Robert Schr├Âfl


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Meine berufliche Laufbahn

Geboren wurde ich 1892 im Wiener Bezirk Margarethen, meine ersten Erinnerungen aber habe ich erst von Ottakring, das damals ein noch wenig besiedelter Randbezirk war, mit Petroleum-Stra├čenbeleuchtung und sch├Ânen Ausblicken, weit in die Wienerwaldberge hinein. Mit nicht ganz 6 Jahren trat ich 1898 in die Volksschule in der Lorenz-Mandlgasse ein, durch die ├ťbersiedlung meiner Familie nach Weidlingau vollendete ich die erste Klasse dort. Sei es, da├č meine Eltern mit der dortigen Dorfschule nicht zufrieden waren, den Grund wei├č ich nicht mehr, jedenfalls wollten sie mich lieber in einer Wiener Schule wissen, so verbrachte ich die n├Ąchsten zwei Klassen in H├╝tteldorf, die vierte und f├╝nfte in Penzing. Danach sollte ich die Realschule, eine Privatschule, besuchen, entsprach aber nicht so, da├č ich einen Freiplatz h├Ątte bekommen k├Ânnen, ich trat daher in die B├╝rgerschule in der Stumpergasse ├╝ber, wo ich die erste Klasse absolvierte, in die zweite und dritte B├╝rgerschulklasse ging ich in Purkersdorf.

Danach sollte ich in die Lehre, da ich f├╝r technische Sachen Interesse zeigte. In dieser Zeit war es famili├Ąr so: Meine Mutter war schon seit 1905 tot, zwei Br├╝der waren in einer Uhrenfabrik in Ungarn, ein Bruder beim Milit├Ąr in Cattaro und mein Vater hatte nicht die Erfahrung, die n├Âtig gewesen w├Ąre, eine ordentliche, gewinnbringende Lehre zu suchen. Ich wei├č heute nicht mehr, warum meine Br├╝der dabei meinem Vater nicht beigestanden sind, jedenfalls war diese Lehre ein Versager. Ich selbst war ja zu unwissend zu einem Urteil und nahm die Sache als gegeben zur Kenntnis. Da mein Abgangszeugnis von der B├╝rgerschule ├╝berdurchschnittlich gut war, ich hatte kein einziges Befriedigend, stand meiner Aufnahme in die Lehre nichts entgegen. Ich kam also zu einem Meister, das Gesch├Ąft nannte sich ÔÇ×Optiker und MechanikerÔÇť, in der W├Ąhringerstra├če im 9.Bezirk in die Lehre.

Die Bedingungen waren (man schrieb 1907): 4 Jahre Lehrzeit, kein Urlaub w├Ąhrend der ganzen Zeit, kein Entgelt in irgendwelcher Weise und 60 Stunden Arbeitszeit pro Woche, t├Ąglich von 1/2 8 Uhr bis 1/2 7 Uhr mit einer Stunde Mittagszeit. Die Berufsschule war in den ersten Lehrjahren an den Sonntagen am Vormittag, sp├Ąter mu├čte der Lehrherr die Stunden w├Ąhrend der Arbeitszeit freigeben. Mein Papa war damals ohne Arbeit, meine Schwester Emma starb 1907, knapp bevor ich in die Lehre kam, und so mu├čte meine Schwester Olga auch f├╝r meine Bahnfahrt und Verpflegung aufkommen. Ich bekam f├╝r Fahrt und Essen zusammen in der Woche zwei Kronen, a├č abends daheim und mittags in der Volksk├╝che, eine Ausspeisung, die es damals noch gab. Olga, die damals schon verlobt war, hat aber in Treue meine vier Jahre abgewartet und hat dann danach erst geheiratet.

Wenn ich heute an meine Lehrzeit zur├╝ckdenke, so habe ich keine 10 % von dem gelernt, was ich h├Ątte lernen sollen. Wir waren zwei Lehrbuben, mu├čten oft mit Lehrmitteln f├╝r Schulen mit dem Handwagen in ├Ąu├čere Bezirke, wie z.B. H├╝tteldorf oder Lainz, liefern fahren, oder ich mu├čte mit einem geliehenen Kastendreirad von W├Ąhring zu Pichlers Ww. & Sohn am Margarethenplatz fahren, oft auch mit der kleinen Tochter des Lehrherrn in den Kindergarten nach Gersthof. Fahrkarten f├╝r die Tramway gab es nur in ganz dringenden F├Ąllen. Aber wir f├╝hlten alles das, was heute als unm├Âglich gilt, gar nicht so sehr, waren trotzdem meist fr├Âhlich und guter Laune, hatten oft in der Werkst├Ątte unseren Spa├č, manchmal, wenn es uns bei unserer Fahrt mit dem Handwagen zu kalt war, waren wir bei einem Branntweiner zu Gast, hatten oft auch mit der ├Ąltesten Tochter des Lehrmeisters unsere Gaud├ę und dergleichen. Wir beide waren eben jung und die Zeit war ganz anders als heute.

Was ich alles vers├Ąumt habe, sah ich erst, als ich die Gesellenpr├╝fung machte. Ich bestand sie zwar, aber mit Hilfe eines anderen Lehrlings, der mir eine Dreharbeit machte und sie f├╝r mich abgab. Die Drehbank bei unserem Lehrherrn war ja ein ganz besonderes Unikum. Das Schwungrad war aus Holz, ebenso die Spindel mit einer Eisenachse, das Fu├čgestell ein Rahmen mit Fu├čbetrieb. Nur unser Meister hatte eine einfache Richter-Drehbank mit Auflage und Support, auch f├╝r Fu├čantrieb. Aber diese durfte nur der Meister verwenden. Fixmontierte Werkzeuge, Bohrmaschinen u.dergl. gab es nicht, ja, ich erinnere mich nicht, da├č wir in dieser Zeit eine elektrischen Anlage hatten, und das Licht war bestimmt Gas.

