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Die Schröffl in der Pfarre Gröbming

Entnommen aus: Die Schröffl in der Pfarre Gröbming
Ein Bauerngeschlecht in der Zeit der Glaubenskämpfe
Von Wolfgang Sittig.
In: Zeitschrift des historischen Vereins für Steiermark, XLVI. Jahrgang, 1955

Bei Untersuchungen über die Reformationsgeschichte des Gröbminger Gebietes, die durch das Bekanntwerden von Wandmalereien in Tipschern angeregt worden waren, ergab sich die Notwendigkeit, der Abstammung und dem Vorleben Martin Schröffels nachzugehen, der von 1565 bis 1599 Pfarrer in Gröbming war. Die Quellenlage ist ungünstig. Die Matriken beginnen zu spät. Von den Archiven der in Betracht kommenden Grundherrschaften - hauptsächlich im Steiermärkischen Landesarchiv aufbewahrt - sind die der weltlichen schlecht erhalten, insbesondere von dem der Herrschaft Neuhaus-Trautenfels nur Reste auf uns gekommen. Am wertvollsten für die vorliegende Untersuchung war das freilich in der Hauptsache erst im späteren 16. Jahrhundert einsetzende Archiv des salzbergischen Amtes Haus. Wesentliche Ergänzungen ergaben sich aus den Gröbminger Beständen des Diözesanarchivs in Graz, dem Stiftsarchiv Admont und einigen Pfarrarchiven. Für die Erlaubnis und die entgegenkommende Erleichterung der Benützung sei auch an dieser Stelle dem bischöflichen Ordinariat und dem Archivar Dr. Karl Klamminger wir dem Stift Admont und dem Stiftsarchivar P. DDr. Adalbert Krause besonders gedankt.

Durch die Verarbeitung der stark verstreuten Quellen wurde die Familiengeschichte des Gröbminger Pfarrers so stark ausgeweitet, daß sie aus dem Rahmen der erwähnten Untersuchung herausfallen würde. Dafür kommt sie einem anderen Interessenkreise so weit entgegen, daß sich eine getrennte Veröffentlichung wohl vertreten läßt. Da solche Arbeiten zur bäuerlichen Besitz- und Familiengeschichte im allgemeinen nur bei günstiger Quellenlage gemacht werden, könnte eine auch die kleinsten verstreuten Andeutungen verarbeitende Untersuchung außerdem methodisch anregend wirken.

Für das Jahr 1541 ist in der späten Abschrift einer Gülteinlage für das salzburgische Amt Haus Thoman Schröffler belegt. Er saß auf einem Gehöft im „vorderen Dorf“ zu Gatschberg. Nach dem Salzburger Urbar von 1498-1566 hatte er es durch Heirat erworben. In den Einbekenntnissen zur sogenannten „Anlage des Wertes“, einer nur im Jahre 1542 statt der Gültsteuer eingehobenen, nach Grundwert und Viehstand veranlagten Steuer, die für das Amt Haus nicht erhalten sind, erscheint als Untertan Hans Hoffmanns von Grünbüchel in der Herrschaft Neuhaus derselbe Thoman Schröffl.

Gatschberg liegt an der von Stein an der Enns nach Großsölk führenden Straße. Seine Weilerflur bedeckt die durch Gräben dreigeteilte Terrasse über der Schlucht der vereinigten beiden Sölker Bäche. Auf den vorderen Teilen liegen zwei Weiler, auf dem hinteren schiebt sich zwischen die dorthin ausgedehnte Flur des hinteren Weilers ein weiteres Kleingut. Darüber lagen fünf jüngere, meist kleine Einzelgehöfte. Das „vordere Dorf“ - ursprünglich eine Schwaige - bestand aus drei Gehöften, „Lehen“ der normalen Größe mit einem Dienst von etwas über 1. [Anm, Jänner 2003: Falls ein Leser einen Unicode-Schriftsatz kennt, der ein schönes Pfennig- und Pfund-Zeichen enthält, bitte ich um Nachricht unter pauli schroefl.com] . ℔₰ könnte man zwar verwenden, vor allem Libra ist mir zu eckig.

Eines davon trug bis zu seinem Untergang durch Brand vor einem halben Jahrhundert den Hausnamen Schröfl und ist daher als Besitz Thomans anzusprechen. Die zwei darüber gelegenen kleinen Einzelgehöfte, unter der Pfarrherrschaft Pürgg stehend, wurden schon bald nach der Mitte des 16. Jahrhunderts zu Zulehen und bilden seit 1566 bzw. 1578 - im 18. Jahrhundert nicht mehr unterscheidbare - Teile des Rainerlehens, später Mathießbauer genannt, das bis 1546 selbst in zwei Halbgüter zerfiel. Das zunächst kleinste, das Hutterlehen, vergrößerte sich am Ende des 16. Jahrhunderts mit dem nächstgelegenen der Einzelgehöfte über der Hauptsiedlung, dem unter Neuhaus stehenden Gabelberg.

Der andere Weiler bestand aus sechs „Gütern“ mit einer Dienstverpflichtung von etwas über 1/2 , wozu das in den hintersten Teil der Flur eingeschobene Einzelgut kommt. Von diesen sieben Gütern oder „Gütln“ besaßen sechs seit 1491 die Hoffmann und hatten sie der Herrschaft Neuhaus eingegliedert. Die ungenügende Besitzgröße führte zu dem Streben nach Vergrößerung. Schon 1491 waren zwei Güter in einer Hand und wuchsen dann zu einem den Vordergatschberger Lehen entsprechenden Gut, dem „Bauer im Bach“, zusammen. Im übrigen versuchte man anderweitige Gründe zur Ergänzung zu erwerben, wofür die erwähnten drei Einzelgehöfte am gelegensten waren. Die Hoffmann hatten diese - in den späteren Grundbüchern Gabelberg, Marchberger und Rosenbüchel genannt - wahrscheinlich ungefähr 1518 von den Stainachern gekauft.

Eines der kleinen Güter im Weiler, Hainzelbau oder „im Gang“ genannt, muß gegen 1540 Thoman Schröffl erworben haben. Durch das Leibsteuerbekenntnis 1527 ist noch Haintzl Paul mit zwei Söhnen und einer Tochter belegt. Für 1542 ist Thoman Schröffl als Inhaber dieses Gutes dadurch sichergestellt, daß alle übrigen Bauern mit dem Hausnamen bezeichnet sind und sich der Hainzelbau später sicher in der Hand anderer Schröffl befindet. Nach der Höhe der Grundschätzung der Anlage von 1542 war wahrscheinlich der Rosenbüchel oder die Hälfte des Marchbergers mit dem Hainzelgut vereinigt. Vermutlich sollte diese Erwerbung Schröffls die Versorgung eines Sohnes sichern. Möglicherweise übernahm dieser sogleich oder bald - zunächst für seinen Vater - die Bewirtschaftung des neuen Besitzes.

Den Namen Schröffl führt Thoman natürlich nach seinem erheirateten ersten Besitz. Für seine Herkunft fehlen sichere Anhaltspunkte. Die seit dem 15. Jahrhundert auf der Schröfflhube sitzende Familie scheint mit kleineren Bauern im Gäugericht Aussee und Amt Hinterberg (um Mitterndorf) zusammenzuhängen. Dafür sprechen wenigstens die belegten Taufnamen. Von den durch das Salzburger Urbar des 15. Jahrhunderts bekannten Namen der Gatschberger Schröffl: Heinrich, Wolfgang, Johannes., Andreas. Leonhard und Egidius kommen Hans und Wolfgang auch bei der vom frühen 16. bis Mitte des 17. Jahrhunderts im Gäugericht belegten Familie vor, außerdem der sich in der Nachkommenschaft Thomans mehrfach wiederholende Name Paul. Und Eingeheiratete richteten sich in der Namengebung gewöhnlich weitgehend nach der alten Besitzerfamilie. Bei den im Amt Hinterberg um 1500 im Krungler, später auch im Mitterndorfer Viertel genannten Schröffl, die sich dann in das Amt Unterburg und unter die Pfarrherrschaft Pürgg ausbreiteten und auf Mittel-, später auch Kleinbesitz saßen, findet sich Hans, Andre und Leonhard, freilich auch Georg, Bartlme und Valthan.

Die Verbindung kann sich aus dem starken Saumverkehr ergeben haben, der von Aussee über Mitterndorf durch den Stein und über den Mitterberg in das Großsölktal führte, um über den Sölker Tauern das Murtal zu gewinnen. Dieser Saumverkehr wurde hauptsächlich durch die bäuerliche Bevölkerung betrieben, die sich auf diese Weise in landwirtschaftlich arbeitsarmer Jahreszeit zusätzliche Einnahmen verschaffte, besonders auch - wie dies später für das Amt Hinterberg belegt ist - kleinbäuerlicher Bevölkerung in armen, aber Pferdehaltung ermöglichenden Gebieten als wesentliche Lebensgrundlage diente. Die Art dieses Zusammenhanges läßt eine Erwerbung der Schröfflhube durch einen Kleinbauernsohn aus dem Ausseerland wahrscheinlicher erscheinen als eine Ausbreitung der Gatschberger Familie auf den Kleinbesitz. Ältere Belege fehlen für Aussee wie für Hinterberg.

