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Gewerken aus Steyr

Entnommen aus: Die Gewerken im Bannkreise des Steirischen Erzberges
Von Dr. Anton Reichsritter v. Pantz.
Mit 17 Bild- und 10 Stammtafeln, 77 Textabbildungen und 49 Stammbäumen im Text.
Buchdruckerei Carl Gerold’s Sohn in Wien, 1918


Schröffl v. Mannsperg.

Gottlieb Schröffl war Mitte des 17. Jahrhunderts der einflußreichste Mann beim Innerberger Eisenwesen und in seiner Vaterstadt Steyr. Diese hervorragende Stellung verdankte er nicht nur seinen persönlichen Fähigkeiten, sondern nicht zum geringsten den verwandtschaftlichen Beziehungen zu jenen Familien, die nach der Gegenreformation in Steyr empor kamen: seine Mutter war die Schwester des langjährigen Obervorgehers bei der Hauptgewerkschaft und Bürgermeisters von Steyr, Cosman Mann v. Mannsperg, sein Schwager war Maximilian v. Luckner, Bürgermeister und Handelsherr zu Steyr, dessen Schwester wieder Georg v. Mittermayer, den bedeutendsten Großhändler jener Zeit, zum Manne hatte.

Der erste, welcher aus dem Geschlechte zu Einfluß gelangte, war Abraham Schröffl, nach einer im Archive des Schlosses Rožinka in Mähren befindlichen Stammtafel, der Sohn eines gewissen Martin Schröffl, der mit seiner Frau Anna, außer dem Abraham, noch zwei Söhne namens David und Christoph hatte, die in Ungarn in Kriegsdiensten standen.

Gottlieb Schröffl wurde 1643, drei Jahre nach seinem mütterlichen Oheim Cosman Mann, Obervorgeher der Innerberger Hauptgewerkschaft aus dem Verlagsgliede Steyr; er gelangte sohin im Alter von 33 Jahren zu dieser leitenden und einflußreichen Stellung, die er bis 1660 bekleidete. Die Wirksamkeit Schröffls fällt in die Zeit des tiefsten Niederganges der Hauptgewerkschaft. Wenn auch die kläglichen Zustände durch eine Reihe von Umständen herbeigeführt wurden, die außerhalb der Verwaltung lagen und in den allgemeinen mißlichen Verhältnissen begründet sind, so muß doch Gottlieb Schröffl, als Obervorgeher aus dem übermächtigen Verlagsgliede und einflußreichstem Mitgliede der Verwaltung, ein Gutteil der Schuld an dem Verfalle zugesprochen werden. Unvernünftige Betriebsführung, Produktion ohne Rücksicht auf die Marktverhältnisse, eine um fünf Jahre verspätete Bilanzierung, ein fünfzehnjähriger Rückstand in der Ertragszahlung und ein sinnloses Schuldenmachen kennzeichnen die Lage der Gewerkschaft.

Vor allem aber muß Schröffl zur Last gelegt werden, daß er, als Leiter der Verlagsstelle, den Stahlverschleiß ins Reich in die Hände seiner Verwandtschaft spielte und dadurch der Gewerkschaft die gewinnbringendste Einnahme entzog. Die Großhändler Luckner und Mittermayer, Darlehensgeber wie der Steyrer Ratsbürger und Handelsmann Matthäus Riß v. Risenfels machten glänzende Geschäfte und wurden in wenigen Jahren reich, sie alle „verließen ein großes Gut“, die Gewerken verarmten und waren, wie z. B. einzelne Glieder der Familie v. Kriechbaum, gezwungen, ihre Einlagen um ein Drittel des Nominales zu verkaufen. Die Käufer waren jene Handelsleute, die der Gewerkschaft Darlehen gaben, dieselben jedoch gegen 6 % nur zu zwei Drittel in barem Gelde erfolgten und den Rest in den erkauften Einlagen erstatteten, die sie sich jedoch zum vollen Nennwerte anrechneten. So waren die Geschäfte beschaffen, die man mit der Gewerkschaft damals machte und von deren Folgen sie sich nie mehr ganz erholte.

