wir heimkommen, muß er eben doch noch zu Wentys.

Wir haben leider von Wien noch keinen definitiven Bescheid. Man braucht Vater dringend in Wien. Umgekehrt soll Herr Schedlbauer Ende Mai hierherkommen und da möchte Vater nicht fehlen.

Ich aber soll auch nicht allein nach Hause fahren. Eine dumme Situation. Sollte es aber allzulange dauern, fahre ich doch allein.

Viele Grüße an alle Bekannten. Euch alle vier küßt

Eure Mutter, Tante und Tochter

Sofia, 14.5.1938

Lieber Fredy!

Muß Dir noch schnell vor Deiner Heimfahrt einen Brief schreiben. Vater wird heute noch schauen, ob er bulgarische Marken bekommen kann. Da kannst ja auch dann von Wien noch welche schicken.

Wir waren eine Woche nicht in Sofia, sondern haben drei aufeinanderfolgende Feiertage benützt, um sie einer Geschäftsreise vorzuschließen.

Waren in Plovdiv, Tirnowo, Stara-Zagora und Schumen, außerdem in Russe, was ja notwendig war.

Nun kenne ich Bulgarien von einem Ende zum anderen. Wir sahen viel Schönes und noch mehr Interessantes. Wenn die dumme Fahrt nicht wäre, wär’s ja noch viel schöner gewesen. Tirnowo ist so alt und so interessant. Die Häuser alle gestaffelt übereinander gebaut. Das Gesamtbild wirkt so, als ob die Häuser alle aufeinander stehen würden.

Plovdiv ist schon einige Male abgebrannt und wieder aufgebaut worden. Sind neu angelegte Straßen und neue Häuser. Dadurch, daß das Ganze auf drei Hügeln aufgebaut ist, wirkt es außerordentlich schön. Von allen Städten, die ich bis jetzt sah, ist Plovdiv die schönste.

Nun, mehr erzähle ich Dir dann daheim, an Hand der Aufnahmen.

Sag’, wozu brauchst Du so viel Geld? Hast Du viele Aufnahmen gemacht? Geschrieben hast Du ja wenig genug. Hoffe, daß Du die 5 Mark von Robert bekommen hast. Der Brief wird Dich ja ungefähr am Ende Deines Aufenthaltes antreffen.

Wie’s bei uns weiter wird, weiß ich noch nicht. Wir erwarten täglich Nachricht vom Wiener Werk. Vater wird in Wien dringend gebraucht. Andrerseits sagte Herr Schedlbauer, er kommt nach Sofia, da kann doch Vater nicht wegfahren. Und ich wäre schon so gerne daheim. Sage ich aber etwas vom Alleinfahren, so ist Vater gekränkt. Nun, hoffentlich regelt sich die Sache bald.

Habt Ihr schon schöneres Wetter gehabt? Bei uns ist’s immer noch durchschnittlich kalt.

Sage bitte Deinen Schlaf- und Kosteltern nochmals unseren herzlichsten Dank. Und für den Fall, daß jemand nach Wien käme, eine ebenso herzliche Einladung.

Mache jetzt Schluß, weil schon eine uns’rer Tischgenossinnen (eine Berlinerin) auf mich wartet.

Viele Busserl von Vater und mir!

Und herzliche Grüße an Deine Bekannten in Honnef.

Deine Mutter

Sofia, 21.5.1938

Lieber Robert!

Warum gibt es gar keine Nachricht von zuhause? Auch von Fredy kommt nichts, ich weiß nicht, ist er schon da oder nicht. Eigentlich nehme ich ja an, daß er heute kommt.

Wir kommen voraussichtlich heute in 8 Tagen, also am 28.d. M. um ca. 8 Uhr früh am Südbahnhof an. Abzuholen braucht uns natürlich niemand, da Ihr ja Schule habt. Laßt den Schlüssel zu Hause. Nur schau bitte, daß nicht allzuviel Wirtschaft ist. Sollte sich noch etwas ändern, so schreibe ich oder telegrafiere. Wir haben die offizielle geschäftliche Bestätigung noch nicht, daß Vater fahren kann.

Und nun, eine Überraschung. Ihr bekommt bis Mitte August eine Schwester. Wir nehmen Katja mit. Hier ist schon am 18. Juni Schulschluß. In der Zeit vom 27. Mai bis 14. Juni aber ein Schulausflug durch Bulgarien. Es handelt sich also nur um 4 Schultage, die das Mädel als gute Schülerin ohne Weiteres frei bekommt. Nur noch die Visen zu besorgen. Wir fahren über Marburg heim, da es erstens schöner und für Vater und Katja vielleicht auch billiger ist.

Katja ist ein sehr liebes ruhiges Mädel und ich glaube, nach der ersten Überraschung werdet Ihr sie wohl ein wenig lieb gewinnen. Sie ist 14 Jahre und 6 Wochen alt und ungefähr so groß wie ich. Lege Euch übrigens zum ersten Kennenlernen ein Bild bei.

Also auf baldiges Wiedersehen! Ja, unsere Sommerreise nach Sofia ist natürlich zu Ende. Da Vater in Wien sein wird und wahrscheinlich überhaupt nicht dazu kommt, sich Urlaub zu nehmen. Könnt Ihr also in einem Lager unterkommen, wird es gut sein.

Habe wegen Fredy auch ganz unverbindllch an Lina geschrieben. Vielleicht wird die Sache heuer aktuell.

Viele Busserl an alle, Mutter

Viele Busserln, Vater

Perschling (?), 28. Juli 1938

Liebe Eltern!

