Grete Schröfl - Robert Schröfl: Korrespondenz


[nach oben] [Lebenslauf] [Urlaube] [1920] [1921] [1923] [1925] [1926] [1928] [1929] [1930] [1931] [1932] [1934] [1935] [1936] [1937] [1938] [1939] [1940] [1941] [1942]


Weidlingau, 14.6.1929

Mein Lieb!

Nur 14 Tage - keine Ewigkeit! Dein letztes Wort. Glaubst Du nun, Schatz, daß Du mir deshalb auch nicht einmal eine Zeile schreiben brauchst? Es sind ja nur 14 Tage. Na, ich will Gnade für Recht ergehen lassen und Dir doch noch schnell ein paar Zeilen schreiben, ehe ich schlafen gehe. Jetzt ist’s in 5 Min. 10 Uhr.

Wir befinden uns soweit ganz wohl. Heute hab ich um 9 Uhr noch gegossen. Unsere Erbsen sind teilweise schon 5 cm lang. Der Rettich wird, bis Du kommst, schon aufgegessen sein (aber nicht von uns).

Dahlien hab ich bereits 30 Stück, die voraussichtlich kommen werden. Einmal war ich diese Woche mit Rudolf am Acker. Er hat heute die ersten Ananaserdbeeren geerntet. Auch die kleinen Roserln blühen bei ihm schon.

Gestern waren die Kinder mit Rudolf beim Matterbauer.

Liebling, ich kann Dir gar nicht schreiben, denn schreib ich Dir, wie’s mir um’s Herz ist, so ärgerst Du Dich, und so - so wird der Brief so trocken.

Frau Artmann glaubt immer, mir ist die Zeit lang, weil Du nicht da bist; daß es auch Menschen gibt, die sich nicht langweilen, wenn sie allein sind, scheint ihr unverständlich zu sein. Sie leistet mir leider mehr Gesellschaft, als mir erwünscht ist.

Morgen abends oder übermorgen früh fahre ich nach Wien und bleibe bis Montag Mittag. Leider geht sich das nicht anders aus, so viel ich auch schon hin und her geklügelt habe. Gestern färbte ich. Es ist sehr schön gleichmäßig, nur sehr rot. Na, macht nichts. Den Kindern habe ich die blauen Hosen genäht. Sind sehr hübsch geworden. Sonntag zieh ich ihnen entweder die Ruderleiberl oder die weißen Blusen dazu an.

Dienstag habe ich Waschtag. Das erspart Dir wieder einmal ärgern. Lieb, ich möchte Dir ja so gern allen Ärger ersparen. Leider habe auch ich mich nicht immer so in der Gewalt, wie ich sollte. Vielleicht wird’s nach meinem Urlaub auch besser.

Heute kam eine Karte von Hansi und Fanny und Ruzenka. Ich möchte Dich so viel fragen, aber bis Du mir den Brief beantwortest, kommst Du ja schon. Auf jeden Fall grüße mir alle Bekannten, besonders Schw. Brodil.

Sei geküßt von den Kindern und mir!

Dein Weib.

Prag, 15. Juni 1929

Liebe Mutter und Kinder! Mein süßes Lieb!

Nun bin ich heute erst 8 Tage fort und mir kommt das schon jetzt so lange vor. Seid nicht böse, daß ich erst heute einen Brief schreibe, aber da untertags keine Zeit ist und ich abends oft mit Herrn und Frau Stör beisammen bin, wenn ich nicht gerade einen meist verunglückten Besuch mache, so zieht sich halt das Schreiben so hinaus. Ich wohne noch immer im Hotel, was meiner Kassa natürlich gar nicht recht ist. Aber leider, Frau Hejna habe ich bis heute noch nicht zu Hause getroffen, hat sich nichts gefunden. Ich zahl ja nicht gerade viel, 17 Kc für Zimmer und ohne Trinkgeld. In anderer Weise ist es ja ganz angenehm, unabhängig zu sein.

Die Fahrt von Wien nach Znaim war wider Erwarten einfach grauslich. Das Auto war für die vielen Menschen zu klein, statt 13 waren etwa 35 Leute drinnen. Beiläufig 2/3 der Fahrt mußte ich stehen. Also unter solchen Umständen nimmermehr.