Gleichzeitig mit der Stelle eines Obervorgehers war Gottlieb Schröffl 1651-1659 auch Bürgermeister von Steyr. In diesem Amte folgte ihm sein Schwager Maximilian v. Luckner und in der Obervorgeherstelle der Bruder seiner zweiten Frau, Zacharias Prenner -- man sieht, die einflußreichen Posten blieben in der „Familie“. Schröffl selbst wurde 1660 zum Eisenobmanne in Steyr für Osterreich ob und unter der Enns ernannt, wodurch ihm die Eisenindustrie dieser Länder - „soweit das Kammergut zu bürgerlichen Gewerben gedieh“ - unterstellt war. Dieses Amt versah er bis zu seinem am 14. September 1680 erfolgten Tode, worauf ihm sein Schwiegersohn Franz Gottfried Vorig v. Hochhaus folgte, der, wie Schröffl, 20 Jahre diese Stelle bekleidete.

Einem so einflußreichen Manne, wie Gottlieb Schröffl es war, konnten die Ehren nicht ausbleiben: ddo. Linz, 13. Juli 1646, erhielt er den rittermäßigen erbländischen Adel; ddo. Preßburg, 27. April 1655, das Prädikat v. Mannsperg und ddo. Wien, 20. Mai 1662, eine Wappenvermehrung; er war auch Rüm. Kais. Majestät Rat. Viermal hatte sich Gottlieb Schröffl vermählt und seine Wahl immer unter den Töchtern der maßgebenden Familien seiner Vaterstadt Steyr getroffen; 21 Kinder stammten aus den letzten drei Ehen. Die erste Frau war kinderlos, von der zweiten stammten 2, von der dritten 12 und von der vierten 7 Kinder. Die Geburten umfassen die Zeit von 1637 bis 1669. also vom 27. bis zum 59. Lebensjahre Schröffls.

Gottlieb Schröffl vermählte sich am 10. Juli 1634 mit Eva Stauder. B. Mai 1635. Die Stauder sind seit 1588 in der Steyrer Bürgerschaft und stammten aus Münzbach. Andrae Stauder, Evas Vater, war Ratsbürger zu Steyr. - Maria Prenner, die zweite Frau, vorm. am 19. Oktober 1635, + l. Jänner 1640. war wohl die Schwester des Stadtrichters Zacharias Prenner, der sich 1655 mit einer Tochter des Hofrichters von Garsten, Sebastian v. Hartmannstein - Gottlieb Schröffls Schwager - vermählte. - Die dritte Ehe mit Kleophe Neidlinger schloß Schröffl am 13. Mai 1641; sie starb, erst 34 Jahre alt, am 12. April 1655. Die Neidlinger sind ein seit dem 16. Jahrhunderte in Leoben und in der Folge auch zu Steyr seßhaftes Geschlecht. Von Kleophe ist nur der Name ihrer Mutter Anna Maria, geh. Rengler, bekannt, die 1660 als Witwe testiert und außer ihrer Tochter zwei Söhne hinterließ, deren älterer, Hans Anton, vorm. mit Anna Katharina v. Pantz, 1658 Pfleger und Landgerichtsverwalter zu Rust, dann kais. Forstmeister im Ennstale, mit dem Sitze in Irdning, war s). - Am 19. Oktober 1655, also nach sechs Monaten, ging Schröffl seine vierte Ehe mit Regina, Tochter des verstorbenen Ratsbürgers Max Wuschletitsch und der Regina, geh. Wenig v. Greifenfels, geh. 26. Februar 1629, + 24. September 1692, ein. Wuschletitsch wurde 1617 Bürger zu Steyr und errichtete eine dritte Apotheke, betätigte sich aber auch sonst an Handelsunternehmungen.