Habe Sonntag Eure liebe Karte erhalten. Es freut mich zu hören, daß es Euch gut geht. Mir selbst geht es hier sehr gut und es tut mir direkt leid, daß ich schon am 7. August von hier weg muß. Wir haben eine Woche Lager in … und besuchen dann gleich das Erntedankfest am 14.und 15. August. Komme also ca. 16.,17. nach Hause. - Letzten Sonntag war Vereidigung der gesamtem H. J.-Führer, welche hier auf Landdienst sind. Es war „wüst“ feierlich und wir bekamen dann die verschiedenen Führerschnüre eingehändigt. - Werde Euch nun meinen hiesigen Stundenplan schreiben. Um ¾ 6 Uhr stehe ich auf, da um 6 Uhr die Kühe ausgetrieben werden müssen. Nachdem dies geschehen ist, wird gefrühstückt und um 7 Uhr geht das Futterscheiden an. Im Anfang war das ein furchtbarer Krampf, da man mir nur so ein Unikum von Sense in die Hand drückte, und ich nichts damit anzufangen wußte. Doch bald hatte ich das Mähen gelernt und jetzt gehts schon ganz gut. Um 9 Uhr ist dann alles gerichtet und jetzt gibts bis Mittag verschiedene Arbeit. Entweder „heign“ oder Krautacker heinln und noch verschiedene andere Arbeiten wie Holzhacken e.t.c. Um ½ 1 Uhr wird Mittag gegessen. Dann geht die Arbeit bis abends weiter. Um 7 Uhr wird Schluß gemacht und dann geh’ ich meistens schon schlafen, so daß ich um 8 - ½ 9 Uhr schon im Bett liege. - Freue mich, daß Frau Wenty auch radfahren gelernt hat. Schaden wird es ihr sicherlich nicht (ich meine, wegen dem Gewicht). - Von unserem Haus aus sieht man die Berge wohl nicht, aber wenn ich ca. eine halbe Stunde von hier auf den Berg gehe, sehe ich den „Schwaben“ (Hochschwab) sehr gut. Wir wollen übrigens Sonntag auf die Aflenzer Bürgeralm Edelweißbrocken gehen. Unser Bauer sagt, daß sie dort sehr leicht zu kriegen sind. Hoffe, daß ich dienstfrei bekomme. Das einzige Dumme hier ist, daß wir nie Freizeit haben. Am Sonntag, dem einzigen freien Tag, haben wir Dienst in Kapfenberg. Das ist auch die einzige Möglichkeit, Eure Briefe zu beheben. Heute muß ich mit der Butter hinunter und werde gleich diesen Brief aufgeben. - Schreibt bitte an meine richtige Adresse, nicht mehr postlagernd. Meine genaue Adresse lautet: R. S., bei Alex. Harrer, Pönegg 15, Post Hafendorf bei Kapfenberg. - Bitte schickt mir auch noch 7-8 RM, da ich vollkommen stier bin und mein Gesamtbesitz minus 2 RPf ist. Habe meine Halbschuhe (Absätze und Spitzeln) richten lassen müssen, da waren wieder 2 RM weg. Es ist überhaupt furchtbar, wie das Geld hier aufgeht. - Mutter muß schon entschuldigen, daß ich ihr nicht zum Geburtstag gratuliert habe, aber in dem Wirbel hab ich es ganz vergessen. Tue es eben nachträglich (hoffentlich hat sie noch kein Kraut gegessen). Auf Großmama hab ich noch im letzten Moment gedacht.

Viele Grüße an Wentys und Körblers und viele Busserl an Euch alle.

Robert

Mittelberg, 18.8.1938

Mein Liebstes!

Will Dir nun doch einen Bericht über die letzten Tage geben.

Samstag abends waren noch Wentys bei uns. Wenty tat es natürlich leid, Dich nicht mehr anzutreffen. Sonntag fuhr ich erst nachmittag um 5 Uhr mit Robert vom Fr. -J.-Bahnhof ab, nach Hadersdorf. Da Robert behauptet, sein Rad ist kaputt (so ähnlich wie Deines in Mittelberg war), erlaubte ich ihm, Dein Rad zu nehmen.

Leider konnten wir aber schon zum Bahnhof schieben, weil der Schlauch absolut keine Luft hielt. Von Hadersdorf bis zur Brücke konnten wir fahren, dann war’s ganz aus. So gingen wir denn von dort nach Mittelberg. Unterwegs begann es zu regnen und ich zog meinen Mantel an. Habe ihn aber dann, als wir über den Berg gingen, ausgezogen, und da er schlecht verpackt war, wahrscheinlich verloren. Wenigstens konnte ich ihn Montag nicht finden. Auch alles Fragen nützte nichts.

Ich hatte natürlich einige schlaflose Nächte, habe mir alle erdenklichen Vorwürfe gemacht, ohne aber damit etwas Gutes zu erreichen.

Wenty Trude ist bei uns, auch zum Schlafen. Das Warum erzähle ich Dir bei Gelegenheit. Jedenfalls gehe ich ein andermal lieber wieder allein aufs Land, denn schließlich will man ja doch aus dem Wirbel HERAUS.

Körblers sind Montag abgereist.

Es hat Montag den ganzen Tag in Strömen gegossen. Wir waren froh, daß der Fleischhauer im Auto heroben war. Er nahm Trude, Hansi und Gerli mit. Körblers fuhren mit unserem Bauern.

Seither ist das Wetter wieder halbwegs schön. Nur heute kalt wie im Spätherbst.

Bis jetzt wars auch trüb, doch kommt eben (9 Uhr) die Sonne durch.

Dienstag habe ich gleich gewaschen, damit endlich wieder ein wenig Sauberkeit hier herrscht. Dann war ich mit Trude und Werner in Schiltern und beim Gärtner in Kronsegg. Heute nachmittag machen wir vielleicht eine kleinere Radpartie. Vielleicht Mittelberg, Gföhl, Kronsegg, Langenlois, Mittelberg.

Die Buben fahren wahrscheinlich Donnerstag oder Freitag nächster Woche weg. Robert hat gestern an Frau Kroiss geschrieben. An Lina schreibe ich in den nächsten Tagen.

Dies der Bericht von hier. Nun warte ich Euren Bericht ab, um den Brief dann wegzuschicken. Hoffentlich hattet Ihr weniger Malheur!

19.8.

Liebling!

Heute ist mir ein wenig wohler zu Mute. Das letzte Übel ist nun doch abgewendet. Ich schrieb Dir gestern gar nichts davon, weil ich dachte, das kann doch noch gut werden. Ich hatte Hansi unsere Wohnungsschlüssel mitgegeben, damit sie mir durch Frau Wenty meinen anderen Mantel schickt. Nun erhielt ich vorgestern eine Karte von Hansi, daß sie die Schlüssel hier gelassen hätte. Da ich wußte, daß das nicht wahr sei, konnte ich nur annehmen, daß auch die Schlüssel verloren seien. Gestern kam nun abermals eine Karte, daß sie gefunden sind. Mir fiel eine Zentnerlast vom Herzen.

Gestern nachmittag machten wir die erwähnte Radpartie. Es ist von Gföhl erst eine Straße in freiem Feld, dann aber bis Kronsegg eine Waldstraße, 8.5 km. Es war wunderschön und hat mir sehr leid getan, daß wir nicht in der Zeit Deines Hierseins einmal im Vierzigerwald (dies sein Name) waren. Ich glaube, ich werde bald einmal wieder da hinüber gehen.

Nun warte ich aber wirklich auf Euren Brief. Mußte gestern so viel an Dich denken, als wir die alte Straße heraufschoben.

Viele, viele Busserl!

22.8.1938

Heute kam endlich Dein Brief. Ihr habt mir allerdings nicht sehr viel geschrieben. Nicht wie’s Euch an der Grenze ging, nicht wie der Empfang zu Hause war. Wenn Hornsteins noch nach Belgrad müssen, kommen sie ja erst Ende September, da sich’s dort wahrscheinlich auch hinziehen wird. Jedenfalls aber nicht mehr vor Beendigung unseres Sommeraufenthaltes. So ist dann alles in Ordnung.

