Grete Schröfl - Robert Schröfl: Korrespondenz


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Altmünster, 22.6.1932

Meine Lieben!

Hansis und Fredys Brief erhielt ich heute. Glaube und hoffe, daß Werner sich nun schon vollkommen beruhigt hat. Mein armer kleiner Kerl. Unsere Wirtin sagte, ich hätte ihn mitnehmen sollen, sie hätte schon auf ihn aufgepaßt, wenn ich weggehe. Wir sind schon ganz gute Freunde, die Wirtin und ich. Gestern waren wir miteinander auf dem Gmundener Wochenmarkt.

Das Wetter war Samstag und Sonntag sehr schön. Sonntag, knapp nachdem wir heimkamen, war ein ganz tüchtiges Gewitter. Montag früh regnete es auch, aber nicht sehr lange, dann war es bis gestern abend so ziemlich schön. Heute regnet es.

Stör’s sind gestern abend angekommen. Frau Stör sitzt bei mir und liest. Herr Stör schläft. Robert ist in Gmunden. Morgen wollen wir auf den Traunstein gehen, wenn’s nicht regnet, und Samstag - Sonntag nach Hallstatt - Gosau - Zwieselalm. Dies schreibe ich eigentlich mehr oder weniger für Willy, weils ihn vielleicht interessiert. Robert läßt seinen Bruder Rudolf bitten, das Radio instand zu setzen. Die zwei Drähte sind rückwärts wahrscheinlich von den Steckern losgegangen. Er muß halt probieren.

Wie ist das Wetter bei Euch? Hoffe, Ihr braucht nicht zu viel gießen.

Also Fredy, warum willst Du Dich denn gar nicht waschen!? Du wirst ja, bis wir kommen, ganz wie ein Schweindel aussehen. Wasch Dich immer schön ordentlich, auch jeden Tag den Kopf, jetzt wo Du die Haare so kurz hast. Und folge der Großmama, damit sie sich nicht so ärgern muß, spiele mit Werner und Trude und lauf nicht vielleicht

[Schluß fehlt]

Weidlingau, 7.7.1932

Herzlieber Mann!

Werners erste Worte, als ich kam, waren: „Ich hab dich gar nicht gesehen.“ und das zweite „Wo ist der Vater?“ Nun hat er mir schon wieder xmal eine Liebeserklärung gemacht. Fredy sagte: „Jetzt hab ich mir grad denkt, wenns nur schon sechse wär.“ Robert ist nicht zu Hause. Bin neugierig, wo er sich eigentlich aufhält.

Hier hat im Großen wohl alles geklappt, im Kleinen wohl weniger. Von unseren Blumen blühen sehr wenige. Die kleinen Rosen sind zum Teil schon verblüht, zum Teil noch in den Knospen. Aus den angeblichen Glockenblumen sind wohl eine Art Nachtschatten geworden, gelbe 4-5-blättrige Blüten, die abends gegen 7 Uhr aufblühen und am Morgen wieder verblüht sind. Am schönsten blühen Kapuziner und Fisolen.

Als erstes hab ich unseren Jüngsten ein Bißerl umgetragen; dann waren wir im Consum um Zucker und Eier. Darnach schlug ich den Schnee für die Erdbeeren. Nach dem Naschen ging ich dann gießen, dann nachtmahlen, die Buben baden und endlich machte ich den Tortenteig und nun er im Rohr steckt, schreibe ich an Dich, Liebster.

Wie hat sich denn das Wetter weiter ausgewirkt bei Euch? Bei uns hat’s schon sehr lang nicht geregnet und ab St. Valentin hatten wir richtig unter der Hitze zu leiden. Der Zug hatte 15 Min. Verspätung, so daß ich erst mit dem ½ 4 Uhr Pendler heimkam.

Fredy hat schon sein Zeugnis. In Schreiben, Zeichnen und Form 2, sonst 1.

Ich glaube, ich muß aufhören zu schreiben. Ich berichte Dir von Dingen, die mir mit Ausnahme der Kinder gar nicht so sehr am Herzen liegen. Und dabei denke ich unaufhörlich, daß ich Dich nun 8 Tage nicht sehen werde. Ich glaube, ich werde nie im Leben gescheit. Will Dir aber lieber, anstatt zu klagen, ein Busserl von mir und den Kindern senden.

Mutter hat sich 15 S von sich und 20 S von Rudolf ausgeborgt. Fredys Schuhe sind beim Schuster und Roberts zerrissen. Wünsche Dir für Sonntag recht schönes Wetter und daß Dich Anny nicht im Stich läßt. Grüße an Nußbaumers! Es umarmt und küßt Dich innig

Dein Weib

Altmünster, den 10 Juli 1932

Mein Liebes, Du!

