Robert Schröfl


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Meine berufliche Laufbahn

Geboren wurde ich 1892 im Wiener Bezirk Margarethen, meine ersten Erinnerungen aber habe ich erst von Ottakring, das damals ein noch wenig besiedelter Randbezirk war, mit Petroleum-Straßenbeleuchtung und schönen Ausblicken, weit in die Wienerwaldberge hinein. Mit nicht ganz 6 Jahren trat ich 1898 in die Volksschule in der Lorenz-Mandlgasse ein, durch die Übersiedlung meiner Familie nach Weidlingau vollendete ich die erste Klasse dort. Sei es, daß meine Eltern mit der dortigen Dorfschule nicht zufrieden waren, den Grund weiß ich nicht mehr, jedenfalls wollten sie mich lieber in einer Wiener Schule wissen, so verbrachte ich die nächsten zwei Klassen in Hütteldorf, die vierte und fünfte in Penzing. Danach sollte ich die Realschule, eine Privatschule, besuchen, entsprach aber nicht so, daß ich einen Freiplatz hätte bekommen können, ich trat daher in die Bürgerschule in der Stumpergasse über, wo ich die erste Klasse absolvierte, in die zweite und dritte Bürgerschulklasse ging ich in Purkersdorf.

Danach sollte ich in die Lehre, da ich für technische Sachen Interesse zeigte. In dieser Zeit war es familiär so: Meine Mutter war schon seit 1905 tot, zwei Brüder waren in einer Uhrenfabrik in Ungarn, ein Bruder beim Militär in Cattaro und mein Vater hatte nicht die Erfahrung, die nötig gewesen wäre, eine ordentliche, gewinnbringende Lehre zu suchen. Ich weiß heute nicht mehr, warum meine Brüder dabei meinem Vater nicht beigestanden sind, jedenfalls war diese Lehre ein Versager. Ich selbst war ja zu unwissend zu einem Urteil und nahm die Sache als gegeben zur Kenntnis. Da mein Abgangszeugnis von der Bürgerschule überdurchschnittlich gut war, ich hatte kein einziges Befriedigend, stand meiner Aufnahme in die Lehre nichts entgegen. Ich kam also zu einem Meister, das Geschäft nannte sich „Optiker und Mechaniker“, in der Währingerstraße im 9.Bezirk in die Lehre.

Die Bedingungen waren (man schrieb 1907): 4 Jahre Lehrzeit, kein Urlaub während der ganzen Zeit, kein Entgelt in irgendwelcher Weise und 60 Stunden Arbeitszeit pro Woche, täglich von 1/2 8 Uhr bis 1/2 7 Uhr mit einer Stunde Mittagszeit. Die Berufsschule war in den ersten Lehrjahren an den Sonntagen am Vormittag, später mußte der Lehrherr die Stunden während der Arbeitszeit freigeben. Mein Papa war damals ohne Arbeit, meine Schwester Emma starb 1907, knapp bevor ich in die Lehre kam, und so mußte meine Schwester Olga auch für meine Bahnfahrt und Verpflegung aufkommen. Ich bekam für Fahrt und Essen zusammen in der Woche zwei Kronen, aß abends daheim und mittags in der Volksküche, eine Ausspeisung, die es damals noch gab. Olga, die damals schon verlobt war, hat aber in Treue meine vier Jahre abgewartet und hat dann danach erst geheiratet.

Wenn ich heute an meine Lehrzeit zurückdenke, so habe ich keine 10 % von dem gelernt, was ich hätte lernen sollen. Wir waren zwei Lehrbuben, mußten oft mit Lehrmitteln für Schulen mit dem Handwagen in äußere Bezirke, wie z.B. Hütteldorf oder Lainz, liefern fahren, oder ich mußte mit einem geliehenen Kastendreirad von Währing zu Pichlers Ww. & Sohn am Margarethenplatz fahren, oft auch mit der kleinen Tochter des Lehrherrn in den Kindergarten nach Gersthof. Fahrkarten für die Tramway gab es nur in ganz dringenden Fällen. Aber wir fühlten alles das, was heute als unmöglich gilt, gar nicht so sehr, waren trotzdem meist fröhlich und guter Laune, hatten oft in der Werkstätte unseren Spaß, manchmal, wenn es uns bei unserer Fahrt mit dem Handwagen zu kalt war, waren wir bei einem Branntweiner zu Gast, hatten oft auch mit der ältesten Tochter des Lehrmeisters unsere Gaudé und dergleichen. Wir beide waren eben jung und die Zeit war ganz anders als heute.

Was ich alles versäumt habe, sah ich erst, als ich die Gesellenprüfung machte. Ich bestand sie zwar, aber mit Hilfe eines anderen Lehrlings, der mir eine Dreharbeit machte und sie für mich abgab. Die Drehbank bei unserem Lehrherrn war ja ein ganz besonderes Unikum. Das Schwungrad war aus Holz, ebenso die Spindel mit einer Eisenachse, das Fußgestell ein Rahmen mit Fußbetrieb. Nur unser Meister hatte eine einfache Richter-Drehbank mit Auflage und Support, auch für Fußantrieb. Aber diese durfte nur der Meister verwenden. Fixmontierte Werkzeuge, Bohrmaschinen u.dergl. gab es nicht, ja, ich erinnere mich nicht, daß wir in dieser Zeit eine elektrischen Anlage hatten, und das Licht war bestimmt Gas.