Gestern (Sonntag) waren wir zu viert in Rosenburg, Gars u.s.w. Die Rosenburg selbst ist schön, doch Robert sagt, Kreuzenstein ist weitaus interessanter. Das Kamptal selbst hat mich nach Gars nicht mehr besonders entzückt. Zumal die Straße derart elend ist, daß man kaum wo anders hin als auf die Steine schauen kann. Die Buben hatten beide ein Loch im Hinterrad. Gars ist voll Militär. Wahrscheinlich gibt’s Manöver. Die uns entgegenfahrenden Autos hüllten uns in dichte Staubwolken. Jedenfalls braucht Dir um diese Partie weniger leid zu sein als um den Vierzigerwald. Sehr schön war es nur unterwegs in Wegscheid.

Wieso hattet Ihr 11 Stunden Verspätung? Ihr Armen! Und dabei fast kein Geld! Bin schon recht neugierig auf Deinen nächsten Brief, der hoffentlich etwas länger wird. Katja soll nur ein paar Zeilen dazuschreiben; ich werde das schon lesen können.

Die ganz letzten Negative habe ich hier und lege sie Dir bei. Auch das eine Bild für Marinoffs.

An unser Töchterchen recht viele Grüße und Küsse von ihrer Wiener Mutter.

Nun mein Lieb mache ich Schluß und küsse Dich heiß und innig!

In Liebe,

Deine Gretel

Sofia, den 19.8.38

Mein Liebes!

Nun geht ja die Schreiberei wieder an und ich will Dir unsere Fahrt erzählen:

Schon in Wiener Neustadt stiegen Leute aus, so daß die Überfüllung nachließ. Das Wetter war vor dem Semmering herrlich, die Berge sah man prächtig, ich wäre am liebsten ausgestiegen und wieder zurückgefahren. Auf der steirischen Seite des Semmerings war es umzogen und schon nach Mürzzuschlag fing es zu regnen an. Ich dachte schon, wir müssen in Graz am Bahnhof bleiben, doch je näher wir dorthin kamen, desto mehr heiterte es sich auf. Während der Fahrt sah man die Verwüstungen der Mur bei dem letzten Hochwasser.

In Graz kam unser Zug mit einer halbstündigen Verspätung an, so daß unser Besuch auf dem Schloßberg sehr gekürzt wurde. Wir fuhren mit der Schloßbergbahn hinauf, hatten oben knappe 10 Minuten Zeit und mußten schon wieder herunter. Sehr schade, weil der Abend sehr schön war. Und als wir zum Bahnhof kamen, erfuhren wir, daß unser Zug 8o Minuten Verspätung habe. Das war recht ärgerlich. In der Zeit hätten wir uns Graz anschauen können.

Aus den 80 Minuten wurden 90, endlich kam der Zug, wir bekamen schön Platz. In Marburg wurde ein Belgrader Wagen angehängt, in den wir umstiegen und auch Platz hatten. Das heißt, wir konnten so halb und halb schlafen. Der Zug bekam mittlerweile 2 Stunden Verspätung, wir kamen statt um 1 Uhr um 3 Uhr in Agram an uns erfuhren dort, daß unser Anschlußzug bereits abgefahren ist und daß wir erst um 8 Uhr weiterfahren werden. Na, das war ja eine Überraschung, weil wir besonders betroffen wurden. Der 8 Uhr Zug kommt in Belgrad erst um 3 Uhr nachmittag an, während unser Anschlußzug um 11 Uhr vormittag von dort abfährt. Also machten wir uns mit der 12stündigen Verlängerung unserer Fahrt vertraut. Es war gut, daß wir genug zu essen hatten, denn der Wechsler auf dem Bahnsteig nahm unsere Mark nicht an, weil er angeblich schon genug davon hatte. Wir konnten wohl dann später im Restaurant RM 5.- wechseln, mit 50 %igem Verlust.

Der Vorteil von unserem unfreiwilligen Aufenthalt war, daß wir Agram sahen, eine schöne Stadt mit großen Anlagen und breiten Straßen. Das stammt aber alles noch von der Vorkriegszeit.

Von Agram fuhr mit dem gleichen Zug der Vertreter der kroatisch-serbischen Opposition Macek, welcher auf allen Bahnhöfen mit Musik und Fahnen von Menschenmassen begrüßt um empfangen wurde, so daß es während der ganzen Fahrt bis Belgrad Unterhaltung gab und die 7 Stunden rasch vergingen. Auch in Belgrad war ein grandioser Empfang, der große Platz vor dem Bahnhof war voll von Leuten. Wir wollten im Hotel Excelsior um Nymans nachfragen, doch konnten wir infolge der abgesperrten Straßen nicht dorthin. Erst später erfuhren wir, daß Nymans noch nicht in Belgrad eingelangt sind.

Da wir bis 11 Uhr nachts Zeit hatten, sahen wir uns die Stadt an. Zuerst aßen wir in einem Restaurant Schinken, dann stiefelten wir bis 9 Uhr abends herum. Schade, daß wir bei unserer letzten Fahrt nicht in dem Park oben bei der Burg waren. Das ist eine wunderbare Anlage, besonders bei der nächtlichen Beleuchtung.

Von Belgrad aus hatten wir im Zug schön Platz, Katja hatte gleich eine ganze Bank und ich eine ca. 2 Stunden nach Belgrad. So konnten wir uns die ganze Nacht ausschlafen, das war recht angenehm. Die Grenze passierten wir ohne Unannehmlichkeiten. Als Abschluß unserer Fahrt kauften wir uns im Speisewagen noch ein Frühstück.

Auf dem Bahnhof war niemand, weil Katja ja geschrieben hatte, daß sie frühestens Dienstag kommt.

Das Wiedersehen war natürlich schön, die ganze Ul. Aksakoff war auf.

Ich sollte nun mittags und abends dort sein, doch habe ich mich zum Mittagessen frei gemacht und bin nur abends daheim.

Bei den Montagen tat sich ja während meiner Abwesenheit so manches, doch bleibe ich länger als 1 Monat nicht herunten. Das genügt, um alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Also dann noch im September bin ich wieder daheim.

Hornsteins sind noch immer da, sie werden vielleicht Ende der nächsten Woche nach Hause fahren. Es geht dann bestimmt über Wien. Wahrscheinlich dauert es doch so lange, bis Ihr wieder in Wien seid.

Katja soll dir einen deutschen Brief schreiben, doch je mehr die Eltern wollen, desto weniger will ihr Dickkopf. Gatschaloffs lassen Dich natürlich herzlichst grüßen und sich auch bedanken u.s.w.

Morgen erhoffe ich schon Nachricht von Dir und freue mich darauf. Wie geht es allen? Sende mir bitte gleich nach Deiner Ankunft in Wien die Negative von der letzten Zeit, besonders die Mittelberger.

Liebes, laß Dir’s noch recht gut draußen gehen!

Mit vielen Busserl an alle,

Euer Vater

Mittelberg, 30.8.1938

Lieber Mann!

