Grete Schröfl - Robert Schröfl: Korrespondenz


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20.9.1926

Du mein einzig Lieb!

Wieviel Stunden ist es doch, daß ich Dich zuletzt gesehen? Noch nicht einmal 6 und doch dünkt es mich so lange. Eine Ewigkeit seit Mutter weg ist und ist doch erst 6 Tage. Die Zeit will so gar nicht vergehen, wenn man allein ist. Trotzdem ich Arbeit und Ärger genug habe.

Die Kinder wollen sich absolut nicht vertragen und Robert ist, so lieb er sein kann, seit drei Tagen unausstehlich. Der Kleine soll absolut nichts angreifen, nirgends hingehen, wo’s dem Großen nicht paßt, kurzum nichts machen.

Freilich vernichtet und zerstört er viel, was sich Robert herrichtet, aber doch nicht immer. Ich hoffe halt, daß das mehr und mehr verschwinden wird, wenn der Altersunterschied kleiner wird. Der Kleine wird ja doch vernünftiger und hoffentlich der Große auch.

Ich glaube, er fühlt sich vielleicht auch ein wenig zurückgesetzt, weil ja nun der Große doch in manchem zurückstehen muß. Auch das wird mit Verminderung des Altersunterschiedes verschwinden. Ich glaube und hoffe ja, daß ich die Kinder nicht ungerecht behandle. Nach meinem besten Wissen und Gewissen handle ich recht. Eben jetzt sitzen wir auf dem Bergerl an einer ganz hübschen Stelle, wo Mutter mit den Kindern immer war. Es ist hier (wahrscheinlich von größeren Kindern gemacht) ein Zimmer mit Terrasse, eine Küche mit Herd, na, und was man sich eben vorstellen will. Heute haben wir die „Reste“ der Eisenbahn mit. Robert spielt eben damit und Fredy schaufelt Sand in die Truhe; da ist nun doch ein bisserl Ruhe. Viel zwar nicht, denn Robert hält ja sein Schnaberl nicht, wie gewöhnlichManchmal ist’s auch gut, denn mit wem sonst sollte ich reden? Schließlich habe auch ich das Bedürfnis, hin und wieder etwas zu sprechen. Zu Chanas aber will ich nicht gehen und Ruza ist doch nur zu Hause, wenn ich nicht mehr wegkann. Abgesehen davon, daß ich sie nicht immer belästigen möchte. Frau Chana würde sich wahrscheinlich nur freuen, wenn ich öfter käme, aber mir ist alle Lust mit ihr zu sprechen vergangen. Ruzena hat sich über den Punkt sehr drastisch ausgedrückt: „Wer sich mit Dreck beschmiert, wird dreckig.“ Aber ich glaube, sie hat recht.

Fredy schreit jetzt. „Ich, ich!“ hat er gesagt und ist mir auf den Schoß geklettert.

Das Geld ist heute gekommen. Sende Dir 400 Kc, 100 für Dich und 300 für Prittwitz. Trachte halt, sie zu erübrigen. Aber man weiß nicht, ob Du’s nicht brauchst. Ich denke, Du hast kein Geld bekommen, sonst wärst Du nicht nocheinmal nach Hause geeilt. Ich habe dann noch 100 Kc Reserve. Werde sie wahrscheinlich Samstag wieder brauchen, wenn das Geld nicht kommt. Deine Expreßkarte ist auch gekommen. Der Briefträger hat genauest aufgeschrieben, wann er sie gebracht hat. Ich mußte herzlich lachen. Nun viele Busserl von den Kindern! Es umarmt und küßt Dich heiß

Dein Weib

An der Eger am 20.9.1926

Mein liebes Weib!

Ich sitze an dem Ufer der Eger und genieße einen wunderschönen Herbstabend und die Erinnerung an Dich, mein Liebes. Wärst Du bei mir, so wäre dieser Abend noch viel viel schöner. So habe ich nur Bäume und Schilf als Gesellschaft. Weiden, die ihre knorrigen verdrehten Stämme meist schief dem Flusse zuneigen, damit sich ihre Blätter dort auch ein wenig baden können, auch eine Buche versucht dasselbe, jedoch gelingt es ihr nicht ganz, das dunkle ruhig-fließende Wasser zu erreichen, in welchem sich wunderbar das jenseitige Ufer von der Abendsonne goldig beleuchtet spiegelt. Und sonst ist Ruhe hier. Und die tut wohl, denn heute war wieder ein närrischer Tag.