Die später recht begüterten bürgerlichen Schröffl in Aussee scheinen von der Familie im Gäugericht abzustammen. Die Verbindung bilden Ende des 16. Jahrhunderts als kleine Handwerker in den Markt gekommene Kleinbauernsöhne. Für deren Abstammung von der Gröbminger bürgerlichen Familie sind ihre Vermögensverhältnisse zu gering. Der Lederer Hans Schröffl kaufte sich schon 1595 in Aussee an und wurde im nächsten Jahre Bürger, müßte also der älteste Enkel Thomans sein, was bei der noch zu besprechenden Besitzübernahme durch den jüngeren Thoman und Wolfgang Ende 1597 nicht sehr wahrscheinlich ist. Er müßte dann aus einer ersten Ehe des Sohnes Thomans stammen und an den von dessen zweiter Frau herrührenden Besitz keinen Anspruch gehabt haben. Sein gleichnamiger Sohn, der 1625 Bürger wurde, hatte freilich deutliche Beziehungen zu Gröbming.

Sicherer stammt aus der kleinbäuerlichen Familie der Schneider Paul Schröffl, der 1606 Bürger wurde, 1609/1610 einen kleinen Besitz kaufte und um die Jahreswende 1620 starb. Seine Söhne heißen Paul, Wolf und Hans. Paul - ebenfalls Schneider in Aussee - hinterließ einen gleichnamigen Sohn. Nach Gröbming und in dessen Umgebung wird der Name Schröffl erst von Thomans Söhnen getragen.

Die im Anfang des -17. Jahrhunderts in Gstatter Stifturbaren gelegentlich vorkommende Bezeichnung Schrefflhof für den Götzfriedhof in Hofmanning geht auf eine Verlesung ans Scherpl = Scherpfl (nach dem Inhaber bis ca. 1540) zurück.

Weniger wahrscheinlich als eine Verbindung mit der Ausseer Kleinbauernfamilie ist eine solche der Gatschberger Schröffl mit dem anfangs immer Schröfflerlehen genannten, ziemlich großen Bauernbesitz im Amt Assach, der von dort aus nur durch Gatschberg zugänglichen Herrschaft Großsölk“. Auf dem Gut Schröfflstein im Amt Haus der Propstei Gstatt, einem hochgelegenen kleineren Bauerngütl „in Schnee und Eis“, wie eine Supplikation von 1584 sagt, ist ein Besitzer mit dem Namen Schröffl nicht belegt. In der Mitte des 16. Jahrhunderts ist es schon als Zulehen in anderer Hand. Eine Verbindung der Gatschberger Schröffl mit diesem abgelegenen Gütl unter einer anderen Grundherrschaft ist so gut wie ausgeschlossen.

Durch nicht als Hausnamen zu verstehende Familiennamen- Taufnamen und Besitznachfolge sowie durch spärliche Anhaltspunkte aus den Quellen über die religiöse Entwicklung können Thoman Schröffl vier Söhne zugeordnet werden: Paul, Niklas, Wolfgang und Martin. Im folgenden soll nun ihrem Leben und den Schicksalen ihrer nächsten Nachkommen nachgegangen werden. Einige Andeutungen mögen zeigen, in welche Richtungen sich die weitere Familiengeschichte ausbauen ließe. Da der offenbar älteste Sohn Paul - dem Gebrauch der Gegend Rechnung tragend - den väterlichen Besitz früh verlassen und sich eine andere Lebensgrundlage geschaffen hatte, ergibt sich seine Abstammung nur durch die Wiederkehr des Namens Thoman bei seinem Sohn und verschiedene Verbindungen zu dem Pfarrer Martin Schröffel.

Besonders Paul wird bei seiner Stellung im Markt Gröbming seinem jüngsten Bruder die verwandtschaftliche Unterstützung bei der Erlangung der Pfarre haben geben können, die durch ein Schreiben der Zechpröpste belegt ist. Paul Schröffl ist durch das sehr sparsam geführte Gerichtsbuch des Marktes - die alte Bezeichnung ist „Hofmark“ - als einflußreicher Bürger belegt. Im Jahre 1554 bürgte er für einen neu aufgenommenen Bürger und war an dem Beschluß einer Sonntagsordnung beteiligt, mit der sich die Bürgerschaft fast geschlossen gegen die altkirchliche Restaurierungstendenz des im Jahre vorher eingesetzten neuen Pfarrers wendete. Während des Kalenderjahres 1563 führte er das Amt des Hofmarkrichters. Die Durchsetzung seines jüngsten Bruders als Pfarrer muß auch ein persönlicher Erfolg für ihn gewesen sein. Vielleicht ab Georgi 1566, sicher ab Neujahr 1567 wurde er - wohl für lange Jahre - Zechpropst. In den Jahren 1567 und 1568 war er an der Beilegung von Streitigkeiten beteiligt, in die der Pfarrer Martin Schröffel und sein Mesner verwickelt worden waren. Die beiden Urteile beendeten einen vereinzelten letzten Oppositionsversuch gegen die evangelische Richtung des Pfarrers. Im Jahre 1570 ist er einmal als Vertreter des Richters belegt. Ende 1576 oder in den ersten Monaten des Jahres 1577 muß er gestorben sein. Denn etwa Mitte 1577 erlegte „Paul Schröfflin“ - d. h. seine Witwe - der Kirche Gröbming eine Teilzahlung der Anleit für ein Gereut und eineu Krautgarten und am 9. Juni 1578 wurde neben drei anderen auch sein auf dem Sterbebett gemachtes Legat von 5 für die Insassen des Siechenhauses vom Richter übernommen und eingeschrieben.

Seine Witwe Christine hielt seinen reichen Besitz nicht nur gut zusammen, sondern vermehrte ihn noch, so daß der auf den Namen des Großvaters getaufte Sohn Thoman Schröffl trotz der noch zu besprechenden Abgabe von Zulehensbesitz immer noch zu den vermögendsten Bürgern gehörte. Der ursprüngliche Hausbesitz Paul Schröffls scheint nicht zum Amt Haus gehört zu haben und ist daher schwer erfaßbar. Zumindest später wird er aber das unter Haus stehende, in der Mitte des Marktes gelegene große Haus Nr. 33 (Musbäck) besessen haben, in dem durch Jahrhunderte das Bäckerhandwerk betrieben wurde. Das Haus mit seinem Zubehör an Nebengebäuden und Gründen war eines der Viertel des zerschlagenen Rottmayerhofes. Wenn Pauls Sohn Thoman im Jahre 1600 sicher diesen Besitz an Blasien Muß verkaufte und außerdem den halben Rottmayerhof, so bedeutet das letzte wahrscheinlich nur ein weiteres Viertel. Denn diese Bezeichnungen können inzwischen in Unordnung gekommen sein und die Muß besaßen dann ja außer dem Hausbesitz nur ein Viertel. Ein weiteres erwarben sie erst im späteren 17. Jahrhundert. Aber auch der Hausbesitz und das Viertel, das Thoman Schröffl sicher besaß, entsprachen mit einem Dienst von über 2 1/2 einem großen Bauernhof. Zu Gereut und Krautgarten, die Christine - wie erwähnt - von ihrem Manne geerbt hatte, erwarb sie im Jahre 1592 noch einen, ebenfalls unter der Kirche Gröbming stehenden Krautgarten. Unter Admont hatte sie im Jahre 1582 eine schon früher vom Götzfriedhof (Scherpl) in Hofmanning abgetrennte, 2/3 dienende Hausmühle am Gröbmingbach erworben, auf der sie bis 1593 belegt ist. In diesen Jahren ist noch ein weiteres, wohl wesentlich größeres Zulehen in Hofmanning - also auch unter Gstatt - in ihrer Hand. Vielleicht handelt es sich dabei aber auch nur um eine später mit einem Hofmanninger Hof verbundene Keusche. Eine solche - wohl im Gebiet des westlichen Mitterbergs - unter der Propstei Gstatt ist 1572 im Besitz Paul Schröffls belegt. Von Pauls Zulehensbesitz unter der Herrschaft Großsölk, dem ehemals dem Mautner gehörigen kleinen Gut zwischen den Stegen in St. Nikolai und einer zugehörigen Almhälfte, einem Teil des ausgedehnten Almbesitzes des Mautners, ist die Übernahme durch Christine nur für das Gut durch einen Zufall belegt. Bei Gelegenheit einer Stifterhöhung im Jahre 1586 wegen einer Rodung, die eine Nachbarin angezeigt hatte, trug man auch die neue Besitzerin ein, wozu bei der Almhälfte die Veranlassung fehlte. Für uns ist die Rodung zugleich ein Beleg für die tatkräftige Bewirtschaftung durch Christine. Zu all diesem Besitz verlieh ihr Ferdinand Hoffmann zusammen mit einer anderen Witwe im Jahre 1588 den zu Neuhaus gehörigen Zehent auf dem ganzen Hoffer- und Rottmayerhof. Auch gelegentlich in Inventaren belegte Außenstände bei Bauern der weiteren Umgebung zeugen von weitreichendem Geschäftsverkehr und größerer Kapitalkraft.