Gestern erhielt ich Katjas Karte. Es hat mich sehr gefreut, daß sich das Mädchen nun doch dazu aufraffte, mir zu schreiben. Weniger freut es mich, daß Du so wütend bist, daß ich nicht einmal mehr einen Gruß bekam.

Mittlerweile hast Du ja nun meinen Brief bekommen und kannst Dir vielleicht einen Begriff machen davon, in welcher Verfassung ich die ersten Tage meines Wiederhierseins verbrachte. Sei mir also nicht böse, mein Lieb! Schau Kind, ich hänge ja so mit Leib und Seele an Dir, aber wenn ich Dir nichts Gutes berichten kann, schreibe ich gar nicht gern. Robert meinte, „das brauchst Du Vater ja nicht schreiben“. Aber ein Darüberhinwegschreiben liegt mir eben auch nicht.

Momentan sehne ich mich derart nach Dir, daß ich die Zähne zusammenbeißen muß, um nicht zu heulen. Manchmal wird das Gefühl eben ganz übermächtig. Überhaupt wenn ich wie jetzt allein bin. Den ganzen Tag komme ich dann ja leider (oder Gott sei Dank) ohnehin nicht mehr zum Denken vor lauter Wirbel. Frau Wenty weiß bis zur Stunde noch nicht, fährt sie heute noch weg oder bleibt sie bis Montag, wenn ich fahre.

Die Buben sind nicht nach Ob.Österr. und nicht nach Bayern. Wir hatten in der letzten Zeit ziemlich schlechtes Wetter. In der Vorwoche 3 Tage und Nächte ununterbrochen Wolkenbrüche. Vielleicht hast Du gehört oder gelesen von den Austritten der Donau, des Kamp u.s.w.

Robert hat von Marianne einen Brief bekommen, daß sie mit ihrer Mutter Krach hatte, seinetwegen und daß er nicht nach Haag kommen soll. Roberts Brief an Frau Kroiss hat Marianne gar nicht abgegeben.

Der Bub war erst sehr niedergeschlagen, ist aber schon wieder im Gleichgewicht. Und ich denke, es ist ganz gut so.

Als die Absage kam, wollte Robert mit Fredy nach Aschau fahren. Diesen Plan hat aber der viele Regen zunichte gemacht. Es war gut, daß ich noch nicht an Lina geschrieben hatte. Die Kinder wollten über Zwettl, Joachimstal, Freistadt, Braunau nach Aschau. Na, nun ist alles buchstäblich zu Wasser geworden. Von Sonntag bis Montag früh hatten wir wieder Gewitter mit Donnerschlägen, daß niemand in Mittelberg schlafen konnte. Außer uns. Auch ich schlafe sehr gut. Ich sehe auch bedeutend besser aus. Nur meine Sehnsucht nach Ruhe bleibt unerfüllt.

Sehr gefreut hat es mich, als nach Deinem kurzen Brief gleich den nächsten Tag ein langer kam, der mir doch halbwegs einen Bericht von Fahrt und Ankunft gab. Wenn nicht die Geldfrage gewesen wäre, wär’s vielleicht für Katja ganz gut gewesen, die Fahrt auf ein paar Stunden zu unterbrechen. Gut war’s auch, daß Ihr Unterhaltung hattet.

War den Eltern Katjas alles Gekaufte recht? Das hast Du mir nicht geschrieben.

Eben war wieder eine Unterbrechung meiner Schreiberei. Werner hat ins Bett gemacht. Der Bub ist schon seit 10 Tagen nicht ganz in Ordnung. Sonntag vor 8 Tagen hat er mir nachts alles angebrochen, diesen Sonntag alles angemacht und eben jetzt wieder. Er beteuert mir natürlich, nichts gegessen zu haben.

Na, ’s wird schon wieder besser werden. Kann auch sein, daß er den Durchfall von Kälte und Nässe hat.

Eben geht Fredy nochmal fragen, ob Wentys nach Hause fahren. Er möchte nämlich auch gerne heim und sein Relief fertig machen. Nun, ich hätte nichts dagegen. Wenigstens eine Woche Ruhe! Du weißt nicht, wie ich mich danach sehne. Mein Kopf ist immer noch wie ein großes Wasserschaff und meine Augen möchten immer zufallen, trotzdem ich so gut schlafe. Lang allerdings nie, denn es ist meist halb 12 Uhr, wenn wir schlafen gehen und nach 6 Uhr kann ich nicht schlafen.

Nun Liebstes, ich glaube, die Antwort kannst Du schon heimschreiben.

Recht viele heiße, sehnsüchtige Busserl, von Deiner

Gretel

Brief von Vater fehlt

Wien, 6.9.1938

Mein Liebstes!

Nun schnell ein paar Zeilen, damit der Brief gleich weggeht.

Wir sind gestern abends um halb 10 Uhr in Wien gelandet. Zum Glück kam eine halbe Stunde vor unserer Abfahrt Dein Brief aus Russe. Das Wetter war die ganzen drei Wochen elend. Nur gut, daß es so sandige Straßen sind, so daß man doch auf Stunden hinaus gehen konnte.

Die Kinder sind nirgends mehr hingefahren, sondern waren mit mir zu Hause.

Vorläufig nichts mehr. Ich küsse Dich viel tausendmal,

Deine Gretel

Sofia, den 7.9.38

Mein Liebes!

Nun ist auch Russe hinter mir. Es waren einige recht schöne Tage, vor allem darum, weil es allabendlich im Garten von Marinoffs großes Weintraubenessen gab. Marinoffs lassen Dich natürlich grüßen, sie glaubten ganz im Ernst, daß wir bei ihnen durch etwas beleidigt wurden, weil wir gar nicht geschrieben haben. Es wäre sehr gut, wenn Du ihnen schreiben würdest.

Und nun zu Deinem Schreiben. Der Verlust des Mantels ist ja unangenehm, aber schlaflose Nächte ist er wohl nicht wert. Einen Hubertusmantel wirst Du Dir schon noch kaufen können.

Die Radtour über Gföhl nach Kronsegg hätten wir wohl auch mitsammen machen können, im Nachhinein tut es einem dann leid, aber wenn die Möglichkeit da wäre, hat man halt nicht immer Zeit, oder auch keine Lust. Es wäre, da es, wie ich auch aus Deinem weiteren Schreiben ersehe, vielleicht besser gewesen, wenn Ihr schon im August hereingefahren wäret. Obwohl Du herinnen wahrscheinlich wieder mehr gearbeitet hättest, wozu draußen doch nicht Gelegenheit war.

Die Lösung von Roberts Fahrt nach Haag ist vielleicht richtig. Viel besser ist es, wenn sich die Sache jetzt auflöst, wie später. Du siehst auch, daß er das Gleichgewicht darüber nicht zu lange verloren hat.

Schade nur, daß die Buben keine Radpartie woandershin machen konnten, es wäre für die eine Abwechslung gewesen. Aber bei schlechtem Wetter war es besser, die blieben daheim. Lina und Herta hätte es wohl gefreut, wenn nicht gerade sehr viele Leute dort gewesen wären.