In Znaim selbst, wo ich ca. 6 Sunden Zeit hatte, war es recht hübsch. Ich habe mir die Stadt, à la Krems, gründlich besichtigt und auch einen Spaziergang zum Schloß gemacht. Hoffentlich werde ich Euch die Bilder, die ich dort gemacht habe, zeigen können. Um halb 12 Uhr nachts fuhr ich dann in angenehmer Gesellschaft zweier Wiener bis Nym…, ab da allein nach Prag. Ruzena ist denselben Samstag abgefahren. Das tat mir leid, da ich sie nicht mehr sehen werde. Sonntag war ich bei Brodils, auch zu Mittag. Um ca. 11 Uhr vormittag war ich bei Stör. Beide lagen noch im Bett. Junge Eheleute! Frau Stör ist sehr lieb und noch jung, 21 Jahre. Sie gibt sich sehr natürlich und dürfte, soweit bis jetzt zu beurteilen, einen guten Charakter haben. Sonntag nachmittag fuhren wir nach Dobrikovice, bei Karlstein, und machten eine schöne Waldwanderung. Montag abend war ich bei Chanas, welche Dich recht grüßen lassen und auch die Buben. Dienstag war ich bei Stör’s geladen und habe gestaunt, wie gut er Guitarre spielt. Mittwoch waren wir auf der Moldau Kahnfahren. Donnerstag machte ich Besuche, Brodil, Hejna, Vich, niemand war zu Hause. Freitag begleitete ich die Stör’s zur Bahn, da sie nach Herrenkretschen fuhren. Na und heute habe ich Frau Brodil endlich nach dem 4ten Male zu Hause getroffen. Fanny kommt morgen früh, Hansi bleibt noch 3 Tage bei Ruzena. Leider habe ich für morgen schon vereinbart nach Senokraky zu fahren. Na, abends werde ich schon erfahren, wie’s gegangen ist. Bei Vedrals und Vedraska war ich auch heute, alle lassen Dich grüßen. Zu Vedrals werde ich nächste Woche noch einmal Radio richten gehen. Veruska und Stanja waren leider nicht zu Hause. Das frischgebackene Paar Vedralowa schaut furchtbar jung aus. Ich dachte erst von rückwärts, daß es Pepsa ist, die drei Schwestern haben sich noch nicht geändert, Pepa ist recht groß geworden. Auch der Klinsa-Franz ist direkt ein Brocken. Ich werde voraussichtlich Freitag Nacht zurückfahren, Samstag dann vormittag nach Hause kommen. Auf alle Fälle schaue ich zuerst zu Mutter. Ich freue mich schon recht auf das Wiedersehen, man ist das Alleinsein nicht mehr gewöhnt. Nun liebe Kinder und liebe Mutter lebt bis nächsten Samstag recht wohl und seid geküßt von Eurem

Vater.

Weidlingau, 18. Juni 1929

Lieber Vater!

Wir haben am 18. Juni Deine liebe Karte bekommen ich danke Dir. Die Mutter war mit mir in der Schule, und der Herr Oberlehrer möchte sehr gerne, dass ich auch nächstes Jahr die Schule in Wien besuche. Die Großmutter ist bei uns.

Viele Grüße von uns allen.

Dein Robert

Mein lieber Mann!

Erhielt heute Deinen lb. Brief. Aber erst abends. Werde Samstag vormittag Dich in Wien bei Mutter erwarten. Leider konnte ich trotz eifrigen Suchens nicht finden, mit welcher Bahn Du kommst.

Robert schrieb den Brief allein, da ich Waschtag hatte. Mutter habe ich mir gestern mitgenommen, da wir sehr schönes Wetter haben.

Viele Busserl von uns allen,

Deine Gretel

Prag, 19. Juni 1929

Mein liebes Weib!

Deinen Brief habe ich mit großer Freude bei Brodils vorgefunden. Ich sehe zwar, daß Du dieses Mal wieder ein bißchen unvernünftig bist. Nun, ich kann das begreifen, mir geht es ebenso.

Es ist ja ganz gut, wenn man so ein wenig auseinander ist. Man lernt sich dann besser schätzen. Ihr geht mir sehr ab, besonders in der Zeit, wo die Mädels fort waren. Fanny ist nun wieder seit Sonntag früh hier. Sie erzählt, daß es bei der YFKA recht hübsch war, Tagespension 32 Kc incl. Bedienung. In der Tatra ist heuer sogar jetzt noch am Weg von Streske Plesa nach Vedprodski Plesa Schnee. Hansi kommt voraussichtlich auch abends an. Freut mich auch, Du weißt ja, wir vertragen uns gut (bis auf Dämenov). Bin jetzt seit Montag alle Tage abends bei Brodil, was soll ich denn auch sonst anfangen.

Meine liebe Gretel, es besteht die Möglichkeit, daß ich noch eine Woche länger heraußen bleiben muß, da der Montageleiter aus Berlin in Urlaub geht und Herr Wenischnigger nicht alles allein machen kann. Die Entscheidung hierüber wird mir H. Twrdoczil wahrscheinlich telefonisch mitteilen. Es ist ja noch nicht bestimmt, jedoch wahrscheinlich. Werde Dir, wenn ich nicht komme, telegraphieren.