Für das Gewerbe dieser Schröffl liegen spärliche, aber genügende Belege vor. Wenn Thoman, der Erbe des Hofmarkbesitzes, als „civis et pistor“ in Gröbming belegt ist, so kann man auch den Vater als Bäcker betrachten. Dem widerspricht es nicht, wenn dieser gelegentlich als Wirt belegt ist, da auch die Mußbäcken bis 1810 zugleich Wirte waren. Auch andere Geschäfte muß Paul betrieben haben. Im Jahre 1569 übernahm er die Lieferung und Zufuhr („mit seinem zug und khnechten“) von Baumaterial - Kalk, Dachlatten und Gerüstladen - für Arbeiten an einem großen Kirchenfenster an Mauer und Tor des Friedhofes.

Thoman Schröffl muß den Besitz in der Hofmark Ende 1597 übernommen haben. Am 12. Dezember wurde er Bürger, nachdem er so gut wie sicher schon Jahre vorher mündig geworden war. Die ohnehin späte Geburt des nach dem Namen ersten Sohnes läßt darauf schließen, daß eine erste Ehe Paul Schröffls, mit der er in den Besitz eingeheiratet hatte, kinderlos geblieben war, wenn nicht der oben erwähnte Lederer Hans Schröffl in Aussee aus ihr stammt. Daß Christine seine zweite Frau war, wird auch durch ihren langen Witwenstand wahrscheinlich gemacht. Nur die erwähnte Mühle in Hofmanning, auf der Christine 1593 zuletzt belegt ist, betrieb ihr Sohn mindestens schon im Jahre 1596. Drei Jahre später war sie bereits an den Götzfriedhof zurückgefallen.

Als Thoman dann Bürger wurde, kündigte sich das Unheil für seinen Glauben schon deutlich genug an. Wenn er am 6. September 1600, also zehn Monate nach der gewaltsamen Reformierung Gröbmings, seinen unter Haus stehenden Besitz - Haus mit Stadel und Garten und die ausgedehnten Gründe aus dem ehemaligen Rottmayerhof - verkaufte, so könnte man an Auswanderung denken. Eine Quittung vom 21. Mai 1602 wäre kein verläßlicher Gegenbeleg. Er ist jedoch noch am 12. März 1601 im Marktbuch als Bürge für einen neu aufgenommenen Bürger belegt und hätte auch nicht am 29. April 1601 in Haus als Trauzeuge auftreten können, wenn er als widerspenstiger Protestant im Abzug begriffen gewesen wäre. So wird man den auffallenden Verkauf nur dahin deuten können, daß er sich damit der völlig der Gegenreformation verschriebenen geistlichen Grundherrschaft so gut wie möglich entziehen wollte. Die umgekehrte Erklärung, eine Abstiftung durch diese, ist viel weniger wahrscheinlich, da Thoman in den Berichten über die Vorgänge, besonders bei dem abgeschlagenen Reformierungsversuch im Jänner 1599, nicht genannt wird und man zu dieser Maßregel auch bei schwer Belasteten nicht gegriffen hat.

Als neuen Wohnsitz scheint er nach den spärlichen Nachrichten über seinen Sohn das Haus Nr. 4, das spätere Hopfgarthäusl, samt einem Grundstück in Talheim erworben zu haben, mit einem Dienst von zusammen ungefähr 2/3 beides unter der den Mosheim gehörigen Herrschaft Tannegg stehend, was übrigens wieder als Beleg für Thomans evangelische Haltung anzusehen ist. Denn in dieser Zeit ließen so entschiedene Lutheraner unter dem Adel ihre Untertanengründe sicher nicht in die Hand gegnerischer oder lauer Leute kommen. Auch beharrlich evangelische Grundherren vermochten freilich ihre gleichgesinnten Untertanen in der Hauptsache nicht zu schützen. Diese konnten aber doch einen gewissen Rückhalt an ihnen erwarten und die fest erhoffte Wiederherstellung des im Augenblick Zerstörten mußte bei den eigenen Untertanen des evangelischen Adels am frühesten und sichersten eintreten. Besonders aber unterstützte dieser die neue Pfarrgeistlichkeit natürlich nicht wie die geistlichen Grundherrschaften` in dem Bestreben, die Untertanen zum Gehorsam, zu Beichte und Kommunion bei ihr zu zwingen. Mit dem fast doppelt soviel dienenden Mußbäckenanwesen läßt sich die Erwerbung Thomans natürlich nicht vergleichen. Doch war der in weltlicher Hand befindliche Besitz in der Hofmark und auch in der näheren Umgebung neben dem Salzburger, Admonter und dern der Kirche und Pfarre Gröbming so gering, daß wenig Auswahl bestand. Als Ergänzung muß Schröffl übrigens zumindest später den halben Hofferhof erworben haben, der dem aufgegebenen Anteil am Rottmayerhof auch dann entsprochen hätte, wenn es sich außer dern Mußbäckenanwesen um eine Hälfte desselben gehandelt haben sollte. Trotz ihrer Größe waren diese Gründe ja Zulehen, so daß ihr Besitzer nach seinem Wohnsitz Untertan der Mosheimer blieb. Der sich allenfalls bei dem Wechsel doch ergebende Verlust wäre durch Verkauf und Kauf unter ungünstigen Bedingungen, vielleicht auch durch Strafgelder in Zusammenhang mit der Gegenreformation erklärt. Auch könnte Thoman Schröffl einiges Kapital zurückbehalten haben.

Sein Sohn Martin, nach dem Namen wahrscheinlich ein Patenkind des Pfarrers, seines Großoheims, wurde nach dem Marktbuch am 16. Dezember 1617 Bürger von Gröbming, lebte als Gastgeb immer noch in guten Verhältnissen und starb früh im Jahre 1623 oder Anfang 1624. offenbar ohne Söhne zu hinterlassen. Von seinen zwei, vielleicht drei Töchtern brachte die eine durch Heirat seinen Grundbesitz der Familie Hopfgartner zu, die - wahrscheinlich aus der Kleinsölk stammend - schon seit der Mitte des 16. Jahrhunderts die Schicksale des Marktes geteilt hatte. Das eigene Gut der Hopfgartner reichte aus, die Belastung der Übernahme durch die Auszahlung der Witwe Barbara, die Andre Zamberger heiratete, und der Schwestern auszugleichen und den Besitz noch zu vermehren.

Thoman kann aber nicht der einzige Sohn Paul Schröffls gewesen sein. Nach auch sonst belegter Gewohnheit hatte man mit der Verteilung des Besitzes auf die Volljährigkeit des jüngeren Sohnes gewartet und das reiche Erbe ermöglichte es, auch diesem, dessen Recht nach dem Gebrauch der Gegend ohnehin das bessere war, eine schöne Lebensgrundlage zu geben. In dem Hauser Zehentregister von 1602 -1606 erscheint als Wirt zu Tipschern und Besitzer des halben Hofes daselbst Wolf Schröffl. Da das vorhergehende Register (1588 -1601) nicht erhalten ist und früher ein anderer Wirt erscheint, ist der Zeitpunkt des Besitzantrittes nur aus einer Eingabe der kleineren Besitzer von Krottendorf und Tipschern zu erschließen, die im Jänner oder Februar 1598 bei dem Amtsverwalter in Haus über Mißbräuche bei der Zehenteinhebung durch die Inhaber der beiden Halbhöfe in Tipschern Klage führten und um die Erlaubnis zu direkter Abfuhr ihres Zehents baten. Da die Klage dabei noch gegen Christoph Merl als früheren Wirt gerichtet ist und Wolf Schröffl das erstemal in dem Schreiben genannt wird, mit dem der Grundherr der beiden Angegriffenen, Peter Christoph Praunfalk, am 3. März 1598 sie - erfolglos - zu decken suchte, so muß die Übernahme durch Wolf nach der Zehenteinnahme des Jahres 1597, also offensichtlich zugleich mit der Übernahme des Marktbesitzes durch Thoman Ende 1597 erfolgt sein. Aus diesem Zeitpunkt, den Vermögensvethältnissen und der noch zu besprechenden Übernahme des Zulehens in St. Nikolai durch Wolf ergibt sich auch, daß er ein Sohn Pauls gewesen sein muß. Dessen noch zu behandelnder jüngerer Bruder Wolfgang wird ihm als Pate den Namen gegeben haben, kommt aber nach Todesjahr und Besitznachfolge als sein Vater nicht in Betracht. Eine andere gleichnamige Familie von für den Ankauf der Taverne annähernd genügendem Vermögen gab es damals in der Landschaft nicht. Da Christoph Merl, der seit etwa 1580 Wirt gewesen war, nach einem Bericht des Hauser Amtsverwalters in dieser Sache nach Salzburg vom 25. April 1598 „von der tafern abgeferttigt worden“ war, handelte es sich aber um einen Verkauf, u. zw. wahrscheinlich wegen zu starker Belastung des Besitzes mit Schulden. Der Zeitpunkt eines Eingreifens der Grundherrschaft lag in solchen Fällen natürlich in ihrem Ermessen, was für weitere Schlüsse nicht unwesentlich sein wird. wenn die inneren Gründe dieses Ankaufs in Zu-samrnenhang mit den letzten bekannten Schicksalen des Pfarrers Martin Schröffel gedeutet werden sollen. Auch das eben erwähnte Eingreifen des Grundherrn zugunsten Wolfs in der Zehentsache bald nach dessen Besitzübernahme gehört vielleicht hiebet.

