Robert Schröfl


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Karten an Olga und Papa während des ersten Weltkrieges

Iglau, 10.I.15

Lieber Papa!

Deinen lieben Brief und auch das Geld mit Dank erhalten. Ich freue mich sehr, daß bei Tante Elise alles so gut verlaufen. Sollte Tante Elise das Geld senden, lege es bitte ein. Ich bin zur Marschkompanie eingeteilt und glaube in einigen Tagen wegzugehen. Ich werde noch vorher meine ganzen Sachen zu Euch senden. Wir sind sehr gut und ganz neu ausgerüstet mit Rucksäcken. Werde sobald ich meinen weiteren Aufenthaltsort weiß, Nachricht geben.Bis dahin sei Du, lieber Papa und auch Olga herzlichst von mir geküßt. Und auch an alle viele Grüße.

Dein Robert

26.1.15.

Liebe Olga!

Glücklich und guter Laune am neuen Bestimmungsort angelangt. Bitte sendet mir Chokolade und Kerzen, vielleicht diese dicken, die man als Nachtlichter verwendet. Habt Ihr schon Nachricht von Heinrich? Mit vielen Grüßen

Euer Robert

5.II.15

Meine Lieben!

Mit vielem Dank die Schokolade erhalten, wenn Ihr wüßtet, wie gut mir dieselbe getan. Von Lina heute mit Freude erfahren, daß Heinrich lebt. Er wird wohl bald gesund sein und dann am Ende dieser Zeit wieder in unserem Kreise sein. Bitte schreibt mir recht ausführlich, auch über die Verhältnisse in Wien. Mit Küssen,

Euer Robert

10.Feber 15

Lieber Papa!

Wir sind momentan in einem Dorfe einquartiert und befinden uns ganz wohl Wie hat mich die Freudenbotschaft von Heinrich erfreut. Leider von Euch noch gar keine Post bekommen. Schreibt nur oft und viel.Mit Kuß,

Robert

12.II.15

Mein lieber Papa!

Gestern sehr erfreut Deine liebe Karte erhalten. Ich sitze eben auf einem Bergesgipfel, von wo man einen recht schönen Rundblick hat. Unten im Tale donnern die Geschütze, ein Dorf wird beschossen Heute vor einem Jahr bin ich nach Cospoli abgefahren. Was hat sich da nicht alles ereignet. Aber hoffen wir, daß alles noch einen guten Ausgang hat und wir bald wieder fröhlich beisammen sein können.Von den drei Paketen habe ich erst eines erhalten.Bitte grüße mir Mitzi, Willy, Elise, Richard, überhaupt alle, die nach mir fragen und Du sei geküßt von Deinem Sohn

Robert

19.II.15

Lieber Papa!

Mit Dank 3 Pakete erhalten, nur daß bei allen die Hälfte fehlte. Ich denke, daß es in Leinwandsackerln versendet besser ankommen möchte. Auch dürfte Schokolade allein billiger kommen. Die Sachen haben mir recht gut getan. Was spricht man in Wien über den Frieden? Mit Gruß und Kuß an Olga und Dich

Dein Robert

9.III.15

Meine liebe Schwester!

Von Lina mit Freuden erfahren, daß Bernhard untauglich ist und gratuliere Euch herzlich.Das Paket mit dem Briefpapier mit Dank erhalten, da hat das ganze Regiment genug. Sonst von Euch kein Paket mehr empfangen. Im ganzen also 5 Stück. Ich weiß nicht, was da schuld ist, daß gerade ich nicht alles erhalte. Bitte verpackt die Sachen besser, damit nicht jeder hineinkann. Von Papa außer einer Karte nicht erhalten.Mir geht es so weit ganz gut, meine Füße habe ich ein wenig erfroren. Hoffentlich hat die Sache bald ein Ende. An Lina habe ich einige meiner Wünsche geschrieben.Mit Küssen an alle,

Dein Robert

27.XII.16

Mein lieber Papa!

Die Feiertage sind nun glücklich vorüber. In unserer Baracke steht ein kleiner Christbaum, behangen mit Cakes, Bäckerei und Zigaretten. In unserem kleinen Kreise sind die Weihnachten viel schöner und besser im Vergleich zu den vorigen im Lager. Ihr werdet wohl alle daheim gesund sein und ich hoffe nur, daß ich alles beim alten finde, wenn der Frieden endlich kommt. Teile bitte Lina die Adresse mit: R.S., Kontrollor Mechanik Kurken, Kandalakscha, Gov.Archangelsk, Rußland. Mit Küssen,

Dein Robert

Kandalakscha, 28.I.17

Mein lieber Papa!