Katja will mich nicht schreiben lassen und quatscht vom andern Zimmer immer drein. Ich soll Dir viele Küsse von ihr schicken. Aber sie hat Dir ja selbst geschrieben und meine Zeilen sind eigentlich nur eine Beilage gewesen. Sie möchte sehr gerne wieder mit nach Wien fahren, besonders weil ihre Wiener Mutter um so viel besser ist, wie sie immer behauptet. Wenn Katja müßte, würde sie wohl nicht so gerne fahren.

Die Fahrt von Widin nach Russe war wirklich sehr schön und auch dadurch, daß Wanileffs bis Lom mitfuhren, recht unterhaltlich. Ich machte auch ganz schöne Aufnahmen, nun muß ich aber daheim auch ernstlich darangehen, die Bilder unterzubringen. Auf der ganzen Donaufahrt war unzähliges Geflügel zu sehen, Reiher, Wildgänse und mir unbekannte Arten. Besonders gerne hätte ich gewußt, welcher Vogel gleich den Krähen in den Uferbäumen haust, der aber dunkelgrau ist und einen Hals wie eine Ganz hat. Zu Tausenden sah man sie, teilweise auf Sandbänken wie die Pinguine marschieren, teils auf den Bäumen sitzen, die ganz voll waren und mich sehr an die Krähenbäume in Rußland erinnerten. In Orelowa kam uns der „Helios“ entgegen, den ich auch recht schön auf den Film bekam. Schade nur, daß gerade an diesem Tag das Wetter nicht ganz schön war und es hie und da spritzte.

Ganz interessant war der Gruß der bulgarischen und rumänischen Posten. Bei der Vorbeifahrt standen sie habtacht und leisteten Ehrenbezeugung. Bei den Bulgaren wird beim Wachthaus die Fahne hochgezogen und die Mannschaft, die im Haus ist, kommt heraus und stellt sich in Reihe auf. Da das Ufer ja meist recht weit ist, so sehen die kleinen Manderln, meist 2 oder 3, ganz niedlich aus. Vom Schiff erfolgt ein längerer Pfiff und der Kapitän stellt sich salutierend auf die Kommandobrücke, bis nach einem kurzen Pfiff die Flagge an Land wieder heruntergeholt und die Manderln abmarschieren. Bei der Vorbeifahrt an den rumänischen Posten wird nur salutiert.

Abends heiterte sich der Himmel ein wenig auf und es war eine wunderbare Abendstimmung.

Da es mir in der 1. Klasse zu fad war, ging ich auf’s Oberdeck der 2ten, wo man allerlei Unterhaltung trieb. Schon bei Eintritt der Dunkelheit sah man am Himmel den Schein von Russe und doch dauerte es über 2 Stunden bis dahin. Der Anblick von Russe von der Donau aus bei Nacht ist sehr schön, doch wirst Du ihn ja von der Abfahrt kennen.

Eben kam Dein Luftpostbrief und ich danke Dir für die rasche Sendung. Nun kann ich morgen gleich auf’s Konsulat gehen und wahrscheinlich am Freitag bekomme ich schon meinen neuen Paß. Ich werde dabei gleich meinen Wohnort ändern lassen, damit ich nicht wieder bei der Abfahrt einen Anstand habe.

Wenn keine Nachricht von Hornstein kommt, sie sind seit vorigen Montag in Belgrad, so fahre ich am Donnerstag den 15.ds. von hier ab und bin um 21.35 am 16.ds. in Wien, Südbahnhof. Wenn nicht ein Telegramm kommt, bleibt es dabei.

Die 4 Wochen sind schnell vergangen und ich habe schon der Firma geschrieben, daß ich bis Ende November in Wien bleibe.

Und nun mein Liebes freuen wir uns auf das Wiedersehen. Mit vielen Busserln an Euch alle und besonders für Dich grüßt Euch

Vater

Sofia, den 29.11.38

Mein Liebes!

In der Küche von Gatschaloffs. Ivantscha zu meiner Rechten, Weska zu meiner Linken. Beim Ofen sitzen Zika und ihre Schwester, Katja kommt eben aus dem Bad und hat ein Kopftuch wie eine Zigeunerin. Herr G. ist eben zum Bad bereit, Frau G. fährt in ihrem grünen Kleid im Haus herum, es ist alles noch wie früher. Und doch eigentlich nicht.

Als ich gestern mittags ankam, war natürlich auch Besuch da (wie immer). Doch das genierte niemand, daß man mich abküßte und um mich herumsprang, als wäre ich aus einer anderen Welt gekommen. Sogar Zika bekam dabei einen Kuß von mir. Zika und ihre Schwester wohnen in meinem Zimmer. Außerdem hatten G. gestern noch Besuch, ein Offizier mit seiner Frau, aus Kosanlik. In dieser Situation quartierte ich mich im „Stalanska Beseda“ ein. Aber es sollte mir dies schlecht bekommen, denn als ich G., wie vereinbart, abends wieder besuchte, war man sehr erstaunt, daß ich ohne Koffer ankam. Und als ich sagte, daß ich im Hotel wohnen werde, ging ein Entrüstungssturm los, aber so stark, daß ich glaubte, Herr und Frau G. sind wirklich beleidigt. Ich mußte versprechen, heute bestimmt den Koffer zu bringen und hatte zu tun, daß man nicht eigenmächtig den Koffer holte. Nur der Umstand, daß ich ja doch das Zimmer für diese Nacht bezahlen muß, hielt sie dann ab. So werde ich also heute im Elternkabinett mit Herrn G. schlafen, Weska wird mit Frau G. und Katja zu dritt schlafen. Ganz sympathisch ist mir natürlich diese Sache nicht, aber ich kann nicht anders, wenn ich nicht die Leute beleidigen will. Und da ich ja außerdem auf eine Woche nach Russe fahre, dauert es da nicht so lang. Und meiner Kasse nützt es schließlich auch.

Katja hat sich sehr über die Brosche gefreut, sie dankt Dir schön. An Frau G. habe ich als Ersatz für die verunglückte Brosche die Handtücher gegeben. Das ist zwar ein wenig teuer, doch hat sie so eine große Freude gehabt, daß es mich nicht reute. Und ich glaube, daß wir die auch hereinbringen.

Auch von Frau Wlhowa soll ich Dir recht schöne Grüße senden. Sie sieht direkt blühend aus und hat von 49 kg auf 64 kg zugenommen. Mitte Jänner wahrscheinlich bekommt sie das Kleine. Das Buch „Kleiner Mann - was nun?“ hat sich gefunden, denn als Herr Hornstein dieses übergab, war sie nicht da und es hat sich ein anderes Fräulein das Buch ausgeborgt, ohne etwas zu sagen. Erst vor kurzem brachte sie das Buch zurück. Also ist diese Sache auch erledigt.