Am 10.April 1911 machte ich also bei der Innung der Mechaniker meine Gesellenpr├╝fung und trat am 12.April bei Siemens-Schuckert in der Engerthstra├če durch die Vermittlung meines Vetters, der mit dem Werksdirektor befreundet war, ein.

Der Eintritt in eine damals moderne Werkst├Ątte war f├╝r mich ├╝berw├Ąltigend. In einem etwa 60 x 30 m gro├čen Saal hingen an den Riemen der Transmissionen, die der L├Ąnge nach in zwei Reihen angeordnet waren, die verschiedensten Werkzeugmaschinen. Damals gab es noch Riemenantriebe, nur ganz wenige Einrichtungen hatten einen eigenen Elektromotor.

Gefertigt wurden meist Apparate und Einrichtungen f├╝r die Elektroindustrie, meist Schalteinrichtungen. Dank der fortschrittlichen Bem├╝hungen der Firmenleitung war die Arbeitszeit auf 52 Stunden herabgesetzt, Samstag war ab 1 Uhr frei. Auch wurde es stillschweigend geduldet, da├č der Saaldiener um 9 Uhr fr├╝h f├╝r die Arbeiter Bier und Geb├Ąck holte. Rauchen war bei der Arbeit verboten.

Es war f├╝r mich nicht leicht, mich in die so ganz anderen Verh├Ąltnisse einzuordnen, die Praxis im Umgang mit den verschiedensten Maschinen mu├čte erst gelernt werden, und manchmal gab es auch Mi├čerfolge. Aber ich war doch eineinhalb Jahre in der Abteilung, bis ich auf meinen Wunsch, durch die Vermittlung des Werksdirektors, zur Schwachstromabteilung des Betriebes kam, eine Abteilung, die mit der Montage der Telefone, Uhren, Signalanlagen u.dgl. innerhalb des Werkes besch├Ąftigt war.

Diese Arbeit freute mich mehr als die in der Werkst├Ątte, man kam dabei mehr mit den B├╝roleuten in Kontakt, die damals noch manuelle Telefonzentrale war mit Telefonm├Ądchen oder -frauen besetzt, mit einem Wort, es war ein freieres Arbeiten. Oft hatten wir auch au├čen an den Freileitungen zu tun, manchmal auch unkontrollierbar, was die Arbeitszeit anbelangte. In dieser Zeit waren die Telefon- und Mikrofonkapseln erst im Werden, wir mu├čten diese aus den Einzelteilen, Graphitstaub, Kohlen- und Blechmembranen zusammenbauen, eine bizliche Arbeit, wenn das dann zum Schlu├č nicht funktionierte. Am heikligsten waren die Erikson-Apparate, wo Mikro- und Telefon nebeneinander mit gemeinsamer H├Ârmuschel montiert waren.

Ende 1913 h├Ârte ich von einer M├Âglichkeit ins Ausland zu kommen. Etliche Monteure wurden in die Vertretung nach Konstantinopel abgefertigt. Die Lohnverh├Ąltnisse, h├Ârte man, sollten bedeutend besser sein, 300 Kronen im Monat. Also bat ich wieder meinen Werksdirektor um Unterst├╝tzung und fuhr im Februar 1914 nach Konstantinopel. In dieser Zeit brauchte man noch keine Reisep├Ąsse, nur das t├╝rkische Visum mu├čte ich in mein Arbeitsbuch (auch das gibt es nimmer) eintragen lassen.

So fuhren ein Arbeitskollege und ich dem Orient zu. Ich beschaffte mir noch vorsichtigerweise einen Trommelrevolver, den ich aber niemals brauchte. Die Fahrt war ohne besondere Kontrollen, in Belgrad wurden wir mit Musik empfangen, denn im Zug war der griechische Kronprinz, der aus Gmunden kam. ├ťber die Fahrt und den Aufenthalt in Konstantinopel schrieb ich in meinen Erinnerungen.

In Konstantinopel fanden wir etwa 20 Monteure vor, die mit den verschiedensten Arbeiten in mehreren t├╝rkischen Betrieben besch├Ąftigt waren. Ich selbst kam zu Installierungsarbeiten in eine Remise der Tramway und hatte einen sehr netten Obermonteur.

Da ich bei der Vertretung als Schwachstromtechniker bekannt war, wurde ich ├Âfters zur Behebung von Telefonst├Ârungen bei einigen Banken verwendet.

Dann kam der Krieg! Vorladung zum ├Âsterreichischen Konsulat, Heimreise per Schiff nach Triest, Stellung beim Ersatzkommando, R├╝ckstellung und Abfertigung von Siemens zu einer Montage nach Troppau. Einberufung zu den Deutschmeistern (26.10.1914), Versetzung nach Iglau zum Regiment 81 (19.11.1914), Abmarsch nach Ru├čland (15.1.1915), in Gefangenschaft (2.4.1915), nach dreizehnt├Ągigen Gewaltm├Ąrschen (wegen Vormarsch der Unseren) in Brseworst einwagoniert (15.4.1915) und ├╝ber Moskau, Ekaterinenburg, Irtisch, Baikalsee in Ostsibirien, Lager Piestschanka im Juni gelandet.