Der alte Hof Tipschern an der Kreuzung der Ennstalstraße und des schon erwähnten Saumweges von Aussee über den Sölker Tauern nach Baierdorf dürfte Salzburger Besitz gewesen und wohl noch im 13. Jahrhundert in zwei Hälften geteilt an Dienstleute weitergegeben worden sein. Schon vor dieser Teilung muß das einer gewöhnlichen bäuerlichen Habe entsprechende Schmiedgut abgetrennt worden sein. Der eine Halbhof wurde nochmals geteilt und aus dem etwas größeren Teil drei, später vier Kleingüter geschaffen. Diese Hälfte des alten Hofes kaufte das Stift Seckau im Jahre 1357 von den Steyrern von Turn, dazu im nächsten Jahr von denselben u. a. die Schwaige ober Tipschern, den heutigen Schwaigbauer, verkaufte jedoch diese Erwerbungen und einiges andere schon im Jahre 1376 an den Hallinger Otto den Almer weiter. Durch Stiftung aus seinem Nachlaß kam dieser und anderer Besitz nach einem Jahrzehnt an den Vikar von Traunkirchen für seine Filiale Aussee. Die Pfarre Aussee vertauschte wohl noch im 15. Jahrhundert eines der Kleingüter, den Meltner, der Kirche Gröbming und verkaufte etwa im Jahre 1530, also infolge der Quart, den kleineren „Halbhof“ - tatsächlich nicht einmal mehr ein Viertel des alten Hofes umfassend - und den Schwaigbauern an Christoph Praunfalk, Hallamtsverweser zu Aussee. Den ungeteilt gebliebenen Halbhof und das Schmiedgut erkaufte im Jahre 1491 Friedrich Hoffmann, damals schon Landpfleger zu Wolkenstein, aus Friesacher Bürgerbesitz. Mehrere solche Ankäufe verband er mit seiner nach Pfandbesitz erworbenen Herrschaft Neuhaus. Seine beiden Söhne, nach ihrer Teilung im Jahre 1534, der seinen Sitz in Neuhaus aufschlagende Andre und nach dessen Tod Hans Hoffmann, bauten den Besitz der ursprünglich sehr armen Herrschaft durch Zukäufe weiter aus. Während der „mayr“ auf dem Hof zu Tipschern bis 1491 Amtmann der kleinen Gült gewesen war, wurde diese später in ein größeres Amt der Herrschaft eingegliedert. Von den Söhnen Hans Hoffmanns erhielt der jüngste, Ferdinand, den größten Teil des Ennstaler Besitzes von der Wolkensteiner Gegend aufwärts mit Neuhaus als Herrschaftssitz und dazu die Pfandschaften außer der Herrschaft Sölk (Großsölk). Die Verwaltung leitete er jahrelang selbst von Neuhaus aus, vermehrte aber den Gültbesitz nicht. Als sich der Religionskampf in den späteren Jahren Erzherzog Karls zunehmend verschärfte und sich auch sein Bruder Hans Friedrich, der bisherige Führer in diesem Kampf, seit Ende 1581 von den Landtagen fernhielt und seit dem Dezemberlandtag 1583 von seinem gleichnamigen Sohn vertreten ließ, trat Ferdinand die Fürsorge für seinen steirischen Besitz an Hans Adam, den Sohn seines ältesten Bruders, ab und übersiedelte nach früherem kürzeren Aufenthalt in Prag im Herbst 1584 offenbar endgültig dorthin. Tätigkeit im kaiserlichen Dienst - später als Hofkammerpräsident - und Ankauf von Herrschaften in Böhmen und Mähren löste ihn immer mehr von der Steiermark. Dadurch wurde die wirtschaftliche Stellung der Hoffmann im Lande - auch Hans Friedrich war infolge des Kampfes für seinen Glauben in Schwierigkeiten gekommen - so sehr geschwächt, daß Christoph Praunfalk, ein Sohn des oben erwähnten Hallamtsverwesers, Ferdinand Hoffmann vor dem Landrecht wegen so hoher Schulden klagen konnte, daß seine Familie nach seinem Tod in den Besitz der Herrschaft Neuhaus kam. Die Ansprüche hatten sich wohl aus dem vieljährigen Dienstverhältnis des älteren Christoph und zweier Söhne zu den Hoffmann ergehen, das den Praunfalk die Erwerbung eigenen Gültbesitzes erschwert und sie mehr auf Pacht und Kapitalbesitz gewiesen hatte. Dann waren Schulden Ferdinand Hoffmanns seit seiner Übersiedlung nach Prag hinzugekommen. Wenn auch der „Landscherm“ erst am 12. März 1598 erteilt wurde, so ergriff Christophs Sohn, Peter Christoph Praunfalk. nach Ansatzurkunden vom April 1594 und Mai 1595 doch schon im Sommer oder Herbst dieses Jahres von der Herrschaft Neuhaus Besitz und hielt dort auch - von seiner Trauung in Judenburg mit seiner Frau am 10. November 1595 heimgekommen - am 11. und 12. November die feierliche „Heimführung“. Seit dem 30. Dezember verhandelte der Admonter Abt und sein Gstatter Propsteiverwalter mit Praunfalk als Herren von Neuhaus wegen einiger Schwierigkeiten, die sich aus einem von ihm noch mit Hans Adam Hoffmann im Frühling 1593 für seinen Oheim durchgeführten Besitztausch ergeben hatten. An Stelle der durch ihre enge Bindung an den Landesfürsten immer etwas gehemmten, zuletzt abgekämpften und auch im eigenen Lager angefeindeten Hoffmann, die am Neujahrstage 1594 ihre Kirchen und kirchlichen Rechte der Landschaft übergehen hatten, trat damit ein neuer Grundherr von entschieden evangelischer Haltung, der im Herbst 1597 auch das Amt eines landschaftlichen Kircheninspektors für das Ennstal neben Jakob von Stainach übernahm. Für Tipschern im besonderen bedeutete der Wechsel des Herrn zugleich die Vereinigung des alten Praunfalkischen Besitzes mit dem Neuhauser und damit die Bildung eines neuen Schwerpunktes, der später auch wieder als Amtmannssitz belegt ist. Warum der neue Grundherr die Familie Schröffl hei der Erwerbung des Wirtshauses und Hofes begünstigte, ja diese vielleicht überhaupt anregte, wird sich hei der Besprechung der Schicksale des Pfarrers Martin Schröffel ergeben.

Wirtshaus und Hof waren bald nach der Jahrhundertmitte schon einmal in die Hand eines Gröhminger Bürgers gekommen, der sie his etwa 1580 besessen hatte. Auch in den vorhergehenden Jahrzehnten hatte er in normalen Zeitabständen den Besitzer gewechselt, allerdings anscheinend nie durch Erbgang. Alle folgenden Wirte aber konnten sich nur wenige Jahre halten, in auffallendem, nur durch die Tüchtigkeit der Inhaber zu erklärenden Gegensatz zu den folgenden 21/2 Jahrhunderten, in denen die Schröffl auf dem Hofe saßen, auf die übrigens wieder einige Jahrzehnte mit oftmaligen Verkäufen folgten. Die Erwerbung für Wolf Schröffl war offenbar durch Verkauf verschiedenen Zulehensbesitzes seiner Eltern ermöglicht worden. Ans dem väterlichen Besitz übernahm er nur das kleine Gut zwischen den Stegen in St. Nikolai, das ja für das Wirtshaus an der Säumerstraße besonders günstig lag und dann auch wenigstens zwei Jahrhunderte mit ihm verbunden blieb, während er die zugehörige Almhälfte verkaufen mußte. Die Mühle und das andere Zulehen in Hofmanning wurde aufgegeben. Auch von dem Gereut und den Krautgärten Christines findet sich später keine Nachricht mehr. Den Zehent dagegen muß Thoman noch übernommen haben, da sich der Anteil des „halben Rottmayrhofes“ im Besitz des Blasi Muß findet, der also den Mitverkauf des zugehörigen Zehents verlangt hatte. Alles das muß neben einigem Kapital genügt haben, den ungefähr 8 dienenden Hof zu erwerben. Wenn zwei Rohrmoosstücke mit geringem Dienst unter dem Amt Hinterberg aus Christoph Merls Besitz nicht an Wolf Schröffl. sondern an seinen neuen Grundherrn übergingen, so geschah das wohl weniger wegen Ersparung der Kaufsumme als im Interesse des gelegenes Land für seine Eigenwirtschaft suchenden Grundherrn, der sich für sein Entgegenkommen so etwas entschädigt haben mag. Einmal im Besitz, scheint sich Schröffl schnell aufgearbeitet zu haben. Vielleicht versuchte er sogar wenige Jahre nach dem Ankauf des Wirtsanwesens die nun durch die Gemeinsamkeit der Grundherrschaft erleichterte Erwerbung des kleineren Halbhofes. Auch besaß er im Jahre 1633, wahrscheinlich als Neuerwerbung, die ihm die verlorene Alm in der Sölk ersetzen sollte, eine über 1 dienende Zulehenswiese unter den Stainach.