Als ich um ½ 8 Uhr ins Baubüro kam, sagte man mir, daß Fallmann und Twrdocil nach Theresienstadt gefahren sind. Kannst Dir denken, daß ich eine Freude gehabt habe, schon wegen des Geldes, denn mir wäre es ja gar nicht ausgegangen, eventuell nach Leitmeritz zu fahren wenn es notwendig gewesen wäre, d.h. wenn die beiden mich dort erwartet hätten. Vom Mittagessen gar nicht zu sprechen. Das fiel mir aber erst um 9 Uhr ein. Nun ich habe Glück gehabt und die Elektrische war auch recht brav, so daß ich doch schon um 10 Uhr am Bahnhof war. Aber wirklich Glück, denn ich setzte mich kaum in die Elektrische und schon fuhr sie los. Die Birnen haben mir sehr gut geschmeckt in der Bahn. Als ich ankam, waren Fallmann und Twrdocil, nachdem ich nicht hier war, nach Leitmeritz gefahren und kamen um 2 Uhr hierher. Sie waren sehr zufrieden über den Fortschritt der Arbeit. Habe natürlich gleich 500 Kc verlangt, so daß ich bis auf Weiteres aus dem Wasser bin. Sende mir aber bitte doch Geld, da man nie weiß was wird.

Jetzt mein Schatz wird’s schon kühl, ich habe meinen Überzieher nicht mit, und ich gehe jetzt zuerst essen und dann nach Hause. Nun sitze ich wieder in meinem einsamen Zimmer, draußen zanken sich Leute, was hier sehr häufig ist und gleich wird der Zapfenstreich geblasen werden. Ich bin aber froh, wenn es 9 Uhr ist, Zeit zum Schlafengehen. Der heutige Abend war mir nicht lange, denn als ich bei der Post vorbeikam, sah ich Licht bei meinen Gestellen, ging hinein und half meinem Helfer eine Arbeit erledigen. So wurde es rasch ½ 9 Uhr. Heute als ich von Euch fortlaufen mußte, tat mir Robert recht leid, als er mir nachrief. Was, habe ich zwar nicht verstanden, jedoch dachte er wahrscheinlich, daß ich hineinkommen würde. Ich bin nun wirklich sehr froh, wenn diese Montage ein Ende haben wird. So viel mich die Arbeit freut und auch daß man so zufrieden ist und daß alles klappt, so unangenehm ist mir die freie Zeit. Nun wird ja alles ein Ende haben. Twrdocil glaubt, daß es noch drei Wochen dauert, ich jedoch, wenn wir alles Material, wovon leider manches noch aus Berlin kommt, einlangt, hoffe auf 2 Wochen. Heute bekam ich drei Abrechnungen und zwar ist Überschuß: vom 23.8.- 29.8. 10S78, vom 30.8.-5.9. 89S70, vom 6.9-12.9. 10S63, eine beruhigende Summe von zusammen 111S. Es geht ja doch schön langsam aufwärts mit uns. Heute früh fuhr ich mit Frl. Ruzena und sie sagte, daß Hansi einen langen Vortrag für mich vorbereitet hat, weil sie und Ruzena einen Artikel lasen, in welchem behauptet wird, daß der Affe vom Menschen abstammt. Na, ich freue mich schon darauf. Du weißt, ich polemisieren ja ganz gern, umsolieber, als ich ja nicht mit dem Stoff anfange. Nächsten Samstag oder Sonntag komme ich aber doch nach Hause. Vielleicht fahre ich dann nächst-nächsten Sonntag nach Bodenbach. Muß mir ja auch meine Hose mitnehmen. Nun Schatz, küsse unsere Buben recht oft von mir , diesmal habe ich nicht viel von ihnen gehabt, und sage ihnen, daß sie brav sein sollen. Auch grüße Mutter und die Mädels wenn Du schreibst. Mit vielen tausend Busserl

Dein einsamer Robert

22.9.1926

Mein süßer, lieber Schatz!