Die Arbeit geht so „poleka, poleka“ und ich glaube bestimmt, daß sowohl der Justizpalast Sofia als auch die Nationalbank vor dem 1940er Jahr nicht fertig werden.

Die Fahrt ging gut, auch bei der Firma hat man mich recht herzlich empfangen. Gestern abend waren wir bei Petroffs bis 12 Uhr, dafür schlief ich heute bis halb 9 Uhr. Selbstverständlich lassen Dich alle recht herzlich grüßen. Frau G. strickt für Robert und Fredy Socken, weil Katja erzählte, daß ihre Socken einem Buben so gefallen haben.

Das Krankenkassabuch sendete ich durch Flugpost an Frl. Fleischmann. Hoffentlich hast Du es schon.

Nun mein Schatz küsse ich Dich innigst und auch die Kinder.

Dein Robert

Wien, 2.12.1938

Mein Liebstes!

Dein lieber Brief traf mich just bei der Wäsche. Doch ließ ich natürlich gleich alles liegen, um meines Liebsten Worte zu lesen. Den Wirbel bei Gatschaloffs kann ich mir lebhaft vorstellen.

Ist Zika denn ohne Eltern, daß sie bei G.s wohnt? Jedenfalls glaube ich, brauchst Du Dir kein Kopfzerbrechen machen, wegen Deines Wohnens dort. Du würdest die Leute sicher nur kränken, wenn Du im Hotel sein wolltest.

Das Kassenbuch habe ich bis jetzt nicht, so gern ich’s auch hätte. Sowohl Fredy als auch Werner husten ziemlich. Ich holte mir einen tüchtigen Schnupfen auf der Bahn. Heute ist’s ja schon ein wenig besser. Bei den Kindern ist diese Woche Konferenz gewesen. Bei Robert ist Mittwoch Sprechtag. Zu Fredy gehe ich auch Anfang der nächsten Woche. Robert hatte vorgestern in 5 und gestern in 3 Gegenständen Prüfung. Er glaubt, daß er wohl überall durch ist, aber meist mit genügend.

Hast Du eben jetzt Hitlers Rede aus Reichenberg gehört? Sie war wieder sehr gut. Und nun spielen sie Beethovens Fünfte. Ich meine wieder an Deiner Seite im Musikvereinssaal zu sitzen.

Dienstag war ich mit Fredy in der Volksoper bei „Regimentstochter“. Ein wenig „husch, husch“, wie Robert sagt, denn Mautzi brachte die Anweisung erst um ¼ 8 Uhr und um ½ 8 Uhr begann die Vorstellung. Aber es ging noch, da ich, dank Dir, vorbereitet war.

Die Oper ist ganz nett, wohl mehr Operette als Oper, aber hübsche Ballettscenen. Fredy kann übrigens Ballett nicht leiden.

Vorgestern war ich mit Lilli im Dorotheum wegen eines Tisches, doch fanden wir keinen. Heute wollte ich einen Shakespeare kaufen, konnte ihn aber auch nicht bekommen. Doch kaufte ich einen Lessing um 3.60 RM und Ibsens Dramen um 2.40 RM. Geht natürlich auf Weihnachtskosten. Nur weiß ich noch nicht, wem das eine oder andere zufallen soll. Darüber können wir aber noch sprechen.

Heute steht übrigens in der Zeitung, daß die Firmen die Weihnachtsgelder frühzeitig ausbezahlen sollen, damit man auch noch recht sorgfältig einkaufen kann.

An Katja herzlichen Dank für die Bilder! An Wenty Trude werde ich das Foto sobald als möglich geben. Was war denn mit Katjas Hand oder Fingern?

Grüße alle Gatschaloffs und küsse Katja von mir. Wenn ich einmal weniger müde bin, schreibe ich ihr extra.

Gute Nacht, mein Liebstes! Schlafe wohl und träume süß! Es umarmt Dich innig,

Deine Gretel

Sofia, den 4.12.38

Mein liebes Weib!

Sonntag abend. Die meisten Leute sind ausgeflogen. Herr und Frau G. mit Weska zu Petroffs, Katja hat heute in der Schule einen Unterhaltungsabend. Ivantscha sollte zwar lernen, ist aber auch ausgerissen. Eine Woche ist schon vergangen, den nächsten Sonntag werde ich wohl auf der Bahn nach Russe verbringen, vielleicht auch den übernächsten, wieder auf der Rückfahrt von Russe und wieder den nächsten Sonntag bin ich schon daheim.

Es gibt viel Arbeit hier, heute arbeitete ich bereits den ganzen Tag, ich hätte aber sonst wirklich nicht gewußt, was anfangen, denn es regnet und ist grauslich draußen. Gatschaloffs wollten, daß ich mit ihnen zu Petroffs gehe, doch ich schickte nur Grüße dahin, ich will einmal allein sein.

Morgen kaufe ich mir den Mantelstoff. Es wird der Stoff Lewa 430.- pro m kosten, ich brauche 2.6 m, das macht Lw. 1118.-, dann kommt noch der Schneider mit ca. Lw 1200.-, macht ca. Lw.2400.- = RM 80.-. Dabei ist es der beste Stoff. Den Anzug lasse ich mir in Russe machen, vielleicht kaufe ich den Stoff aber hier in Sofia.

Morgen erwarte ich bestimmt einen Brief von Dir, Du wirst wohl meinen wahrscheinlich am Donnerstag bekommen haben.

Endlich ist der Bericht über das Eishockey vorbei und ich höre wieder die Fortsetzung des Nachmittagskonzertes aus Wien. Ob Wentys heute bei Euch sind? Wie gerne möchte ich doch mit Dir einen Spaziergang machen! Aber es wird die Zeit ja auch vergehen.

Ich war mit Ausnahme von gestern abends noch in keinem Gasthaus, erst gestern holten mich H.u. F. G. vom Justizministerium ab, wir gingen dann Stoffe besichtigen und zum Schluß lud ich die beiden in die Slivenska Weinstube ein. Dort tranken wir 100 g Slivo und einen Liter Wein mit 15 Kapap… als Beigabe, der erste Alkohol seit meinem Hiersein. Bin ich nicht sehr solid?

Die Kost bei G. sagt mir sehr zu und ich glaube, sie tut meinem Magen besser wie die Wiener Kost. Trotzdem man doch hier mehr würzt, oder vielleicht eben deshalb.

Eben war Zika in großer Tanztoilette hier und fragte mich, wo sie sich den Blumenstrauß anstecken soll. Sie ist ein lustiger lieber Kerl, ganz das Gegenteil in Bezug auf Fröhlichkeit ist ihre Schwester Zwetanka, die mehr still ist, sonst aber auch recht lieb. Sie geht auf die Hochschule und studiert englische Philologie. Zu was sie diese einmal braucht, ist mir wohl schleierhaft, aber hier studiert man ja, daß die Zeit vergeht.

Eben kam Katja zurück, die „Kleinen“ mußten schon früher nach Hause gehen, nur die 7. und 8. Klasse durfte bleiben. Sie schickt Dir viele Busserln. Und ich dazu viele innige.