Du schreibst mir wenig über die Kinder, ich möchte ja viel wissen. Wie geht es Robert bei seinem Schulfahren? Würdest Du nicht gerne, wenn ich noch eine Woche ausbleibe, Mutter zu Dir nehmen? Sag, habt Ihr meine Karte aus Znaim und Prag nicht erhalten? Und wer ißt denn unseren Rettich auf? Auf die grünen Erbsen freue ich mich schon. Sonntag war ich mit Fanca in Senokraby. Ich sollte Dir das vielleicht gar nicht schreiben, denn Du wirst, wenn Du das liest, gewiß so ein eigenes Gefühl haben. Aber, Liebling, warum soll ich Dir das nicht mitteilen, eine Schlechtigkeit ist oder war das doch nicht. Wir haben uns über unsere vorjährige Partie ordentlich ausgesprochen, so weit bei mir das möglich ist. Und ich soll Euch einen Gruß senden. Mein … geht doch wieder ein wenig. Also ich glaube, Du bist mir wegen Vorstehendem nicht böse. Ich schreibe während der Mittagszeit, sie ist eben zu Ende. Also, mein Liebes, sei nicht mehr traurig und schreib mir nur, was Du am Herzen hast. Ich werde mich gewiß nicht ärgern. Küsse die Buben von mir und sag ihnen, daß sie brav sein müssen, was ich ja von ihnen hoffe.

Mit vielen tausend Busserln

Dein Robert

20. Juni 1929

Liebe Gretel!

Leider muß ich Dir mitteilen, daß eben die Entscheidung gefallen ist, daß ich bis ca. 6. Juli hierbleibe.

Mein liebes Kind, da mußt Du halt sehr vernünftig sein, es sind ja 4 Wochen auch „keine Ewigkeit“.

Eine andere Sache ist, daß nach 14 Tagen meine Diäten von 90 Kc auf 63 Kc sinken, das ist natürlich fatal, da das Hotelwohnen ca. 22 pro Tag kostet. Aber es ist doch mehr, als wenn ich in Wien wäre. Betreff des Gehaltes am 1. werde ich H. Rommel bitten zu veranlassen, daß Dir selbes zugesendet wird. Außerdem übersende ich Dir das Geld für D. Altenburg.

Ich will diesen Brief sogleich zur Post senden, daher schließe ich mit mit vielen, vielen Küssen an Dich und die Kinder

Robert

Weidlingau, 21.6.1929

Mein lieber Mann!

Also Du kommst nicht. So war meine große Freude umsonst. Noch 14 Tage muß ich Dich entbehren, Liebling! Aber ich will ganz vernünftig sein und nicht jammern. Bisher hatte ich auch so viel zu tun, daß die Abende wie im Flug vergingen und es meist 11 - ½ 12 Uhr wurde, ehe ich ins Bett kam.

Dann allerdings war ich immer recht dumm, die erste Woche. Die zweite nun freute ich mich recht sehr auf das nun so grausam hinausgeschoben Wiedersehen.

Ich freue mich, Lieb, daß Du nun wieder die Abende bei Brodils verbringen kannst. Ich wollte, ich wäre bei Euch.

Mit mir und den Kindern ist alles beim Alten. Robert fährt mit Onkel Rudolf bis Hütteldorf. Bitte antworte mir sofort, ob Robert nächstes Jahr wieder in die Corneliusschule gehen soll. Der Hr. Direktor meint, es sei besser, da Lehrer und Schüler einander schon kennen. Am 27. muß ich aber Bescheid sagen.

Die letzten Tage waren die Kinder täglich in der Wien baden. Mutter ging mit ihnen. Gestern war ich sie dann abholen und fand das Wasser gar nicht so seicht, wie es aussieht, auch schön warm und angenehmere Steine wie in der Rokitka.

Fredy läuft immer bloßfüßig, schlägt und stößt sich aber immer die Zehen wund.

Mutter habe ich seit Montag bei mir. Ich sagte, so lange Schönwetter ist, soll sie bleiben. Nun ist aber seit heute abend wieder schlechte Witterung vorausgesagt.

Die Kinder freuten sich ebenfalls sehr auf Dein Kommen und sind nun sehr enttäuscht.

