Grete Schröfl - Robert Schröfl: Korrespondenz


[up] [CV] [Holydays] [1920] [1921] [1923] [1925] [1926] [1928] [1929] [1930] [1931] [1932] [1934] [1935] [1936] [1937] [1938] [1939] [1940] [1941] [1942]


* Not translated yet * Only german version available *


Wien, 19.1.1939

Mein Liebstes!

Vielen Dank fĂŒr Deine liebe Karte. Ich warte nun immer auf die, wo Du mit Stör und Dr. Görner beisammen sitzt.

Heute habe ich Großmama heimgefĂŒhrt. Nun ist’s mir ein wenig einsam, trotzdem wir gar nicht so viel miteinander sprachen. Eigentlich wollte Mutter schon gestern heim, doch hat Hansi angerufen, daß ihr so elend ist. Nun hatte ich Angst, sie sei von der momentanen Grippewelle erfaßt, Doch ist es nur vom Magen.

Montag war ich am Magistrat, wo man mir sagte, es habe in punkto GottglĂ€ubigkeit weder eine Anmeldung zu erfolgen, noch von Amts wegen eine Bescheinigung darĂŒber ausgestellt zu werden. Die Konfessionslosigkeit umfaßt drei Gruppen: gottlos, gottglĂ€ubig und die Angehörigen nicht anerkannter Sekten. Der Herr Oberlehrer war mit „sehr dankbar“, daß ich ihm diese Auskunft ĂŒberbrachte, weil er sich jetzt darnach richten kann.

Dienstag bin ich nach einigen Umwegen beim Finanzamt in der Porzellangasse gelandet. Dort gab man mir beiliegende zwei Scheine, aber erst, als man mich gefragt hatte, ob Du nicht vom GeschĂ€ft eine Kinderzulage bekommst. Die beiden Scheine sind von Dir eigenhĂ€ndig auszufĂŒllen und zu unterschreiben. Die ArbeitgeberbestĂ€tigung natĂŒrlich nur auszufĂŒllen und zwar fĂŒr 1938. Dann muß ich mit den Scheinen, den Geburtsscheinen der Kinder und dem kleinen Ariernachweis, sowie Deinem Heimatschein und einer BestĂ€tigung von Roberts Schule wieder hinkommen.

Ich muß also noch 2 oder 3 Dokumente besorgen. Wie sich die Sache meines Vaters wegen regelt, weiß ich auch nicht.

Da ich Deinen Heimatschein nicht finde, nehme ich an, Du hast ihn bei Dir. Bitte schicke ihn und die beiden ausgefĂŒllten Scheine zurĂŒck zu mir. Ich werde dann durch Mautzi die GeschĂ€ftssache erledigen lassen und mit Deinem alten Heimatschein versuchen, einen neuen giltigen zu bekommen.

Nun, Schatz, wie geht’s Dir in Berlin? Hast Du sehr viel zu tun?

Robert fĂ€hrt des schlechten Wetters wegen nicht nach Lilienfeld, er wird sich aber noch â€žĂŒberlegen“, ob er in’s Theater geht.

Fredy kommt eben vom Dienst. In dieser Woche schon das vierte Mal. Heute mußten sie bei der N. S. V. helfen.

Mitzi Schröfl war vorgestern da. Sie jammert riesig ĂŒber die Kosten von Rudolfs Krankheit.

Sonst gibt es eigentlich nichts Neues. Robert hatte heute Mathematikschularbeit und morgen Deutschschularbeit. Letztere ĂŒber den Vierjahresplan, nachdem sie gestern die Ausstellung besucht haben.

Nun, Lieb, es ist 10 Uhr und morgen gibt’s GroßwĂ€sche. Also schlaf gut, ich tue dasselbe. Wenn Stör noch dort ist, grĂŒĂŸe ihn recht herzlich. Desgleichen Schröfls und Frieda, Frau Hornstein und Dr. Görner. Mehr Leute kenne ich wohl nicht dort.

Dich umarmt und kĂŒĂŸt innig

Deine Grete

Berlin, den 23.1.39

Mein Liebes!