Wien, 7.12.38

Mein Lieb!

Heute erhielt ich Deinen zweiten Brief. Du bist ja diesmal so sehr brav. Auch in punkto Solidität. Aber es freut mich ungemein.

Gestern brachte mir Frl. Lilli das Kassenbüchlein. So ging ich heute gleich mit Werner zum Arzt. Werner hat einen Bronchialkatharr, doch die Lunge ist nicht angegriffen. Lebertran gab er uns nicht, er meint, das verderbe nur den Appetit. Es wäre besser, wir würden ihn Skifahren schicken, oder nach Sizilien.

Bezahlung für den Arzt ist immer noch zu leisten. In 8 Tagen soll ich mit Werner nochmals kommen.

Ich ließ mir gleich mein Ohr nachsehen. Dr. Pichler kann aber nichts drinnen finden. Er sagt nur, ich habe in beiden Ohren einen verbogenen Gehörgang. Das ist aber nicht zu ändern.

Wentys sah ich in der Zeit Deiner Abwesenheit noch nicht, doch war Robert vergang’nen Sonntag dort. Frau Wenty hat einen Ausschlag über Gesicht und Hals. Ich werde sie morgen oder übermorgen besuchen.

Heute war ich mit Frau Lowak beim Sprechtag. Man ist im allgemeinen mit Robert zufrieden, trotzdem er sehr viele Dreier und nur 4 Zweier hat. Prof. Mathievic sagte mir geradeheraus: „Die Hauptsache ist ja, daß er durchkommt.“ Darauf ich: „Nun sagen Sie mir auch noch dasselbe wie der Bub.“ Worauf er meinte: „Sie brauchen’s ihm ja nicht zu sagen, daß ich’s g’sagt hab’.“

Der Physikprofessor ist noch immer der Ansicht, daß Robert die Sache nicht immer versteht. Im Praktikum jedoch hat er ihm ein Gut gegeben, „weil er sich ja sehr bemüht“.

Der Ingenieur, der Maschinenzeichnen hat, kennt, wie er meint, die Leute noch gar nicht richtig. Die Mittwoche sind schon einigemale ausgefallen, so daß sie noch zu keinem richtigen Zeichnen kommen, nur zu ein paar Skizzen. „Vorläufig hab ich ihm halt ein Genügend gegeben, es kann aber ebensogut sein, daß er ein sehr gut kriegt, zum Abschluß.“

Prof. Tretsmüller fertigte mich sehr kurz mit „gut, gut, bin sehr zufrieden mit ihm, auch im Betragen“ ab.

Prof. Hansalik meint, „er ist schon recht, der Schröfl“.

Der Klassenvorstand Prof. Karner aber sagte nur: „Na, da schauen Sie sich seine Noten an. Das kann natürlich noch besser werden, er muß halt tüchtig arbeiten.“

Ich glaube, mehr brauche ich Dir nicht zu schreiben.

Lowak hat ein Nichtgenügend in Geschichte, worauf man Frau Lowak sagte: „Darüber brauchen Sie sich keine grauen Haare wachsen zu lassen, er ist auf dem besten Wege, die Schule gut zu absolvieren.“ Es ist da draußen in der Schule eine eigentümliche Einstellung zu den Genügend und sogar zu den Nichtgenügned.

Bei Fredy ist noch immer dasselbe. Intelligent, kann etwas, ist aber schlampig und schmiert.

Ich merke die ganze Zeit schon, daß auch ich schmiere. Aber meine Hand zittert. Als ich Werner heute zeigte, wie er malen soll (sie fangen in der Schule an), sagte er mir: „Du kannst ja nicht malen, weil Du so zitterst.“ Ob das schon das Alter ist? Ich bin auch immer so müde, trotzdem ich wenig tue.

Sonntag war Konferenz und Montag Unterhaltung. Ich hatte zwei Schlafgäste. Einen Herrn aus München und einen aus Nürnberg. Sehr nette Leute, besonders der Münchner. Wir sind natürlich herzlich zu einem Gegenbesuch eingeladen. Vielleicht auch einmal ganz gut. Besonders Fredy freut sich darüber, daß er nun in München „jemand hat“.

Br. Taler und Fredy haben sich nämlich besonders gut verstanden. Taler (der Münchner) war im eigenen Auto hier und Sonntag nach der Abendversammlung fuhren sie noch auf die Höhenstraße. Er, Br. Weiß (der Nürnberger), Lotte, Irma und Fredy. Waren aber schon um 10 Uhr zu Hause.

Nun noch etwas Wichtiges. Für Robert erhielten wir nun doch die Schulgeldermäßigung auf ein Viertel. Es sind dies 32.94 RM. Und zwar, wie angeführt, „weil im I. Jahrgang so viel Schulgeldermäßigung entzogen wurde, wegen schlechten Fortgangs“. Nun in dem Fall kommt uns zugute, was anderen schadet.

Freue mich schon auf Deinen neuen Mantel, aber noch viel mehr auf Dich, mein Schatz! Die Zeit vergeht ja sehr rasch, aber . . .

Ja, vor ein paar Tagen gab mir Frau Redlein für Werner einen Kinderfilmapparat. Es ist eine Lampe dazu zu besorgen und Filme. Ich habe mich mit 4 Kragerln und 1 m Rüsche revanchiert. So habe ich das wieder ein wenig ausgeglichen.

Nun habe ich Dir, glaube ich, alles geschrieben. Während Du Sonntag allein zu Hause warst, hab’ ich mich gut unterhalten, aber ich hoffe, Du bist mir darum nicht böse.

Grüße Gatschaloffs und alle Bekannten und küsse unser Töchterchen und die Kinder von mir.

Dich umarmt innig

Deine Gretel

Wien 15.12.38

Lieber Vater!

Ich möchte zu Weihnachten mit Kurt Hirschmann wegfahren. Kurt hat jetzt eine Lehre in einer Schlosserei und bekommt zu Weihnachten frei. Nachdem kein Schnee ist, fährt er mit dem Rad nach Haag und Salzburg und da fragte er mich, ob ich nicht mitfahren wolle. Wir müßten aber schon in der Nacht 24. auf 25. wegfahren und da weiß ich nicht, ob es Dir recht ist. Kurt hat nämlich nicht lange frei und da müssen wir mit der Zeit sparen. Du brauchst aber keine Angst haben, daß wir närrisch fahren. Hoffentlich bist Du einverstanden. Toni Wazulik ist jetzt bei uns. Viele Grüße an Katia und Fam. G.

Es grüßt Dich

Fredy

Mein Liebstes!

Heute erhielten wir Deinen lieben Brief. Wie Du aus Fredys Zeilen ersiehst, tut sich bei uns schon wieder manches „zigeunermäßige“, wie sich Wenty immer äußert.