Am 10.April 1911 machte ich also bei der Innung der Mechaniker meine Gesellenprüfung und trat am 12.April bei Siemens-Schuckert in der Engerthstraße durch die Vermittlung meines Vetters, der mit dem Werksdirektor befreundet war, ein.

Der Eintritt in eine damals moderne Werkstätte war für mich überwältigend. In einem etwa 60 x 30 m großen Saal hingen an den Riemen der Transmissionen, die der Länge nach in zwei Reihen angeordnet waren, die verschiedensten Werkzeugmaschinen. Damals gab es noch Riemenantriebe, nur ganz wenige Einrichtungen hatten einen eigenen Elektromotor.

Gefertigt wurden meist Apparate und Einrichtungen für die Elektroindustrie, meist Schalteinrichtungen. Dank der fortschrittlichen Bemühungen der Firmenleitung war die Arbeitszeit auf 52 Stunden herabgesetzt, Samstag war ab 1 Uhr frei. Auch wurde es stillschweigend geduldet, daß der Saaldiener um 9 Uhr früh für die Arbeiter Bier und Gebäck holte. Rauchen war bei der Arbeit verboten.

Es war für mich nicht leicht, mich in die so ganz anderen Verhältnisse einzuordnen, die Praxis im Umgang mit den verschiedensten Maschinen mußte erst gelernt werden, und manchmal gab es auch Mißerfolge. Aber ich war doch eineinhalb Jahre in der Abteilung, bis ich auf meinen Wunsch, durch die Vermittlung des Werksdirektors, zur Schwachstromabteilung des Betriebes kam, eine Abteilung, die mit der Montage der Telefone, Uhren, Signalanlagen u.dgl. innerhalb des Werkes beschäftigt war.

Diese Arbeit freute mich mehr als die in der Werkstätte, man kam dabei mehr mit den Büroleuten in Kontakt, die damals noch manuelle Telefonzentrale war mit Telefonmädchen oder -frauen besetzt, mit einem Wort, es war ein freieres Arbeiten. Oft hatten wir auch außen an den Freileitungen zu tun, manchmal auch unkontrollierbar, was die Arbeitszeit anbelangte. In dieser Zeit waren die Telefon- und Mikrofonkapseln erst im Werden, wir mußten diese aus den Einzelteilen, Graphitstaub, Kohlen- und Blechmembranen zusammenbauen, eine bizliche Arbeit, wenn das dann zum Schluß nicht funktionierte. Am heikligsten waren die Erikson-Apparate, wo Mikro- und Telefon nebeneinander mit gemeinsamer Hörmuschel montiert waren.

Ende 1913 hörte ich von einer Möglichkeit ins Ausland zu kommen. Etliche Monteure wurden in die Vertretung nach Konstantinopel abgefertigt. Die Lohnverhältnisse, hörte man, sollten bedeutend besser sein, 300 Kronen im Monat. Also bat ich wieder meinen Werksdirektor um Unterstützung und fuhr im Februar 1914 nach Konstantinopel. In dieser Zeit brauchte man noch keine Reisepässe, nur das türkische Visum mußte ich in mein Arbeitsbuch (auch das gibt es nimmer) eintragen lassen.

So fuhren ein Arbeitskollege und ich dem Orient zu. Ich beschaffte mir noch vorsichtigerweise einen Trommelrevolver, den ich aber niemals brauchte. Die Fahrt war ohne besondere Kontrollen, in Belgrad wurden wir mit Musik empfangen, denn im Zug war der griechische Kronprinz, der aus Gmunden kam. Über die Fahrt und den Aufenthalt in Konstantinopel schrieb ich in meinen Erinnerungen.

In Konstantinopel fanden wir etwa 20 Monteure vor, die mit den verschiedensten Arbeiten in mehreren türkischen Betrieben beschäftigt waren. Ich selbst kam zu Installierungsarbeiten in eine Remise der Tramway und hatte einen sehr netten Obermonteur.

Da ich bei der Vertretung als Schwachstromtechniker bekannt war, wurde ich öfters zur Behebung von Telefonstörungen bei einigen Banken verwendet.

Dann kam der Krieg! Vorladung zum österreichischen Konsulat, Heimreise per Schiff nach Triest, Stellung beim Ersatzkommando, Rückstellung und Abfertigung von Siemens zu einer Montage nach Troppau. Einberufung zu den Deutschmeistern (26.10.1914), Versetzung nach Iglau zum Regiment 81 (19.11.1914), Abmarsch nach Rußland (15.1.1915), in Gefangenschaft (2.4.1915), nach dreizehntägigen Gewaltmärschen (wegen Vormarsch der Unseren) in Brseworst einwagoniert (15.4.1915) und über Moskau, Ekaterinenburg, Irtisch, Baikalsee in Ostsibirien, Lager Piestschanka im Juni gelandet.