Die Rettiche sind schon aufgegessen von den Schäfer-Kindern, Robert, Hansi und Trude. Und wenn die Erbsen so weiterwachsen, kriegst auch nichts davon. Ich weiß nicht, ob ich Dir schrieb, daß auch schon kleine Paradeiserln daran sind, an der ersten Staude. Die Lilie ist beinahe mannshoch, aber noch nicht aufgeblüht. Es macht mir alles viel Arbeit, aber noch mehr Freude. Sag mal, Schatzl, Du scheinst immer noch fest überzeugt zu sein, daß ich auf Fanca als Person eifersüchtig war oder bin. Kind, das ist ein Irrtum. Ich glaube, Du weißt nicht, wie Du Dich verhalten hast. Nun, Deine Behandlung, entweder etwas zu kritisieren an mir oder andererseits mich vollständig zu übersehen, als wäre ich Luft, das war’s, was mich kränkte und zugleich empörte, damit hat Fancas Persönlichkeit und Geschlecht durchaus nichts zu tun. Es blieb aber auch jenes „eigene Gefühl“ aus. Aber ich danke Dir, mein Lieb, daß Du so viel Vertrauen zu mir hast, es mir dennoch zu schreiben, trotzdem Du meintest, mich damit zu kränken. Wenn Du kommst, kriegst Du ein Extra-Busserl von mir dafür. Wenn Du Fanca wieder siehst, grüße sie recht herzlich von mir.

Hast Du Frau Vich und Frau Hejna noch nicht angetroffen? Nun wirst Du doch Ruzena auch noch sehen.

Schatz, wegen der 63 Kc Diäten laß Dir keine grauen Haare wachsen. Wie wär’s, wenn’s nicht länger gedauert hätte. Leben kannst Du doch davon, nicht? Und gut geht’s Dir wahrscheinlich auch in Prag. So kannst Du Dich ein wenig von zu Hause erholen. Ich muß Dir sagen, daß ich jetzt, trotzdem ich vom frühen Morgen bis spät abends rast- und ruhelos arbeite, gar nicht nervös bin. Das macht wohl, weil ich nicht ständig in Angst sein muß, Dir alles nicht recht zu machen. Und doch möchte ich selbst ein brummiges Gesicht von Dir lieber sehen, als Dich gar nicht zu haben. Lieb, mein Lieb, manchmal glaube ich wohl, meine Sehnsucht muß Dich herbeizaubern können. Aber leider -

Fr. Hauer ist seit Dienstag weg. Nach Triest. Schäfers putzen morgen die Küche. Haben große Räumerei.

Ja, unsere Kapuziner blühen sehr schön. Nun mache ich aber Schluß, sonst wird’s noch 12 Uhr. Grüße mir alle Bekannten. Von den Kindern viele Busserl. Die besten Grüße an Herrn und unbekannterweise auch an Frau Stör.

Nun bekomme ich heuer ein besonderes Geburtstagsgeschenk, Dich mein Liebstes!

In heißer Liebe umarmt und küßt Dich Deine

Gretel.

Prag, 24.6.29

Mein liebes Weib!

Ich sitze bei meinem altbekannten Tisch bei Fr. Vich, draußen regnet es in Strömen, und ich habe Deinen so lieben Brief vom 21. vor mir. Mein lieber Schatz, das war wieder einmal ein Schreiben, wie ich es von Dir gewöhnt war. So voll Liebe und Güte, wenn ich Dich nur da hätte bei mir. Wie Du aus dem Vorstehenden ersiehst, habe ich wieder das Zimmer bei Fr. Vich bezogen. Ich hatte Glück, daß ich dasselbe sofort haben konnte, da der Zimmerherr am 20.d. auszog. Der Zins ist hier bis 20. Juli bezahlt (300 Kc), jedoch löst mich Hr. Rommel ab, so daß ich die Hälfte, also 150 Kc von ihm bekomme. So schaut aus den letzten 14 Tagen doch noch etwas heraus und ich habe mir à conto dessen, da meine Schuhe dank des Prager Pflasters total durch waren, neue gelbe gekauft. Momentan drücken sie noch, auch was den Preis betrifft. Wegen meinen kleinen

Füßen bekam ich natürlich wieder keine billigen, so daß ich mir in der damaligen früheren Qualität wie meine gelben Schuhe ein Paar kaufte, welche jetzt 155 Kc kosten. Die alten habe ich gleich zum Doppeln dortgelassen, auch wieder 20 Kc. Weißt, mit den kleinen Auslagen geht’s halt so wie immer. Man rechnet nicht damit und doch kommt genug zusammen. Eine Badehose Kc 12, 6 Krägen Kc 39, 3 Paar Socken Kc 36, auf einmal sind 100 Kc weg.

Wegen Robert bin ich schon dafür, daß er wieder in die Corneliusschule geht, wenn es Dein Wunsch ist und es auch dem Direktor besser erscheint. Die Mehrauslagen von S1.50 p. M., für die Stadtbahn und später eventuell, bis er größer wird, S 2.50 machen es doch nicht aus. Und für Robert selbst wird es doch auch eine Freude sein.

Eben war ich Haareschneiden. Kostet hier incl. Trinkgeld … Kc, das geht an. Nachher machte ich meinen alten Spaziergang am Visehrad, ging essen und fand, wie ich wieder nach Hause kam, einen Blumenstrauß von Krc. Trotz des schlechten Wetters war Fr. Vich fort. Sie läßt, wie sie mir gerade aufgab, Dich, sowie die Kinder recht schön grüßen. Silva wohnt mit Fr. Vich, ich habe sie jedoch noch nicht gesehen.