Sämtliche Frauen Schröffls stammten aus wappenmäßigen Familien, als adelig können nur Kleophe Neidlinger und Regina Wuschletitsch angesehen werden. - Schröffl hat über seine Familienverhältnisse ein eigenhändig geschriebenes Gedenkbuch hinterlassen, das von seiner vierten Gemahlin fortgesetzt wurde. Das Gedenkbuch, welches sich im gräflich Mittrowsky’schen Archive zu Rozinka in Mähren befindet, [Anm. Mai 2002: leider ist dem Museum, das sich heute in Rozinka befindet, nichts über den Verbleib der Mittrowsky’schen Sammlung bekannt] beginnt mit der Verlobung Schröffls mit Eva Stauder am 13. Juni 1634 und endet mit dem Tode seiner Tochter Maria Katharina, verehelichten Vorig v. Hochhaus, die am 23. Dezember 1683 starb; auf einem Beiblatte sind Aufzeichnungen über Gottlieb Schröffls und seiner Geschwister Geburten enthalten, die, wahrscheinlich von seiner Mutter stammend, Schröffl selbst zur Anlage des Familienbuches angeregt haben dürften.

Mit Gottlieb Schröffl endete die Bedeutung des Geschlechtes für das Eisenwesen; seine Söhne, zumeist kaiserl. Beamte, blieben zwar eine Zeit hindurch noch im Bergwesen tätig, sie kamen jedoch zumeist außer Landes. Sein Urenkel Ignaz Schröffl v. Mannsperg wurde durch seine Heirat mit der Gräfin Rosalie Stockhammer Freiherr - die Erhebung fand zwei Tage vor der Vermählung statt - und Herr auf Burg Pernstein [Anm. Mai 2002: Etwa 25km NW von Brünn findet sich die Ortschaft Mansperk mit dem Gut Pernstein. Meine noch unbewiesene Vermutung ist, daß der Ort Mansperk nach den Mannspergs benannt ist. 8km entfernt ist Dolni Rozinka] und Augezd [Anm. Mai 2002: Etwa 20km NW von Olmütz. Nova Dedina, 4km entfernt, hieß auf deutsch Schröffelsdorf. Ich vermute, daß dies das Schröffenheimb im Titel des olmützer Domherrn Schröfl v. Schröffenheimb ist. ]in Mähren, Landmarschall und Geheimer Rat, er brachte das Geschlecht auf den Höhepunkt des Glanzes und Ansehens, das jedoch in diesem Zweige bereits mit seinem Sohne Franz Josef Ignaz zu Brünn 1808 im Mannesstamme und 1880 auch in weiblicher Linie erlosch.

Stammwappen (v. J. 1610): Im Schilde auf einem beiderseits abgekappten Zweige, der im unteren Schildesteile schräg rechts liegt, eine natürliche Rose auf einem von dem Zweige ausgehenden, beblätterten, pfahlweise gestellten Stiele. (Nach Siegeln des Abraham Schröffl v. J. 1623; ähnlich ist der Schild in der Schröfflschen Stammtafel im Archive Rotinka dargestellt: ein Schrägbalken, aus dem pfahlweise eine beblätterte Rose wächst.)

Wappen v. J. 1646: Geviert, 1 und 4 in Rot auf felsigem Dreiberg ein einwärts springender Steinbock, 2 und 3 in Blau eine goldene Lilie. Offener, gekrönter Helm mit rechts blau-gelben, links rot-weißen Decken. Zier: ein Bergmann in weißer (Maximilianischer) Bergmannstracht, in der Rechten einen Bergbammer haltend, in der Linken eine Berghaue geschultert; offener Flug, rechts Weiß über Rot, links Gold über Blau geteilt.

Wappen v. J. 1655: 1 und 4 in Rot auf grünem Grunde der Bergmann, 2 und 3 in Gold ein halber, golden gekr., schwarzer Adler am Spalt mit gold. Szepter. Zwei offene, gekr. Helme. 1. mit rot-weißen Decken; Zier: zwischen offenem, von Weiß über Rot überecks geteiltem Fluge der Steinbock. II. mit schwarz-gelben Decken; Zier: zwischen offenem, von Gelb über Schwarz überecks geteiltem Fluge der Bergmann.

Wappen v. J. 1662: 1, 2 und 3 wie 1655, 4 wie 1646. Die Helme wie 1655, jedoch zur „Verböserung“ zwischen ihnen ein spitzer Felsen.
Im freiherrlichen Schilde von 1702 und 1773 erscheint der Bergmann blau (!) gekleidet, 1773 ist in 2 und 3 ein ganzer Adler. 1702 und 1773: Roter, bekrönter Mittelschild mit weißen Balken; ferners 3 Helme, I und III wie 1655, nur die Flüge horizontal geteilt, Helm II trägt einen schwarzen Adler. Decken bei allen
3 Helmen: rechts schwarz-gelb, links rot-weiß.