So poetisch kann ich Dir leider nicht antworten wie Du mir schreibst. Denn ich sitze ganz prosaisch an unserem Tisch zu Hause.

Allerdings höre ich eine Oper. Schade, daß man nichts versteht. Heute ist’s zwar gut, denn sonst müßte ich wieder die Hörer abnehmen oder aufhören zu schreiben. Kind, eigentlich habe ich schon seit Mittag überlegt, ob ich Dir antworten soll. Aber ich habe so sehr das Bedürfnis mit Dir zu plaudern, daß ich alle Vernunft über Bord geworfen habe. Ich schreibe doch.

Kind, in einer Weise ist’s ja gut, daß Du Deine Abende so ungestört verbringen kannst. Wenn Du wieder daheim bist, geben Dir doch die Kinder nicht Ruhe, dann wieder streiten wir uns um irgendwelcher Kleinigkeiten willen, die es eigentlich nicht wert sind, daß wir unsere Liebe vergessen. Denke jetzt nicht, daß das in Zukunft anders wird. Es wird doch immer so sein. Wir sind doch beide nur Menschen und Menschen irren eben. Sie beurteilen jede Sache nach ihrem eigenen Gutdünken und auch starrem Egoismus heraus, behauptet jeder für sich das Recht, im Recht zu sein.

Na, genug -

Geld hast Du nun wohl in Hülle und Fülle bei Dir! Ich bin recht froh, daß Du den Zug noch erreichtest. Dir tat Robert leid, - Lieb, mir hast Du leid getan. Robert war ganz befriedigt, daß Du ihm „Lebewohl“ zurückgerufen hast. Er war kein bißchen gekränkt als er heimkam.

Liebling, ich freue mich mit Dir, daß Du so die Zufriedenheit der Herren erworben hast. Ist Dir Fallmann nun schon mehr gewogen?

Aber sag, wenn Du schon froh bist, wenn es 9 Uhr wird, warum gehst Du denn nicht früher schlafen?

Ich komme diese Woche keinen Tag vor 10 Uhr ins Bett, ohne daß ich eigentlich etwas tue. Bin sehr faul. Ich gehe täglich wenigstens 4 bis 5 Stunden mit den Kindern fort. Und kommen wir abends (meist um 6 Uhr) nach Hause, dann spielen wir noch zusammen. Vorgestern abend habe ich nach Hause geschrieben, gestern Zeitung gelesen, heute schreibe ich Dir und so vergeht die Zeit. Solange es aber noch schön ist draußen, gehe ich aber lieber mit den Kindern weg. Ich glaube, es wird noch genug schlechte Zeit kommen, wo man dann nähen genug kann. Von den ersten zwei Abrechnungen stimmt die Summe bis auf 5 g mit dem Betrag den Mutter erhielt. Von der letzten habe ich noch keine Nachricht. Stimmt diese auch, dann hat Mutter nach Abschluß dieser Woche ungefähr 13 S Überschuß. Ob Hansi das nicht lieber glaubt, daß der Affe vom Menschen als daß der Mensch vom Affen abstammt? Als ob das nicht gleich wäre. Unseren Lebenszweck müssen wir wie jedes andere Geschöpf so und so erfüllen. Heute waren unsere Buben so ziemlich brav. Schicken Dir auch viele Busserl. Von mir sei in heißer Liebe geküßt!

Deine Gretel (meine Augen fallen schon zu)

27.9.1926

Mein Liebling!

Das Geld ist leider nicht eingelangt, hoffentlich kommt’s morgen. Ich werde den Brief dann gleich zur Post tragen, wenn ich Geld erhalte.

Unsere Kinder schlafen schon. Es ist erst 8 Uhr. Fredy schlief gleich ein, als ich ihn ins Bett legte.