Daß die Kinder baden gehen, ist recht, nur wird es gut sein, wenn Du sie nicht allein läßt, da man doch nicht weiß, was passiert. Später, wenn sie größer sind, ist’s ja besser. Aber, wie Du denkst.

Samstag waren Fanni, Hansi und ich in der Hrdlo… Wir machten einen Rundgang bei Har… entlang der Bahn bis zur Station Hlo… hinunter zu den drei Brücken, die eine Bahnbrücke ist ganz neu erbaut, der Rokitka entlang bis zum Teich. Unterhalb des Teiches, von der Wehr bis zu dem kleinen Wasserfall, wo ich Robert einmal fotografierte, hat man ein Reservoir aus Beton gemacht, ca ½ m tief, mit Stufen vom Weg hinunter, zum Baden. Auf der anderen Seite des Wegs ist eine Holzbude zum Umkleiden mit geteilten Räumen für Pany a Damy. Alles umsonst. Ich habe gebadet, es war zu verlockend, die Mädels haben zugeschaut. Dann sind wir weiter, bis dort, wo die neuen Häuser gebaut worden sind, vor dem Weg nach Keje über den Berg, beim Bahnwärterhaus über das Geleise zum Hause… und zu Wodran…

„Das ist Heidelbeertee aber ohne alles. Ich habe nichts sonst.“ Mit diesen Worten bringt mir Frau Vich ein Glas Tee mit Milch. Du siehst, es geht mir nicht schlecht. Sonntag regnete es. Vormittag auf dem Weg zu Brodils traf ich Fanny und begleitete sie zum „Naro…“. Sie kaufte für uns Karten zur „Verkauften Braut“ für Samstag abends. Dann ging ich zu Hr. Stör und war mittags wieder bei Brodils eingeladen. Nachmittag waren wir am Friedhof, zwar im Regen, jedoch war es ganz schön. Auch haben wir gesungen und es ist schade, daß ich die Liederbücher nicht mithabe.

Morgen habe ich mit Hansi eine Zusammenkunft, wenn es schön ist. Auch werden Hr. u. Fr. Stör kommen. Dann gehen wir am Hradschin, Petr… und Kinskypark. Herr und Frau Stör fahren, da kommende Woche Freitag und Samstag ein Feiertag ist, am 4. in den Böhmerwald und bleiben dort bis ca.14. Juli. Ich hatte vor, sie zu begleiten, und über Linz, Melk nach Hause zu fahren. Auf diese Weise würde es mir möglich sein, um verhältnismäßig wenig Geld den Böhmerwald kennenzulernen, auf den Blöckenstein zu gehen u.s.w. Nun sind aber einige Umstände, die mir in die Quere kommen. 1) daß ich kein Touristengewand und Schuhe hier habe, 2) daß ich eventuell, wenn ich nicht fahre, vielleicht … und zuletzt, daß ich mir die 75 Kc nebst dem Überschuß von 2. auf 3. Kl. ersparen kann. Werde mir also die Sache noch überlegen.

Es ist nur schade, daß niemand jetzt nach Prag fährt. Ich hätte Robert so gerne da. Die Kinder gehen mir sehr ab. Selbstverständlich Du auch, mein liebes Schatzerl. Überhaupt jetzt am Abend.

Es ist eigentlich sonderbar, daß wir immer auseinander sein müssen, wenn wir uns was sagen, oder besser gesagt, schreiben. Nun bin ich froh, daß ich Dir die Sonntagsfahrt mit Fanca mitteilte, den ich hätte sonst immer das Gefühl der Unaufrichtigkeit gehabt, trotzdem ich, wenn ich es unterlassen hätte, es nur darum getan hätte, um Dich in den Tagen des Alleinseins nicht zu kränken. Ich wollte Dir das dann in meinem Samstagschreiben mitteilen, überlegte es mir jedoch. Nun mein Lieb, da es aber so ist, wie Du sagst, ist etwas geschwunden, was zwischen uns war. Wenigstens von mir aus gesehen.

Fanca werde ich wohl nicht mehr sehen, da sie mich schon fort glaubt, und ich sie auch nicht anrufen will, wegen ihr und mir. Umsomehr als, wie ich erfuhr, nun ja ahnte, daß sie zu mir nach Wien fuhr…?… Außerdem dürfte sie in dieser Woche wegen einer Augenoperation wieder auf 4 bis 6 Wochen ins Spital kommen. Werde ihr Deine lieben Grüße von Wien aus übermitteln, wenn ich ihr Aufnahmen, welche ich machte, sende.