Im August 1915 wurden Professionisten für einen Bahnbau an der chinesischen Grenze, nahe dem Fluß Amur gesucht. Einige von uns meldeten sich und wir fuhren, 30 Mann im Waggon, zweieinhalb Tage weiter nach Osten. Wir kamen vorerst zu einem Baumeister, der den Bau von 4 Maschinenhäusern machen sollte, doch war das Material noch nicht gekommen und wir sollten derweilen Ziegel tragen, Zementfässer rollen u.dergl. Plötzlich hieß es, 20 Mann werden zum Bahnbau gebraucht. Noch 60 Werst nach Osten zur Station Ujatka, dann zu Arbeiten auf dem Oberbau der Bahn. Täglich 13 Sunden bei Tschei, Brot und Butter. Ich hielt diese Arbeit nicht aus und meldete mich, gemeinsam mit zwei weiteren Gefangenen, krank. Resultat: Der Arzt bezeichnete uns als Simulanten und ließ uns einsperren. 3 Tage in einer kalten Holzbaracke, leer, mit Betonfußboden. Nur bei Notdurft durften wir mit Bedeckung hinausgehen. Insgeheim aber bekamen wir von den anderen Gefangenen zu essen. Auch unser Starschi, ein alter Diener, hatte Mitleid mit uns und kaufte uns von seinem eigenen Geld Brot und Butter. Schließlich kam uns eine Schreibmaschine zu Hilfe, die in einem Büro des Natschalnik schadhaft wurde. Wir reparierten die Maschine und bekamen vom Büro 1 Rubel 30 Kopeken, die man für uns gesammelt hatte. Als nächstes hatten wir einen Schienenautobus, den die Russen zerlegt hatten, zu montieren und in Betrieb zu setzen. Inzwischen war unsere Strafe vergessen und wir konnten wieder bei unseren Kameraden leben. Später arbeitete ich noch als Glaser und Anstreicher mit einem Pleny und einem bezopften Chinesen, dann ging es wieder zurück ins Lager Piestschanka und wir verlebten den ersten sibirischen Winter mit minus 47 Grad Celsius.

Im Mai 1916 wurden wieder Leute gesucht und wir fuhren tausende Werst zurück nach Rußland bis in die Nähe von Petersburg zum Ausbau der Murmanbahn, die teilweise nur auf dem Papier bestand. Auf der Fahrt dahin musterte uns ein Offizier als Telefonarbeiter aus und wir fuhren weiter nach Norden übers Weiße Meer nach Tschuppa.

Unsere Arbeit war die Verlegung einer Telegrafenleitung auf der Bahnstrecke, die aber teilweise noch Urwald war. Interessant war, wie wir in diesen Wäldern den vorläufig nur ersten Draht verlegten, einen 6-7 mm starken Eisendraht, die Rückleitung war Erde. Erst machten wir eine 5 - 6 m breite Schneise, ließen in der Mitte einen Stamm stehen, an dem ein Isolator eingeschraubt wurde und schon war nach Befestigung des Drahtes die Leitung fertig. Am Murman arbeiteten wir, 6 Gefangene und 5 Russen, an dem Aufbau der Telegrafenleitung, teilweise einschließlich der Rodung, Zurichtung und Aufstellung der Masten und Bespannung auf einer etwa 200 km langen Trasse von Anfang Juni 1916 bis Mitte 1917, wobei wir diese Strecke mehrmals hin- und zurücklegten und bis Mai 1917 vier Leitungen verlegten.

Im Juni 1917 aber bekam ich bei einem russischen Nachrichtenoffizier einen schönen Posten. Wir beiden wohnten in einem Wohnwaggon. Ich hatte die Aufgabe, die Telegrafen und Phonophore der ganzen Strecke zu kontrollieren, bekam meinen Ausweis, um alle Beförderungsmittel zu benützen, hatte viel Freiheit und auch sonst manche Begünstigungen. Leider dauerte diese Zeit nicht lange, denn zu unserem Bedauern wurden alle Gefangenen in Murman zum zweiten Male nach Sibirien gesandt.

Wieder ging es nach Osten, wieder waren es tausende von Werst, Omsk, Tomsk, Barnaul, Tjumen, bis wir endlich in Tobolsk landeten. Seit 1917 war in Rußland Revolution und Bürgerkrieg. Rot und Weiß kämpften gegeneinander und so war es nicht verwunderlich, daß die Weißen bei ihrem Rückzug von Tobolsk alles Brauchbare mitnahmen, so auch die Telefonzentrale der Stadt. Von dem Einzug der Roten spürten wir nicht viel, da die Stadt aber ohne Telefonverbindung war, suchten die Behörden nach einem Techniker, in Ermangelung eines örtlichen, bei den Kriegsgefangenen. Ich meldete mich für diese Arbeit.

Aus anderen Orten wurden Materialien, ein Gehäuse, Kipper und Drähte beschafft und so ging ich an die Arbeit, den Schrank neu zu schalten. Das war eine Arbeit von etwa einer Woche bis zur Inbetriebnahme. Ein Russe als Natschalnik war mein Vorgesetzter, doch hatte ich vollständig freie Hand. Der Schrank war für 200 Teilnehmer, drei Telefonisten wurden mir beigegeben, ich führte den Betrieb.