Im August 1915 wurden Professionisten f├╝r einen Bahnbau an der chinesischen Grenze, nahe dem Flu├č Amur gesucht. Einige von uns meldeten sich und wir fuhren, 30 Mann im Waggon, zweieinhalb Tage weiter nach Osten. Wir kamen vorerst zu einem Baumeister, der den Bau von 4 Maschinenh├Ąusern machen sollte, doch war das Material noch nicht gekommen und wir sollten derweilen Ziegel tragen, Zementf├Ąsser rollen u.dergl. Pl├Âtzlich hie├č es, 20 Mann werden zum Bahnbau gebraucht. Noch 60 Werst nach Osten zur Station Ujatka, dann zu Arbeiten auf dem Oberbau der Bahn. T├Ąglich 13 Sunden bei Tschei, Brot und Butter. Ich hielt diese Arbeit nicht aus und meldete mich, gemeinsam mit zwei weiteren Gefangenen, krank. Resultat: Der Arzt bezeichnete uns als Simulanten und lie├č uns einsperren. 3 Tage in einer kalten Holzbaracke, leer, mit Betonfu├čboden. Nur bei Notdurft durften wir mit Bedeckung hinausgehen. Insgeheim aber bekamen wir von den anderen Gefangenen zu essen. Auch unser Starschi, ein alter Diener, hatte Mitleid mit uns und kaufte uns von seinem eigenen Geld Brot und Butter. Schlie├člich kam uns eine Schreibmaschine zu Hilfe, die in einem B├╝ro des Natschalnik schadhaft wurde. Wir reparierten die Maschine und bekamen vom B├╝ro 1 Rubel 30 Kopeken, die man f├╝r uns gesammelt hatte. Als n├Ąchstes hatten wir einen Schienenautobus, den die Russen zerlegt hatten, zu montieren und in Betrieb zu setzen. Inzwischen war unsere Strafe vergessen und wir konnten wieder bei unseren Kameraden leben. Sp├Ąter arbeitete ich noch als Glaser und Anstreicher mit einem Pleny und einem bezopften Chinesen, dann ging es wieder zur├╝ck ins Lager Piestschanka und wir verlebten den ersten sibirischen Winter mit minus 47 Grad Celsius.

Im Mai 1916 wurden wieder Leute gesucht und wir fuhren tausende Werst zur├╝ck nach Ru├čland bis in die N├Ąhe von Petersburg zum Ausbau der Murmanbahn, die teilweise nur auf dem Papier bestand. Auf der Fahrt dahin musterte uns ein Offizier als Telefonarbeiter aus und wir fuhren weiter nach Norden ├╝bers Wei├če Meer nach Tschuppa.

Unsere Arbeit war die Verlegung einer Telegrafenleitung auf der Bahnstrecke, die aber teilweise noch Urwald war. Interessant war, wie wir in diesen W├Ąldern den vorl├Ąufig nur ersten Draht verlegten, einen 6-7 mm starken Eisendraht, die R├╝ckleitung war Erde. Erst machten wir eine 5 - 6 m breite Schneise, lie├čen in der Mitte einen Stamm stehen, an dem ein Isolator eingeschraubt wurde und schon war nach Befestigung des Drahtes die Leitung fertig. Am Murman arbeiteten wir, 6 Gefangene und 5 Russen, an dem Aufbau der Telegrafenleitung, teilweise einschlie├člich der Rodung, Zurichtung und Aufstellung der Masten und Bespannung auf einer etwa 200 km langen Trasse von Anfang Juni 1916 bis Mitte 1917, wobei wir diese Strecke mehrmals hin- und zur├╝cklegten und bis Mai 1917 vier Leitungen verlegten.

Im Juni 1917 aber bekam ich bei einem russischen Nachrichtenoffizier einen sch├Ânen Posten. Wir beiden wohnten in einem Wohnwaggon. Ich hatte die Aufgabe, die Telegrafen und Phonophore der ganzen Strecke zu kontrollieren, bekam meinen Ausweis, um alle Bef├Ârderungsmittel zu ben├╝tzen, hatte viel Freiheit und auch sonst manche Beg├╝nstigungen. Leider dauerte diese Zeit nicht lange, denn zu unserem Bedauern wurden alle Gefangenen in Murman zum zweiten Male nach Sibirien gesandt.

Wieder ging es nach Osten, wieder waren es tausende von Werst, Omsk, Tomsk, Barnaul, Tjumen, bis wir endlich in Tobolsk landeten. Seit 1917 war in Ru├čland Revolution und B├╝rgerkrieg. Rot und Wei├č k├Ąmpften gegeneinander und so war es nicht verwunderlich, da├č die Wei├čen bei ihrem R├╝ckzug von Tobolsk alles Brauchbare mitnahmen, so auch die Telefonzentrale der Stadt. Von dem Einzug der Roten sp├╝rten wir nicht viel, da die Stadt aber ohne Telefonverbindung war, suchten die Beh├Ârden nach einem Techniker, in Ermangelung eines ├Ârtlichen, bei den Kriegsgefangenen. Ich meldete mich f├╝r diese Arbeit.

Aus anderen Orten wurden Materialien, ein Geh├Ąuse, Kipper und Dr├Ąhte beschafft und so ging ich an die Arbeit, den Schrank neu zu schalten. Das war eine Arbeit von etwa einer Woche bis zur Inbetriebnahme. Ein Russe als Natschalnik war mein Vorgesetzter, doch hatte ich vollst├Ąndig freie Hand. Der Schrank war f├╝r 200 Teilnehmer, drei Telefonisten wurden mir beigegeben, ich f├╝hrte den Betrieb.

Da das Au├čennetz sehr besch├Ądigt war, bekam ich einen russischen Helfer beigestellt und sp├Ąter auch meinen Freund Wenty. Ich hatte auch das Recht, gemeinsam mit einem Milizsoldaten die Apparate, die von den Einwohnern der Stadt zur├╝ckgehalten wurden, zu beschlagnahmen. Das war meine letzte Arbeit vor meiner Heimkehr im September 1920 in die Heimat.