Also, jetzt heißt’s schlafen gehen. Es ist schwer so allein, aber, was kann man denn machen. Schlaf auch Du wohl. An Dich denkt in Sehnsucht

Dein Mann

Küsse die Kinder recht von mir. Viele Grüße an Großmama, Hansi, Trude und alle Bekannten. Mir scheint, ich lerne jetzt wieder schreiben. Hast Du Richard das Geld gesendet?

25. Juni 1929

Meine Lieben!

Eben hat Herr Twrdoczil angerufen, daß ich in Wien dringend benötigt werde und angefragt, ob es möglich ist, daß ich Montag den 1. Juli im Büro sein kann. Herr Wenischnigger hat so halb und halb zugestimmt, so daß ich voraussichtlich entweder Samstag oder Sonntag nach Hause komme. Werde vielleicht von Tulln aus mit dem Auto fahren und in Weidlingau absteigen. Also, man kann sich nichts vornehmen, es kommt doch immer anders.

Nun ich habe daran meine Freude, da ich mich so schon sehr nach Euch sehne. Vielleicht gelingt es mir, daß ich schon Freitag abkomme. Da könnten wir Samstag einen Ausflug machen. Werde Euch vorher noch auf irgendeine Weise Mitteilung zukommen lassen.

Bis dahin küßt Euch herzlichst

Euer Vater

Deutsch Altenburg, 18.7.1929
abends 8 Uhr

Meine Lieben!

Jetzt sitze ich schon in meinem Zimmer, das ich nun mit einer Dame zu teilen habe. Leider habe ich meine Mitbewohnerin noch nicht zu Gesicht bekommen. Man hat mich hier seit morgens erwartet, aber als ich abends kam, war die Kanzlei gesperrt, der Arzt nicht da und nur durch Zufall erwischte ich noch die Beschließerin. Heute mußte ich mir mein Nachtmahl selbst kaufen (3 S 08 Gr), ab morgen bin ich erst Kurgast. Von 7 - 9 Uhr ist Frühstück, von 11 - 1 Uhr Mittagessen, von 7 - 9 abends Nachtmahl. Das Zimmer ist ähnlich wie in den O.Ö. Gasthäusern. Die Betten stehen wie bei Frau Vich. Zwischen den Betten ist ein Schalter. Zu Wasserleitung und Closet geht man über einen gedeckten Gang. Nun Schluß für heute mit vielen, vielen Busserln

Eure Mutter

Der vergessene Speisezettel:

Samstag: Knödel und Salat. Sonntag: Gedünstetes Fleisch (Rostbraten oder Beiried), StrudelMontag: Grüne Erbsen, KartoffelDienstag: PalatschinkenMittwoch: Karotten mit Reis

Donnerstag: Grießschmarrn, Zwetschken

Freitag: ErdäpfelsuppeSamstag: Kohlrüben (aus dem Garten), NockerlSonntag: Schnitzel mit Salat

Montag: Fisolen mit Kartoffeln

Dienstag: Erdäpfelnudeln mit Kompott oder MarmeladeMittwoch: Gurkensauce mit Nockerl oder KnödelDonnerstag: BuchtelnFreitag: Paradeissauce mit Reis (vom Garten oder Meinl)Samstag: Fleischlaiberl mit SalatSonntag: Gefüllte Kalbsbrust mit Reis und SalatMontag: Fisolen

Dienstag: Livanci

Mittwoch: Gedünstetes KrautDonnerstag: Knödel und Salat

Freitag: Krautfleckerl

Natürlich müßt Ihr Euch nicht daran halten. Wegen Gemüse soll Trude zu Adamovic schauen, wenn sie nichts von Wien oder vom Garten hat.

Nochmals viele Busserl von

Mutter

Brief von Vater fehlt

23.7.1929

Mein süßes Lieb!

Nun muß ich Dir doch einmal schreiben, nämlich ausführlicher. Heute hatte ich das 4te Bad, da nach 2 Bädern ein Ruhetag eingeschoben wird bei mir. Eigentlich wirklich Ruhe hatte ich nur Sonntag. Morgen habe ich Schlammpackung, desgleichen jeden folgenden Ruhetag.

Das Bad ist zu verschiedenen Zeiten, wie eben Kabinen frei sind. Ab heute bis zum 1. gehe ich von 8 bis 9 Uhr baden. Das Bad dauert 15 bis 20 Minuten, darauf eine Trockenpackung von 10 Min. Dauer und 1 Stunde Bettruhe.

Mit meiner Zimmerkollegin vertrage ich mich recht gut. Sie ist 59 Jahre alt. Dann ist noch ein Ehepaar ungefähr im selben Alter und eine Frau aus Hirtenberg (62 Jahre), die zur Tischgesellschaft gehören. Alles recht liebe Leute (Ansichten, die mir nicht passen, überhöre ich einfach).