Da das Außennetz sehr beschädigt war, bekam ich einen russischen Helfer beigestellt und später auch meinen Freund Wenty. Ich hatte auch das Recht, gemeinsam mit einem Milizsoldaten die Apparate, die von den Einwohnern der Stadt zurückgehalten wurden, zu beschlagnahmen. Das war meine letzte Arbeit vor meiner Heimkehr im September 1920 in die Heimat.

Wieder daheim angekommen, meldete ich mich gleich bei Siemens-Schuckert und wurde nach Hainburg zu einer Freileitungsmontage gesandt, hatte aber dort nur eine Arbeit, die ein vor mir tödlich Verunglückter angefangen hat, zu vollenden.

Danach wurde ich von Schuckert wieder zu einer Freileitungsanlage für einen Teil der Stadt Tzsinitz, einer tschechoslowakischen Grenzstadt mit Polen, entsandt, mit einer Transformatorenanlage. Dort arbeitete ich mit anderen Monteuren bis Weihnachten 1920 und bat danach bei der Firma um Versetzung zu meinem früheren Arbeitsbereich als Schwachstrommonteur.

Damals war das Werk Engerthstraße daran, die manuelle Telefonanlage durch eine automatische zu ersetzen. Ich hatte schon früher die Aufsicht und Instandhaltung bei der die manuellen Anlage übergehabt und so wurde ich bestimmt, auch bei dem automatischen Wählsystem, das von der Firma Siemens & Halske geliefert wurde, mitzuarbeiten, um später die Instandhaltung zu übernehmen. Das war in den Jahren 1922/23. Ich wurde dadurch mit den Schemas der Automatik vertraut und es gelang mir, als Neuerung die einzelnen Wählstufen in Diagrammen darzustellen. Auch entwickelte ich für den Direktor des Werkes eine Schaltung, mit der er die damals noch manuellen Anrufe aus dem Wiener Amt auf der automatischen Hausanlage empfangen konnte. Auch eine Schaltung für den besseren Empfang des Zeitzeichens für die Hauptuhr fällt in diese Zeit.

Maßgebend für mein späteres Fortkommen aber war die Entwicklung einer „Schaltung zur selbsttätigen Auslösung von Schaltvorgängen mit Zeitverzögerung“, auf welche mir vom Patentamt unter Akt.Zch. A 4949/24 am 30.6.1925 die Eintragung in das Patentregister unter der Nr. 100952 das Patent erteilt wurde. Die vier Schwachstromfirmen S & H, Czeija & Nissl, Schrack und Kapsch zeigten sich an der Schaltung damals nicht interessiert, ein Interesse zeigte hingegen die Fa.Pochwat, Berlin, die eine Anordnung der Schaltung auf der Erfinderausstellung beabsichtigte. Ich verfolgte aber die Angelegenheit nicht weiter, da bei der Zusammenarbeit mit den Ingenieuren von S & H die Herren mich und meine technischen Fähigkeiten näher kennenlernten und mich aufforderten, zu S & H überzutreten.

Meine Bitte mich freizugeben wurde von Siemens-Schuckert bewilligt, und so wechselte ich im Juli 1925 die Firma und wurde sofort nach Prag zu einer großen automatischen Wähleranlage für die Stadt Prag entsandt. Die Wiener Monteure arbeiteten dort mit tschechischen Helfern und hatten meist nur die Oberaufsicht über die Arbeiter. Ich wurde dem Amt Smichow mit 4000 Anschlußeinheiten zugeteilt und fand mich sehr leicht mit den Schaltungen der Amtseinrichtungen zurecht. Ein Umstand, daß ich gleich bei meinen ersten Arbeiten Verbesserungsvorschläge zu den Schaltungen machte, gab mir gegenüber den anderen Monteuren eine gewisse Vorzugsstellung. Und als im Laufe der Jahre in Theresienstadt ein kleines 100er Amt gebaut wurde, gab man mir meine erste selbständige Arbeit. Dieses Amt führte ich zur vollen Zufriedenheit meiner Vorgesetzten und der tschechischen Postverwaltung aus.

Im Dezember 1925 ließ ich meine Familie nachkommen. Robert war 3 Jahre, Fredy 8 Monate alt. Wir fanden in einem Prager Vorort eine Wohnung. Ich war dadurch selten mit den anderen Monteuren in Gasthäusern oder Cafés zusammen und gewann mir dadurch einen gewissen Abstand, private Zusammenkünfte betreffend. Nur mit unserem Montage-Kaufmann hatte ich Kontakt, diese Freundschaft besteht heute noch. Prag war für mich und meine Familie eine schöne und, was die Bezahlung betrifft, eine gute Zeit.

Nach der Fertigstellung von Smichow arbeitete ich im Hauptamt Prag und erhielt eine 2000er Gruppe. Im Februar 1928 erhielt ich von der Firma ein Schreiben mit der Anfrage, ob ich nicht meine Stellung als Arbeiter gegen eine Anstellung im technischen Büro im Stammhaus S & H als Angestellter tauschen möchte, mit Angabe der Vorteile, die mir durch die Anstellung erwachsen würden. Ich besprach mich mit meiner Frau und, obwohl der Gehalt in Wien viel geringer war als in Prag, willigte ich doch ein. Der Entschluß war richtig, heute, nach 46 Jahren, zeigen sich die Früchte.