Wieder daheim angekommen, meldete ich mich gleich bei Siemens-Schuckert und wurde nach Hainburg zu einer Freileitungsmontage gesandt, hatte aber dort nur eine Arbeit, die ein vor mir t├Âdlich Verungl├╝ckter angefangen hat, zu vollenden.

Danach wurde ich von Schuckert wieder zu einer Freileitungsanlage f├╝r einen Teil der Stadt Tzsinitz, einer tschechoslowakischen Grenzstadt mit Polen, entsandt, mit einer Transformatorenanlage. Dort arbeitete ich mit anderen Monteuren bis Weihnachten 1920 und bat danach bei der Firma um Versetzung zu meinem fr├╝heren Arbeitsbereich als Schwachstrommonteur.

Damals war das Werk Engerthstra├če daran, die manuelle Telefonanlage durch eine automatische zu ersetzen. Ich hatte schon fr├╝her die Aufsicht und Instandhaltung bei der die manuellen Anlage ├╝bergehabt und so wurde ich bestimmt, auch bei dem automatischen W├Ąhlsystem, das von der Firma Siemens & Halske geliefert wurde, mitzuarbeiten, um sp├Ąter die Instandhaltung zu ├╝bernehmen. Das war in den Jahren 1922/23. Ich wurde dadurch mit den Schemas der Automatik vertraut und es gelang mir, als Neuerung die einzelnen W├Ąhlstufen in Diagrammen darzustellen. Auch entwickelte ich f├╝r den Direktor des Werkes eine Schaltung, mit der er die damals noch manuellen Anrufe aus dem Wiener Amt auf der automatischen Hausanlage empfangen konnte. Auch eine Schaltung f├╝r den besseren Empfang des Zeitzeichens f├╝r die Hauptuhr f├Ąllt in diese Zeit.

Ma├čgebend f├╝r mein sp├Ąteres Fortkommen aber war die Entwicklung einer ÔÇ×Schaltung zur selbstt├Ątigen Ausl├Âsung von Schaltvorg├Ąngen mit Zeitverz├ÂgerungÔÇť, auf welche mir vom Patentamt unter Akt.Zch. A 4949/24 am 30.6.1925 die Eintragung in das Patentregister unter der Nr. 100952 das Patent erteilt wurde. Die vier Schwachstromfirmen S & H, Czeija & Nissl, Schrack und Kapsch zeigten sich an der Schaltung damals nicht interessiert, ein Interesse zeigte hingegen die Fa.Pochwat, Berlin, die eine Anordnung der Schaltung auf der Erfinderausstellung beabsichtigte. Ich verfolgte aber die Angelegenheit nicht weiter, da bei der Zusammenarbeit mit den Ingenieuren von S & H die Herren mich und meine technischen F├Ąhigkeiten n├Ąher kennenlernten und mich aufforderten, zu S & H ├╝berzutreten.

Meine Bitte mich freizugeben wurde von Siemens-Schuckert bewilligt, und so wechselte ich im Juli 1925 die Firma und wurde sofort nach Prag zu einer gro├čen automatischen W├Ąhleranlage f├╝r die Stadt Prag entsandt. Die Wiener Monteure arbeiteten dort mit tschechischen Helfern und hatten meist nur die Oberaufsicht ├╝ber die Arbeiter. Ich wurde dem Amt Smichow mit 4000 Anschlu├čeinheiten zugeteilt und fand mich sehr leicht mit den Schaltungen der Amtseinrichtungen zurecht. Ein Umstand, da├č ich gleich bei meinen ersten Arbeiten Verbesserungsvorschl├Ąge zu den Schaltungen machte, gab mir gegen├╝ber den anderen Monteuren eine gewisse Vorzugsstellung. Und als im Laufe der Jahre in Theresienstadt ein kleines 100er Amt gebaut wurde, gab man mir meine erste selbst├Ąndige Arbeit. Dieses Amt f├╝hrte ich zur vollen Zufriedenheit meiner Vorgesetzten und der tschechischen Postverwaltung aus.

Im Dezember 1925 lie├č ich meine Familie nachkommen. Robert war 3 Jahre, Fredy 8 Monate alt. Wir fanden in einem Prager Vorort eine Wohnung. Ich war dadurch selten mit den anderen Monteuren in Gasth├Ąusern oder Caf├ęs zusammen und gewann mir dadurch einen gewissen Abstand, private Zusammenk├╝nfte betreffend. Nur mit unserem Montage-Kaufmann hatte ich Kontakt, diese Freundschaft besteht heute noch. Prag war f├╝r mich und meine Familie eine sch├Âne und, was die Bezahlung betrifft, eine gute Zeit.

Nach der Fertigstellung von Smichow arbeitete ich im Hauptamt Prag und erhielt eine 2000er Gruppe. Im Februar 1928 erhielt ich von der Firma ein Schreiben mit der Anfrage, ob ich nicht meine Stellung als Arbeiter gegen eine Anstellung im technischen B├╝ro im Stammhaus S & H als Angestellter tauschen m├Âchte, mit Angabe der Vorteile, die mir durch die Anstellung erwachsen w├╝rden. Ich besprach mich mit meiner Frau und, obwohl der Gehalt in Wien viel geringer war als in Prag, willigte ich doch ein. Der Entschlu├č war richtig, heute, nach 46 Jahren, zeigen sich die Fr├╝chte.

Als Neuling in der Firma fand ich mich bald zurecht. Als erste Arbeit bekam ich die Planung eines manuellen Fernamtes in Sosnowitz, Polen. Dabei hatte ich Gelegenheit, mich im Zeichnen von Pl├Ąnen fortzubilden. Auch hatte ich mit den Werkst├Ątten die Durchf├╝hrung der Pl├Ąne in der Fabrikation zu besprechen, die Lieferung der beizustellenden Teile in den Lagern zu betreiben u.dgl.