Im 18. Jahrhunderte finden sich noch Angehörige dieses Geschlechtes in unseren Gegenden; so P. Bonifaz, 1708 Superior am Sonntagsberg bei Waidhofen a. d. Y., dann Ferdinand Karl v. Schröffl, 1748 Amtsgegenschreiber und 1751-1757 Amtmann in Vordernberg, dessen Witwe Cordula, geh. v. Sulzperg, in Vordernberg lebte. (Marktarchiv Vordernberg, Inventare.) Dieser Vordernberger Schröffl führte einen gevierten Schild mit Herzschild, in letzterem einen Bergmann, der gegen eine am linken Schildesrande stehende Erzwand mit einer Berghaue schlägt. 1 und 4 einen Schroffen (steilen Berg), 2 und 3 einen gekrönten springenden Löwen. Offenen, gekrönten Helm mit 4 Straußenfedern. (Nach Siegeln des Vordernberger Amtmannes.)

Quellen: Archiv der Stadt Steyr, Testamente, Ratsprotokolle. - Schloßarchiv Rožinka, Gedenkbuch Schröffls und Stammtafel 1). - Hofkammerarchiv, Eisenwesen. - Siebmachers Wappenbuch, Nied.- öst. landständ. Adel von Dr. Witting. Vgl. Wisgrill: Schauplatz des n. ö. landsässigen Adels. - Siebmacher: Mähr. Adel.

Stammtafel der Schröffl v. Mannsperg siehe Seite 315.

Mann v. Mannsperg

Die protestantische Bewegung hatte in Oberösterreich zu Ende des 16. Jahrhunderts die gleiche Ausdehnung gewonnen wie in Steiermark und Kärnten. Als Kaiser Maximilian II. 1576 starb, waren Landstände, Bürger und Bauern überwiegend der neuen Lehre zugetan. Die freie Religionsübung war zwar wie in Steiermark nur den protestantischen Mitgliedern des Herren- und Ritterstandes für ihre Schlösser, Städte, Märkte und Patronatskirchen gestattet worden, allein die Bürger landesfürstlicher Städte und die Bauern taten dasselbe ohne Erlaubnis. Schwache Gegenmaßregeln Rudolf II. wurden durch den ersten Bauernkrieg, dessen letzter Teil 1597 sieh im Traunviertel, in der Umgebung Steyrs abspielte, vereitelt und Kaiser Matthias hatte allen Grund den Ständen, die ihm zur Herrsehaft im Lande verholfen hatten, nicht entgegenzutreten. Er unterzeichnete am 19. März 1609, sohin zu einer Zeit, wo in Steiermark die Gegenreformation bereits im großen und ganzen beendet war, die Kapitulations-Resolution, die den protestantischen Ständen Religionsfreiheit . gewährte.

Erst mit dem Regierungsantritte Ferdinand II., dem die Stände Oberösterreichs die Huldigung verweigert hatten, wendete sieh das Blatt. Das Land wurde 1620 an Bayern verpfändet, in dessen Verwaltung es acht Jahre verblieb, und Graf Herberstorf, der Statthalter des Herzogs Maximilian, führte nun die Gegenreformation mit Beharrlichkeit durch.

Als am 9. Oktober 1624 die Reformationskommissäre nach Steyr kamen fanden sie nur mehr 18 katholische Bürger. Der Rat der Stadt war vollkommen in Händen der Protestanten. Da unter der bayrischen Herrschaft längere Zeit keine Wahlen stattgefunden hatten, waren Joachim Händl und Wolfgang Matlseder bereits seit 1619 im Amte, ersterer als Bürgermeister, letzterer, der dann im Bauernkriege eine Rolle spielte und am 26. März 1627 zu Linz enthauptet wurde, als Stadtrichter 1). Durch Verfügung des Statthalters wurde der Rat, der noch wenige Tage vorher in allerbescheidenster Weise gegen den angeordneten Besuch der katholischen Predigt Vorstellung erhoben hatte, am 27. Jänner 1626 seines Amtes entsetzt. Stadtsiegel, Richtschwert und Szepter wurden dem neuen Bürgermeister Johann Mayer übergeben (31. Jänner) und am 5. Februar trat der neue Rat, dem aber doch aus Mangel an tauglichen Personen mehrere Protestanten noch vorübergehend angehörten, in Wirksamkeit. Niklas Frizler wurde Stadtrichter und Johann Jakob Sonnenwald als Stadtschreiber bestellt. 2)