Jetzt ist aber doch schon höchste Zeit, daß ich schreibe. Ich habe die vorige Woche noch die Zeit genĂŒtzt, da Stör hier war. Mit Görners waren wir zusammen in der Skala, Fritz wird ja so einmal zu Dir kommen und Dir erzĂ€hlen. Einmal waren wir bummeln, so daß es oft bis nach 12 Uhr war, als wir nach Hause kamen. Als Fritz Samstag nach Hause fuhr, dachte ich, nun ist’s aber Schluß mit dem spĂ€ten Nachhausekommen, doch wurde es gestern wieder 1 Uhr. Ich war seit vormittag bei Leo, wir gingen dann in ein Restaurant speisen, danach spazieren und abends in Bengt Berg’s Film „Sehnsucht nach Afrika“. Bengt Berg hatte vor dem Film eine kurze wunderschöne Ansprache gehalten, ebenso war der Film. Sollte er in der Zeit meiner Abwesenheit in Wien gegeben werden, so seht ihn Euch alle an. Danach mußte ich noch zu Leo, Frl. Greiner war natĂŒrlich dabei, wir spielten noch ein WĂŒrfelspiel und auf einmal war es fast 1 Uhr.

Heute dafĂŒr lege ich mich brav um 9 Uhr ins Bett. Morgen abends gehe ich wieder mit Schröfls ins „Kleine Haus“ in das Lustspiel „Bridgekönig“, in welchem Heinz RĂŒhmann persönlich mitspielt. Du siehst, ich lasse es mir hier recht gut gehen, und nur das eine ist immer fĂŒr mich bitter, daß Du Liebes nicht auch alles mitmachen kannst. Dann wĂ€re es doppelt schön!

Und nun zu den zwei Scheinen, die ich soweit wie möglich ausgefĂŒllt habe. Die erhaltenen Gelder mußt Du selbst einsetzen, nachdem Du Dir von der Firma die BestĂ€tigung auf dem einen Schein hast geben lassen. Denn neben der Gehaltssumme mĂŒĂŸten ja auch die DiĂ€ten, die ich fĂŒr die Bestreitung der Dienstauslagen bekommen habe, eingetragen sein. Davon kannst Du 10 % als erspart annehmen. Von der Gehaltssumme sind dann noch die vorgeschriebenen 9 % abzuziehen.

Meinen Heimatschein habe ich nicht bei mir, wenn der alte daheim ist, ist es schon richtig, denn ich habe mir einen neuen noch nicht besorgt.

Hier ist Kaffeemangel. Bitte schicke mir œ kg Bohnenkaffee, aber schreibe es nicht darauf. Eventuell in einer Schachtel. Wir werden sehen, wie das funktioniert.

Ein Mikroskop habe ich uns heute gekauft, mit 60, 120, 240facher VergrĂ¶ĂŸerung. Sehr schön!

Von Schröfls, Frieda und Dr. Görner soll ich Dir viele GrĂŒĂŸe senden, auch von Frl. Greiner. Hier herrscht noch dasselbe VerhĂ€ltnis und ich glaube, Heidchen leidet sehr darunter. Ob ich einmal mit Leo darĂŒber reden soll? Wie denkst Du darĂŒber?

Leo geht es besser, gestern hat er ziemlich viel gehustet.

Nun Liebes, kĂŒsse ich Dich und die Kinder und Dich umarme ich im Geiste noch innigst.

Dein Robert

Wien, 27.1.1939

Mein lieber Mann!

SpĂ€t aber doch kam Dein Brief. Nun, ich danke Dir dafĂŒr. Es freut mich auch, daß Du Dir’s so gut gehen lĂ€ĂŸt. Wenn Bengt Bergs Film im Feber gespielt werden sollte, können wir ihn uns ansehen. Vorher ist’s nicht möglich. Na, bis jetzt sah ich noch keine AnkĂŒndigung. Also brauch’ ich mir den Kopf nicht zerbrechen.

Könnte ich auch nicht, weil mir seit gestern nachts sehr elend ist. Ich glaube aber nicht, daß es eine Grippe wird, sondern nur wieder eine Magengeschichte. Wenn ich einige Tage nichts esse, wird’s schon wieder gut.

Robert hatte in der Vorwoche Grippe, hat aber von uns niemand angesteckt. Im allgemeinen ist die Seuche in Wien sehr bös. Schmied erzĂ€hlte, daß bei „Eterna“ 83 % der Leute fehlen.

Lowaks liegen seit 14 Tagen. Frau Wenty hatte Grippe. Er hat sich durch Schnaps immun gemacht. Bei Wazuliks sind er und die Kinder krank. Die Lehrpersonen in allen Schulen unserer Kinder fahlen nacheinander. Robert ist gestern schon um 10 Uhr nach Hause gekommen. Es ist nur gut, daß nicht alle gleichzeitig erkranken, sonst mĂŒĂŸten sie die Schulen ĂŒberhaupt sperren. Werner erzĂ€hlte mir gestern, in der 4. MĂ€dchenklasse sind nur 4 Kinder anwesend. Also sei froh, daß Du nicht hier bist.