Als Neuling in der Firma fand ich mich bald zurecht. Als erste Arbeit bekam ich die Planung eines manuellen Fernamtes in Sosnowitz, Polen. Dabei hatte ich Gelegenheit, mich im Zeichnen von Plänen fortzubilden. Auch hatte ich mit den Werkstätten die Durchführung der Pläne in der Fabrikation zu besprechen, die Lieferung der beizustellenden Teile in den Lagern zu betreiben u.dgl.

Damals waren Netzgruppen bei S & H noch neu und die Österr.Postverwaltung plante, in Klosterneuburg und Gmunden eine solche zu errichten. An Stelle der Dietl-Wähler, wie sie in Wien bei den Ämtern verwendet werden, sollten Viereck-Wähler, damals ganz neu, genommen werden. Ich erhielt den Auftrag, als Montageleiter die Anlage zu übernehmen, und die drei Ämter Klosterneuburg, Kierling und Kritzendorf gingen 1929 in Betrieb. Danach kam Gmunden mit dem Unteramt Altmünster zur Montage und wurde 1930 eingeschaltet. Ich war nun vollständig mit der Materie Schaltungen, Kabelführungen und auch mit den administrativen Arbeiten, was die schriftlichen Arbeiten im Umgang mit den Monteuren betrifft, vertraut.

Schon im Herbst 1928 mußte ich mich wegen der Einzelteile für das Fernamt Sosnowitz im Wernerwerk S 6 H, Berlin, kümmern, so bekam ich mit den Herren des Wernerwerkes Kontakt. Nach 1931 war ich wegen Mischungsplänen für die einzelnen Wahlstufen draußen und lernte die damals maßgebenden Herren Dr.Lubberger und Dr.Langer näher kennen. Beide Herren halfen mir sehr bei der Entwicklung der Pläne, die mir auch in Wien später gute Dienste leisteten.

In den ersten Monaten 1933 kam dann die geschäftliche Flaute, die österreichische Post bestellte nur das Dringendste, der Abbau mancher meiner Bürokollegen begann. Dank meiner Vorgesetzten war ich nicht darunter und da ich mich mit dem Schrank der Hauszentrale auskannte, machte ich dort Telefondienst. Dann war ich kurze Zeit Vertreter von Blitzableiteranlagen. Ich fuhr mit meinem eigenen Fahrrad kreuz und quer in Niederösterreich herum, um Aufträge zu bringen, hatte aber sehr wenig Glück. Mit einen Meßinstrument prüfte ich auch alte Anlagen. Das dauerte bis Ende 1934.

Mittlerweile kam über das Wernerwerk Berlin ein Auftrag über etliche Telefonzentralen nach Bulgarien, darunter auch das 1000er Amt Russe, einschließlich des Netzbaues für die Stadt.

Für diese Arbeit war ich vorgesehen. Für die Netzmontage bekam ich einen Berliner Ingenieur beigestellt, hatte aber auch die Oberaufsicht über das Netz und das Amt. Als Montage-Kaufmann war Herr Stör bestimmt.

So fuhr ich im Feber 1935 nach Russe und erledigte zuerst die Übernahme der für die Netzmontage bestimmten Materialien mit den Herrn der bulgarischen Postverwaltung. Für die Netzmontage bekam ich 5 Monteure aus dem Kabelvertriebsbüro, für das Amt 5 Monteure aus der Montageabteilung Wien. Außerdem stellten wir noch bulgarische Helfer ein, mit denen wir die besten Erfahrungen hatten. Zusammen waren es etwa 20 Leute.

Sowohl die Netzmontage als auch der Aufbau des Amtes waren im Herbst 1935 beendet, viel früher als man in Wien gerechnet hatte, so daß auch ein finanzieller Gewinn für die Firma herausschaute und diese Arbeit für mich und alle daran Beteiligten ein Erfolg war. Leider hatten wir während der Montage einen sehr traurigen Fall: Der von Berlin beigestellte Ingenieur Schmid erkrankte und starb an einer Leberkrankheit im Spital in Russe.

Mit der Überwachung der Instandhaltung des Amtes mit den bulgarischen Postleuten, 3 Monate nach der Einschaltung, wurde ich betraut und so war ich bis Feber 1936 in Russe.

In dieser Zeit hatte das Wernerwerk in Berlin große Aufträge aus Bulgarien, darunter auch die Arbeiten für die Neubauten „Bulgarische Nationalbank“ und „Justizpalast“ in Sofia. Beide waren Millionenaufträge und Arbeit auf Jahre. Vielleicht war der Erfolg beim „Amt Russe“ auch maßgebend, die Firma bestimmte mich zuerst zur Bearbeitung der Unterlagen im Büro und danach als Aufbauleiter der beiden Aufträge. Hier hatte ich Gelegenheit, außer Telefon alle Arten von Einrichtungen, wie Feuermeldeanlagen, Wendetafeln, Lichtsignalanlagen und alle Arten von Tresorsicherungsanlagen kennenzulernen.

Hier war ich nur auf einheimisches Personal angewiesen und ich muß sagen, die meisten der Leute, ich hatte etwa 30 unter mir, nahmen die Arbeit ernst und haben sich darin bald zurechtgefunden. Einer meiner damaligen Helfer ist heute leitender Ingenieur bei der heutigen bulgarischen Postverwaltung.