Wer nicht katholisch werden wollte, mußte seine Sachen in Ordnung bringen und auswandern. Die Folge war, daß die führenden Familien der Stadt völlig wechselten. Wir finden von den alten Ratsgeschlechtern außer Wurschenhofer kein einziges mehr, alle anderen zogen aufs Land oder wanderten aus. Joachim Händl, Lorenz Guetprot, Christoph Mürzer und andere kündigten 1625 und 1626 das Bürgerrecht; Mürzer, Hans Stettner und Hans Adam Urkauf sind 1628 in Regensburg, andere folgten. Der neue Rat, der den Eid auf die katholische Religion, Gehorsam der Obrigkeit und Verschwiegenheit ablegte, bestand aus Zugewanderten oder aus solchen einheimischen Personen, die vorher nie besonders hervorgetreten waren.

Zu ersteren gehören der zum Bürgermeister bestellte Rentamtsgegenschreiber der Herrschaft Steyr Johann Mayer, zu Wuchenau in Schwaben geboren und Niklas Frizler aus Alt-Rappenweil, zu letzteren Cosman Mann, Abraham Schröffl, Georg Wernberger, Matthias Vitsch und Jakob Zetl, der Verfasser der bekannten Chronik von Steyr. Auch Johann Spindler, ein Bruder oder Vetter des Landesrates Veit Spindler v. Hoffegg aus der Gmundner Gegend, war einige Zeit Mitglied des Rates und 1627-1630 Stadtrichter. Bald darnach wanderten andere zu, die in kürzester Zeit es zu Reichtum und Ansehen brachten.

Schon 1630 finden wir im Rate Achtmarkt und Winter. 1631 Hoffmann, Plautz und Ries, es folgen Luckner und Mittermayer. Kurz, in wenig Jahren hatte sich jener Kreis gebildet, der den Innerberger Eisenhandel im 17. Jahrhunderte beherrschte, mit den Erzeugnissen der Hauptgewerkschaft glänzende Geschäfte machte, während diese selbst immer mehr verarmte. In diesem Kreise spielte die Familie Mann als Bindeglied eine bedeutende Rolle, die sich schon dadurch zeigt, daß nach ihr die Schröffl und Knäbl, zwei der hervorragendsten Familien der Stadt, ihre Prädikate bildeten (Mannsperg und Mannheim).

Der erste, der uns aus dem Geschlechte der Mann zu Steyr entgegentritt, ist Thoman Mann. Er wird Ende 1572 gegen Erlegung einer Tage von 6 Thalern als Bürger angenommen und vermählte sich mit der 1604 verstorbenen Barbara Teiß, Witwe nach Christoph Pichler. Durch seine Frau, deren Schwester Magarethe mit dem Hammergewerken Christoph Präntl zu St. Gallen vermählt war, kam Thoman Mann in Verbindung mit dem Eisenwesen und beteiligte sich am Eisenverlage. Von seinen Kindern sind uns drei Söhne und eine Tochter bekannt. Cosmas, der älteste und Simon, der jüngste Sohn, studierten in Wittenberg. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat (1604) wurde Simon, der die mütterliche Erbschaft in kurzer Zeit durchgebracht hatte, lutherischer Prädikant bei Hans Fenzl auf Schloß Mühlgrub; er ging dann nach Wien, wo er bald starb.