Trotzdem möchte ich Dich auch bitten, zu Fredys Wunsch ja zu sagen, vorausgesetzt, daß es nicht zu kalt wird oder zu schneien beginnt. Widrigenfalls wäre ein wenig weniger Wirbel auch für mich ein Weihnachtsgeschenk. Ich bin geistig so müde, daß ich schon dringend der Ruhe bedarf.

Robert hat vom 28.12. bis 6.1. Winterlager in Mitterndorf in Steiermark. Es kostete dies für Fahrt und Verpflegung 12 RM. Nur braucht der Bub natürlich Goiserer. Und ich hab’ sie ihm versprochen, mit dem Bemerken, daß er sie auch Fredy borgen muß, wenn er schifahren will. Du wirst Dich wahrscheinlich ärgern darüber, aber bitte tu’s nicht zu arg. Schau, einmal müssen wir ja die Goiserer doch kaufen und Roberts Füße sind seit 2 Jahren nicht gewachsen so wird’s wohl nimmer so arg werden.

Die Wollsocken von Frau Gatschaloff kommen auch eben gelegen. Auch für Fredy zum Radfahren.

Für Werner kaufte ich Flanell auf drei Hemden, ein heiß gewünschtes Auto mit Garage (von dem weiß er), ferner ebenso heiß gewünschte Kleinigkeiten für den Kaufmannsladen und nun ist noch Fassung, Lampe und Filme für den Apparat zu besorgen. Ja, ein Buch kaufte ich noch für ihn und Schuhe und Strümpfe will ich ihm kaufen.

Fredy möchte die Satteltasche für das Rad. Die werd’ ich auch besorgen. Christbaumsachen sind natürlich alle teurer als gewöhnlich und Fredy kränkt sich schon im Vorhinein, weil ich sagte, ich kaufe einen Baum, der unter 2 m ist. Bis 2 m kosten sie 2.80 RM.

Ja, also Toni ist seit Samstag hier. Er hat ein Schwesterl. Ein ganz süßes Butzerl.

Samstag kam Lilli mit einem von Mautzi geschriebenen Bogen und der dringend gestellten Forderung, ich dürfe nicht nein sagen. Sie wollte nämlich, daß ich bei der Firmenunterstützungskasse um eine Weihnachtsbeihilfe ansuchen soll, „weil es alle so machen“. Nun, ich tat es; ob mit oder ohne Erfolg weiß ich nicht.

Wazulik erzählte mir heute, daß die Gefolgschaft von S.u. S., von Warchalowsky und noch einigen Großfirmen geschlossen aus der D. A. F. austraten, weil sich bei der Angleichung ergab, daß die Löhne reduziert werden. (Gerücht?)

Mit Werner war ich heute wieder beim Arzt. Er machte eine Hautprobe und Samstag müssen wir wieder kommen. Das Husten ist besser.

Nun Schatz, auf ein baldiges Wiederhaben! Mit viel, viel tausend Küssen,

Dein Weib

Sofia, den 18. Dez.1938

Meine liebe Gretel!

Der letzte Brief, der letzte Sonntag, je näher meine Abreise kommt, desto mehr wünsche ich die Stunde der Abfahrt und noch mehr die unseres Wiedersehens herbei. Wenn ich denke, daß ich so wie früher einige Monate hier sein sollte, so ist mir das ein grausliches Gefühl.

Ob aus dem Brief etwas wird, weiß ich nicht, denn Weska pickt an mir und schaut mir zu wie ich schreibe. Frau G. diktiert dem Ivantscha eine Schreibaufgabe, Herr G. arbeitet an der Wasserleitung, das Mädchen wäscht ziemlich laut ab und zu allem dem gröhlt das Radio Tanzmusik. Also viel denken kann ich nicht, da auch Weska fortwährend plappert. Nur Katja sitzt ruhig beim lauten Radio.

Ich kam diesmal schon einen Tag früher aus Russe zurück als ich dachte, da dort nicht sehr viel zu tun war. Den letzten Abend war ich bei Marinoffs, wo ich Deine lieben Küsse von Deinen Zeilen empfing. Selbstverständlich soll ich Dich wieder herzlichst grüßen. Bei Marinoffs ist nun die Großmutter, weil der Vater von Herrn M. im September starb. Auch einen Radioapparat haben Marinoffs jetzt, das war ja schon seit langem der Wunsch von allen.

Als ich Freitag mittags von Russe abfuhr, fiel der erste Schnee, und je länger ich fuhr, je mehr Schnee war zu sehen und in Sofia angelangt, mußte ich schon in 20 cm tiefem Schnee stapfen, ich kam bei G. wie ein Schneemann an. Es schneit fortwährend, so daß schon bis 35 cm hoher Schnee liegt. Heute mittags war ich mit Zika und Zwetanka und Weska im Borisgarten, wo ich einige Aufnahmen machte. Da ich nur Halbschuhe hier habe, so gaben mir G.s Überschuhe, die Herrn G. schon zu klein sind. Ich habe mir in die Spitzen Papier hineingegeben, nun geht es sich ganz gut in ihnen.

Drei Arbeitstage noch, denn der Donnerstag ist doch nicht mehr zu rechnen, dann geht es los. Am Mittwoch bekomme ich meinen neuen Anzug.

Diesmal werden wohl recht viele Leute auf der Bahn fahren, 2 Tage vor Weihnachten, da aber zwischen Sofia und Belgrad der Sofia-München-Waggon fährt, der auch in der 3. Klasse gepolsterte Sitze hat und ich von Belgrad nach Wien bei Tag fahre, so werde ich wohl 3. Klasse fahren. Ich glaube aber nicht, daß ich mir die Karte nach Berlin schon hier lösen werde, weil ich vielleicht zu wenig Geld habe und auch, weil es ja doch nicht ganz bestimmt ist, ob ich fahre. Aber gerne möchte ich nach Hallstatt und Aussee fahren, vielleicht löse ich mir bis dahin die Karte, da 60 % Ermäßigung ja doch erspart sind. Die Karten sind 3 Monate giltig, in dieser Zeit werde ich mir 3 oder 4 Tage Urlaub nehmen können und mit meinem Lieb fahren, gelt?!

Auch Frau Mara läßt Dich schön grüßen und Frau Olga, die eben hier waren.

Mit den Hosen für Robert wird es wohl nichts mehr, auch wenn ich morgen die Stoffmuster bekomme, denn in drei Tagen macht mir der Schneider diese nicht. Schade, doch vielleicht kann man die Hose fertig in Wien kaufen.

Eben sagen mir G., daß morgen der 17. Hochzeitstag ist. Sie haben am 19. Dez. 21 geheiratet, 3 Monate nach uns.

Nun, mein Liebes, auf Wiedersehen am nächsten Freitag um 20.07 am Ostbahnhof.

Viele herzliche Grüße von allen Gatschaloffs, vielleicht wird Dir Katja selbst ein paar Worte schreiben. Sie ist jetzt zu einer Freundin gegangen.

Mit vielen innigen Küssen umarmt Dich

Dein Robert


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