Über die nächsten Nachkommen Wolfgang Schröffls ermöglicht die schlechte Quellenlage nur wenige Schlüsse. Sein Besitznachfolger- seit ungefähr 1640 (in den Hauser Zehentregistern zu spät richtiggestellt) war Balthasar Schröffl, seit den Jahren um 1665 Virgii Schröffl. Dieser war hei seinem Tod am 2. Februar 1712 84 Jahre alt, also im Jahre 1627 oder Anfang 1628 geboren. Etwa 1655 hatte er den kleineren Halbhof - heute Schaup, damals auch Quirianhof genannt - erworben. Balthasar ist als ein nach dem Namen wahrscheinlich noch vor der Reformierung Gröbmings geborener Sohn Wolfs zu betrachten. Virgil ist dann ein Sohn des noch nicht unabhängig gewordenen Balthasar - auch Virgils Sohn Martin heiratete fast eineinhalb Jahrzehnte, bevor er den Grund übernahm -, der sich bald selbständig machte. Nachträglich ermöglichte etwa der Tod eines jüngeren Bruders die Verbindung der beiden Halbhöfe, wobei allerdings der Zulehensbesitz unter den Stainach oder Putterer verlorenging.

Von Virgil Schröffl und seinem Sohn Martin, der die vereinigten Höfe von 1707 his 1740 besaß, ist schon ein besseres Bild zu gewinnen. Die Tipscherner Taverne steht nach dem für einige Jahre belegten Weinverbrauch mit zwei oder drei anderen Wirtshäusern weit vor den übrigen in der Pfarre. Reichlicher Kapitalbesitz bei Martins Tod z. B. über 1000 fl. ohne die Schulden innerhalb der Familie - ermöglichte gute Ausstattung der Töchter und ausgiebige „väterliche Hilfe“ bei der Existenzgründung vom Besitz weichender Söhne. Beides spielt in einem recht weiten örtlichen Kreise (Gröbming, Zauchen, Irdning. Wörschach, Liezen, Rottenmann, Goisern). Wirte, Handelsleute und Mauteinnehmer zeigen den Lebenskreis. Der Handelsverkehr des Wirtes von Tipschern selbst umfaßt für Getreide und Wein vor allem die nähere Umgebung und den Mitterberg, gelegentlich auch Hinterberg. Dagegen geht der Salzhandel bis Gröbming und Gatschberg. Noch weiter. über die ganze damalige Gröbminger Pfarre, sichtlich auch mit dein Saumverkehr zusammenhängend, reichen die Geldentlehnungen, Zechschulden und Guthaben aus dem Kleinhandel, vielfach nach dem „Handbuch“ von Knechten. Zugleich wird aber die bedeutende Belastung des Übernehmers durch die anderen Erben deutlich, die nur durch die rege Wirtschaft erträglich wird. So kann der Hofinhaber etwa verlorene Zulehen wieder ersetzen. Auch die mehrfachen Ehen (Virgil zweimal, Martin dreimal) gefährden die Erhaltung des Besitzes. Nach dem Tode Martins ging das Anwesen bei Unmündigkeit der Kinder dritter Ehe - die zweite war kinderlos und die aus der ersten Ehe waren längst versorgt - auf den Stiefvater Hans Schaunitzer über und erst nach 14 Jahren gelang dem ältesten Sohn der dritten Ehe, Anton Schröffl, die Rückerwerbung.

Der recht weit verbreiteten Nachkommenschaft der weichenden Söhne` kann hier nicht nachgegangen werden. Für das 17. Jahrhundert fehlen dafür ohnehin die Quellen. Daher kann auch die Taufnamengebung nicht verfolgt werden. Der mit der Gegenreformation eingetretene Bruch - nur Balthasar ist hier noch evangelisch zu deuten - scheint die Taufnamentradition der Familie abgerissen zu haben. Das späte Wiederauftauchen der Namen Martin - noch dazu in der Nähe einer Martinskirche - und Paul kann Zufall sein. Das Erliegen des Saumverkehrs wirkte sich in der Stellung des Tipscherner Wirtshauses stark aus. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ist eine zunehmende Verengung des Lebenskreises zu verspüren. Als dann im Jahre 1848 auch die zusammenhaltende Kraft der Grundherrschaft wegfiel, verstärkte sich das Abbröckeln von Besitz. Zulehen gingen verloren, der Schaup wurde selbständig und die alten Kleingüter vergrößerten sich nach Erbgängen und Übergaben aller Art mit vorbehaltenen oder verkauften Stücken. Diese zuletzt angedeutete Entwicklung vollzog sich aber zum größten Teil schon unter den Besitznachfolgern der Schröffl, die das Anwesen im Jahre 1857 verkauft hatten.

Der offenbar zweite Sohn Thoman Schröffls in Gatschberg, Niklas, blieb daheim und bewirtschaftete wohl schon früh für den Vater das zum ursprünglichen Besitz hinzuerworbene Hainzlgut im Gang. Nach dem Tod oder durch Übergabe seines Vaters muß er dieses übernommen haben, da er nach 1576 als Niclas Hainzler neben dem, wie die meisten Bauern, nicht näher bezeichneten Schröfl genannt ist. Daß er ein Sohn Thomans sein muß, geht aus der Besitzübernahme und daraus hervor, daß er - nach seinem Tode - bei dem unten zu besprechenden Ankauf des Schröffllehens für seine Enkel Niclas Schröfl genannt wird. Er muß verhältnismäßig früh gestorben sein, weil schon für 1578 und in den folgenden Jahren Hans im Gang in Musterungslisten als Inhaber des Gutes belegt ist, als junger Mann in den Jahren 1580 und 1581 auch für den 10. Mann ausgewählt wurde. Wenn in den Jahren 1597 und 1622 Niel im Gang in einem Admonter Zehentregister bzw. einem Wolkensteiner Urbar wegen des Richtergetreides genannt ist, so ist das sicher nur der weitergeschleppte Name des Sohnes Thomans, wie dies ja besonders in solchen, aus anderen abliegenden Herrschaften stammenden Registern häufig vorkommt. Wenn man einen neuen Besitzer dieses Namens anehmen wollte, wäre auch der Generationenwechsel zu rasch. Der nächste Besitzer ist nur durch seinen damals noch nicht so häufigen Namen Josef, den seines Oheims, an die Familie anzuschließen. Doch ist die Verbindung durch die dauernde Wiederholung der bisher in der Familie Niklas Schröffls üblichen Taufnamen Hans, Thoman, Nikolaus und Adam sehr wahrscheinlich gemacht.

Von Josef an ist durch Grund- und Urkundenbücher, besonders durch Inventare, belegt, daß dieser Zweig der Schröffl - unter dem vom Gehöft übernommenen Namen Hainzl - his 1757 auf ihm blieb, auf dem von Niklas, dem ältesten Bruder des letzten Inhabers, erheirateten Kohlgrubergütl auf der hintersten Gatschberger Terrasse (mit einer kurzen Unterbrechung) sogar bis zum Jahre 1827.

Ein wohl älterer Sohn Niklas Schröffls, Josef Hainzl, muß schon vor dem Vater gestorben sein, weil seine Kinder Adam, Eva und Agnes direkt von ihrem Großvater erben, und kann nicht selbständig geworden sein, weil er den Hausnamen des väterlichen Gutes als Familiennamen trägt. Daß seine Frau Gertraud eine Tochter des Niklas und er nur sein Schwiegersohn war, ist unmöglich, weil Gertraud kein Erbrecht nach Niklas hatte. Dessen Besitz, das Hainzlgut im Gang, übernahm nach dem Tode des Vaters natürlich der überlebende Sohn - es könnte freilich auch ein Schwiegersohn gewesen sein - Hans.