Damals waren Netzgruppen bei S & H noch neu und die ├ľsterr.Postverwaltung plante, in Klosterneuburg und Gmunden eine solche zu errichten. An Stelle der Dietl-W├Ąhler, wie sie in Wien bei den ├ämtern verwendet werden, sollten Viereck-W├Ąhler, damals ganz neu, genommen werden. Ich erhielt den Auftrag, als Montageleiter die Anlage zu ├╝bernehmen, und die drei ├ämter Klosterneuburg, Kierling und Kritzendorf gingen 1929 in Betrieb. Danach kam Gmunden mit dem Unteramt Altm├╝nster zur Montage und wurde 1930 eingeschaltet. Ich war nun vollst├Ąndig mit der Materie Schaltungen, Kabelf├╝hrungen und auch mit den administrativen Arbeiten, was die schriftlichen Arbeiten im Umgang mit den Monteuren betrifft, vertraut.

Schon im Herbst 1928 mu├čte ich mich wegen der Einzelteile f├╝r das Fernamt Sosnowitz im Wernerwerk S 6 H, Berlin, k├╝mmern, so bekam ich mit den Herren des Wernerwerkes Kontakt. Nach 1931 war ich wegen Mischungspl├Ąnen f├╝r die einzelnen Wahlstufen drau├čen und lernte die damals ma├čgebenden Herren Dr.Lubberger und Dr.Langer n├Ąher kennen. Beide Herren halfen mir sehr bei der Entwicklung der Pl├Ąne, die mir auch in Wien sp├Ąter gute Dienste leisteten.

In den ersten Monaten 1933 kam dann die gesch├Ąftliche Flaute, die ├Âsterreichische Post bestellte nur das Dringendste, der Abbau mancher meiner B├╝rokollegen begann. Dank meiner Vorgesetzten war ich nicht darunter und da ich mich mit dem Schrank der Hauszentrale auskannte, machte ich dort Telefondienst. Dann war ich kurze Zeit Vertreter von Blitzableiteranlagen. Ich fuhr mit meinem eigenen Fahrrad kreuz und quer in Nieder├Âsterreich herum, um Auftr├Ąge zu bringen, hatte aber sehr wenig Gl├╝ck. Mit einen Me├činstrument pr├╝fte ich auch alte Anlagen. Das dauerte bis Ende 1934.

Mittlerweile kam ├╝ber das Wernerwerk Berlin ein Auftrag ├╝ber etliche Telefonzentralen nach Bulgarien, darunter auch das 1000er Amt Russe, einschlie├člich des Netzbaues f├╝r die Stadt.

F├╝r diese Arbeit war ich vorgesehen. F├╝r die Netzmontage bekam ich einen Berliner Ingenieur beigestellt, hatte aber auch die Oberaufsicht ├╝ber das Netz und das Amt. Als Montage-Kaufmann war Herr St├Âr bestimmt.

So fuhr ich im Feber 1935 nach Russe und erledigte zuerst die ├ťbernahme der f├╝r die Netzmontage bestimmten Materialien mit den Herrn der bulgarischen Postverwaltung. F├╝r die Netzmontage bekam ich 5 Monteure aus dem Kabelvertriebsb├╝ro, f├╝r das Amt 5 Monteure aus der Montageabteilung Wien. Au├čerdem stellten wir noch bulgarische Helfer ein, mit denen wir die besten Erfahrungen hatten. Zusammen waren es etwa 20 Leute.

Sowohl die Netzmontage als auch der Aufbau des Amtes waren im Herbst 1935 beendet, viel fr├╝her als man in Wien gerechnet hatte, so da├č auch ein finanzieller Gewinn f├╝r die Firma herausschaute und diese Arbeit f├╝r mich und alle daran Beteiligten ein Erfolg war. Leider hatten wir w├Ąhrend der Montage einen sehr traurigen Fall: Der von Berlin beigestellte Ingenieur Schmid erkrankte und starb an einer Leberkrankheit im Spital in Russe.

Mit der ├ťberwachung der Instandhaltung des Amtes mit den bulgarischen Postleuten, 3 Monate nach der Einschaltung, wurde ich betraut und so war ich bis Feber 1936 in Russe.

In dieser Zeit hatte das Wernerwerk in Berlin gro├če Auftr├Ąge aus Bulgarien, darunter auch die Arbeiten f├╝r die Neubauten ÔÇ×Bulgarische NationalbankÔÇť und ÔÇ×JustizpalastÔÇť in Sofia. Beide waren Millionenauftr├Ąge und Arbeit auf Jahre. Vielleicht war der Erfolg beim ÔÇ×Amt RusseÔÇť auch ma├čgebend, die Firma bestimmte mich zuerst zur Bearbeitung der Unterlagen im B├╝ro und danach als Aufbauleiter der beiden Auftr├Ąge. Hier hatte ich Gelegenheit, au├čer Telefon alle Arten von Einrichtungen, wie Feuermeldeanlagen, Wendetafeln, Lichtsignalanlagen und alle Arten von Tresorsicherungsanlagen kennenzulernen.

Hier war ich nur auf einheimisches Personal angewiesen und ich mu├č sagen, die meisten der Leute, ich hatte etwa 30 unter mir, nahmen die Arbeit ernst und haben sich darin bald zurechtgefunden. Einer meiner damaligen Helfer ist heute leitender Ingenieur bei der heutigen bulgarischen Postverwaltung.

