Grete Schröfl - Robert Schröfl: Korrespondenz


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1929 bis 1935 war bei Siemens schlechte Zeit, und Vater mußte fallweise Blitzableiterüberprüfungen machen und Überprüfungen abschließen.

Heidenreichstein, 7.5.1934, 9 Uhr abends.

Liebe Gretel, liebe Kinder!

Nach einer schönen, heißen und erfolgreichen Fahrt hier eingelangt. Zwar statt um 16 Uhr, wie ich ausgerechnet, erst um 20 Uhr, aber ich habe wieder drei neue Überprüfungen abgeschlossen. Eine davon konnte ich selbst erledigen, bezüglich der anderen zwei muß ich wahrscheinlich anfangs der nächsten Woche nach Horn. Bin also zufrieden.

Die Fahrt war, speziell die heute abends, wunderschön. Die Straßen sind hier sandig, so daß der Staub, auch wenn Autos fahren, nicht so arg ist. Eigentümlich sind die in der Karte als gute Straßen bezeichneten, schlechter als die anderen, weil durch das viele Autofahren viele Löcher sind.

Heute früh war ich in einem Schloß der Fürsten Croj in Buchberg am Kamp. Hier scheint eine Prinzeß von ca. 20 bis 22 Jahren das Regiment zu führen. Habe mich sogar, als sie beim Frühstück im Garten war, ein wenig unterhalten. Diese Ehre, was? Und meinen Bleistift muß ich jetzt in Ehren halten, da ich ihn ihr zur Verfügung stellte. Das Schloß würde unseren Kindern wohl gefallen haben. Die verschiedenen Höfe, die engen Steintreppen, die Kammern mit Reitsachen, Schuhwerk, Gewändern; in einem Hofe ist ein Brunnen, der immer fließt. Zwei große Schäferhunde mit fünf putzigen Jungen waren auch da.

Im allgemeinen jammern die Wirte, daß es heuer im Vergleich zum vorigen Jahr noch viel schlechter ist. Versteh’ ich wohl nicht recht, da es ja doch ein bisserl besser ist.

In Breiteneich habe ich die Bestellung von einem ehemaligen Nazi- Bürgermeister bekommen, der mich auch der Schule rekommandierte. Vom Oberlehrer an den eingesetzten Kommissär (mit blauem Schurz und Holzschlapfen) gewiesen, machte ich, in der Unkenntnis der Sache, eine Bemerkung, daß Herr Soundso, der ehemalige Bürgermeister, auch seine Blitzableiteranlage untersuchen läßt. Na, da kam ich gut an. „Was, der, no ja, aber bei der Schul tan mir anschaffen und wann i Ihnen sag, daß’s net gmacht wird, so is so.“ Da konnte ich natürlich nichts machen, als nochmals den Oberlehrer in der Schule ersuchen, daß er, bis wir die Überprüfung in Breiteneich vornehmen, den Kommissär umstimmen soll.

Im allgemeinen sind hier 80% Nazis. In dem Gasthaus, von welchem ich schreibe, singt man mit starker Kehle deutsche Lieder. Leider so, daß mein Trommelfell riesig in Anspruch genommen ist. Ein Tenor bildet sich, wie mir scheint, ein, Jos. Schmidt zu sein, nur mit dem Unterschied, daß Jos. Schmidt die starke Stimme fehlt. Ich höre gerade, daß das Geschrei die Ausklänge einer Leichenfeier ist. Drum haben sie auch immer „aber mir san no do“ im Chor gesungen.

Morgen schalte ich in Bezug auf das Radfahren einen Ruhetag ein. Übermorgen geht’s dann nach Gmünd und weiter nach dem Süden. Freue mich schon recht auf die Durchfahrt durch Oberösterreich.

Hoffe, daß es Euch gut geht und die Kinder recht brav sind.

Grüße Vater


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