Der Aufbau begann im Feber 1937. Vorher hatte ich Gelegenheit, das Wernerwerk in Berlin von der Unmöglichkeit der Verwendung von großen Tableaus mit Lichtlämpchen, wegen des großen Stromverbrauches und der Wärmeentwicklung, zu überzeugen. Statt dessen wurden für den Justizpalast Wendetafeln verwendet.

Die Einverleibung Österreichs in das Deutsche Reich verlief, was die Montagearbeiten betrifft, ohne besondere Auswirkungen. Ich blieb weiterhin in Sofia, fuhr im Urlaub nach Hause, bis 1939 oder 1940 Bearbeiter für Wehrmachts-Wählanlagen in Wien gebraucht wurden. Ich teilte daher meine Arbeiten zwischen Wien und Sofia und wurde von der Wehrmachtsgruppe für Wähl- und Fernämter übernommen. In dieser Eigenschaft plante ich, in Anwesenheit höherer Herren der Wehrmacht, nach der Eroberung von Belgrad im Jahre 1941 für die Stadt ein Wählamt und ein Fernamt ausschließlich für die Wehrmacht. Ich arbeitete die Nacht hindurch und man sagte mir später, daß die Herren noch nie mit solch ausführlichen Plänen nach Berlin zurückgeflogen sind. Es war das natürlich ein schöner Ersatz für die durchwachte Nacht. Das war 1941, ein Jahr später hatte ich die Freude, die Ämter schon im fertigen Zustand zu sehen.

Die Arbeiten in Sofia gingen ebenfalls vorwärts; etwa 1942 wurde der Justizpalast eingeschaltet. Die Nationalbank kam später dran und es ist eigentümlich, daß ich mich heute nicht mehr daran erinnern kann. Vielleicht wurde die Anlage von den Bulgaren selbst fertiggestellt. Auf jeden Fall war ich zu dieser Zeit viel mit der Wehrmacht beschäftigt.

Die „Calorische Abteilung“ war nicht in den besten Händen und so schlug unser Abteilungsdirektor mich vor, um die Abteilung sozusagen als Subchef Mitte 19444 zu übernehmen. Das war für mich nicht leicht, denn es war ja hier eine ganz andere Technik. Besuche in Fabriken mit Kesselanlagen, Raffinerien, Munitionsfabriken, Flugmotorenwerken haben mir manches Kopfzerbrechen gemacht. Ich erlebte 1945 den Einzug der Russen bei dieser Abteilung. Und dies war besonders für meine Familie nahrhaft, denn in der so schlechten Zeit bekamen wir in der Raffinerie „Nova“ mittags eine warme Suppe und 1/4 Laib Brot und in der Bäckerei „Anker“ jedesmal wenn ich hinkam 1 Laib Brot, wenn dieser auch manchmal Backfehler hatte. Das war ein Rausriß!

Für Wien war die Besetzung der Stadt eine Katastrophe, für die Industrie der Ruin. Unser Büro war in dieser Zeit in der „Tuchlauben“, wir sahen erst später die Verwüstungen durch die Russen. Sämtliche Werkstätten waren ausgeräumt bis auf die letzte Feile, die Magazine leer. Lange Reihen Lastautos führten Werkzeugmaschinen pausenlos bis zur nächsten Bahnstation, wo sie auf Züge verladen wurden und nach Osten abgingen. Oft unverpackt, verrostet und beschädigt durch die unsachgemäße Behandlung. Auch kam es vor, daß Lastwagen Teile oder ganze Maschinen am Weg verloren, die dann heimlich weggeschafft und geborgen wurden.

Bei Siemens sammelte sich langsam die Belegschaft, soweit diese noch vorhanden war. Viele hatten sich schon vor den Russen nach Westen abgesetzt, es war vorläufig noch ein Durcheinander. Aber durch irgendeine Organisation der Firma bekamen wir eine warme, bessere Suppe und es stellten sich alle, ohne Ausnahme, in der Reihe an. Es war natürlich für frühere Nazis unmöglich, weiter in der Firma zu bleiben, manche versuchten dies auch außerhalb der Russenzone, obwohl ein Übergang von einer Zone zur anderen mit persönlichen Gefahren und Verhaftung verbunden war. Ein Obermonteur und ich hatten vor dem Einzug der Russen noch Gelegenheit, zwei Lastautos mit Meßinstrumenten aus einem Magazin der Luftwaffe zu bringen. Wir brachten diese in die Tuchlauben, wo sie unter anderen in unterirdischen Gängen, die teilweise den Russen verborgen blieben, versteckt wurden. Diese Instrumente waren dann später, wo nichts mehr da war, sehr nützlich. Während der Kriegshandlungen hatten sich viele Frauen von Angehörigen der Belegschaft ins Werk geflüchtet. Was ihnen da von den Soldaten der Besetzung bevorstand, kann man sich leicht vorstellen.