Der Aufbau begann im Feber 1937. Vorher hatte ich Gelegenheit, das Wernerwerk in Berlin von der Unm├Âglichkeit der Verwendung von gro├čen Tableaus mit Lichtl├Ąmpchen, wegen des gro├čen Stromverbrauches und der W├Ąrmeentwicklung, zu ├╝berzeugen. Statt dessen wurden f├╝r den Justizpalast Wendetafeln verwendet.

Die Einverleibung ├ľsterreichs in das Deutsche Reich verlief, was die Montagearbeiten betrifft, ohne besondere Auswirkungen. Ich blieb weiterhin in Sofia, fuhr im Urlaub nach Hause, bis 1939 oder 1940 Bearbeiter f├╝r Wehrmachts-W├Ąhlanlagen in Wien gebraucht wurden. Ich teilte daher meine Arbeiten zwischen Wien und Sofia und wurde von der Wehrmachtsgruppe f├╝r W├Ąhl- und Fern├Ąmter ├╝bernommen. In dieser Eigenschaft plante ich, in Anwesenheit h├Âherer Herren der Wehrmacht, nach der Eroberung von Belgrad im Jahre 1941 f├╝r die Stadt ein W├Ąhlamt und ein Fernamt ausschlie├člich f├╝r die Wehrmacht. Ich arbeitete die Nacht hindurch und man sagte mir sp├Ąter, da├č die Herren noch nie mit solch ausf├╝hrlichen Pl├Ąnen nach Berlin zur├╝ckgeflogen sind. Es war das nat├╝rlich ein sch├Âner Ersatz f├╝r die durchwachte Nacht. Das war 1941, ein Jahr sp├Ąter hatte ich die Freude, die ├ämter schon im fertigen Zustand zu sehen.

Die Arbeiten in Sofia gingen ebenfalls vorw├Ąrts; etwa 1942 wurde der Justizpalast eingeschaltet. Die Nationalbank kam sp├Ąter dran und es ist eigent├╝mlich, da├č ich mich heute nicht mehr daran erinnern kann. Vielleicht wurde die Anlage von den Bulgaren selbst fertiggestellt. Auf jeden Fall war ich zu dieser Zeit viel mit der Wehrmacht besch├Ąftigt.

Die ÔÇ×Calorische AbteilungÔÇť war nicht in den besten H├Ąnden und so schlug unser Abteilungsdirektor mich vor, um die Abteilung sozusagen als Subchef Mitte 19444 zu ├╝bernehmen. Das war f├╝r mich nicht leicht, denn es war ja hier eine ganz andere Technik. Besuche in Fabriken mit Kesselanlagen, Raffinerien, Munitionsfabriken, Flugmotorenwerken haben mir manches Kopfzerbrechen gemacht. Ich erlebte 1945 den Einzug der Russen bei dieser Abteilung. Und dies war besonders f├╝r meine Familie nahrhaft, denn in der so schlechten Zeit bekamen wir in der Raffinerie ÔÇ×NovaÔÇť mittags eine warme Suppe und 1/4 Laib Brot und in der B├Ąckerei ÔÇ×AnkerÔÇť jedesmal wenn ich hinkam 1 Laib Brot, wenn dieser auch manchmal Backfehler hatte. Das war ein Rausri├č!

F├╝r Wien war die Besetzung der Stadt eine Katastrophe, f├╝r die Industrie der Ruin. Unser B├╝ro war in dieser Zeit in der ÔÇ×TuchlaubenÔÇť, wir sahen erst sp├Ąter die Verw├╝stungen durch die Russen. S├Ąmtliche Werkst├Ątten waren ausger├Ąumt bis auf die letzte Feile, die Magazine leer. Lange Reihen Lastautos f├╝hrten Werkzeugmaschinen pausenlos bis zur n├Ąchsten Bahnstation, wo sie auf Z├╝ge verladen wurden und nach Osten abgingen. Oft unverpackt, verrostet und besch├Ądigt durch die unsachgem├Ą├če Behandlung. Auch kam es vor, da├č Lastwagen Teile oder ganze Maschinen am Weg verloren, die dann heimlich weggeschafft und geborgen wurden.

Bei Siemens sammelte sich langsam die Belegschaft, soweit diese noch vorhanden war. Viele hatten sich schon vor den Russen nach Westen abgesetzt, es war vorl├Ąufig noch ein Durcheinander. Aber durch irgendeine Organisation der Firma bekamen wir eine warme, bessere Suppe und es stellten sich alle, ohne Ausnahme, in der Reihe an. Es war nat├╝rlich f├╝r fr├╝here Nazis unm├Âglich, weiter in der Firma zu bleiben, manche versuchten dies auch au├čerhalb der Russenzone, obwohl ein ├ťbergang von einer Zone zur anderen mit pers├Ânlichen Gefahren und Verhaftung verbunden war. Ein Obermonteur und ich hatten vor dem Einzug der Russen noch Gelegenheit, zwei Lastautos mit Me├činstrumenten aus einem Magazin der Luftwaffe zu bringen. Wir brachten diese in die Tuchlauben, wo sie unter anderen in unterirdischen G├Ąngen, die teilweise den Russen verborgen blieben, versteckt wurden. Diese Instrumente waren dann sp├Ąter, wo nichts mehr da war, sehr n├╝tzlich. W├Ąhrend der Kriegshandlungen hatten sich viele Frauen von Angeh├Ârigen der Belegschaft ins Werk gefl├╝chtet. Was ihnen da von den Soldaten der Besetzung bevorstand, kann man sich leicht vorstellen.