Cosmas der ältere Sohn, widmete sich zu Steyr dem Eisenhandel und wurde einer der bedeutendsten Verleger der damals in hoher Blüte stehenden Messerindustrie. Als kluger Kopf in jungen Jahren in den inneren Rat berufen, war er 1612-1614 Stadtrichter und 1616 Bürgermeister. Als die Gegenreformation durchgeführt wurde, verstand er es rechtzeitig auf die katholische Seite zu treten, er blieb im Rate, flüchtete 1626 beim Bauernaufstand nach Eisenerz und war von 1638 bis zu seinem Tode Ende Jänner 1641 Bürgermeister und seit 1625 Ober-Vorgeher des Verlagsgliedes der Innerberger Hauptgewerkschaft. Durch seine Ehe mit der Witwe des 1609 verstorbenen Bürgermeisters Coloman Dorninger. Maria, geb. Waldner, bildete er in der neuen Zeit eine Brücke zu den alten Geschlechtern.

Das Verdienst, sich der neuen Richtung voll und ganz angeschlossen zu haben, wurde zumeist rasch belohnt. Johann Mayer, der von der Reformationskommission eingesetzte Bürgermeister, erhielt am 3. Juni 1625 den Adel mit den Prädikaten v. Wuchenau und Lindenfeld. Niklas Fritzler, Stadtrichter, hatte bereits am 11. Oktober 1624 den Adel und 1628 den kais. Ratstitel erhalten, er starb 1643 als Herr auf Ober- und Unter-Huethofen, hatte also mit gutem Erfolge gewirtschaftet. Auch Cosmas Mann bliebt nicht unbelohnt. Kaiser Ferdinand II. verlieh ihm am 24. August 1634 den rittermäßigen Adel mit dem Prädikate v. Mannsperg und eine Wappenänderung.

Von seinen Nachkommen kennen wir nur einen Sohn Wolf Christoph, der sich am 12. August 1652 mit Maria Barbara N. vermählte und mehrere Kinder taufen ließ. Von dem zweiten Bruder des Cosmas Mann, Colman, stammten mehrere Söhne, Joh. Wolf, Georg, Hans und Lorenz, die alle als Messerer in Steyr und Umgebung seßhaft waren. Elisabeth, + 1628, die einzige bekannte Tochter Thomans, war mit Abraham Schröffl, 1625 bis 1635 Vorgeher der Hauptgewerkschaft, vermählt und wurde so die Stammmutter der Schröffl v. Mannsperg und die Mutter der Barbara Schröffl, Gattin des Bürgermeisters Maximilian Luckner zu Steyr, Kommerzienrates. Niederlagsverwandten in Wien, eines der größten Handelsherren jener Zeit.

Über die weiteren Nachkommen des Geschlechtes ist wenig bekannt. 1768 lebt zu Scheibbs ein Eisenhändler Dominik Mann, der mit dem Stammwappen des Geschlechtes siegelt und sohin diesem angehörte. Ob der Schottwiener Postmeister Franz Mann v. Mannsperg, der am 1. Mai 1765 das Postamt Lebring in Steiermark von Josef Kajetan v. Langenmantel kaufte, ein Nachkomme des Cosmas Mann ist, muß dahingestellt bleiben.

S t a m m w a p p e n : Auf einem Dreiberge ein wilder Mann, der in der Rechten einen langen, vor den rechten Fuß gesetzten Knüttel hält und die Linke in die Seite stemmt. Zier: Auf dem geschlossenen Helme die Schildfigur wachsend. (Nach Siegeln des Thoman Mann v. J. 1581 u. f.)

W a p p e n v. J. 1634 : Geviert, 1 und 4 in Weiß ein mit einem bis zu den Füßen reichenden roten Rocke bekleideter bärtiger Mann, die Linke in die Hüfte gestemmt, in der Rechten einen silbernen Halbmond haltend; 2 und 3 in Schwarz ein goldener Löwe. Mit goldener Heidenkrone gekrönter roter Herzschild mit einem silbernen dreispitzigen Eisenfelsen. Offener gekrönter Helm mit rechts schwarz-gelben, links rot-weißen Decken. Zier: offener Flug, rechts Weiß über Rot, links Gelb über Schwarz geteilt.