Eben bringt mir der Briefträger Deinen lb. Brief. Das wäre ja sehr schön, wenn Du wiedermal ein bißchen Abwechslung hättest und ich hätte auch nichts dagegen, mal nach Albanien zu fahren, trotz Malariagefahr.

Daß Du mir den Garten so betreust, ist mir eine große Freude. Aber wie geht es mit den Kindern? Ich habe „Helenes Kinderchen“ jetzt ausgelesen und darinnen eigentlich doch mehr oder weniger meine Erziehungsmethoden bestätigt gefunden.

Nun lese ich „Bismarck“. Das Buch wiegt nun natürlich an Schönheit die Belustigung auf, die ich aus dem anderen schöpfte. Wir haben hier 2mal täglich Konzert, von 11 - 13 Uhr und von 14 - 21 Uhr.

Gestern war ich mit Frau Kofler (meiner Kollegin) in Hainburg und haben uns die diversen historischen Bauten angesehen. Es war mir sehr leid, daß Du nicht dabeisein konntest, oder ich doch wenigstens den Apparat mithätte. Hainburg gefällt mir sehr gut, weniger gut aber, daß man an allen Ecken und Enden geschröpft wird.

Schatz, ich glaube, Du mußt mir schon noch mindestens 10 - 15 S schicken, das Badepersonal wartet jedesmal auf Trinkgeld, und da es allgemein gegeben wird, kann man sich nicht ausschließen. Für das Bedienungspersonal in den Zimmern sind auch wenigstens 5 S zu rechnen. In der Restauration noch mehr (ich habe bisher nichts gegeben im Restaurant). Auch muß ich 8 S 40 Gr. Kurtaxe bezahlen und außerdem gibt’s hier nur Trinkwasser von mindestens 25 Grad Wärme. Das erfordert natürlich, daß man sich wenigstens hin und wieder ein Glas Soda kauft. Ja, noch ein Punkt. Jeden Tag kaufe ich mir ein halbes Kilo Birnen zu 40 - 50 Gr. Wir müssen nämlich 2 bis 3 Gläser Schwefelwasser trinken und das stopft. Ergo braucht man ein Gegenmittel. Ich habe momentan noch 12 S und etliche Groschen, aber die Kurtaxe noch nicht bezahlt. In Petronell war ich Sonntag vormittag, aber nur bis beim Amphitheater, da ich schreckliche Kreuzschmerzen hatte. Überhaupt fühle ich mich schlechter als zu Hause. Das soll aber nur eine „gute“ Wirkung der Bäder sein. Auch einige Monate nachher anhalten.

Viel macht wohl auch die derzeitige Hitze. War Mutter schon beim Arzt, der Beine wegen?

Also Schatzerl, ich habe noch kein einziges Mal geweint. Was sagst Du nun zu Deiner tapferen Frau?

Aber nun werd’ ich schließen, hab doch keine Ruhe. Frau Kofler liegt nämlich und plaudert immer.

Blühen die Dahlien schon bald? Ich möchte schon recht gern wieder in meinem Garten sein. Den Kindern und Trudchen schreibe ich andermal mehr. Auch an Trude Schäfer.

Eben ist schon wieder Jause, Kaffee und ein Kipferl, dann werde ich ein wenig lesen an der Donau.

Ich küsse Euch alle recht herzlich und grüße auch Mitzi, Rudolf und Willi.

Dich umarmt und küßt heiß

Dein Weib

Brief vom 24.7.von Vater fehlt

Altenburg, 28.7.1929

Mein Lieb!!

Bald wäre ich heute nicht mehr fähig, Dir zu schreiben. Als wir vom Mittagessen kamen, streckte ich mich so (ich glaube, Du weißt, daß ich immer das Bedürfnis habe, mich nach allen Richtungen zu dehnen), auf einmal spürte ich einen Riß zwischen den Schulterblättern, und bin nicht mehr fähig, mir auch nur den Mantel auszuziehen. Frau Kofler half mir.

Nun ist mehr als eine Stunde vergangen und noch immer bringe ich die Arme nicht weiter als zu halber Brusthöhe. Auch die leiseste Bewegung schmerzt furchtbar.

Ich wollte Dir aber schon gestern deinen lieben Brief vom 24.d. M. beantworten, kam jedoch des Museums wegen nicht dazu. Letzteres ist sehr interessant und tut es mir immer mehr leid, daß Du nicht alles mit mir sehen kannst. Gestern abends hätte Trude da sein müssen. Wir hatten eine Tanzunterhaltung. Aber ich glaube, von den Kurgästen hat niemand getanzt. Frau Kofler wollte immer Walzer tanzen, fiel aber vorher an der Donau und verletzte sich das Knie. Frau Neumayer, die auch sehr lustig ist, hatte eben einen Todesfall. Morgen ist das Begräbnis ihres Enkelkindes. Daß Frau Boxkandl endlich erlöst ist, ist gut; ich glaube sogar für die Hinterbliebenen.