Daß es Leo wieder besser geht, freut mich. Aber wegen der VerhĂ€ltnisse dort glaube ich nicht, daß Du mit Leo reden sollst. Wenigstens dann nicht, wenn Du findest, daß er ein Schröfl ist. Schröfls sind im Durchschnitt herzensgute Menschen, machen aber sich und anderen das Leben schwer durch ihre Überempfindlichkeit.

Ist er also ein Schröfl, wĂŒrde er Heidchen Deine Einmischung entgelten lassen, da er annehmen wĂŒrde, daß Du durch ihre Reden dazu veranlaßt wurdest.

Außerdem ist an dem VerhĂ€ltnis Greiner-Schröfl kaum etwas zu Ă€ndern, wenn Leo sich nicht eine andere Position schaffen kann. Letzteres verhindert aber wahrscheinlich seine Krankheit.

Daß Heidchen aber unter der ganzen Sache leidet, kann ich ihr gut nachfĂŒhlen. Es ist da wohl, ich möchte sagen, eine gewisse geistige Eifersucht im Spiel. Wenn man, wie wohl jede Frau, dem Mann alles sein möchte und er dann ganz unter dem Einfluß eines Dritten steht, ist das sehr schwer. Aber trotzdem glaube ich, daß die beiden das allein ausmachen mĂŒssen.

Stör sah ich bis jetzt noch nicht.

Vorgestern war ich bei dem BegrĂ€bnis von Richard Rudrichs Schwiegermutter. Lassen Dich herzlich grĂŒĂŸen. Richard traf ich auch dort. Sonst niemand von Deiner Familie.

Unsere Trude hat wieder eine Gehaltserhöhung von 20 RM. Hat also schon 190 RM.

Wann kommst Du nun eigentlich heim? Werner wartet schon sehr auf seine Farbstifte, bitte vergiß nicht darauf. Fredy ist schon neugierig auf das Mikroskop. Und ich - sehne mich nach meinem Liebsten!

„Sommernachtstraum“ war wunderschön und sehr lustig. Wir saßen im 1. Parkett, Reihe 4, vom Mittelgang die ersten 2 Sitze. Fredy hat gezogen. Robert ist leider im Bett gelegen. Er hĂ€tte auch Samstag von der H. J. gehen können.

Gestern war wieder großer Appell. Die Buben sind erst um Âœ 12 Uhr nach Hause gekommen. Fredy war FahnentrĂ€ger und Robert mußte dem Stellvertreter Schirachs Meldung erstatten.

Kaffee werde ich schicken. Allerdings werden wir den Feber mit einem Defizit beginnen, trotzdem ich noch 10 RM an die Kasse rĂŒckerstattet habe. (Ist aber nicht nur der Kaffee schuld.)

Auf ein baldiges Wiedersehen! GrĂŒĂŸe alle Bekannten und Verwandten!

Dich kĂŒĂŸt innig

Deine Gretel

Sofia, den 25.6.39

Liebe Mutter!

Diesmal geht es mit dem Schreiben sehr schlecht. Abends ist meist so ein Wirbel, daß man nicht schreiben kann, jetzt ist nach dem Essen, Sonntag, ein wenig Ruhe. Die Kinder sind ausgegangen, Fredy liest im Zimmer ein Buch und wird dann auch schreiben.

Die Fahrt ist gut vorbeigegangen, in Budapest konnten wir am Kai spazieren gehen, in Belgrad aber regnete es so stark, daß wir auf dem Bahnhof bleiben mußten. In der Nacht hatten wir einen alten spuckenden Serben bei uns, bis Nisch. Ab da konnten wir schlafen, doch erst nach der Durchfahrt durch’s Gebirge. Am Bahnhof war bei der Ankunft in Sofia die ganze Familie Gatschaloff mit Zuka und Lilli versammelt. Mit einen ahhh-Schrei von Weska wurden wir bei der Einfahrt des Zuges empfangen und dann von allen herzlichst begrĂŒĂŸt. Mit einem Taxi fuhren wir dann, alle 9 Personen, nach Hause. Swetanka und Zuka waren damals noch beide hier, am Dienstag fuhr Swetanka nach Hause. Zuka bleibt noch bis 1. oder 2. Juli hier, dann ziehen Fredy und ich in unser Zimmer. Bis dahin sind wir im Zimmer der Eltern.