Für die drei Kinder Josefs aber wurde im Jahre 1585 während ihrer Minderjährigkeit der Stammsitz, das Schröffllehen, zurückgekauft, das inzwischen durch Tausch aus der Familie gekommen war. Gerade dieser Kauf wird der Anlaß zur Wiederverheiratung der Witwe mit Christan Milebner gewesen sein, wahrscheinlicher als umgekehrt. Da ihr aber die Schröfflhube von den Vormündern auf Lebenszeit in Bestand gegeben wurde, ging sie für die Schröffl schließlich doch wieder verloren. Denn Adam - in demselben Inventar hald nach dem Besitz seines Großvaters Hainzl; bald nach dem zurückgekauften Stammgut Schröffl genannt - erwarb inzwischen Besitz unter der Propstei Gstatt im Gebiet von Öblarn. Zuerst dürfte er das Knotzengut in Sonnherg erlangt, wohl erheiratet haben. Falls das schon vor dem Jahre 1599 geschah, war er der Knotz zu Öblarn. der neben anderen Ende Jänner 1599 dem Pfarrer Martin Schröffel - also seinem Großoheim - gegen die Reformationskommission zu Hilfe eilte und neben zwölf anderen dem Abte gemeldet wurde. Die in einem Schreiben des Propsteiverwalters an den Abt vom 27. Juli 1600 erwähnte Supplikation „des Schröffl“ kann sich dann nur auf diesen Adam beziehen und muß in Zusammenhang mit den Vorgängen stehen. Am 24. Juni 1610 kaufte Adam die Grasserhube in Öblarn. Auf diese übertrug die Familie den Namen Schröffl und saß auf ihr zumindest bis in das spätere 17. Jahrhundert, vielleicht sogar bis 1879. in welchem Jahr die Hube durch Wiederverheiratung einer Witwe in andere Hand kam.

Die zweimalige Anführung von Stuhlzinsen der Gatschberger Schröffl in den Gröbminger Kirchenrechnungen - 1591 „Cristan Schröffl“ (Milebner), 1595 „Niklas Schröflin“ (Milebners Frau nach dem Schwiegervater benannt) - beweist nicht nur Wohlhabenheit, sondern auch Einverständnis mit der religiösen Ausrichtung des Pfarrers. Im Jahre 1617 ging das Schröffllehen nach dem Tode der Mutter durch Kauf von Adam und seinen Schwestern in die Hand des Stiefvaters und bisherigen tatsächlichen Bestandinhabers Christan Milebner und nach seinem Tod im Jahre 1619 durch Vergleich mit dessen beiden Töchtern in die seines Sohnes Hans Milebner über, später nach dem Besitz meist Schröffl genannt, des Stiefbruders Adams. Da er keine Söhne hatte, folgte ihm sein Enkel Georg Meßner, der auf dem Besitz gearbeitet hatte, und zu Anfang des 18. Jahrhunderts kam der Stammbesitz der Gatschberger Schröffl überhaupt in fremde Hand.

Wolfgang Schröffl als wohl dritter Sohn Thomans hatte offenbar schon zu Lebzeiten seines Vaters die Grießerhube, eines der beiden unter der Pfarre Pürgg stehenden Kleingüter über Vordergatschberg erworben, wahrscheinlich erheiratet. Von seinem Vater übernahm er dann die Schröfflhube, vertauschte sie aber im Jahre 1579 gegen das ungefähr gleichwertige - der Dienst ist um 13 höher - Gut in Weyern im hintersten Gröbmingwinkel, später meist Göttfriedlehen genannt“. Dieser Tausch erklärt sich aber nur daraus, daß Schröffl etwa zwei Jahre vorher den großen Zehenthof in Gröbmingwinkel - Dienst gegen 8 - erworben hatte, von dem Gut in Weyern kaum eine halbe Stunde entfernt, während es nach Gatschberg etwa zwei Stunden gewesen waren. Eine so große Erwerbung hatte ihm wohl nur durch eine zweite Heirat glücken können, wenn er auch dafür nachträglich im Jahre 1578 die kleine Grießerhube abgestoßen hatte. Der Gedanke liegt nahe, daß Wolfgang die Vermittlung dieses außerordentlichen Besitzzuwachses bei der bäuerlichen Familie und hei dem Amtsverwalter seinem jüngeren Bruder zu danken hatte. den ja seine Brüder bei der Erlangung der Pfarre unterstützt hatten und dessen Beliebtheit bei seinen Pfarrkindern später vielfach belegt ist.

Nach seinem Tode, wahrscheinlich im Jahre 1595, erscheint auf der Hube - hier im Stifturbar ausdrücklich „per haered.“ - wie auf dem Hof sein Sohn Ruep, wohl aus seiner ersten Ehe, da er sonst noch nicht mündig gewesen wäre, auch weil er schon im Jahre 1603 starb. Dazu weist sein Name auf die Familie Grießer, bei der er in der Anlage von 1542, freilich bereits auf dem Gabelberg, belegt ist. Er hatte wahrscheinlich schon seit der Erwerbung des Zehenthofes das andere Gut für den Vater bewirtschaftet. Bereits im Jahre 1596 bezahlte er Stuhlzins, auch hier ein Zeichen guter wirtschaftlicher Lage, aber auch religiösen Einverständnisses. Ruep Schröffl verkaufte nun am 5. Februar 1601 den Zehenthof an Christian Schießl und um dieselbe Zeit das Gut in Weyern an den seit 1589 mit seiner Schwester Barbara verheirateten Hans Seepacher. Schießl gab dafür den seit dem Jahre 1593 ihm gehörigen, näher an Gröbming gelegenen Mitterhof, einen auch sehr großen, aber an den Zehenthof nicht ganz heranreichenden Hof. Den Rest der übrig bleibenden Kaufsumme - 100 fl. - erlegte er erst im Jahre nach dem Tode Rueps den Vormündern der Kinder, während Seepacher schon im Jahre 1602 gezahlt hatte.

Mit der Abrede dieser Käufe und Verkäufe kommt man wieder in das Jahr 1600, also in die Zeit unmittelbar nach der Reformierung Gröbmings. Ein Zusammenhang liegt daher auch hier nahe und wird sehr wahrscheinlich durch den Wechsel der Grundherrschaft. Schröffl entzog sich mit diesem Besitzwechsel seiner bisherigen; jetzt der Gegenreformation verfallenen Grundherrschaft Haus und gewann eineu evangelisch gesinnten Herrn. Zur Zeit der Erwerbung beider unter Haus stehenden Gehöfte durch seinen Vater war noch der Lutheraner Christoph Putterer Amtsverwalter von Haus gewesen“ und die Protestanten hatten ihre Kirche überhaupt gesichert geglaubt. Der Mitterhof aber war der alte Mittelpunkt der nicht unbedeutenden Gült, zuletzt 42 1/2, zu welcher die Söll von Aichberg die von der Frau Erasmus Sölls ererbten Salzburger Lehen ihrer Familie, des Salzburger Rittergeschlechtes der Truchseß, ausgebaut hatten. Erasmus und sein Sohn Hans waren - wie einst die Hoffmann - Mautner zu Rottenmann und betrieben auch Hammerwerke. Wie diese Stadt, waren auch sie evangelisch gesinnt. Ein Mitglied der Familie war noch im Jahre 1591 in Jena immatrikuliert worden.

Die Frau des Haus Söll, Ursula - zur Zeit des Kaufes schon Witwe und als Vormünderin Grundherrin -, stammte aus einem entschieden evangelischen Rottenmanner Bürgergeschlecht. Sie wanderte als Witwe nach längeren Verschiebungen mit Zahlung des 10. Pfennigs aus, versuchte dann aber ohne Religionsänderung zurückzukehren, um die schlimmsten wirtschaftlichen Folgen der Ausweisung gutzumachen. Ihre Bitte um Erlaubnis dazu wurde ihr aber trotz der Berufung auf die Verdienste ihres verstorbenen Gatten und seiner Voreltern im Jahre 1607 abgeschlagen, weil sie in Religionssachen „sehr ergerlich und halsstärrig“ gewesen, „auch khain hoffnung ires bekherens vorhanden“ sei. Diese zeitlich vorausgreifenden Zeugnisse belegen, daß Schröffl zu der religiösen Haltung seiner neuen Grundherrschaft Vertrauen haben konnte. Wegen der angreifbaren Stellung seiner neuen Herren hatte sich übrigens Schröffl finit dem Wechsel zunächst etwas verrechnet, bei dem er freilich - besonders für einen so großen Besitz und dem wenigen weltlichen Besitz in der Gegend - geringe Auswahl gehabt hatte. Als sich nämlich Ursula Söll nicht mehr im Lande halten konnte, versetzte sie als Vormünderin ihrer Kinder die Gült ihres Sohnes Hans Adam am 12. Mai 1603 auf zehn Jahre an den Amtsverwalter von Haus, Oswald Schweitzer, einen der Träger der Gegenreformation im oberen Ennstal, sicher nur, weil von evangelischer Seite unter den gegebenen Umständen kein Geld zu erhalten war.