Wir waren heute vormittag schon 2 Stunden spazieren. Sind mit Verspätung nach Hause gekommen, erst um 11 Uhr. Wir waren aber auch beinahe in Keje und außerdem haben wir Kastanien gesucht. Die daraus fabrizierten Puppen sind zwar schon wieder hin, aber ein Weilchen hatten die Kinder doch Zeitvertreib. Um 11 Uhr hat es dann zu regnen begonnen, nachmittag sind wir dann bis zum Tabor und über die Wiese zurück. Ich hab dann ein bisserl genäht, Fredy ein Tuchhoserl von Robert ist gerichtet, von meinem Wintermantel den Besatz an Ärmeln und Taschen herausgetrennt, den Kindern gründlich die Köpfe gereinigt, was nicht ohne großes Geheul abging, na u.s.w. Eben spielen sie einen „Walcik“ von Translateur. Ist Dir der Name bekannt? Ich kenne ihn gar nicht. Aber der Walzer ist wunderschön. Das Vorspiel nahezu opernhaft. Habe dann nochmals den Brief vom 22. gelesen und schicke ihn Dir nun doch mit, wenn er auch schon verjährt ist. Also nun wird gar „Santa Lutschika“ gesungen. Wenn ich nicht irre, italienisch. Morgen gehe ich wahrscheinlich doch zu Vodrazkas nähen. Muß ja jetzt Deinen Mantel expreß nähen. Kind, das hat mir so sehr leid getan, daß ich ihn Dir nicht gerichtet habe. Die Nähmaschine geht mir aber auch riesig ab. Sie wäre mir jetzt wieder an solchen Regentagen eine gute Freundin. Nun aber, wenn man sich gewöhnen muß, sein Liebstes zu entbehren, muß es eben ohne Maschine auch gehen. Die Zahnschmerzen haben auch nachher wieder eingesetzt. Eine Misere. Aber sie wird eben durch ein sehr schönes … Solo versüßt. Nimm’s also bitte nicht tragisch. Ich bin ja riesig tapfer. A la Heine: „Anfangs wollt’ ich fast verzagen und ich glaubt’, ich trüg’ es nie. Und ich hab’ es doch getragen, aber fragt mich nur nicht wie.“

Dieses. Wie ist es eben. Ich komme mir manchmal wie ein Traumwandler vor. Ob ich überhaupt denke? Ich glaube, es ist alles nur Mechanik. Na also, nun wollte ich gar nicht raunzen.

Muß nun Roberts Knie wieder stopfen, der Italiener singt schon wieder.

Nun eine süße gute Nacht, Herzlieb! Viel tausend Busserl

Dein Weib

28.9.1925

Mein einzig Lieb!

Der Brief verlängert sich, doch leider muß ich heute die Überbringerin einer Hiobsbotschaft sein. Die Mädels lassen Dich grüßen, sie fahren jetzt nicht nach Bodenbach. Mutter Brodil meint, es sei schon zu kühl, die Tage kurz, und im Sommer fahren Schnellzüge zu halben Preisen hin. So sollt Ihr die Partie bis zum Sommer aufschieben. Sie meinen alle vier, Ruzena eingeschlossen, es sei besser, Du kommst nach Hrdlosezy. Aber Lieb, so selbstsüchtig will ich nicht sein, ich will schon geduldig warten, bis Du wieder kommst, vielleicht fährt Herr Rommel doch mit Dir.

Weißt Du, daß Herr Prittwitz noch einen weiteren Herrn zu Frau Vich gebracht hat, als Mitbewohner. Frau Vich ist sehr froh, weil sie nun mehr Geld bekommt.

Brodils waren heute hier. Ich dachte wohl, daß sie kommen werden. War ein wunderschöner Tag und Wenzel noch dazu. Aber kühl ist’s doch schon. Ich selbst bin ja nicht mehr so erfroren. Ob das das Jahr Landaufenthalt macht? Sie waren alle drei kalt wie die Frösche.

Vormittag war ich bei Vodrazkas. Wollte sehen, ob Ruza zu Hause ist. Sie war im Geschäft bis Mittag. Jula erzählte mir, daß sie (Jula) und einige andere Mädels in einem Monat vielleicht nach Paris fahren. Ihre Kochlehrerin verbrachte die zwei Monate Ferien in Paris, lernte dort eine beim Roten Kreuz beschäftigte Engländerin kennen, die ihr sagte, daß sie einige Mädchen brauchen würden. Nun muß aber erst Antwort abgewartet werden.