Heute machten wir einen kleinen Ausflug nach Krasna Selo, auf Gutty. Wir wollten eigentlich am Wilosch, doch konnte Katja heute nicht, weil sie lernen muß. Sie hat am Dienstag PrĂŒfung in Mathematik. Dann ist sie ganz frei. Auch gut fĂŒr Fredy.

Die Arbeit geht hier gut. ÜbernĂ€chste Woche fahre ich nach Russe. Jetzt muß ich noch fĂŒr Fredy Platz lassen.

Viele Busserln

Vater

Liebe Mutter!

Hier ist es sehr schön und heiß. Heute war die Krönung des Bischofs von Sliven. Wir waren heute in vielen Kirchen. Eben war ein TanzbĂ€r hier. Vater hat ihn aufgenommen. Ich war schon zweimal im Kino. Freitag sah ich den Olympiadefilm. Die nĂ€chste Woche gehen wir in das Theater. Wahrscheinlich zu Aida. Hier gibt es sehr viel Obst. Donnerstag waren wir bei einem Monteur von der Nationalbank eingeladen zum Ananasessen. Sonst geht es sehr gut.

Viele Busserln

Fredy

Sofia, den 2.7.1939

Mein Liebes!

Wieder ein heißer Sonntag. Alles hĂ€lt Mittagsschlaf. Katja in meinem, Herr Gatschaloff in Deinem Bett. Ich bin noch nicht nach Russe gefahren, wahrscheinlich erst Dienstag oder Mittwoch. Bleibe dann voraussichtlich bis Sonntag in Russe und komme am Samstag den 15. Juli nach Wien. Wenn nichts dazwischen kommt. Schreibe mir bitte Dein Programm, damit ich weiß, wo Du bist. Solltest Du in Kritzendorf sein, so bleib draußen, ich werde dann entweder in Wien bleiben, oder nur meinen Koffer nach Hause bringen und dann hinauskommen.

An Lina habe ich geschrieben und Bilder von den 3 Buben beigelegt. Bin schon sehr neugierig, wie sich Lina und Werner vertragen. Ich glaube gut.

Auch an die Firma schrieb ich und ließ Dir das Gehalt anweisen.

Nun bin ich zu Deinem Geburtstag wieder einmal nicht daheim und hoffe, daß Du ihn gut verbringst, mein Schatz! Die Busserln gebe ich Dir spĂ€ter, bis ich wieder bei Dir bin. Ich werde voraussichtlich die Woche nach dem 15. Juli nach Berlin fahren, aber nur 2 bis 3 Tage dort bleiben. Wenn bei Störs bis nach meiner RĂŒckkunft alles erledigt wĂ€re, könnten wir dann unsere Urlaubsfahrt antreten. Na, wir werden ja sehen.

Fredy und Katja haben sich hier ziemlich gut befreundet, d.h. sie hetzen und necken sich den ganzen Tag. Beide sollen eine Woche nach Kostinetz Banja zu einer Tante, dann will Herr G. mit Katja und Fredy eine Rundfahrt nach Burgas, Sliven, Plovdiv u.s.w. machen. Frau G. muß heuer daheimbleiben, da ihr Zustand, d.h. ihr Herz nicht sehr gut ist. Ivantscha fĂ€hrt nach Nova Zagora und Sliven. Fredy ist trotz seinem nicht Bulgarisch sprechen sehr beliebt hier.

Mit Eurem Plan wegen des Geldes fĂŒr den 1. Monat bin ich einverstanden, nur muß Robert dieses auch zurĂŒckgeben. Morgen kaufen wir die Stoffe, Fredy weiß schon Bescheid ĂŒber Roberts Geschmack. Wenn es mir ausgeht, möchte ich auch fĂŒr Fredy einen Anzug machen lassen, doch weiß ich nicht, wie’s geht.

In Russe werde ich bei Mara wohnen, ich habe schon dorthin geschrieben.

Ich freue mich schon sehr auf die nÀchste Zeit und die paar Wochen Alleinsein mit Dir, mein Liebes!

Fredy wird Dir gesondert schreiben.

Wenn ich dann von Russe zurĂŒckkomme, werde ich wohl schon Antwort von Dir haben.

Mein Schatz, ich kĂŒsse Dich innigst

Robert


[up] [CV] [Holydays] [1920] [1921] [1923] [1925] [1926] [1928] [1929] [1930] [1931] [1932] [1934] [1935] [1936] [1937] [1938] [1939] [1940] [1941] [1942]




We appreciate your comments, please send them to Paul Schröfl (pauli schroefl.com). The usage of this Web Site underlies our usage policy. © 1990- 2019 Paul Schröfl, Lisl Schröfl. Last changes made on january 25th, 2012