Einige Zeit arbeitete ich noch weiter bei der Cal-Abteilung, dann zog es mich doch wieder zur FG-Abteilung (Fernsprechger├Ąte). Da gab es nach 1945 eine ├änderung, weil der Gruppenf├╝hrer Lahoda, ein ├╝berzeugter Nazi, w├Ąhrend der Kampfhandlungen spurlos verschwunden war. Ich wurde von meinem Chef Twrdocil als sein Nachfolger bestimmt, ein f├╝r mich ehrenvoller Auftrag, denn in meiner Gruppe befanden sich ein Dipl.Ingenieur, zwei Fachschul-Ingenieure und dazu kamen noch etliche, so da├č ich bei meiner Pensionierung (1957) meinem Nachfolger Dr.Mayer acht Leute ├╝bergeben konnte.

Die FG-Abteilung erholte sich in den Monaten 1945 sehr langsam. Vom Ausland kamen Anfragen um Angebote f├╝r Fern├Ąmter. Ich erinnere mich an solche f├╝r Bogota und Amman und andere exotische Staaten. Es waren die meisten reine Luftangebote. Es w├Ąre auch unm├Âglich gewesen, irgendwelche Lieferungen vom Werk zu bekommen, da das Werk zu tun hatte, sich die notwendigen Einrichtungen und Maschinen zu beschaffen. Die Einteilung Wiens in vier Zonen im Herbst 1945 war f├╝r das Werk g├╝nstig, es fiel in die englische Zone und dadurch war eine Beschaffung der notwendigsten Werkzeuge schon leichter. Manches konnte auch ├╝ber den Umweg von der amerikanischen Zone beschafft werden.

Auch bei der ├Âsterreichischen Postverwaltung hatten sich die Verh├Ąltnisse normalisiert und die Kontakte mit den Schwachstromfirmen waren vorhanden.

Ich hatte 1930 das Amt Gmunden gebaut und so kam mir der Gedanke, mich trotz der Russen dorthinzuwagen und so den Kontakt mit der Linzer Direktion aufzunehmen. Damals gab es noch keine Bahnverbindung. Ich erfuhr aber, da├č ein Autobus nach Ober├Âsterreich fahren w├╝rde, bei dem ich mich anmeldete. Wir fuhren am 28.12.1945 vom Wiener Rathaus ab. Die erste Panne hatten wir auf der Mariahilferstra├če. Bis zur Behebung dieser Panne war es sp├Ąter Nachmittag geworden. Man mu├č bedenken, da├č die Russen w├Ąhrend der Besetzung an allen Autos, gleich ob es PKW oder LKW waren, die Autopneus abmontiert und verschickt hatten. Nur dem Umstand, da├č es in der amerikanischen Zone nun doch langsam aufw├Ąrts ging, war es zu verdanken, da├č es wieder einige Wagen, darunter unseren Autobus gab. Unsere Fahrt ging also von der amerikanischen durch die franz├Âsische Zone und bei der Grenze Wiens wieder durch die russische Zone, die bis zur Enns reichte. Es war keine angenehme Fahrt, in der Nacht, erfroren, denn es gab keine Heizung, einige Male waren kleinere Pannen mit Wartezeiten, noch dazu hatten wir ein M├Ądchen zu verbergen, die keine Papiere mithatte, wir waren froh, als wir au├čerhalb Enns die amerikanische Zone wieder erreichten, ohne weiter kontrolliert zu werden. Das war morgens, am Nachmittag erreichten wir Gmunden. Hier war man sehr erstaunt, es war ja eine Sensation, da├č Siemens aus Wien den ersten Kontakt mit Gmunden und somit mit der Postdirektion Linz aufgenommen hat. Ich lernte telefonische die Herren Ing.Wiesinger und Ing.Ferstel von dort kennen, mit welchen ich dann jahrelang bei den Erweiterungen und Neubauten von W├Ąhlereinrichtungen zusammengearbeitet habe und noch heute befreundet bin. Ferstels Dom├Ąne war die Stadt und das Land Salzburg. Von den Herren erfuhr ich von dem gro├čen Nachholbedarf bei der Direktion und wurde eingeladen, dorthin zu komme.

Bis jetzt hatte ich keine Gelegenheit gehabt, mit den ma├čgebenden Herren der Postverwaltung zusammenzukommen, au├čer im Zuge von Montagen, wie in Klosterneuburg und in Gmunden. Daher machte ich mich, nach privaten Besuchen in Uttendorf und Sch├Ąrding sofort auf, nach Linz zu fahren, wo ich mit den Herren Postr├Ąten Haas und Leeb und den Inspektoren Wiesinger, Preyer und Zagerbauer eine Menge von fehlenden Einrichtungen und auch Erweiterungen von W├Ąhl├Ąmtern besprechen und umfangreiche Bestellungen nach Wien mitnehmen konnte. Da die meisten St├Ądte in der Hitler-Aera mit Einrichtungen f├╝r den W├Ąhlverkehr nach dem Reichspostsystem W 29 automatisiert wurden, handelte es sich zum gro├čen Teil um dieses System.

Die Fahrt zur├╝ck nach Wien war in einem Viehwaggon, denn Personenwagen waren, wenn ├╝berhaupt vorhanden, rar. Die Russen hatten die meisten Wagen weggeschleppt.

Zusammengepfercht, man konnte kaum stehen, kamen wir nachts in Wien an, auch nicht g├╝nstig bei den unruhigen Zeiten, wo man nicht sicher war, ausgeraubt oder verschleppt zu werden.