Als nun Ruep Schröffl wenig über 50 Jahre alt starb, ließ der Pfandherr die Inventur der Fahrhabe am 4. August 1603 durch den ihm als Hauser Amtsverwalter untergebenen Amtmann und andere Hauser Untertanen vornehmen. Aus dem recht flüchtigen, die Erben und die Urkunden nicht aufzählenden Inventar ist immerhin zu erkennen, daß Ruep die Schwierigkeiten der Übernahme, die Auszahlung der Witwe und der Geschwister und wahrscheinlich auch Schädigungen durch die Reformierung Gröbmings, noch nicht überwunden hatte. Auf dem Hof arbeitete auch sein wohl noch junger Bruder Jakob gegen den Lohn eines minderen Knechtes, hatte aber auch 250 fl., offenbar seinen Erbanteil, auf dem Hof stehen. Ebenso hatte die Witwe 200 fl., also auch eine recht hohe Summe, vielleicht sogar nur einen Restbetrag, zu erhalten, was der Annahme entspricht, daß sie die Erbtochter oder Witwe des vorigen Zehentmayers gewesen war, als Wolfgang Schröffl diesen Hof erwarb. Die übrigen Schulden sind, außer der an die Grundherrin, gering, entsprechen dem laufenden Verkehr und machen außer den Lohnforderungen der elf Dienstboten nicht annähernd die Hälfte der entsprechenden Guthaben aus, wenn mau den schon erwähnten Kaufschillingsrest nicht einrechnet, den die Erben noch von dem neuen Zehentmayer zu fordern hatten. Eine Schuld von 400 fl. an die Frau Söll kann nur aus der Übernahme des Hofes erklärt werden. Für die Anleit, die dann ja auch gestundet wäre, ist der Betrag viel zu hoch. Für den Hauptteil bleibt nur die Erklärung als eine noch dazu in solcher Höhe ungewöhnliche Unterstützung eines neuen Untertanen durch Grundherrschaft. Diese aber wäre nur aus dem Wunsch zu erklären, einen streng evangelischen Untertanen auf den wichtigsten Hof zu erhalten, vielleicht trotz der eigenen Sorgen auch um einem bei der Reformierung Gröbmings Geschädigten aufzuhelfen.

Der Tod Rueps vor der Wiedererlangung des wirtschaftlichen Gleichgewichts war offenbar ein schwerer Schlag für die Familie. Der Hof ging für lange Zeit in die Hand des Stiefvaters der Erben, Adam Eder, über. Anscheinend erst 1645. nach dem Tode der Mutter, konnte ein Sohn Rueps, Adam Schröffl, den Hof zurückerwerben und seine vielleicht älteren Brüder Martin und Haus abfertigen. Inzwischen hatte Hans Adam Söll von und zu Aichberg die Gült zurückgelöst und der Mitterhof damit wieder eine religiös wohlwollende Grundherrschaft erhalten. Als die ganze Gült im Jahre 1636 an Georg Welser verkauft wurde, womit sie in den Verband der kleinen Herrschaft Gumpenstein kam, war der Glaubenskampf ohnehin schon auf das Streben nach innerer Bewahrung bei äußerer Verschleierung verschoben worden. Etwa 1670 wurde Adam Schröffl - unbekannt, auf welche Weise - von Adam Perner abgelöst, von dem der Mitterhof um 1685 durch Heirat an die Familie Seepacher überging.

Für die Zuordnung des vierten Sohnes Thomans, den Pfarrer Martin Schröffel, versagen wegen seines geistlichen Berufes die Anhaltspunkte aus der Besitznachfolge und der Namensgebung. Für seine Söhne wählte er alttestamentarische Name. Nur zwei Großneffen aus der Gröbminger bürgerlichen und bäuerlichen Familie gab er wohl als Pate seinen eigenen Namen. Da er jedoch nach seinem hohen, aber noch nicht hinfälligen Alter bei seiner Vertreibung im Jahre 1599 gegen 1530 geboren sein muß, paßt er im seinem Alter gut zu den älteren Brüdern und seine Zugehörigkeit zur Familie Thomans ist eindeutig durch eines der warmen Befürwortungsschreiben der Zechpröpste für seine Bewerbung um die Pfarre Gröbming au den Bischof von Chiemsee belegt. Am 9. April 1565 baten sie diesen „sambt der gantzen gemain, auch zuvoran die nagste freundtschafft herrn Martin Schröffls“, er möchte sich ihn befohlen sein lassen und eine andere Familie - das heißt Freundschaft - dieses Namens gab es damals im Pfarrsprengel nicht.

Auf seine Vorgeschichte und Tätigkeit in Gröbming kann hier Raummangels wegen nicht eingegangen werden. Im ganzen ergibt sieh das Bild eines temperamentvollen, wohl nicht in der Theologie aufgehenden, aber dafür fest im Leben stehenden Mannes. Seine religiöse Haltung ist eindeutig die der Augsburger Konfession, wenigstens sobald er keine besondere Zurückhaltung mehr nötig hatte, wie ja sein Name vielleicht schon lutherische Neigungen in seinem Elternhaus vermuten läßt. Mit dem Adel stand er nicht immer gut, wie er ihm auch den Besitz der Pfarre nicht zu danken hatte. Mit seinen engeren Pfarrkindern aber muß er gut umzugehen verstanden haben. Besonders bei der Abwehr der Gegenreformation im Jänner 1599 ist neben der Verteidigung des Glaubens eine persönliche Liebe der Bauern für ihren alten Pfarrer unverkennbar. In seinem ganzen Wesen zeigt sieh die Abstammung von einer tüchtigen Bauernfamilie, nicht zuletzt in Freude und Fähigkeit zu Landwirtschaft und Besitzerwerb.

Nachdem er den Pfarrbesitz gefestigt hatte. konnte er schon etwa 1586/1587 für sieh eine Mühle in Aussee erwerben und schließlich erleichterten seine wirtschaftlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten die Vorbereitung einer SeelsorgesteIle, durch die das evangelische Pfarrvolk über die erwartete schwere Zeit nach dem wahrscheinlichen Verlust der Pfarre Gröbming hinübergerettet werden sollte. Nachdem die Landschaft ihre letzte Karte, die Erbhuldigung, Ende 1596 ohne Gegenleistung aus der Hand gegeben hatte, zeigte bereits im nächsten Jahr besonders im Ennstal die beginnende Tätigkeit einer landesfürstlichen Reformierungskommission deutlich genug, was man zu erwarten hatte. Die Landschaft hatte sich schon während der Vormundschaftsregierung streng auf den Rechtsstandpunkt gestellt, auch wo er für ihren Glauben ungünstig war. Seitdem Ferdinand Hoffmann mit der Herrschaft Wolkenstein die Vogtei verloren hatte, war also die Pfarre Gröbming einem ernsten Angriff gegenüber nicht mehr zu halten. Wenn sich der evangelische Adel in diesen Jahren überhaupt darauf eingestellt hatte, bei einigermaßen unklarer Rechtslage die „Steinhaufen“, d. h. die altem Kirchen, fahren zu lassen und nur die Möglichkeit des Gottesdienstes und der Seelsorge auf seinem eigenen Rechtsboden in der erwarteten Prüfungszeit zu retten, dann kann man es Peter Christoph Praunfalk wohl zutrauen, daß er einen Ersatz für die Pfarre Gröbming vorzubereiten trachtete.

Als Schutzherr der landschaftlichen, von Ferdinand Hoffmann übernommenem evangelischen Kirchen St. Jakob in der Au und Neuhaus mußte er auf die günstige Lage Tipscherns aufmerksam werden. Diese beidem Landschaftskirchen hielt man als evangelische Neugründungen für unangreifbar. Eine genau in der Mitte zwischen ihnen eingerichtete Seelsorgestelle konnte nun Gröbming ebensogut versorgen wie Sankt Jakob in der Au schon seit 1 1/2 Jahrzehnten die Evangelischen in der Pfarre Haus. Aber auch Öblarn und Mitterndorf konnte man von hier aus dienen, wenn alle alten Pfarren verlorengegangen wären. Die schon erwähnte Verkehrskreuzung machte den Platz in religiös unsicheren Zeiten besonders wertvoll. Dazu bildete er jetzt einen gewissen Schwerpunkt in Praunfalks eigener Grundherrschaft. wie oben belegt, hatte Wolf Schröffl gegen Ende 1597 die alte Taverne Tipschern mit dem zugehörigen Halbhof wohl mit Begünstigung durch die Grundherrschaft erworben. Um dieselbe Zeit ist nun wahrscheinlich der Ankauf des Schwaighauernhofes dicht darüber durch Martin Schröffel anzusetzen. Die durch die ungünstige Quellenlage gegebene Zeitspanne vom 1584, wohl 1587 bis 1598 für den Erwerb ist aus äußeren Gründen - anderweitige Belastung des Pfarrers - auf die letzten Jahre einzuschränken. Innerhalb dieser aber ist nach der allgemeinen Entwicklung nur die zweite Hälfte 1597, wahrscheinlich also wieder das Ende dieses Jahres anzunehmen. Vielleicht hatte Martin Schröffel die Ausseer Mühle verkauft, um die Hube kaufen zu können. Unter der Grundherrschaft Praunfalks mochte er sich sicherer fühlen als in dem landesfürstlichen Markt. Natürlich dachte er die Hube auch als Versorgung eines Sohnes. Auch ihm selbst mag die Erwerbung eines großen Bauernbesitzes ein Lebensziel gewesen sein.