Immer und immer wieder versuche ich es, ob denn doch nicht eine Karte zu Euch gelangt. Habe nun auch vor 5 Wochen ein Telegramm an Dich abgesendet, alles aber ohne Antwort, so daß ich jetzt schon 8 Monate ohne alle Nachricht aus der Heimat bin. Ich hoffe hier nur alles Beste von daheim, daß Ihr alle Eure Gesundheit habt, wie dies auch bei mir der Fall ist. Mit vielen Küssen,

Robert

Kandalakscha, 28.Feber 17

Meine Lieben!

In Erwartung eines endlichen Schreibens versuche ich wieder Euch mitzuteilen, daß ich nun schon 9 Monate hier bin und es mir bis jetzt immer gut geht. Ich glaube, daß nun endlich doch die Erlösung und das Wiedersehen kommen wird.In der Hoffnung, daß Ihr alle gesund seid, grüßt Euch

Robert

Kandalakscha, 10.VI.17

Mein liebes Schwesterlein!

Habe nun schon die zweite Karte von Dir erhalten und freue mich, daß Ihr so viel an mich schreibt. Auch von Lina schon 6 Karten. Hier ist es nun endlich doch schon warm geworden und die Sonne scheint bereits Tag und Nacht. Staune, daß Hans schon an der Front ist und bitte Näheres. Schreibe mir bitte auch die Adressen der Brüder und von Richard. Ist Papa gesund? Hoffe, daß ihm trotz der bösen Zeit der Humor nicht ausgegangen und wir, wenn ich nach Hause komme, eine schöne Zeit verleben. Mit Küssen

Dein Robert

Tschupa, 8.VIII.17

Mein lieber Papa!

Warum kommt denn gar keine Karte von Dir? Ich würde mich doch so freuen. Bist doch noch gesund und hast auch Deinen Humor noch. Einmal wird ja doch auch das Wiedersehen kommen. Habe von Olga und Lina schon einige Karten bekommen und freue mich, daß Ihr bis dahin alle gesund wart und Lina oft zu Euch kommt. Mir geht es gut und bin gesund. Hast Du vom Mühlndorfer Hansl was gehört? Würde mich recht freuen, wenn Ihr mir eine Fotografie senden möchtet. Mit vielen innigen Küssen,

Dein Sohn Robert

Kandalakscha, 2.IX.17

Mein liebstes Schwesterl!

Deine Karte vom 10.II.17 mit großer Freude erhalten. Nun funktioniert der Postverkehr doch endlich und ich bekomme viele Karten. Auch von Rudolf eine erhalten. Heute ist es 29 Monate, daß ich gefangen. Eine unglaublich lange Zeit. Auch hier ist alles beim alten und wir glauben, daß nun dieses Jahr endlich Schluß werden muß, daß wir wieder einmal heimkehren und unsere Lieben alle sehen können. Geduld bringt Rosen.Mit innigen Küssen,

Dein Robert

Kandalakscha, 1.Dez.17

Liebstes Schwesterchen!

Nun hat es doch den Anschein, daß das Wiedersehen herbeirückt. Wir sollen auch in nächster Zeit alle fortkommen. Ob der Heimat zu? Hoffe daß alle daheim sind so wie ich. Heute ist ein schönes Nordlicht und ich wünschte, Ihr könntet es sehen. Auch kann man schon mit dem Schlitten übers Meer fahren.Grüße alle. Euch, besonders den schlimmen Papa, der gar nicht schreibt, grüßt und küßt

Euer Robert

Kandalakscha, 4.XII.17

Meine liebe Schwester!

Habe an Euch ein Telegramm abgesendet und hoffe nur, daß es auch zur richtigen Zeit ankommt. Es geht uns hier so ziemlich gut. Nur daß ich schon seit 7 Monaten ohne alle Nachricht bin. Was ist’s mit Heinrich, Rudolf und Richard? Ist letzterer auch eingerückt? Und Bernhard? Bitte recht oft zu schreiben. Bin mit noch 12 Mann Österreicher und russische Zivilisten auf Leitungsbau und arbeite auch schon seit 2 Monaten auf Apparaten.Mit vielen Grüßen, speziell an Papa,

Robert

Tobolsk, 18.IV.19

Lieber Papa!

Endlich wird uns wieder gestattet, nach der Heimat zu schreiben und so hoffe ich doch wieder einmal etwas von zu Hause zu bekommen. Vor allem Dir, lieber Papa, die herzlichsten Glückwünsche zu Deinem 70. Geburtstage mit dem Wunsch, daß wir bald wieder beisammen sein können. Bin selbst gesund und arbeite. Mit Heinrich bin ich im Briefwechsel. Mit Kuß und Grüßen an alle

Robert


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