Q u e l l e n: Adelsarchiv. - Archiv der Stadt Steyr, Ratsprotokolle und Testamente. - Edlbacher: Chronik der Stadt Steyr v. Jakob Zetl 1612-1635, im 36. Bericht des Museums Francisco-Carolinum, Linz 1878. - Joherl, Geschichte von Feldkirchen. - Bindner: Annalen im Archive der Diözese Linz, 1910.

v. Luckner

Wo die alte Losensteiner Burg dräuend ins grüne Ennstal niederschaut. hatte sich bereits im 15. Jahrhunderte eine blühende Klein-Eisenindustrie entwickelt. Ein Jahrhundert darnach umfaßte die vereinigte Sichel- und Nagelschmiedezunft zu Losenstein rund 200 Meister, die an 3000 Zentner Stahl und Eisen verarbeiteten. Das Eisen kam am Schiffwege von den Ladestätten zu Weißenbach und am Kasten a. d. Enns, dem heutigen Kastenreit, und wurde damals den Losensteiner Meistern unmittelbar von den Hammergewerken geliefert.

1575 traten die Eisenhändler dazwischen; die Sichel- und Nagelschmiede mußten nun von ihnen Eisen und Stahl beziehen und ihnen die Ware abliefern, sie waren in ein volles Abhängigkeitsverhältnis zu den Steyrer Verlegern gelangt, das diesen reichen Gewinn eintrug. Immerhin breitete sich die Industrie aus und die Menge verarbeiteten Eisens wuchs im 17. Jahrhunderte auf das Doppelte. Noch um 1850 gab es im Gemeindegebiete von Losenstein 140 Werkstätten mit 600 Arbeitern und auch Anton Schosser, der bekannte oberösterreichische Dialektdichter, war der Sohn eines Losensteiner Nagelschmiedemeisters. Die in der zweiten Hälfte des verflossenen Jahrhundertes einsetzende Erzeugung der Nägel mit maschinellem Betriebe brachte dem Handwerk der Nagelschmiede ein jähes Ende, ein Meister nach dem anderen mußte seine Werkstätte schließen, die Zainhämmer verstummten und das sangeslustige Volk der Schmiede und Gesellen mußte froh sein, in der aufblühenden Steyrer Waffenfabrik unterzukommen.

Die bedeutende Klein-Eisenindustrie Losensteins und seiner Umgebung machte es notwendig, in Losenstein einen eigenen Beamten der Steyrer Eisen- und StahlKompagnie (Eisenhandlungsgesellschaft) zu bestellen, der seiner hauptsächlichen Tätigkeit nach den Namen „Zeugsempfaher“ führte. Seit 9. Mai 1610 bekleidete diese Stelle Maximilian Luckner, der am 5. Jänner 1627 ein Opfer des Bauernaufstandes wurde. Zwar war die große Erhebung der oberösterreichischen Bauern Anfang Dezember 1626 blutig niedergeschlagen worden, allein die Erregung bebte noch nach und die ungeheuren Grausamkeiten, deren sich Herberstorf schuldig machte, entfachten immer von neuem bald dort bald da den Aufruhr.

Anfang Jänner 1627 wurden 100 Soldaten vom Pappenheimischen Regiment nach Weyer verlegt. Am Durehzuge durch Losenstein quälten und brandschatzten sie die Bevölkerung, die ohnehin infolge der wirtschaftlichen Bedrückung durch die Steyrer Eisenverleger schon im Sommer des Jahres 1626 dem Aufstande nahe war. Diese neuen Gewalttätigkeiten machten den Kelch des Leidens übervoll, die Bevölkerung rottete sich zusammen, überfiel Luckner, der die Soldateska nach Weyer geleitet hatte, in seinem Hause zu Losenstein, erschlug ihn und warf den Leichnam in die Enns. Daß die unglücklichen wirtschaftlichen Verhältnisse, die maßlose Bedrückung durch die Steyrer Eisenverleger bei diesem Aufstande eine große Rolle spielte, ist kein Zweifel. Luckner, der kleine Beamte der Eisenhandlungsgesellschaft, der an diesen Zuständen keine Schuld trug, der im Gegenteil mit dem Eisenobmann Aggermann wiederholt auf die Gefahren eines Aufstandes hingewiesen hatte, wurde das Opfer der Volkswut. Er war eben der, dessen man zunächst habhaft wurde, der der unverständigen Menge als der Vertreter des Prinzipes ihrer Ausbeutung erschien.