Einige Zeit arbeitete ich noch weiter bei der Cal-Abteilung, dann zog es mich doch wieder zur FG-Abteilung (Fernsprechgeräte). Da gab es nach 1945 eine Änderung, weil der Gruppenführer Lahoda, ein überzeugter Nazi, während der Kampfhandlungen spurlos verschwunden war. Ich wurde von meinem Chef Twrdocil als sein Nachfolger bestimmt, ein für mich ehrenvoller Auftrag, denn in meiner Gruppe befanden sich ein Dipl.Ingenieur, zwei Fachschul-Ingenieure und dazu kamen noch etliche, so daß ich bei meiner Pensionierung (1957) meinem Nachfolger Dr.Mayer acht Leute übergeben konnte.

Die FG-Abteilung erholte sich in den Monaten 1945 sehr langsam. Vom Ausland kamen Anfragen um Angebote für Fernämter. Ich erinnere mich an solche für Bogota und Amman und andere exotische Staaten. Es waren die meisten reine Luftangebote. Es wäre auch unmöglich gewesen, irgendwelche Lieferungen vom Werk zu bekommen, da das Werk zu tun hatte, sich die notwendigen Einrichtungen und Maschinen zu beschaffen. Die Einteilung Wiens in vier Zonen im Herbst 1945 war für das Werk günstig, es fiel in die englische Zone und dadurch war eine Beschaffung der notwendigsten Werkzeuge schon leichter. Manches konnte auch über den Umweg von der amerikanischen Zone beschafft werden.

Auch bei der österreichischen Postverwaltung hatten sich die Verhältnisse normalisiert und die Kontakte mit den Schwachstromfirmen waren vorhanden.

Ich hatte 1930 das Amt Gmunden gebaut und so kam mir der Gedanke, mich trotz der Russen dorthinzuwagen und so den Kontakt mit der Linzer Direktion aufzunehmen. Damals gab es noch keine Bahnverbindung. Ich erfuhr aber, daß ein Autobus nach Oberösterreich fahren würde, bei dem ich mich anmeldete. Wir fuhren am 28.12.1945 vom Wiener Rathaus ab. Die erste Panne hatten wir auf der Mariahilferstraße. Bis zur Behebung dieser Panne war es später Nachmittag geworden. Man muß bedenken, daß die Russen während der Besetzung an allen Autos, gleich ob es PKW oder LKW waren, die Autopneus abmontiert und verschickt hatten. Nur dem Umstand, daß es in der amerikanischen Zone nun doch langsam aufwärts ging, war es zu verdanken, daß es wieder einige Wagen, darunter unseren Autobus gab. Unsere Fahrt ging also von der amerikanischen durch die französische Zone und bei der Grenze Wiens wieder durch die russische Zone, die bis zur Enns reichte. Es war keine angenehme Fahrt, in der Nacht, erfroren, denn es gab keine Heizung, einige Male waren kleinere Pannen mit Wartezeiten, noch dazu hatten wir ein Mädchen zu verbergen, die keine Papiere mithatte, wir waren froh, als wir außerhalb Enns die amerikanische Zone wieder erreichten, ohne weiter kontrolliert zu werden. Das war morgens, am Nachmittag erreichten wir Gmunden. Hier war man sehr erstaunt, es war ja eine Sensation, daß Siemens aus Wien den ersten Kontakt mit Gmunden und somit mit der Postdirektion Linz aufgenommen hat. Ich lernte telefonische die Herren Ing.Wiesinger und Ing.Ferstel von dort kennen, mit welchen ich dann jahrelang bei den Erweiterungen und Neubauten von Wählereinrichtungen zusammengearbeitet habe und noch heute befreundet bin. Ferstels Domäne war die Stadt und das Land Salzburg. Von den Herren erfuhr ich von dem großen Nachholbedarf bei der Direktion und wurde eingeladen, dorthin zu komme.

Bis jetzt hatte ich keine Gelegenheit gehabt, mit den maßgebenden Herren der Postverwaltung zusammenzukommen, außer im Zuge von Montagen, wie in Klosterneuburg und in Gmunden. Daher machte ich mich, nach privaten Besuchen in Uttendorf und Schärding sofort auf, nach Linz zu fahren, wo ich mit den Herren Posträten Haas und Leeb und den Inspektoren Wiesinger, Preyer und Zagerbauer eine Menge von fehlenden Einrichtungen und auch Erweiterungen von Wählämtern besprechen und umfangreiche Bestellungen nach Wien mitnehmen konnte. Da die meisten Städte in der Hitler-Aera mit Einrichtungen für den Wählverkehr nach dem Reichspostsystem W 29 automatisiert wurden, handelte es sich zum großen Teil um dieses System.

Die Fahrt zurück nach Wien war in einem Viehwaggon, denn Personenwagen waren, wenn überhaupt vorhanden, rar. Die Russen hatten die meisten Wagen weggeschleppt.

Zusammengepfercht, man konnte kaum stehen, kamen wir nachts in Wien an, auch nicht günstig bei den unruhigen Zeiten, wo man nicht sicher war, ausgeraubt oder verschleppt zu werden.