Hast recht brav Wort gehalten mit dem Schreiben. Nun will ich aber auch brav sein und gleich antworten, umsomehr, als es, seit Du weggefahren, immer regnet. Es sind also Deine Wünsche betreffs Sonntagswetter und Anny nicht in Erfüllung gegangen. Also daheim ist alles in Ordnung, wenigstens im Großen. Na, das Kleine mußt Du halt wieder reinbringen. Wie waren denn die Buben bei der Großmama? Hat sie sich draußen nicht zu sehr angestrengt? Wie fühlst Du Dich denn wieder daheim? Was ist denn mit Hauers? Ich werde voraussichtlich Mittwoch abends wegfahren, so daß ich Donnerstag mit dem ½ 8 Pendler komme. Da wir wieder Samstag gearbeitet haben, habe ich dann Donnerstag frei. Darauf freue ich mich schon. Habe heute wieder einmal einen schlechten Magen, glaube ihn mit einem Rollschinken verdorben zu haben. Mein Verbrauch ist täglich 7 bis 8 S. Aber bezüglich des Nachhausekommens bemerke ich nochmals, daß noch nichts Bestimmtes ist. Stör hat mir geschrieben, daß die Diäten (S 15.-) 4 Wochen dauern, das ist recht, brauch mich dann wenigstens nicht zu streiten. Ing. Wolfgang war da, ihm hat alles gefallen, und er wünscht, daß Horky noch länger heraußen bleibt. Außerdem wurden noch einige kleinere Arbeiten gemacht, aber ohne uns. Ich fahr ab. Gestern war bei uns ein 25 jähr. Jubiläum für den Kapellmeister der Altmünsterer Musik. Da wurde ich weiß gar nicht wie lange gespielt, laut genug, wenns auch manchmal daneben ging. In Strömen fällt der Regen auf unseren Apfelbaum. Schauderhaft. Grad Sonntag ist’s immer am schlechtesten.

Anny hat mir eine sehr kurze, etwas schroffe Karte gesandt, worauf sie mir mitteilt, daß sie nicht mitgeht, „weder auf den Traunstein noch wo anders hin“. In der ersten Aufregung wollte ich ebenso grob antworten, hab’s aber dann überschlafen und gar nicht geschrieben. Dich läßt sie herzlichst grüßen.

Stör schreibt noch weiters, daß er sich Samstag in Hallstatt gut ausgeruht hat, abends einen feinen gebackenen Hechten mit Wein zu sich genommen hat und Sonntag bis nach Hause gefahren ist. Daheim waren sie dann alle 3 freien Tage noch baden. Rommel kommt ab nächste Woche auch zu Werlitz. Als was, schreibt Stör nicht. Bin noch immer in unserem Zimmer und schlafe in Deinem Bett mit der langen Duchent. Dein Gruß an Nußbaumers wird erwidert, ich „freue“ mich aber auf die Blumen. Weißt ja, wie gern ich das mache. Heute sind die Schwaneneltern und die Jungen auf unsere Esplanade herausgewatschelt. Die Kleinen sind schon sehr groß. Leute sind noch nicht mehr hier, kein Wunder, bei dem Wetter. Nun weißt Du alle die „Neuigkeiten“. Sei vernünftiger als ich. Wäre gestern am liebsten zu Euch gefahren. Küsse die Kinder, Robert wird ja schon zu Hause sein.

Dir schickt viele Busserln

Dein Robert

Weidlingau, 10.7.1932

Mein Liebstes!

Die Tage vergehen im Fluge und doch - die Woche dauert so lang. Ich sehne mich so sehr nach Dir; der Moment, wo ich mich von Dir trennen mußte, scheint mir so weit zurückzuliegen! Kind, war die Zeit schön!

Na, gehen wir zur Tagesordnung über. Werner läßt Dich schön grüßen, Du sollst bald kommen; Busserl schickt er Dir keines. Er gibt auch mir keines, trotzdem er mir so oft am Tage sagt: „Mutter, ich hab Dich sooo lieb.“

Heute abends fährt Großmama heim. Ich bin schon neugierig, wie’s mit dem Buben dann wird. Er hat sich sehr an Mutter gewöhnt. Die erste Nacht wollte er überhaupt nicht zu mir ins Bett, sondern Mutter sollte sich zu ihm setzen. Natürlich wurde dem Wunsche nicht Folge geleistet. Roberts Zeugnis ist ziemlich gut. Er hat in Schreiben 3, Form und Deutsch 2, sonst lauter 1. Der Herr Lehrer hat ihn auch zum ersten Mal wirklich gelobt. Auch Fredys Lehrerin sprach sich durchaus lobend über ihn aus. Habe den Kindern Pfeile und Bogen im Matadorhaus gekauft. Sie haben aber mehr gekostet. Der Bogen per St 3.60 S, die Pfeile je 80 Gr. Der nächstniedrigere Preis für Bögen wäre 1.65 S gewesen, doch wurde ich aufmerksam gemacht, daß diese Größe nur einfach und daher sehr leicht zerbrechlich ist. Für Werner kaufte ich eine Holzeisenbahn. Er hat sie so gern, daß er den ganzen Tag alle 4 Stück, aus denen sie besteht, mit sich herumträgt, wenn er nicht damit spielt. Preis 2.50 S. Eben ist ein sehr interessantes Hörspiel zu Ende. Wie wird’s Dir heute gegangen sein? Bei uns hat’s von Zeit zu Zeit ein bisserl gespritzt. Wäre zu einem Aufstieg auf den Traunstein ein ganz schönes Wetter gewesen. War Anny bei Dir?

Werde den Brief noch schnell hinuntertragen, ich denke, es geht Dir ähnlich wie mir und - ich sehne mich so sehr nach ein paar lieben Zeilen von Dir, in Ermangelung Deiner selbst.

Grüße alle in Altmünster! Gestern hatte der Traunsee angeblich 21 Grad. Wäre fein zum Baden gewesen. Viel tausend Busserln, auch von den Kindern!

Deine Gretel


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