Chanas „Annerl“ ist auch heute früh eingetroffen. Ich finde, nach Aussehen und Aussprache, das richtige „Wiener Wäschermadel“. Ich weiß nicht, ob Du sie kennst.

Robert hat heute von Schw. Brodil eine kleine Einkaufstasche bekommen.

Und noch etwas: Fredy sagt seit gestern „bitte“, auch „Mutter“ hat er einmal gesagt, aber nicht wieder. Sonst gibt es nicht viel Neues. Ja, das Geld erhielt ich auch heute noch nicht. Ich stehe am Ende meiner Geldmittel. Wenn’s morgen wieder nicht kommt, na, ich weiß nicht, was dann wird.

Einen Brief von Mutter und Hansi schicke ich Dir mit. Was sagst Du zu Hansels närrischen Plänen wegen Gleißner? Ja, den Apparat! Glaubst Du nicht, daß sie sich ihn soll machen lassen? Aber die Batterien müßten wieder gekauft werden, nicht wahr?

Nun mein Liebes schicke ich Dir viel viel tausend Gutenachtbusserl! Busserl von den Kindern! Mein Schatz, schlaf wohl!

Dein Weib

14.10.1926

Mein lieber Mann!

Vor allem meine innigsten Geburtstagswünsche! Habe bis heute auf Nachricht von Dir gewartet, weiß aber nun nach Erhalt Deines lieben Schreibens kaum mehr als zuvor. Na, hoffe doch, daß Du wenigstens vorübergehend Samstag nach Hause kommst.

Robert geht es besser, er hatte Gelbsucht. Freitag war ich mit ihm auf der deutschen Klinik, nachdem Du mir sagtest, daß ich um dem Schein zweimal nach Prag muß. Man verschrieb ihm Ricinusöl oder einen Einlauf. Ich machte ihm letzteren, hat aber keine Besserung bewirkt. Nun schrieb ich Samstag abends nach Prag um einen Schein mit dem Ersuchen, ihn expreß zu schicken und Beilegung einer 2-K-Marke. Montag abends hatte ich den Schein. Hätte ich gewußt, daß es so glatt funktioniert, hätte ich schon zu Anfang voriger Woche geschrieben. Dienstag früh gingen wir gleich zu Dr. Fajkus. Nach endloser Wartezeit erklärte er mir: „Ja, mit diesem Schein kann ich sie nicht annehmen, der ist von der Bezirkskrankenkasse Prag, da müssen Sie nach Zizkow.“ Na, so bat ich ihn, den Buben doch zu untersuchen, gegen Bezahlung. Er hat ihm dann eine Medizin verschrieben, die anscheinend sehr gut wirkt. Er hat nur mehr einmal täglich Stuhl, sehr guten Appetit und das Weiße in den Augen ist nahezu normal.

Schw. Brodil wird ihre Fürsorge noch weiter ausdehnen, und mir auch Spulerln und Maschinkanderl besorgen. Ein Spulerl hat sie mir schon Sonntag geschickt, unaufgefordert, sich gleichzeitig anbietend, mir mehr zu besorgen.

Gestern war sie hier und hat mir Zeitungen zum einheizen gebracht, auch ein deutsches Abendblatt. Unter anderem meinte sie, es sei am besten, sie gingen wieder nach Wien. Warum sie das meint, weiß ich nicht.

Ob ich mich auch ausspreche, fragst Du. Wohl nicht ganz zu Unrecht. Wie oder wo aber sollte ich mich denn aussprechen? Die kleinen Alltagssorgen, die trägt man auch ohne viel darüber zu sprechen und das innere Erleben ist doch ganz und gar nicht für dritte Personen, mögen sie einem auch noch so lieb sein.

Ich habe sehr oft Kopfschmerzen, ich glaube, ich schlafe zu wenig. Von Mutter erhielt ich heute schon der dritte Abendpaket, auch eine Karte, weil ich so lang nicht schrieb.

Herzlieb, ich warte mit solcher Sehnsucht auf Dich! Wenn es nur erst Samstag wäre!

In heißer Liebe küßt Dich

Dein Weib


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