Daß es sich aber darüber hinaus bei dem Ankauf des Schwaigbauern wie der Taverne um die Grundlagen für eine bescheidene Seelsorgestelle handelte, geht aus Wandmalereien hervor, die sich im ersten Stockwerk des Wirtshauses - freilich um 1900 schlecht übermalt - erhalten haben. Im Obergeschoß des wohl gegen 1540 gebauten Hauses sind die Wände eines geräumigen Eckzimmers an der Straßenseite mit Bildern der Josefsgeschichte bedeckt, die trotz der Übermalung ihre Herkunft aus dem Ende des 16. Jahrhunderts erkennen lassen. Gegenstand und Durchführung der Darstellung - auf katholischer Seite völlig unmöglich - weisen deutlich auf die Vorstellungen der in ihrem Glauben bedrohten steirischen Protestanten in diesen Jahren. Auf der Suche nach einem Symbol für ihre Hoffnungen konnten sie wohl kaum etwas Besseres finden als den Aufstieg des von seinen Brüdern in die Sklaverei verkauften Lieblingssohnes des Patriarchen durch innere Kraft zur höchsten Stellung unter dem König. Sie waren ja fest überzeugt, daß alle Not nur eine Prüfung sei, eine Wolke, nach deren Vorüberziehen ihnen die Sonne des Evangeliums wieder scheinen werde. Ein Sieg des Geistes, eine innere Gewinnung des angestammten Landesfürsten durch ihre Glaubenswahrheit aber mußte den steirischen Adeligen als die gegebene Form des Umschwungs erscheinen, auf den sie ihr festes Gottvertrauen sicher hoffen ließ. Praunfalk hatte also wohl mit Hilfe des ersten besten Malers einen bescheidenen gottesdienstlichen Raum mit in der Verfolgungszeit hoffnunggebenden Sinnbildern ausgestattet, der von dem künftigen Wohnsitz des Seelsorgers nur wenige Minuten entfernt war. Wie stark durch Anregungen oder in der Durchführung der Pfarrer selbst beteiligt war, kann nicht belegt sein. Nach der Gesamtlage und bei dem offenbar guten Einverständnis zwischen Pfarrer und Grundherrn ist jedoch eine Zusammenarbeit beider bestimmt anzunehmen. Dieser Deutung der Vorbereitungen entspricht das belegte Verhalten Martin Schröffels beim Herannahen der Gefahr. Schon im Dezember 1598 hatte er sein Getreide „und anderes“, wohl besonders das Vieh, aus dem Pfarrhof auf seine Hube geflüchtet. Als dann im Spätherbst des folgenden Jahres der mit stärkster Waffengewalt heranrückenden Kommission gegenüber ein Widerstand der Bauern in Gröbming aussichtslos schien, zog sich Schröffel von vornherein auf sein Bauerngut zurück, flüchtete aber den wertvolleren und leichter beweglichen Teil seiner Habe in das Schloß Neuhaus, womit auch die enge Verbindung zu Praunfalk deutlich wird. Daß er aber selbst auf der Hube blieb, an der die von Aussee kommende Kommission vorbeiziehen mußte, und „etliche seine vermainte Sakrament“ in einem kleinen Kelch bei sich hatte, zeigt deutlich genug, daß er sich bereits auf die Seelsorge an der neuen Stelle eingerichtet hatte. Sonst hätte er den Kelch ebenfalls nach Neuhaus gebracht und hätte sich auch selbst der Gefahr nicht ausgesetzt, die ihm aus dem landesfürstlichen Befehl bekannt sein mußte, den er im Jänner entgegengenommen hatte. Die Zurücklassung des Kelches zeigt aber, daß er der zu seiner Festnahme in der Nacht vorausgeschickten Streife erst im letzten Augenblick entronnen sein muß.

Über Martin Schröffels weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Ein Brief seines wohl älteren Sohnes David aus Rottenmann an seinen Bruder Abraham vom 11. Juli 1600 erwähnt nichts von seinem Aufenthalt. Damals muß er das Land schon verlassen gehabt haben. Seine Sachen lagen noch in Neuhaus. Auch von seiner Frau - geheiratet hatte er schon um 1563, offenbar noch in Mürzzuschlag - und seiner Tochter („Gretl“), die damals noch in der Gröbminger Gegend waren, ist später nichts mehr belegt.

Die geplünderte Hube - das Vieh hatten die Soldaten genommen, das Getreide hatte man dem neuen Pfarrer überlassen - scheint man nicht eingezogen, sondern Abraham Schröffel als Besitzer anerkannt zu haben, aber unter grundsätzlicher Beschlagnahme aller Fahrhabe. Indem man von ihm 200 Taler für das ungedroschene Getreide verlangte, machte man ihm die Behauptung der allen Inventars entblößten Hube unmöglich. Schon nach dem erwähnten Brief scheint er nicht mehr angesessen, wenn auch die Formulierung nicht eindeutig ist. Später wanderte er ennstalabwärts in das der Gegenreformation noch nicht verfallene Nachbarland aus, ohne die Verbindung mit der Heimat ganz aufzugeben: Noch am 9. Februar 1617 zahlte er im Namen Christoph Andre Praunfalks zu Neuhaus dem Hauser Amtsverwalter 100 fl an einer Schuld aus.

Durch zwei Grazer Exulanten warb er am 9. Jänner 1604 bei dem Rat von Steyr um die Tochter des verstorbenen Eisenhändlers Thoman Mann. Mit der am 3. Februar abgeschlossenen Heirat, die ihn in den Kreis der Steyrer Ratsbürger brachte, wandte sich sein Schicksal in andere Bahnen. Als er sich in seiner neuen Heimat zum zweitenmal einer Religionsreformierung gegenübersah, trat er wie sein älterer Schwager Cosmas - der jüngere war Prädikant geworden - rechtzeitig auf die katholische Seite über und gehörte damit diesmal zum Kreise der Nutznießer der Gegenreformation. Seine Familie wuchs - geadelt und in den Freiherrnstand erhoben - aus dem Eisen- und Beamtenadel in den niederösterreichischen und mährischen landständischen Adel hinein.

Durch einen Stammbaum dieses Zweiges ist auch Christoph Schröffel als Sohn Martins belegt, der während der Gegenreformation als Soldat an der Grenze stand und dort zu Schaden kam, wie sich auch die beiden anderen Brüder nach dem Verlassen des Landes gelegentlich kriegerisch betätigt zu haben scheinen.

David Schröffel war Bürger zu Rottenmann geworden. Er fügte sich - als Prädikantensohn besonders scharf angefaßt - der Reformierung, wurde darauf sogar in den Rat gesetzt und auch sonst nicht schlecht behandelt. Er hatte sich jedoch nur dem stärksten Anlaufe gefügt und wird später, vielleicht unter dem Einfluß der beginnenden Kriegswirren, seine wahre Meinung wieder offener gezeigt haben. Jedenfalls muß er Rottenmann verlassen und sich in die widerspenstigste Gegend, nach Schladming, zurückgezogen haben. Wegen dort im Zusammenhang mit der im Schwunge gehenden Ketzerei „verubter unthatten“ wurde er im August 1622 vor die Regierung zitiert. Er wird kaum erschienen sein, kann sielt aber darauf schwerlich noch im Lande gehalten haben.

War also der Pfarrer verraten worden, wie er ja schon seit langer Zeit beobachtet worden war, so war dem Gegner der gottesdienstliche Raum in der Taverne offenbar verborgen geblieben. Die Fenster in den unteren und oberen Zimmern wurden zwar von den Soldaten der Kommission im Vorbeiziehen eingeschlagen, jedoch wohl nur aus Bosheit gegen den Grundherrn. Der Wirt und Neffe des Pfarrers aber, Wolf Schröffl, wurde von allen Verfolgungen der kommenden Monate offenbar nicht mehr betroffen als andere Untertanen. Nun, da sich die Reformationskommission nicht um die hergebrachten Rechtsverhältnisse gekümmert hatte und die Hoffnungen auf eine öffentliche, wenn auch bescheidene Religionsübung gescheitert waren, hielt sich der an der Planung beteiligt gewesene Wolf Schröffl anscheinend völlig zurück, wie übrigens auch die Praunfalk selbst. Bewahrte er damit seinen Besitz und seine wirtschaftliche Stellung, so rächte sich die allzu vorsichtige Zurückhaltung schließlich an dem vertretenen Glauben. Wolfs Enkel Virgili Schröffl trat, freilich erst mit 69 Jahren - kaum mehr zur Verschleierung seiner wahrest Stellung - im Jahre 1696 der Fronleichnams-bruderschaft bei. Ihm folgten später darin sein Sohn Martin und einige andere Familienmitglieder. Virgili selbst stiftete in seinem bereits erwähnten Testament auch 100 fl. für die Kirche Gröbming. So war der evangelische Glaube in diesem Zweig des an der Reformation in der Gröbminger Pfarre so sehr beteiligten Bauerngeschlechtes schon in der dritten Generation nach der Durchführung der Gegenreformation erloschen. Inzwischen war aber auch die Kenntnis von der Bedeutung des Raumes und seiner Ausschmückung verlorengegangen. So wurde das bescheidene Denkmal durch bäuerliche Abneigung gegen Änderungen an Übernommenem durch Jahrhunderte bewahrt und kann uns heute noch Zeugnis geben von einem Denken, Hoffen und Glauben, das - von der geschichtlichen Entwicklung überrollt - auch unserem Wissen zu entgleiten droht, zugleich aber auch von dem Kampf bodengebundener Menschen um die Behauptung ihres Glaubens in schwerer Zeit.


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