Die Fahrt nach Linz und auch die freundliche Aufnahme waren mir nat├╝rlich ein Ansporn, mich um weitere Postdirektionen zu k├╝mmern. Und so fuhr ich Anfang April 1946 vorerst nach Graz zur Postdirektion. Besprechungen mit den Herren Postrat Ringhofer, Oberinspektoren Bernhard, Straka und Scherz haben die gleichen Ergebnisse wie in Linz gezeitigt. Erweiterungen im W├Ąhlamt und Fernamt Graz, desgleichen im W├Ąhlamt Bruck a.d.Mur, neue ├ämter in Hartberg, F├╝rstenfeld, Feldbach und Radkersburg und Ersatzteile. Anschlie├čend fuhr ich weiter zur Postdirektion Klagenfurt. Nach Mitteilung der Herren Postrat K├Âstner und Ing.Pankraz sowie der Inspektoren Lexe und Kusian handelte es sich hier besonders um die Erweiterung des Fernamtes. Auch von hier brachte ich Bestellungen von Einrichtungen und Ersatzteilen mit.

Im Juli 1946 besuche ich dann die Postdirektion Innsbruck und wurde bekannt mit den Herren Postrat Leitner, Inspektoren Oberladst├Ądter, Aigner, Lihl und Schittelkopf. Hier zeigte es sich, da├č die Besatzung beim Einmarsch viele Einrichtungen besch├Ądigt oder auch abmontiert hat, besonders in Vorarlberg, so da├č die Postdirektion eine Angabe nicht genau geben konnte. Die Firma erhielt aber nachtr├Ąglich eine ausf├╝hrliche Liste ├╝ber die ├ämter Dornbirn, Lustenau und Hohenems. In Innsbruck selbst waren keine besonderen ├änderungen in Aussicht. Diese Reisen und das Bekanntwerden mit den ma├čgebenden Herren der Postdirektionen, die es besonders erfreulich fanden, da├č sich die Firma Siemens als erste nach dem Umbruch um sie k├╝mmerte, haben mir k├╝nftig sehr geholfen, auch im sp├Ąteren Verkehr mit der Generalpostdirektion.

S├Ąmtliche Angebote an die Generaldirektion, die in den nun folgenden Jahren bis zu meiner Pensionierung gelegt wurden, gingen ├╝ber meine Gruppe und mu├čten von mir gegengezeichnet sein. Ich erinnere mich heute nicht mehr an die F├╝lle von Auftr├Ągen, die in den 12 Jahren einlangten. Neue ├ämter: Salzburg, Graz, Villach, Wels, Ried, Linz-Urfahr usw. usw. Und viele Erweiterungen. In den Jahren 1946/47 befa├čte sich die Generalpostdirektion mit der Vollautomatisierung des ├ľsterreichischen Telefonnetzes und in Zusammenarbeit mit Siemens entstand, ├Ąhnlich dem System 29 eine ├Âsterreichische Type, das System 48, das noch heute besteht. Im M├Ąrz 1950 reiste ich im Auftrag der Firma nach Tschechien und f├╝hrte dort mit den Herren der Postverwaltung in Bratislava und Prag Gespr├Ąche, teilweise ├╝ber die bestehenden ├ämter in Prag, sowie ├╝ber eventuelle neue Auftr├Ąge, im April war ich in Jugoslavien, in Belgrad und Ljubljana wegen der Planungen der ├ämter Belgrad, Krunsky Venac und Center bzw. Kragojevac, Zjecar und der Netzgruppe Krain-Bled. Die Festlegung der Einrichtungen dieser Netzgruppe zog sich bis Februar 1951 hinaus, wurde aber schlie├člich vom eigenen Personal, das inzwischen gen├╝gend weit ausgebildet war, durchgef├╝hrt. Auch f├╝r die anderen Anlagen wurden nur die Einrichtungen bei uns bestellt, immerhin ein bedeutender Auftrag f├╝r das Werk.

In dieser Zeit war das System der ├Âsterreichischen Postverwaltung so weit entwickelt, da├č eine Erprobung erfolgen konnte. Diese erfolgte in einem kleineren Amt in Neunkirchen N├ľ, anfangs 1951. In Wien waren es die ├ämter L├Âschenkohlgasse und Favoriten, die nachher montiert wurden und sich bew├Ąhrten.

Nun bestellte die Generaldirektion laufend ├ämter aller Gr├Â├čen nach diesem System 48 und es begann die Automatisierung, zun├Ąchst in K├Ąrnten und Osttirol, dann in Vorarlberg und so kamen im Laufe der Zeit alle weiteren Bundesl├Ąnder dran. Erst k├╝rzlich las ich die Nachricht, da├č das letzte manuelle Amt in Karlstein automatisiert wurde.

Bis zu meiner Pensionierung gingen alle Bestellungen von der Anbotlegung bis zur fertigen Montage bzw. ├ťbergabe an die Postverwaltung durch meine Vertriebsgruppe.

Als mein Nachfolger wurde von meiner Firma Herr Dr.Udo Meyer bestimmt, dem ich am 31.Mai 1957 die Vertriebsgruppe FG.Beh. ├╝bergeben habe.

Abschlie├čend kann ich schon sagen, da├č ich mit meiner beruflichen Laufbahn vom 2.April 1907 bis 16.10.1957 zufrieden bin. Ich habe als Lehrling, in meiner Lehrzeit ungen├╝gend ausgebildet, begonnen und es durch eigenen Flei├č und auch durch ein wenig Gl├╝ck es bis zum Leiter der Abteilung f├╝r den Bau von W├Ąhl├Ąmtern aller Gr├Â├čen gebracht, habe dadurch Gelegenheit gehabt, mit allen wichtigen Herren der Generalpostdirektion, der Postdirektionen Wien, Linz, Graz, K├Ąrnten und Innsbruck, der Telegrafenbau├Ąmter, sowie aller f├╝r den Bau und die Instandhaltung Verantwortlichen bekanntzuwerden. So hatte ich nicht nur ein sch├Ânes Bet├Ątigungsfeld, sondern konnte auch meiner Firma mit meinen jahrzehntelangen Erfahrungen dienen.


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