Die Fahrt nach Linz und auch die freundliche Aufnahme waren mir natürlich ein Ansporn, mich um weitere Postdirektionen zu kümmern. Und so fuhr ich Anfang April 1946 vorerst nach Graz zur Postdirektion. Besprechungen mit den Herren Postrat Ringhofer, Oberinspektoren Bernhard, Straka und Scherz haben die gleichen Ergebnisse wie in Linz gezeitigt. Erweiterungen im Wählamt und Fernamt Graz, desgleichen im Wählamt Bruck a.d.Mur, neue Ämter in Hartberg, Fürstenfeld, Feldbach und Radkersburg und Ersatzteile. Anschließend fuhr ich weiter zur Postdirektion Klagenfurt. Nach Mitteilung der Herren Postrat Köstner und Ing.Pankraz sowie der Inspektoren Lexe und Kusian handelte es sich hier besonders um die Erweiterung des Fernamtes. Auch von hier brachte ich Bestellungen von Einrichtungen und Ersatzteilen mit.

Im Juli 1946 besuche ich dann die Postdirektion Innsbruck und wurde bekannt mit den Herren Postrat Leitner, Inspektoren Oberladstädter, Aigner, Lihl und Schittelkopf. Hier zeigte es sich, daß die Besatzung beim Einmarsch viele Einrichtungen beschädigt oder auch abmontiert hat, besonders in Vorarlberg, so daß die Postdirektion eine Angabe nicht genau geben konnte. Die Firma erhielt aber nachträglich eine ausführliche Liste über die Ämter Dornbirn, Lustenau und Hohenems. In Innsbruck selbst waren keine besonderen Änderungen in Aussicht. Diese Reisen und das Bekanntwerden mit den maßgebenden Herren der Postdirektionen, die es besonders erfreulich fanden, daß sich die Firma Siemens als erste nach dem Umbruch um sie kümmerte, haben mir künftig sehr geholfen, auch im späteren Verkehr mit der Generalpostdirektion.

Sämtliche Angebote an die Generaldirektion, die in den nun folgenden Jahren bis zu meiner Pensionierung gelegt wurden, gingen über meine Gruppe und mußten von mir gegengezeichnet sein. Ich erinnere mich heute nicht mehr an die Fülle von Aufträgen, die in den 12 Jahren einlangten. Neue Ämter: Salzburg, Graz, Villach, Wels, Ried, Linz-Urfahr usw. usw. Und viele Erweiterungen. In den Jahren 1946/47 befaßte sich die Generalpostdirektion mit der Vollautomatisierung des Österreichischen Telefonnetzes und in Zusammenarbeit mit Siemens entstand, ähnlich dem System 29 eine österreichische Type, das System 48, das noch heute besteht. Im März 1950 reiste ich im Auftrag der Firma nach Tschechien und führte dort mit den Herren der Postverwaltung in Bratislava und Prag Gespräche, teilweise über die bestehenden Ämter in Prag, sowie über eventuelle neue Aufträge, im April war ich in Jugoslavien, in Belgrad und Ljubljana wegen der Planungen der Ämter Belgrad, Krunsky Venac und Center bzw. Kragojevac, Zjecar und der Netzgruppe Krain-Bled. Die Festlegung der Einrichtungen dieser Netzgruppe zog sich bis Februar 1951 hinaus, wurde aber schließlich vom eigenen Personal, das inzwischen genügend weit ausgebildet war, durchgeführt. Auch für die anderen Anlagen wurden nur die Einrichtungen bei uns bestellt, immerhin ein bedeutender Auftrag für das Werk.

In dieser Zeit war das System der österreichischen Postverwaltung so weit entwickelt, daß eine Erprobung erfolgen konnte. Diese erfolgte in einem kleineren Amt in Neunkirchen NÖ, anfangs 1951. In Wien waren es die Ämter Löschenkohlgasse und Favoriten, die nachher montiert wurden und sich bewährten.

Nun bestellte die Generaldirektion laufend Ämter aller Größen nach diesem System 48 und es begann die Automatisierung, zunächst in Kärnten und Osttirol, dann in Vorarlberg und so kamen im Laufe der Zeit alle weiteren Bundesländer dran. Erst kürzlich las ich die Nachricht, daß das letzte manuelle Amt in Karlstein automatisiert wurde.

Bis zu meiner Pensionierung gingen alle Bestellungen von der Anbotlegung bis zur fertigen Montage bzw. Übergabe an die Postverwaltung durch meine Vertriebsgruppe.

Als mein Nachfolger wurde von meiner Firma Herr Dr.Udo Meyer bestimmt, dem ich am 31.Mai 1957 die Vertriebsgruppe FG.Beh. übergeben habe.

Abschließend kann ich schon sagen, daß ich mit meiner beruflichen Laufbahn vom 2.April 1907 bis 16.10.1957 zufrieden bin. Ich habe als Lehrling, in meiner Lehrzeit ungenügend ausgebildet, begonnen und es durch eigenen Fleiß und auch durch ein wenig Glück es bis zum Leiter der Abteilung für den Bau von Wählämtern aller Größen gebracht, habe dadurch Gelegenheit gehabt, mit allen wichtigen Herren der Generalpostdirektion, der Postdirektionen Wien, Linz, Graz, Kärnten und Innsbruck, der Telegrafenbauämter, sowie aller für den Bau und die Instandhaltung Verantwortlichen bekanntzuwerden. So hatte ich nicht nur ein schönes Betätigungsfeld, sondern konnte auch meiner Firma mit meinen jahrzehntelangen Erfahrungen dienen.


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