Die hervorragendste Persönlichkeit unter den Luckners war Maximilian, der jüngere Sohn des Losensteiner Zeugsempfahers. Schon 1643 tritt er gleichzeitig mit seinem Schwager Mittermayer unter den Steyrer Eisenhändlern hervor, letzterer zog sich dann nach Wien und wurde der bedeutendste Großhändler Österreichs in jenen Tagen. Wichtig für Luckners Aufschwung war seine Beziehung zu Gottlieb Schröffel v. Mannsberg, dem Bruder seiner Frau, der als Obervorgeher der Verlagsstelle der Hauptgewerkschaft (1643-1660) und als Bürgermeister von Steyr (1651-1659) den größten Einflut besaß. 1660 gab er das Amt des Bürgermeisters an seinen Schwager Maximilian Luckner ah, der diese Würde nun 17 Jahre bekleidete.

Schröffel selbst wurde zum Eisenobmann für Österreich ob und unter der Enns ernannt. So hatte ein enggeschlossener Kreis die wichtigsten Stellen beim Innerberger Eisenwesen fest in den Händen und verstand es, die Lage glänzend auszunützen. Der Gewinn floß nur in seine Taschen, die Gewerkschaft wurde gerade so weit aufrecht erhalten, daß sie fortarbeiten konnte. Die unverminderte Fortführung des Betriebes ohne Rücksicht auf die Absatzverhältnisse war der Leitsatz des Kammergrafenamtes der Steuer wegen, den Eisenhändlern war dies sehr willkommen. Sie gaben Darlehen gegen Verpfändung der Vorräte und brachten auf diese Weise die gesamten Erzeugnisse in ihre Hand.

So hatten Luckner und Mittermayer den gewinnbringendsten Teil des Eisenhandels, jenen ins Reich, von der Gewerkschaft übernommen: den Verschleiß im Inlande teilten sie fast ausschließlich mit den Steyrer Bürgern Gottlieb Hoffmann, dem Gegenschwieger Luckners. Mathias Rieß v. Riesenfels, Josef Achtmark v. Achtmarkstein, dem Rentmeister der Herrschaft Steyr Elias v. Seeau und dem Linzer Bürger Hans Peisser 1). Erst 1679. als Luckner altershalber sich vom Geschäfte zurückzog, Georg Mittermayer gestorben war und sein Sohn Ludwig andere Bahnen einschlug, konnte die Gewerkschaft daran denken, die Verbindung mit den Genannten zu lösen, abzurechnen und den Absatz ins Reich wieder selbst zu führen.

Luckners Arbeit brachte reichen Lohn, auch die Ehren blieben nicht aus, er erhielt am 11. April 1651 mit den Söhnen seines verstorbenen Bruders Sebastian. Paul Achaz und Sebastian den rittermäßigen Adel. Die letztgenannten, über welche leider weitere Nachrichten nicht zu erhalten waren, leiteten die Zweigniederlassung des Lucknerschen Hauses für Ungarn - soweit es nicht von den Türken besetzt war, denn dem Erbfeinde durfte oder sollte kein Eisen geliefert werden.

Die letzte, die uns aus dem Geschlechte interessiert, ist Anna Maria, verehelichte v. Vogtberg. Sie gehörte zum Dichterkreise am Hofe Kaiser Leopold I.. war unter dem Namen Albania Mitglied des Pegnitzer Blumenordens und dürfte mit Katharina Regina Freiin v. Greiffenberg, deren Name an die steirische Heimat und an das gleichnamige Schlößchen in der Radmer erinnert, eine der wenigen dichtenden Frauen der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundertes gewesen sein. - Anna Maria, der mit ihrem Sohne Maximilian Ernst ddo. Wien 14. Juni 1688 der Freiherrnstand mit dem Prädikate „v. Weißenfeld“ verliehen wurde, hatte das Unglück, ihren Sohn, der im Regimente Schärffenbergs als Volontär diente, bei der Belagerung von Ofen zu verlieren.


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