Also Schatz, Deine Fragen zu beantworten: Das Wasser hat beim Bad 35 Grad, wird gewärmt. Bei Schlammpackungen wird die Körperstelle, von der der Schmerz ausgeht, bei mir Kreuz und Hüften, dick mit heißem Schlamm bestrichen, dann kommt ein Tuch, Kautschuk, Leintuch und Kotzen, bis man wie eine Mumie eingepackt liegt. So muß man 20 Minuten liegen, dann im warmen Bad abwaschen. Vorgestern war ich in Petronell, dann mußte ich Kurtaxe bezahlen, so daß ich heute bereits 1 S Schulden habe bei Frau Kofler. Das Geld fliegt. Aber die Museen u.dgl. wollte ich nicht auslassen, wenn ich schon hier bin.

Im übrigen bin ich kreuzfidel . . . . . Rest unleserlich.

Altenburg, 1.8.1929

Mein lieber Mann!

Siehst, heute erwartete ich mal ein Schreiben von Dir und kam auch keines. Schatzerl ich glaube, ich komme schon früher nach Hause. Die Badefrau sagt nämlich, während der Menstruation muß ich pausieren, das hieße also, um eine Woche länger dableiben (ca.100 S). Solche Krösusse sind wir ja nicht. Ich werde nun abwarten. Es ist ja möglich, daß es infolge der Ruhe länger ausbleibt, aber auch möglich, daß die Bäder ziehen. Letzteres ist wohl die Ursache des Pausierens. Man befürchtet jedenfalls einen Blutsturz. Heute werde ich den Arzt konsultieren. Sollte er mir die Bäder verbieten, komme ich nach Hause. Vor Montag ist es ja normal nicht zu erwarten.

Gestern machte ich mit Frau Neumayer die letzte größere Partie, auf den Braunsberg und zur Ruine Rötelstein. Gehzeit tour-retour 4 Stunden. Es ist dies eigentlich wider ärztliche Vorschrift. Wir sollen nicht viel gehen, nicht kalt baden, nichts Schweres heben u.s.w. Die letzten Vorschriften und Ermahnungen kommen erst bei der Abreise.

Trudes Brief erhielt ich gestern. Danke ihr herzlich dafür. Das Faschierte habt Ihr halt schon Sonntag überdünsten müssen. Das hält sich von allem Fleisch am schlechtesten. Na, hoffentlich hat es Euch nicht geschadet. Kalt war es bei uns jetzt auch. Heute ist der erste warme Tag, seit es zu regnen anfing. Samstag ist hier Benefiz-Konzert zugunsten der Kurkapelle. Ein Opernsänger aus Teplitz-Schönau wird ebenfalls vortragen. Ein arroganter Kerl, aber eine wunderschöne Stimme hat er. Daß meine Buben trotz Regenwetter brav waren, freut mich besonders. Ist Richard noch bei Euch? Die Sehnsucht wird immer heißer, aber ich trotze ihr.

Bitte, gleich antworten. Ich muß sparen.

Viele Busserl an alle,

Deine Gretel

Weidlingau,3.8.29

Mein Liebes!

War gestern recht erstaunt, als ich Dein l. Schreiben erhielt, ob Deines baldigen Kommens. Zwar würde es uns derzeit wirklich nicht möglich sein, die 100 S welche Dein Pausieren bedingen würde, aufzubringen, da könntest Du ja, nachdem Du doch für 21 Tage gezahlt hast, in der Kuranstalt bis incl. Donnerstag bleiben. Nun Lieb, wie Du denkst, ich erwarte Dich hier mit Sehnsucht.

Vielleicht können wir aber zu meiner Urlaubswoche eine kleine Fahrt irgendwohin unternehmen. Anbei 10 Schilling, damit Du nicht zu viel sparen mußt.

Es ist 6 Uhr früh und ich muß mich jetzt anziehen. Wenn möglich, schreib bitte, wann Du ankommst.

Mit vielen Grüßen von Allen und Küssen von mir und natürlich auch von den Kindern

Dein Mann.


[nach oben] [Lebenslauf] [Urlaube] [1920] [1921] [1923] [1925] [1926] [1928] [1929] [1930] [1931] [1932] [1934] [1935] [1936] [1937] [1938] [1939] [1940] [1941] [1942]




Wir freuen uns über Ihre Kommentare, bitte senden Sie sie an Paul Schröfl (pauli schroefl.com). Die Benutzung dieser Web Site basiert auf unseren Benutzungsbedingungen. © 1990 - 2017 Paul Schröfl, Lisl Schröfl, alle Rechte vorbehalten. Letzte Änderungen am 25. Jänner 2012